Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

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Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe
– BBK –
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Staatliche Ebene Bund
Stellung Bundesoberbehörde
Aufsichtsbehörde Bundesministerium des Innern
Gründung 1. Mai 2004
Hauptsitz Bonn
Behördenleitung Christoph Unger, Präsident[1]
Website www.bbk.bund.de

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) ist eine Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern und das zentrale Organisationselement für die zivile Sicherheit. Es wurde am 1. Mai 2004 errichtet.

Präsident ist seit September 2004 Christoph Unger, Vizepräsident ist seit Juli 2009 Ralph Tiesler. Sein Dienstsitz befindet sich seit Juli 2006 in Bonn-Lengsdorf (davor im Stadtbezirk Bad Godesberg).

Aufgaben[Bearbeiten]

Das Gesetz über die Errichtung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBKG) definiert die Aufgaben des BBK:

Das Bundesamt nimmt Aufgaben des Bundes auf den Gebieten des Bevölkerungsschutzes und der Katastrophenhilfe wahr, die ihm durch das Zivilschutzgesetz oder andere Bundesgesetze oder auf Grund dieser Gesetze übertragen werden […].[2]

Nach § 1 Abs. 2 Zivilschutz- und Katastrophenhilfegesetz (ZSKG) gehören zum Zivilschutz folgende Aufgaben:

Diese Aufgaben werden in vier Abteilungen wahrgenommen.

Abteilungen[Bearbeiten]

Abteilung 1 – Krisenmanagement[Bearbeiten]

Für die Koordinierung der Katastrophenhilfe (Krisenmanagement) wurde in der Abteilung 1 das GMLZ (Gemeinsames Melde- und Lagezentrum) eingerichtet und das Deutsche Notfallvorsorge-Informationssystem (deNIS) entwickelt. Auch die Betreibung und Weiterentwicklung des Satellitengestützten Warnsystems (SatWaS) ist eine Aufgabe der Abteilung 1. Das SatWaS bietet über den Rundfunk die Möglichkeit, nicht nur Gefahren anzukündigen, sondern auch Verhaltensregeln an die Bevölkerung weiterzugeben. Die neuen Systeme machen es möglich, in Sekundenschnelle Warnmeldungen und Gefahrendurchsagen mit höchster Priorität über Satellit an die angeschlossenen Medien weiterzugeben. Neben allen öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten wurden und werden weitere private Rundfunkbetreiber, Internetportalbetreiber, große Presseagenturen in dieses System einbezogen.

Ebenfalls im BBK angesiedelt ist die Koordinierungsstelle zur Nachsorge, Opfer- und Angehörigenhilfe (NOAH) der Bundesregierung.

Abteilung 2 – Notfallvorsorge, Kritische Infrastrukturen[Bearbeiten]

Die Abteilung erfüllt hierbei neben der Bearbeitung von Rechtsfragen folgende Aufgaben im Rahmen der Notfallvorsorge:

  • Weiterentwicklung der nichtpolizeilichen, nichtmilitärischen Gefahrenabwehr zu einer jederzeit bedrohungsgerechten Gesamtkonzeption,
  • Erarbeitung und Aktualisierung makroskopischer Risikoanalysen,
  • Erstellen von konkreten Gefährdungskatastern für Regionen oder Ballungsräume (Bevölkerungs- und/oder Risikoagglomerationen),
  • Durchführung von Krisenabwehrplanungen in enger Zusammenarbeit mit Bundes- und Länderbehörden einschließlich Neufassung bzw. Erweiterung der Zivilen Alarmplanung (ZAP),
  • Entwicklung von Konzepten zur dauerhaften Sicherung und Förderung des Ehrenamtes,
  • Entwicklung von zukunftssicheren Kooperationsmodellen zwischen Bund, Feuerwehren und Hilfsorganisationen,
  • Zivil-Militärische Zusammenarbeit (ZMZ/CIMIC) sowie
  • Förderung und weiterer Ausbau der fachlichen Netzwerke im Bevölkerungsschutz.

Das zweite zentrale Thema der Abteilung 2 sind die Kritischen Infrastrukturen.

