Landgräfliche Gärten Bad Homburg

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Schlosspark Bad Homburg mit großem Teich, Schloss und Weißem Turm im Hintergrund
Blick auf einen Teil des Schlossgartens mit Marstall und Orangerie

Die Landgräflichen Gärten waren eine Gartenlandschaft in Bad Homburg, bestehend aus in der Spitze 14 Einzelgartenanlagen mit 385 Hektar Fläche entlang der Tannenwaldallee zwischen Landgrafenschloss und Gotischem Haus.

Erstanlage[Bearbeiten]

Cöntgen/Gunkel: Plan vom Kleinen Tannenwald 1784
Infotafel zu historischen Gärten und Parkanlagen an der Tannenwaldallee

Landgraf Friedrich V. und seine Frau Caroline begannen ab 1770 mit der Anlage der landgräflichen Gärten. Inspiriert wurde das Landgrafenpaar durch die englischen Landschaftsparks. Hierzu wurde der ein Jahrhundert zuvor in barockem Stil angelegte Schlosspark Bad Homburg völlig umgestaltet.

Ausgehend vom Schloss ließ Friedrich die Tannenwaldallee, eine 2,2 Kilometer lange schnurgerade Allee, die am Waldrand in die Elisabethenschneise überging, die die Taunuswälder bis zum römischen Limes durchschnitt, anlegen. Diese insgesamt 7,6 Kilometer lange Achse stellte das Grundgerüst der landgräflichen Gärten dar. Die Allee war ursprünglich mit Säulenpappeln gesäumt. Diese waren als Pendant zur südländischen Zypresse ein Symbol Arkadiens. Heute wird die Allee im unteren Bereich durch Ahorn- und im oberen durch Kastanienbäume gebildet.

Am Rande der Tannenwaldallee wurden als einzelne Gartenanlagen der „Große Tannenwald” und 1772 der „Kleine Tannenwald” angelegt. Zur damaligen Zeit war der Taunus (damals noch „Die Höhe“ genannt) weitgehend mit Buchenwäldern besetzt. Ein Tannenwald stellte daher eine ungewöhnliche Bepflanzung dar.

Endausbau[Bearbeiten]

Unter Landgraf Friedrich VI. wurde das Projekt der landgräflichen Gärten fortgesetzt. Friedrichs Frau Elisabeth stammte aus England und war mit englischer Gartenkunst aufgewachsen.

1823 errichtete Friedrich das Gotische Haus als Schlusspunkt der Tannenwaldallee. Zu beiden Seiten der Allee wurden insgesamt 14 Einzelanlagen errichtet: Sieben Gärten im engeren Sinne sowie sieben gestaltete Landschafts- und Waldparks.

Neben den bestehenden Anlagen Schlossgarten, Großer und Kleiner Tannenwald wurden die „Prinzengärten” angelegt: Der Englische Garten, Louisgarten, Gustavsgarten, Ferdinandsgarten und Philippsgarten.

Die Kreuzallee, das Heuchelheimer Hohlfeld, der Landschaftspark Elisabethenschneise und die vier zum Großen Tannenwald gehörenden Parkanlagen Lustwald, Buschwiesen, Forstgarten und Hirschgarten bildeten die Landschaftsparks.

Verfall[Bearbeiten]

Plan vom Großen Tannenwald um 1782/83

Mit dem Aussterben des Landgrafenhauses 1866 ging das Interesse an der Parkanlage verloren. Während Schlossgarten und Gotisches Haus auch weiter genutzt wurden und der Hirschgarten auch heute noch ein beliebtes Ausflugsziel ist, verwilderten die anderen Anlagen bzw. wurden (wie der Englische Garten und der Louisgarten) in den sechziger Jahren bebaut.

Der Ferdinandsgarten wurde nach dem Tod des Landgrafen für 3.610 Gulden an den Gärtner G.K. Merle verkauft, der Pächter des kleinen Tannenwaldes war. Im September 1881 wurde der Ferdinandsgarten für 40.000 Mark (in heutiger Kaufkraft 271.220 Euro) an der Frankfurter Karl Brach verkauft.[1]

1932 kam das Gelände des Kleinen Tannenwaldes in Privatbesitz. In den achtziger Jahren war auch hier eine Bebauung mit einem Hotel vorgesehen. Es bildete sich eine Bürgerinitiative Aktionsgemeinschaft Kleiner Tannenwald, die bewirkte, dass der Kleine Tannenwald 1988 Kulturdenkmal wurde.

