Azurit

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Azurit
Azurite-266260.jpg
Azurit-Kristallstufe aus Touissit, Region Oriental, Marokko (Größe: 2,8 cm × 2,6 cm × 2,3 cm)
Andere Namen
  • Bergblau
  • Chessylith
  • Kupferblau
  • Kupferlasur
Chemische Formel

Cu3(CO3)2(OH)2

Mineralklasse Carbonate und Nitrate
5.BA.05 (8. Auflage: V/C.01) nach Strunz
16a.02.01.01 nach Dana
Kristallsystem monoklin
Kristallklasse; Symbol nach Hermann-Mauguin monoklin-prismatisch; 2/m[1]
Raumgruppe (Raumgruppen-Nr.) P21/c (Raumgruppen-Nr. 14)
Farbe tiefblau (Azur)
Strichfarbe blau bis hellblau
Mohshärte 3,5 bis 4
Dichte (g/cm3) 3,8
Glanz Glas- bis Fettglanz
Transparenz durchsichtig bis undurchsichtig
Spaltbarkeit gut bis vollkommen
Bruch muschelig
Habitus prismatische, stenglige und tafelige Kristalle; nierige bis pulverige Aggregate, Krusten
Kristalloptik
Brechungsindex nα = 1,730; nβ = 1,758; nγ = 1,838[2]
Doppelbrechung
(optischer Charakter)
δ = 0,108[2]; zweiachsig positiv
Optischer Achsenwinkel 2V = gemessen: 68°; berechnet: 64°
Pleochroismus deutlich hellblau-dunkelblau
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten leicht löslich in verd. Salzsäure unter CO2-Abgabe
Ähnliche Minerale Dumortierit, Malachit, Lapislazuli

Azurit, auch unter seiner bergmännischen Bezeichnung Bergblau, Kupferblau oder Kupferlasur bekannt, ist ein häufig vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“. Es kristallisiert im monoklinen Kristallsystem mit der chemischen Zusammensetzung Cu3(CO3)2(OH)2, ist also chemisch gesehen ein basisches Kupfercarbonat.

Azurit findet sich meist in Form kleiner, im Gestein eingebetteter Kristalle mit prismatischem, kurzsäuligem oder tafeligem Habitus, kommt aber auch in Form kugeliger, nieriger oder pulvriger Mineral-Aggregate sowie verwachsen mit Malachit vor. Das Mineral ist von charakteristischer, tiefblauer Farbe und seine Kristallflächen zeigen einen glas- bis fettähnlichen Glanz. Auf der Strichtafel hinterlässt Azurit einen blauen bis hellblauen Strich.

Mit einer Mohshärte von 3,5 bis 4 gehört Azurit zu den mittelharten, dass sich etwas leichter als das Referenzmineral Fluorit (4) mit einem Taschenmesser ritzen lässt.

Etymologie und Geschichte[Bearbeiten]

Strichfarbe von Azurit

Zur Etymologie des Mineralnamens siehe Hauptartikel Azurblau.

Azurit ist seit mehr als 4500 Jahren bekannt. Bereits die Ägypter des Alten Reiches ca. 2500 v. Chr. verwendeten das pulverisierte Mineral als Augenschminke (Khol bzw. Lidschatten) und für Wandmalereien. Auch in den Wandmalereien der Maya von Bonampak wurde Azurit nachgewiesen.[3] Bei den Griechen war das Mineral als ὰρμένιον und bei den Römern latinisiert als Armenium bzw. Armenischer Stein bekannt.[4]

Seinen bis heute gültigen Mineralnamen erhielt Azurit 1824 durch den französischen Mineralogen François Beudant in Anlehnung an dessen Farbe.

Das Synonym Chessylith entstand aufgrund des historischen Lieferortes Chessy im französischen Département Rhône.

Klassifikation[Bearbeiten]

In der mittlerweile veralteten, aber noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Azurit noch zur gemeinsamen Mineralklasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort zur Abteilung der „Wasserfreien Carbonate mit fremden Anionen“, wo er zusammen mit Rosasit die „Azurit-Rosasit-Reihe“ mit der System-Nr. V/C.01 und den weiteren Mitgliedern Aurichalcit, Brianyoungit, Chukanovit, Georgeit, Glaukosphärit, Hydrozinkit, Kolwezit, Loseyit, Malachit, McGuinnessit, Nullaginit, Pokrovskit, Sclarit und Zinkrosasit bildet.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Azurit in die verkleinerte Mineralklasse der „Carbonate und Nitrate“ ein (die Borate bilden hier eine eigene Klasse), dort allerdings ebenfalls in die Abteilung der „Carbonate mit weiteren Anionen, ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach den in der Verbindung vorherrschenden Metallen , so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit Cu, Co, Ni, Zn, Mg, Mn“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 5.BA.05 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Azurit wie die veraltete Strunz’sche Systematik in die gemeinsame Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Carbonate - Hydroxyl oder Halogen“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 16a.02.01 innerhalb der Unterabteilung „16a.02 Carbonate - Hydroxyl oder Halogen mit (AB)3+(XO3)2Zq“ zu finden.

