Krokodil (Zeitschrift)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Krokodil (russisch Крокодил) war ein russisches Satiremagazin. Es wurde erstmals am 4. Juni 1922 herausgegeben, anfangs vom Verlag Rabotschaja gazeta (Рабочая газета, Arbeiterzeitung). Ab 1932 erschien die Zeitschrift im Prawda-Verlag, dem Hauptverlag der KPdSU. Bis 1932 erschien Krokodil wöchentlich, danach drei Mal pro Monat. Es wurden Feuilletons, humoristische Erzählungen und Karikaturen publiziert.

In den 1920er Jahren existierten in der Sowjetunion neben Krokodil zahlreiche satirische Zeitschriften. Nach massiven politisch-ideologischen Angriffen auf "die bürgerliche Satire", die der Neuen Ökonomischen Politik (NEP) dienten, Zensurverboten und Verboten anderer Zeitschriften blieb ab 1930 Krokodil die einzige offiziell genehmigte satirische Zeitschrift, die in der ganzen Sowjetunion verbreitet wurde.[1] Welche Bedeutung die Satire für das sowjetische Regime hatte, wird deutlich, wenn man die Schicksale des offiziellen Krokodils und der vom Regime verfolgten literarischen Gruppe OBERIU, zu der Schriftsteller wie Daniil Charms, Alexander Wwedenski und Nikolaj Oleinikow gehörten, vergleicht.

Ab 1930 wurde Krokodil zum wichtigsten offiziellen Sprachrohr der Sowjetideologie auf allen Ebenen des gesellschaftspolitischen Lebens. „Die Satire“ des Krokodil beschränkte sich nicht auf kleine alltägliche Themen, sondern widerspiegelte die Schlüsselfragen und die zentralen Ereignisse der Innen- und Außenpolitik von Anschuldigungen gegen Leo Trotzki, gegen angebliche Spione und Volksfeinde in den 1930er Jahren bis hin zu Attacken gegen den westdeutschen Revanchismus, amerikanischen Imperialismus und seiner Satelliten, den Kolonialismus usw.

Bis zum Beginn der Perestrojka hatten die Krokodil-Publikationen einen äußerst aggressiven Charakter. Krokodil bediente die Politik des offiziellen Antisemitismus, darunter die Hetzjagd gegen Kosmopoliten: Zahlreiche abstoßende, erniedrigende, offen antisemitische Karikaturen und Kommentare des Krokodil begleiteten die Ärzteverschwörung und attackierten die Mörder in weißen Kitteln (siehe z. B.: Krokodil, 1953, Nr. 3). 1963 äußerte sich der prominente Filmregisseur Michail Romm mit höchstem Entsetzen zu einer beleidigenden Karikatur, die in Krokodil am 20. März 1949 veröffentlicht wurde und eine Gestalt mit offenbar semitischen Gesichtszügen darstellte, die ein Buch in der Hand hielt, auf dem die Aufschrift Zhid (жид, Dreckjude) zu erkennen war. Romm betonte: nicht André Gide [Андре Жид], sondern genau so: ‚Drecksjude‘ [жид].[2]

Im Jahr 2000 wurde die Zeitschrift aus finanziellen Gründen eingestellt. Auch verschiedene Wiederbelebungsversuche konnten an den Erfolg in der Sowjetzeit nicht anknüpfen.[3]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Krokodil – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. A. W. Bljum: Za kulisami „Ministerstva pravdy“. Tajnaja istorija sovetskoj cenzury (Hinter den Kulissen des „Wahrheitsministeriums“. Die Geheimgeschichte der sowjetischen Zensur), St. Peterburg 1994
  2. Benjamin Pinkus: The Soviet Government and the Jews. 1948-1967. A documented study. General Editor: Jonathan Frankel. Cambridge, 1984, p. 112-113
  3. Internetausgabe der Stimme Russlands