Wiederaufbau[Bearbeiten]

Seit 1988 bestehen Bemühungen zur Wiederherstellung der landgräflichen Gärten. Im gleichen Jahr wurden die Gärten als Kulturdenkmal ausgewiesen. Im Jahr 2000 beschloss die Stadtverordnetenversammlung die Wiederherstellung. Aufgrund dieses Beschlusses wurde 2002 eine gartendenkmalpflegerische Rahmenplanung erstellt. Mit einem Aufwand von 20 Millionen Euro könnte die Anlage über einen Zeitraum von 20 Jahren wieder erstellt werden. Ziel der Maßnahmen ist eine Wiederherstellung des Parks gemäß den Plänen von 1866.

Der „Kleine Tannenwald”[Bearbeiten]

Koordinaten: 50° 13′ 41″ N, 8° 35′ 40″ O50.2280468.594356
Wiedereröffnung Kleiner Tannenwald am 1. Juli 2007

Seit dem Jahr 2005 laufen die Arbeiten zur Wiederherstellung des 3,5 Hektar großen „Kleinen Tannenwaldes”. Im Zentrum der ersten Arbeiten stand die Wiederherstellung des 6.600 Quadratmeter großen Teiches mit Insel und darauf den Kolonnaden mit 12 ionischen Säulen. Die Einweihung fand am 1. Juli 2007 statt. Als nächste Schritte sind die Pflanzung einer Hainbuchenhecke, die Bepflanzung des Eingangs mit ovalen Beeten und die Wiederherstellung des historischen Wegenetzes sowie von Eisgrube und Rosentempel geplant.

2010 erwarb die Stadt Bad Homburg einen weiteren Teil des Kleinen Tannenwaldes, auf welchem sich die Ruinen der ehemaligen Alten Schweizerei befinden. Der Förderverein Kleiner Tannenwald hat den Ankauf unterstützt, so dass in Zukunft auch dieses Gebäude zusammen mit dem Cottage wieder entstehen kann.[2]

Gustavsgarten/Villa Wertheimber[Bearbeiten]

Koordinaten: 50° 13′ 44″ N, 8° 35′ 43″ O50.229018.595139
Villa Wertheimber im Gustavsgarten
„Tempel” im Gustavsgarten

Der „Gustavsgarten” wurde vom damaligen Prinzen Gustav und seiner Frau Louise von Anhalt-Dessau um 1822 an der Tannenwaldallee angelegt, die Größe betrug ungefähr 6,5 ha (64.500 m²). Louise war in Dessau mit dem Wörlitzer Park aufgewachsen und das Paar schuf sich kleines Paradies in dem seit 1830 ein Dorischer Tempel als Teesalon diente. Die Nachkommen von Gustavs und Louises Tochter Caroline Reuß zu Greiz verkauften den Park um 1898 für 102.000 Mark (in heutiger Kaufkraft 672.672 Euro) an den Frankfurter Bankier Julius Wertheimber. [3]

Dieser ließ den Park nach Ankauf eines Teils des Louisgartens erweitern und mit einer beachtlichen Pflanzenvielfalt als englischen Landschaftspark anlegen, dessen Struktur vor allem im nördlichen Bereich gut erhalten ist. 1899/1900 baute der Architekt Franz van Hoven für Wertheimber eine zweigeschossige Villa, die „Villa Wertheimber” und an der Einfahrt zur Tannenwaldallee ein Pförtnerhaus. Die Villa, der Tempel und das Pförtnerhaus stehen unter Denkmalschutz.[4]

Eine Festschrift von 1977 sagt, dass die Villa in der Nazizeit „an das Deutsche Reich fiel” [5]. Das Gebäude wurde während des Dritten Reichs von der Marinemusikschule (Orchesterschule) genutzt. Nach 1948 kamen Gelände und Gebäude an den Bund, der es an den „Verein Hirnverletztenheim” verpachtete. Der Frankfurter Verein errichtete zwischen 1970 und 1980 Anbauten und betrieb dort eine neurologische Klinik, die 2004 schloss.