Bildung und Fundorte[Bearbeiten]

Azurit mit deutlich sichtbarer Verwitterung nach Malachit (grün)
Pseudomorphose von Kupfer nach Azurit aus der Kupfergrube „Rose“, San Lorenzo, Grant County (New Mexico), USA (Größe: 3.4 cm × 2,7 cm × 2,3 cm)
Azurit-„Sonnen“ in Schluffstein aus der Kupfergrube Malbunka, Areyonga (260 km westlich von Alice Springs), Northern Territory, Australien
Ausgestellt im Melbourne Museum

Azurit ist ein Sekundärmineral, das in der Oxidationszone von sulfidischen Kupfer-Lagerstätten[5] durch chemische Verwitterung aus Chalkopyrit[6] und anderen Kupfersulfiden oder allgemein Kupfererzen entsteht. Durch Wasseraufnahme wandelt es sich zudem in den grünen Malachit um und ist deshalb oft mit ihm verwachsen zu finden. Bekannt sind auch Pseudomorphosen von Malachit nach Azurit sowie von Kupfer nach Azurit. Azurit ist oft auch ein Bestandteil von Kupferpecherz. Je nach Fundort kann Azurit in Paragenese mit verschiedenen Mineralen wie unter anderem Anglesit, Antlerit, Brochantit, Calcit, Chrysokoll, Cerussit, Cuprit (Rotkupfererz), Dolomit und Smithsonit (Galmei) auftreten.

Als häufige Mineralbildung ist Azurit an vielen Fundorten anzutreffen, wobei bisher (Stand 2014) rund 5000 Fundorte als bekannt gelten.[7] Im Altertum waren vor allem Armenien, Zypern und Andalusien in Spanien die Hauptlieferanten für Azurit. Bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts war Ungarn die wichtigste Azurit-Quelle Europas. Spätere Lieferquellen, bis etwa zum Ende des 19. Jahrhunderts, waren Chessy bei Lyon in Frankreich, Mechernich in der deutschen Vulkaneifel und die Gruben bei Alghero auf der italienischen Insel Sardinien.

In Deutschland wurde Azurit neben seinem historischen Fundort Mechernich, wo er durch Sedimentation in den dortigen Buntsandsteinen ausgefällt wurde,[5] unter anderem noch an vielen Stellen im Schwarzwald (Baden-Württemberg), im Thüringisch-Fränkischen Mittelgebirge, im Odenwald und Spessart (Hessen), im Harzgebirge (Niedersachsen bis Sachsen-Anhalt) und im Erzgebirge (Sachsen) gefunden.

Bekannt aufgrund außergewöhnlicher Azuritfunde ist unter anderem Tsumeb in Namibia, wo Kristalle von bis zu 20 Zentimeter Länge zutage traten. Bis zu 7 Zentimeter große Kristalle wurden in Touissit in Marokko entdeckt und die Kristalle in der historischen Fundstätte Chessy bei Lyon erreichten eine Länge von bis zu 5 Zentimetern. Kristallrosetten mit einem Durchmesser von bis zu 13 Zentimetern kennt man vor allem aus der Yang-Chweng-Mine in der chinesischen Provinz Guangdong.[8]

In Österreich kennt man das Mineral vor allem aus Kärnten (Friesach-Hüttenberg, Hohe Tauern, Karawanken), Niederösterreich (Industrieviertel, Waldviertel) und Salzburg (Hohe Tauern, Leogang), der Steiermark (Fischbacher Alpen, Niedere Tauern, Schladming) und Tirol (Inntal, Brixlegg-Schwaz, Kitzbüheler Alpen).

In der Schweiz fand man Azurit vor allem in den Kantonen Graubünden (Albulatal, Vorder- und Hinterrheintal) und Wallis (Binntal, Martigny, Val d'Anniviers).

Mit der Erfindung von „Preußischblau“ Anfang des 18. Jahrhunderts verlor das Mineral in Europa seine Bedeutung als Pigment.

