Landesamt für Denkmalpflege Hessen

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Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) wurde durch das erste gesamthessische Denkmalschutzgesetz, das 1974 in Kraft trat, geschaffen. Es hat seinen Sitz in Wiesbaden, im Schloss Biebrich und wird zur Zeit vom Präsidenten Gerd Weiß geleitet. Zum 1. April 2012 wurde das Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) neustrukturiert.[1]

Schloss Biebrich und Parkanlage

Stellung in der Behördenhierarchie[Bearbeiten]

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen ist dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst unterstellt. Es ist eine Fachbehörde, steht also außerhalb der Hierarchie der Verwaltungsbehörden, die es in Hessen im Bereich des Denkmalschutzes nur in zwei Verwaltungsebenen gibt: die oberste Denkmalschutzbehörde, das Hessische Ministerium für Wissenschaft und Kunst, und 37 untere Denkmalschutzbehörden, das sind alle Stadt- und Kreisverwaltungen mit eigener Bauaufsicht.

Zuständigkeit[Bearbeiten]

Örtliche Zuständigkeit[Bearbeiten]

Örtlich ist das Landesamt für Denkmalpflege Hessen für das gesamte Bundesland Hessen zuständig. Neben dem Hauptsitz bestehen zwei Außenstellen: in Marburg und in Darmstadt. In Darmstadt ist die archäologische Denkmalpflege angesiedelt, ihr sind auch zwei Museen zugeordnet.

Sachliche Zuständigkeit[Bearbeiten]

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen ist als Denkmalfachbehörde für alle fachlichen Belange zuständig, die Kulturdenkmäler berühren. Nach § 4 Hessisches Denkmalschutzgesetz (HDSchG) hat es im Einzelnen folgende Aufgaben:

  • Durchführung des Denkmalschutzes
  • Beratung und Unterstützung der Eigentümer und Besitzer von Kulturdenkmälern bei Pflege, Untersuchung und Wiederherstellung von Kulturdenkmälern
  • Inventarisation der Kulturdenkmäler
  • Wissenschaftliche Untersuchung der Kulturdenkmäler als Beitrag zur Erforschung der Landesgeschichte.

Organisation[Bearbeiten]

Es bestehen drei Abteilungen:

Archäologische und paläontologische Denkmalpflege[Bearbeiten]

Horreum des Kastell Saalburg, das den Großteil des Saalburgmuseums beherbergt
Museumsgebäude der Keltenwelt am Glauberg als Teil des Dezentralen archäologischen Landesmuseums

Die als hessenARCHÄOLOGIE konsolidierte Abteilung bearbeitet Bodendenkmäler und betreibt archäologische und paläontologische Landesforschung. Sie erteilt die nach § 21 HDSchG erforderliche Nachforschungsgenehmigung für bodendenkmalpflegerische Eingriffe in ein Kulturdenkmal.

Die Aufgaben der archäologische Denkmalpflege nehmen acht Archäologinnen und Archäologen in Hessen war, die am Hauptsitz in Wiesbaden und an den Außenstellen in Darmstadt und Marburg tätig sind. Die paläontologische Denkmalpflege wird von einem einzigen Wissenschaftler für ganz Hessen von Wiesbaden aus betreut.

Bezirksarchäologen betreuen jeweils eine Reihe von Städten und Landkreisen hinsichtlich denkmalrechtlicher Entscheidungen und der Erfassung und Inventarisierung von Bodendenkmälern. Aufgrund der knappen Personaldecke in der öffentlichen Verwaltung werden archäologische Grabungen heute zu einem erheblichen Teil nicht mehr vom Landesamt selbst durchgeführt, sondern von Dritten, insbesondere privaten Grabungsfirmen, über das Verursacherprinzip finanziert.

Seit 2003 besteht das Sachgebiet Mittelalter- und Neuzeitarchäologie, das sich mit dem Standort Marburg und den Ausgrabungen an der Elisabethkirche befasst. Unter vergleichbaren Bedingungen arbeitet die renommierte Archäobotanik. Zu dieser Abteilung zählt weiter auch eine Restaurierungswerkstatt, die vor allem archäologische Funde aus Grabungen restauriert.

