Kupferraffination

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Kupferscheibe nach dem Stranggussverfahren hergestellt, geätzt, Durchm. ca. 83 mm, Reinheit ≥ 99,95 %.

Kupferraffination bezeichnet ein technisches Verfahren zur Gewinnung und Reinigung von Kupfer.

Vorkommen[Bearbeiten]

Kupfer kommt in der Natur als gediegenes Metall vor, das vor allem in Nordamerika, Chile und Australien zu finden ist. Im gebundenen Zustand kommt es als Erz in Form von Sulfiden (z. B. Covellin und Buntkupferkies), Oxiden (z. B. Cuprit), Karbonaten (z. B. Malachit und Azurit), Chloriden und Arseniden vor. Besonders reiche Lager an Kupfererzen finden sich in den USA, in Kanada, Russland, Chile, im Kongogebiet und in Simbabwe.

Anreicherung[Bearbeiten]

Die Kupfererze besitzen einen relativ geringen Kupfergehalt, daher müssen sie durch Flotation (Schwimmaufbereitung) angereichert werden.[1] Dabei werden die zermahlenen Erze mit Wasser verrührt. Metallsulfide und Metalloxide stoßen Wasser ab, während die Gesteine der Gangart (Quarz, Silikate) leicht benetzt werden. Durch Zugabe verschiedener Chemikalien, genannt Schäumer und Sammler, werden die schweren Erzteilchen an die Wasseroberfläche transportiert und können abgeschöpft werden.

Garkupfer[Bearbeiten]

Garkupfer, antimon- und nickelhaltig

Das gereinigte Erz wird in mehreren Schritten in Röstöfen zuerst zu Kupferoxid oxidiert, das dann mit Kupfersulfid (aus dem Erz) zu unreinem „Garkupfer“ reduziert wird, welches einen Reinheitsgrad von etwa 98,5 % besitzt.

Für eine ganze Reihe von Produktionsbereichen, z. B. für die Elektroindustrie reicht jedoch die Reinheit von Garkupfer nicht aus, so dass eine weitere Aufbereitung erforderlich wird.

Elektrolytische Kupferraffination[Bearbeiten]

Copper Raffination.svg

Bei der elektrolytischen Kupferraffination hängt man Elektrodenplatten aus Garkupfer als Anoden in eine angesäuerte Kupfersulfatlösung. Als Kathoden dienen entweder Bleche aus Reinkupfer, oder Edelstahlbleche (Mt. Isa-Verfahren). Die Elektrolyse wird in großen Elektrolysierwannen, in denen einige hundert Elektroden in Parallelschaltung zusammengeschaltet sind, bei Spannungen von 0,2–0,3 Volt, durchgeführt.

Da der reagierende Stoff an beiden Elektroden Kupfer ist, ist theoretisch keine Zersetzungsspannung nötig. Jedoch steigt die Menge abgeschiedenen Kupfers proportional mit der Spannung. Andererseits führt eine zu hohe Spannung dazu, dass die edleren Metalle oxidiert werden und somit das Kupfer an der Kathode wieder verunreinigt wird.

Bei der Elektrolyse laufen folgende Prozesse ab: An der Anode erfolgt eine Oxidation des Kupfers und aller unedleren Metalle, so dass die Kupferionen (Cu2+) und unedleren Metallionen (wie z. B. Ni2+) in Lösung gehen. Verunreinigungen aus edleren Metallen, die ein deutlich größeres Normalpotential (E0) als Kupfer besitzen, werden zwar nicht oxidiert, fallen aber, da sich die Anode auflöst, als sogenannter Anodenschlamm zu Boden. An der Kathode werden diejenigen Kationen der Lösung reduziert (Cu2+), die das größte Bestreben dazu haben, d. h., die das größte Normalpotential (E0) besitzen. Das reine Kupfer scheidet sich an der Kathode ab, während alle unedleren Metallionen wie z. B. Nickel-, Arsen- und Antimon in Lösung bleiben.

Reaktionsgleichungen:

Anodische Oxidation:

\mathrm{Cu_{(unrein)} \longrightarrow Cu^{2+} + 2e^{-}}

Kathodische Reduktion:

\mathrm{Cu^{2+} + 2e^{-} \longrightarrow Cu_ {(rein)}}

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Der Anodenschlamm bildet ein wertvolles Nebenprodukt. Aus ihm werden in den Kupferhütten durch weitere Aufarbeitungen größere Mengen reines Silber, Gold, Palladium und Platin sowie aus Recyclingmaterial auch andere Edelmetalle gewonnen. Das sehr reine, metallische Kupfer ist sehr weich, aber sehr zäh, schmiedbar und dehnbar.

Gemessen am Marktpreis des raffinierten Metalls ist der Energieaufwand recht gering. Für die Herstellung einer Tonne Reinkupfer beträgt er etwa 250 kWh; die Energiekosten betragen circa ein Hundertstel des Gesamtpreises von 8000 US-Dollar pro Tonne Kupfer (Stand Anfang 2012).

Literatur[Bearbeiten]

  • Arnold F. Holleman, Nils Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 102. stark umgearbeitete und verbesserte Auflage. de Gruyter, Berlin u. a. 2007, ISBN 978-3-11-017770-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Wolfgang Bergmann: Werkstofftechnik, 456 Seiten, Verlag Carl Hanser Verlag GmbH & CO. KG, ISBN 3446225765.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kupferraffination – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Siehe auch[Bearbeiten]