Unter kritischen Infrastrukturen im Sinne des Bevölkerungsschutzes sind primär Energieversorgung, Verkehrsinfrastruktur, Trinkwasser- und Nahrungsmittelversorgung, Gesundheitsinfrastruktur, Sicherheitsinfrastrukturen der Behörden und Organisationen, Entsorgungsinfrastruktur und Kommunikationsinfrastrukturen zu verstehen, somit ergeben sich für die Abteilung 2 folgende Tätigkeitsfelder:

  • Sicherstellung einer engen fachlichen Vernetzung aller am Schutz kritischer Infrastrukturen beteiligten öffentlichen und privaten Stellen,
  • Erarbeitung von kurz-, mittel- und langfristigen Risikoanalysen für kritische Infrastrukturen,
  • Entwicklung von konkreten Gefährdungskatastern aus den Risikoanalysen,
  • Erarbeitung von Krisen- und Gefahrenabwehrplänen für (Versorgungs-) Infrastruktur,
  • Beratung staatlicher, sonstiger öffentlicher und privater Stellen hinsichtlich der Vorsorge- und Abwehrplanung zum Schutz kritischer Infrastrukturen.

Abteilung 3 – Forschung und Technik, Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz[Bearbeiten]

Aufgaben der Abteilung 3 sind u. a.:

  • Ermittlung des Forschungsbedarfs und Erarbeitung von Rahmenplänen,
  • organisatorische Betreuung der Schutzkommission beim Bundesministerium des Innern,
  • ABC-Schutz / -Vorsorge auf wissenschaftlichtechnischem und medizinischem Gebiet,
  • Konzipierung und Beschaffung der ergänzenden zivilschutzbezogenen Ausstattung für die Bundesländer („Task-Force-Modell“)[3],
  • wissenschaftliche und technische Beratung und
  • Wissensmanagement unter Einbeziehung der Methoden des e-Governments in der Fachinformationsstelle Zivil- und Katastrophenschutz (FIS).

Fachinformationsstelle[Bearbeiten]

Die Fachinformationsstelle Zivil- und Katastrophenschutz (FIS) bietet allen haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitern im integrierten Hilfeleistungssystem die Ausleihe von Fachliteratur und Kopien aus Fachzeitschriften an. Sie sammelt, erschließt und vermittelt Fachliteratur zu allen Themen des Zivil- und Katastrophenschutzes.

Sie unterstützt den Bevölkerungsschutz bei Bund, Ländern, Gemeinden und Hilfsorganisationen mit moderner Informationsvermittlung und bietet ihren Kunden durch die Aufbereitung und Strukturierung von Wissen einen Mehrwert für die tägliche Arbeit. Als Vermittler von Daten, Fakten und Informationen zu Fragen des Bevölkerungsschutzes erschöpft sich der Service der FIS nicht nur in der Ausleihe von Büchern. Im Internet kann jeder Interessent in der deutschen Literaturdatenbank für Zivil- und Katastrophenschutz online recherchieren. Derzeit sind ca. 39.000 Dokumente in der Datenbank enthalten. Die FIS verfügt insgesamt über einen Bestand von rund 53.000 deutsch- und englischsprachigen Medien (Bücher, Aufsätze, Videofilme, DVD und CD-ROM). Die FIS besteht aus Bibliothek und Dokumentation.

Abteilung 4 – Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz[Bearbeiten]

Zum BBK gehört die Akademie für Krisenmanagement, Notfallplanung und Zivilschutz (AKNZ) in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Diese Institution ist die zentrale Aus- und Fortbildungseinrichtung im Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Aufgaben der AKNZ sind:

  • Aus- und Fortbildung des mit Fragen der Zivilen Sicherheitsvorsorge befassten Personals und der Führungs- und Lehrkräfte des Katastrophenschutzes,
  • Durchführung und Auswertung von Übungen,
  • Auswertung von Großschadenslagen im In- und Ausland,
  • Auswertung nationaler und internationaler Analysen, Publikationen und Dokumentationen,
  • wissenschaftliche Betreuung von Forschungsvorhaben sowie deren Auswertung und Umsetzung,
  • Durchführung von Studien und Untersuchungen,
  • Durchführung von Seminaren, Übungen und sonstigen Veranstaltungen zur zivil-militärischen Zusammenarbeit sowie
  • Mitwirkung an den konzeptionellen Arbeiten der fachlich zuständigen obersten Bundesbehörden, Mitarbeit in Bund-Länder-Ausschüssen und in EU-Gremien.