Weitere Fundorte liegen unter anderem in Afghanistan, Argentinien, Australien, Bolivien, Brasilien, Bulgarien, Chile, China, Demokratische Republik Kongo (Zaire), Griechenland, Iran, Irland, Japan, Kasachstan, Kanada, Madagaskar, Marokko, Mexiko, Mongolei, Namibia, Norwegen, Peru, Philippinen, Polen, Portugal, Russland, Schweden, Schweiz, Serbien, Simbabwe, Slowakei, Südafrika, Tschechien, Türkei, Ungarn, im Vereinigten Königreich (UK) und den Vereinigten Staaten von Amerika (USA).[9]

Kristallstruktur[Bearbeiten]

Azurit kristallisiert monoklin in der Raumgruppe P21/c (Raumgruppen-Nr. 14) mit den Gitterparametern a = 5,00 Å; b = 5,85 Å; c = 10,35 Å und β = 92,3° sowie 2 Formeleinheiten pro Elementarzelle.[10]

Verwendung[Bearbeiten]

Azurit mit Malachit, angeschliffen und poliert
Hauptartikel: Azurblau

Azurit ist ein Kupfererz, das keine große wirtschaftliche Bedeutung hat. Allerdings lässt es sich als Schmuckstein und Farbpigment schon im alten Ägypten nachweisen. Wegen seiner edlen, tiefblauen Farbe und seines hohen Preises fand Azurit besonders in kunstvoll ausgemalten mittelalterlichen Handschriften Verwendung.

Manipulationen und Imitationen[Bearbeiten]

Da Azurit für die kommerzielle Nutzung als Schmuckstein zu weich und empfindlich (porös, gute Spaltbarkeit) ist, wird er oft mit Kunststoff stabilisiert, was nebenbei auch den Glanz erhöht. Auch Rekonstruktionen aus Azurit- und Malachitstaub (Verarbeitungsreste), vor allem um die Verwachsung Azurit-Malachit nachzuahmen, sind bekannt. Seit 1991 ist zudem eine Azurit-Malachit-Imitation aus gefärbtem und unter hohem Druck mit Kunststoff zusammengepreßtem Barytpulver im Umlauf.[11]

Esoterik[Bearbeiten]

In esoterischen Kreisen gilt Azurit als Stein der Erkenntnis und des geistigen Wachstums. Er soll die Konzentrationsfähigkeit und die geistige Aufnahmebereitschaft fördern, einen positiven Einfluss auf das zentrale Nervensystem nehmen, indem er die Leistungsfähigkeit des Gehirns und die Nerventätigkeit erhöht und die Sinneswahrnehmungen anregt. Zudem wird dem Mineral nachgesagt, dass es eine entgiftende Wirkung auf den Organismus ausübe, die Schilddrüsenfunktionen anrege und die Regeneration des Körpers nach Operationen oder Krankheiten unterstütze. Für den Wirkungsbereich in der Esoterik gibt es allerdings keine wissenschaftlichen Belege.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  Walter Schumann: Edelsteine und Schmucksteine. Alle Arten und Varietäten der Welt. 1600 Einzelstücke. 13. überarbeitete und erweiterte Auflage. BLV Verlags-GmbH., München u. a. 2002, ISBN 3-405-16332-3, S. 190.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Azurit – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Webmineral - Azurite (englisch)
  2. a b Mindat - Azurite (englisch)
  3. Kremer Pigmente - Azurit (Bergblau, basisches Kupfercarbonat blau, Pigment Blue 30)
  4.  Hans Lüschen: Die Namen der Steine. Das Mineralreich im Spiegel der Sprache. 2. Auflage. Ott Verlag, Thun 1979, ISBN 3-7225-6265-1, S. 180.
  5. a b  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 544.
  6.  Helmut Schröcke, Karl-Ludwig Weiner: Mineralogie. Ein Lehrbuch auf systematischer Grundlage. de Gruyter, Berlin; New York 1981, ISBN 3-11-006823-0, S. 164.
  7. Mindat - Anzahl der Fundorte für Azurit
  8.  Petr Korbel, Milan Novák: Mineralien-Enzyklopädie. Nebel Verlag GmbH, Eggolsheim 2002, ISBN 3-89555-076-0, S. 122 (Dörfler Natur).
  9. Fundortliste für Azurit beim Mineralienatlas und bei Mindat
  10.  Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. 9. Auflage. E. Schweizerbart'sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 293.
  11.  Bernhard Bruder: Geschönte Steine. Neue Erde Verlag, 2005, ISBN 3-89060-025-5, S. 48.