Krisenkommunikation (Öffentlichkeitsarbeit)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Wechseln zu: Navigation, Suche

Krisenkommunikation oder Krisen-PR (von engl. Public Relations) bezeichnet die Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen, Behörden und anderen Organisationen in Krisen-Situationen.

Inhaltsverzeichnis

[Bearbeiten] Krisenkommunikation von Unternehmen

Anlässe für Krisenkommunikation in der Wirtschaft sind beispielsweise Störfälle in Kraftwerken oder in der Chemischen Industrie oder Lebensmittelskandale. Es werden interne und externe Krisen unterschieden. Typische Beispiele sind:

Unternehmensintern
Extern
  • Angriffe enttäuschter Ex-Mitarbeiter
  • Rufmord durch Wettbewerber
  • Indirekter Einfluss auf das Bild der Öffentlichkeit des Unternehmens durch das Fehlverhalten anderer Unternehmen der gleichen Branche.
  • Produkterpressung

[Bearbeiten] Krisenkommunikation des Staates und seiner Organe

Im Bereich der öffentlichen Verwaltung gewinnt die Krisenkommunikation vor allem bei der von Gebietskörperschaften getrennten nichtpolizeilichen Gefahrenabwehr eine zunehmende Bedeutung. Im weiteren Sinne sind auch militärische Krisen Gegenstand der (politischen) Krisenkommunikation.

[Bearbeiten] Dynamik

Es ist eine Zunahme der Aktivitäten auf dem Bereich der Krisenkommunikation (Ausbau von Pressestellen um entsprechend qualifizierte Mitarbeiter, Medientraining für Manager und Sprecher und Beauftragung von spezialisierten Beratungsagenturen) festzustellen. Eine kritische Verbraucher-Öffentlichkeit[1], kampagnenfähigere und besser mit Journalisten vernetzte Nichtregierungsorganisationen (Verbraucher-, Tierschutz, Gewerkschaften, Produkttester), eine tendenzielle Skandalisierung der Medien-Berichterstattung und so genannter Kampagnenjournalismus (Zeitungskrise, Verkleinerung von Redaktionen, Auflagenrückgänge usw.)[2] sowie die steigende Individualisierung der öffentlichen Kommunikation (Web 2.0) sind dabei treibende Kräfte.

[Bearbeiten] Krisenprävention und Kommunikation während der Krise

Im Rahmen der Krisenprävention werden vom Unternehmen Schwachstellen identifiziert, Sprachregelungen und Kontaktlisten erarbeitet, Krisenstäbe für den Ernstfall vorbereitet und regelmäßiger Informationsaustausch mit von brachenrelevanten Akteuren (Politikern, Verwaltung, NGOs…) [3] sowie eine kontinuierliche und offene Presse- und Öffentlichkeitsarbeit geübt. [4].

In einer Krisensituation entwickeln sich durch die zunehmende öffentliche Aufmerksamkeit und den zunächst herrschenden Mangeln an validen Informationen rasch zusätzliche Gerüchte, Spekulationen, Behauptungen und Beschuldigungen, in solchen Situationen ist eine schnelle Information der Öffentlichkeit wichtig[5].

Im Krisenfall kommt es in der Kommunikation zu einem Interessenkonflikt zwischen Unternehmen und Öffentlichkeit, mit Methoden der Krisenkommunikation soll im Falle einer Krise der Imageschaden für das Unternehmen begrenzt und vertrauen in das Unternehmen erhalten werden.

Zum Teil wird versucht, in Krisenhandbüchern allgemeine Handlungsanweisungen für Unternehmenskrisen zu formulieren. Zimmermann und Engel warnen in diesem Zusammenhang in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vor Patentrezepten[6]. Ebenso soll nach ihnen bestimmtes Fehlverhalten vermieden werden:

  • Leugnen/Umdeuten von Fakten
  • Verantwortung ablehnen
  • Folgen relativieren
  • Kritik abwehren
  • Arroganz, Ignoranz, mangelnde Betroffenheit

[Bearbeiten] Literatur

  • Tobias Nolting/Ansgar Thießen (Hrsg.): Krisenmanagement in der Mediengesellschaft. Potenziale und Perspektiven in der Krisenkommunikation. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2008, ISBN 978-3-531-15384-1
  • Arnd Joachim Garth: Krisenmanagement und Kommunikation, Gabler Verlag Wiesbaden 2008, ISBN 978-3-8349-0948-0
  • Frank Roselieb/Marion Dreher (Hrsg.): Krisenmanagement in der Praxis: Von erfahrenen Krisemanagern lernen, Erich Schmidt Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-503-10090-3
  • Hartwin Möhrle (Hrsg.): Krisen-PR – Krisen erkennen, meistern und vorbeugen, Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-89981-135-3
  • Tanja Köhler: Krisen-PR im Internet. Nutzungsmöglichkeiten, Einflussfaktoren und Problemfelder. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften 2006, ISBN 3-531-14898-2
  • Frank Wilmes: Krisen-PR – Alles eine Frage der Taktik., Göttingen : BusinessVillage 2006 ISBN 978-3-938358-30-6
  • Peter Wolff: Internet-Monitoring – So schützen Sie Image und Marke gegen Internetattacken, Expert-Verlag 2005, ISBN 978-3-8169-2291-9
  • Frank Roselieb (Hrsg.): Die Krise managen, Frankfurter Allgemeine Buch, Frankfurt am Main 2002, ISBN 3-934191-71-1
  • Ralf Laumer/Jürgen Pütz (Hrsg.): Krisen-PR in der Praxis. Wie Kommunikations-Profis mit Krisen umgehen. Münster: Daedalus Verlag 2006, ISBN 978-3891262405
  • Florian Ditges/Peter Höbel/Thorsten Hofmann (Hrsg.): Krisenkommunikation. Konstanz: UVK 2008, ISBN 978-3896695086

[Bearbeiten] Weblinks

[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. „Kunden sanktionieren Fehlverhalten“. In: Handelsblatt vom 26. September 2007 (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/strategie/kunden-sanktionieren-fehlverhalten;1328592)
  2. Vgl. Steffen Burkhardt: Medienskandale. Zur moralischen Sprengkraft öffentlicher Diskurse. Köln: Herbert von Halem Verlag 2006
  3. vgl. „Krisen-PR in der Praxis“ (bei Literaturangaben)
  4. „Die Krise als Chance“. In: Lebensmittel-Zeitung vom 22. September 2006 & „Die Geheimniskrämer“. In: Handelsblatt vom 17. September 2008 (http://www.handelsblatt.com/unternehmen/mittelstand_aktuell/die-geheimniskraemer;2040438)
  5. vgl. „Krisen-PR in der Praxis“ (bei Literaturangaben)
  6. „Wer erst im Handbuch nachschauen muss, hat in der Krise schon verloren“. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25. Oktober 2004
Persönliche Werkzeuge
Buch erstellen