Das BBK gibt vierteljährlich die Zeitschrift Bevölkerungsschutz heraus.[4]

Geschichte der Zivilschutzbehörden[Bearbeiten]

  • 1952 wurde die Unterabteilung Ziviler Luftschutz im Bundesinnenministerium eingerichtet.
  • 1955 wurde die Unterabteilung in die Bundesanstalt für zivilen Luftschutz überführt.
  • 1957 wurde diese Anstalt der Bundesdienststelle für zivilen Bevölkerungsschutz unterstellt.
  • 1958 wurde aus dieser Dienststelle das Bundesamt für zivilen Bevölkerungsschutz.
  • 1974 wurde es in Bundesamt für Zivilschutz (BZS) umbenannt.
  • 2001 wurden die Aufgaben des BZS durch das Haushaltssanierungsgesetz von 1999 dem Bundesverwaltungsamt (BVA) übertragen. Das BZS wurde in das BVA übergeleitet und hat dort die Aufgaben des Zivil- und Katastrophenschutzes als Zentralstelle für Zivilschutz wahrgenommen.
  • Am 1. Mai 2004 wurde das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe errichtet. Hintergrund waren zum einen die Ereignisse des 11. September 2001 und zum anderen die organisatorischen Differenzen zwischen Bund und Ländern bei der Bekämpfung des Elbhochwassers 2002.

Aktuelles[Bearbeiten]

In den Jahren 2006/07 zeichnet das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hauptverantwortlich für die Einführung der Medizinischen Task Forces im Rahmen der „Neuen Konzeption im Bevölkerungsschutz“. In dieser neuen Konzeption wurde, abgestimmt mit den Bundesländern, ein neues, auf Spezialgefahren wie ABC-Schutz und MANV ausgerichtetes Ausstattungskonzept, im Rahmen der ergänzenden, zivilschutzbezogenen Ausstattung, die der Bund den Ländern zur Verfügung stellt, erarbeitet.[5]

Seit dem Jahr 2006 ist das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe als Kooperationspartner an dem weiterbildenden Masterstudiengang Katastrophenvorsorge – Katastrophenmanagement (KaVoMa) beteiligt. Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn zielt mit dem Studiengang auf einen ganzheitlich ausgerichteten akademischen Qualifizierungsbeitrag auf dem Gebiet der Katastrophenvorsorge und des Katastrophenmanagements.[6][7][8]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Website des BBK. Abgerufen am 24. August 2012.
  2. Gesetz über die Errichtung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBKG) (PDF, 63 KB).
  3. Ergänzende Ausstattung des Bundes für den Katastrophenschutz. Website des BBK. Abgerufen am 24. August 2012.
  4. Bevölkerungsschutz - Magazin. Website des BBK. Abgerufen am 24. August 2012.
  5. Die Medizinische Task Force des Bundes (MTF) (PDF, 449 KB).
  6. Masterstudiengang Katastrophenvorsorge & Katastrophenmanagement. Website des Studiengangs KaVoMa. Abgerufen am 24. August 2012.
  7. Kerstin Reisdorf: „Vorbeugen ist besser als heilen“ – Alte Volksweisheit und neuer Studiengang machen Katastrophenmanagement in Deutschland zukunftsfähig. In: Bevölkerungsschutz. Nr. 3/2009. Bonn 2009, S. 22–25 (Online).
  8. Faltblatt Weiterbildungsstudiengang Katastrophenvorsorge – Katastrophenmanagement (PDF, 386 KB).

50.714957.06855Koordinaten: 50° 42′ 53,8″ N, 7° 4′ 6,8″ O