Nach langen Verhandlungen wurden Park und Gebäude im März 2011 für 7.219.000 Euro von der Stadt Bad Homburg erworben. Sie sollen saniert und zu kulturellen sowie anderen öffentlichen Zwecken genutzt werden. Die Neubauten der ehemaligen Nutzerin, der Neurologischen Klinik, werden zur Zeit (Juli 2013) abgerissen. Seit Mai 2012 ist der „Gustavsgarten” wieder öffentlich zugänglich. In die Villa Wertheimber soll nach Angaben des Bad Homburger Oberbürgermeisters Michael Korwisi 2016 das Stadtarchiv einziehen[6], welches bisher im Gotischen Haus angesiedelt war.[7] Im April 2014 waren die Sicherung-, Renovierungs- und Modernisierungsarbeiten weit fortgeschritten.[8]

Forstgarten[Bearbeiten]

Im „Forstgarten” wurden Rodungsarbeiten durchgeführt, um den Folgen der starken Verwilderung zu begegnen. Der größere der beiden ursprünglichen Teiche wurde wieder angelegt und das historische Teehäuschen rekonstruiert. Als nächste Schritte sollen die sechs historischen Steinbrücken wiedererstellt und der kleine Teich angelegt werden.

Hirschgarten[Bearbeiten]

Koordinaten: 50° 14′ 12″ N, 8° 33′ 35″ O50.2365978.559659
Hauptartikel Hirschgarten (Dornholzhausen)
Hirschgarten
HirschGarten Restaurant

Der „Hirschgarten” im Ortsteil Dornholzhausen hatte als einzige der Anlagen die Zeit überdauert. Errichtet wurde der Garten im Jahre 1698 durch Landgraf Friedrich II. Das Wildgehege wurde im Jahre 1820 durch Friedrich VI. eingerichtet. In den Jahren 1840 bis 1873 wurde das Gehege durch die Spielbank Bad Homburg an Waidmänner verpachtet. Heute ist der Hirschgarten – als Endhaltestelle der Buslinien 1 und 11 gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen – ein beliebtes Naherholungsgebiet für Bad Homburg und das Rhein-Main-Gebiet. Das namensgebende Gehege umfasst eine Reihe von Rotwildarten sowie Ziegen. Neben einer Minigolfbahn ist insbesondere das HirschGarten Restaurant Ziel vieler Besucher. Das Restaurantgebäude wurde im Jahre 1966 erbaut und beherbergte zunächst ein böhmisches Wildspezialitätenrestaurant. Im Jahre 2000 wurde es renoviert und wird nun von einem Gastronomen aus Bad Homburg geführt. Wenige hundert Meter unterhalb der Straße zum Hirschgarten befindet sich außerdem eine offene Waldlichtung, die Buschwiesen, die zum Grillen freigegeben ist. In Gehweite liegt außerdem das Forellengut mit seinem dazugehörigen Gaststättenbetrieb.

Siehe auch[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

  • Infotafel am Kleinen Tannenwald
  • Friedhelm Blume, Elzbieta Dybowska: Die Landgräfliche Gartenlandschaft Bad Homburg vor der Höhe – Wiederherstellung eines Gartendenkmals, in: Jahrbuch des Hochtaunuskreises 2008, ISBN 978-3-7973-1049-1, Seite 125-132
  • Taunus Zeitung vom 2. Juli 2007, Seite 24: „Die Perle des Homburger Parks" und „Extreme Vergangenheit: Zwischen ‚Remmidemmi-Hotel‘ und idylischem Kleinod“

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Heinz Grosche: Geschichte der Stadt Bad Homburg; Band III: Die Kaiserzeit, 1986, ISBN 3-7829-0334-X, Seite 25
  2. FAZ vom 22. September 2010, Seite 49: Kleinod soll wiedererstehen
  3. Heinz Grosche: Geschichte der Stadt Bad Homburg; Band III: Die Kaiserzeit, 1986, ISBN 3-7829-0334-X, Seite 28
  4. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.): Villa, Pförtnerhaus und Park, Tannenwaldalle 50. In: DenkXweb, Online-Ausgabe von Kulturdenkmäler in Hessen
  5. http://www.fr-online.de/bad-homburg/-geld-macht-liebe--fernsehdreh-de-luxe,1472864,2973608.html
  6. http://www.fnp.de/tz/region/lokales/vordertaunus/das-ist-unser-neuer-diamant_rmn01.c.9751868.de.html
  7. Stadtarchiv 2016 in Villa Wertheimber in FAZ vom 10. Oktober 2013, Seite 48
  8. Die Renaissance des Gustavsgartens in FAZ vom 25. April 2014, Seite 43


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