Seit dem 1. Januar 2002 gehört das Saalburgmuseum bei Bad Homburg vor der Höhe mit dem Schwerpunkt Provinzialrömische Archäologie zum Landesamt für Denkmalpflege Hessen und im Mai 2011 wurde die Keltenwelt am Glauberg, als zweites Museum in der Regie des Landesamtes eröffnet. Seit dem 1. April 2012 ist die Abteilung 1 - Archäologische und paläontologische Denkmalpflege per Beschluss der Landesregierung eigenständig. Seitdem tritt sie als hessenARCHÄOLOGIE eigenständig auf.[1]

Bau- und Kunstdenkmalpflege[Bearbeiten]

Diese Abteilung wird vom Landeskonservator geleitet. Die Abteilung befasst sich zunächst mit der Inventarisation der Baudenkmäler in Hessen. Aus dieser Arbeit entstand und entsteht im Laufe der Zeit die Reihe Denkmaltopografie der Bundesrepublik Deutschland. Hessen sowie deren Äquivalent im Internet.[2] Voraussetzung zur Erforschung und Inventarisation der Kulturdenkmäler sind ein Foto- und Planarchiv und eine amtseigene Fachbibliothek.

Auch in der Baudenkmalpflege betreuen Bezirkskonservatoren, die jeweils für eine Reihe von Städten und Landkreisen zuständig sind, die dortigen Baudenkmäler, beraten die unteren Denkmalschutzbehörden, Denkmaleigentümer, Architekten, Planer und Handwerker, bei Erhalt, Pflege und Veränderungen am Kulturdenkmal. Bei geplanten Veränderungen an einem Kulturdenkmal, die nach § 16 HDSchG genehmigungspflichtig sind, beurteilen sie das Vorhaben und erteilen gegebenenfalls ihr Einvernehmen zu der Genehmigung, die von der unteren Denkmalschutzbehörde ausgesprochen wird.

Zu dieser Abteilung zählt auch eine Restaurierungswerkstatt, in der wertvolles bewegliches Kulturgut restauriert wird, die zugleich aber auch fachliche Beratung für Probleme der Restaurierung an Kulturdenkmälern erteilt.

Zentralabteilung[Bearbeiten]

Weiter besteht als dritte Abteilung eine Zentralabteilung, die die Behörde intern verwaltet.

Präsidenten[Bearbeiten]

Landeskonservatoren[Bearbeiten]

Landesarchäologen[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Das Landesamt für Denkmalpflege Hessen gibt eine Reihe von Veröffentlichungen heraus:

  • Für das breite Publikum gedacht ist die Zeitschrift Denkmalpflege und Kulturgeschichte (bis 1997 Denkmalpflege in Hessen).
  • Die größte Reihe, die das Landesamt für Denkmalpflege herausgibt, ist die Denkmaltopografie Bundesrepublik Deutschland. Hessen. Sie stellt in zahlreichen Bänden, gegliedert nach Landkreisen, Städten und Gemeinden oberirdisch sichtbare Kulturdenkmäler vor.
  • Die Reihe Fundberichte aus Hessen stellt laufend neue Forschungsergebnisse und Funde aus Hessen vor.
  • Arbeitshefte des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen (Monografienreihe)
  • hessenARCHÄOLOGIE (jährliche Berichte zu Aktuellem in der hessischen Archäologie)
  • Archäologische Denkmäler in Hessen (Hefte und Führer zu einzelnen Bodendenkmälern, unterstützt von der Archäologischen Gesellschaft in Hessen)
  • Materialien zur Vor- und Frühgeschichte von Hessen (Wissenschaftliche Monographien der hessenArchäologie)
  • Paläontologische Denkmäler in Hessen (Hefte und Führer zu einzelnen paläontologischen Bodendenkmälern)
  • Führer zur hessischen Vor- und Frühgeschichte (Führer zu einzelnen Bodendenkmälern in Hessen, z.B. Saalburg, Felsenberg im Odenwald, etc. )

Historische Quellen[Bearbeiten]

Das ältere Schriftgut der Außenstelle Darmstadt des Landesamtes für Denkmalpflege Hessen befindet sich heute im Hessischen Staatsarchiv Darmstadt (Bestand H 56, Landesamt für Denkmalpflege Hessen Außenstelle Darmstadt, Abteilung Archäologische Denkmalpflege).[3] Der Bestand spiegelt die Gutachtertätigkeiten des Landesamtes wider, enthält Schriftwechsel zu archäologischen Grabungen, Bebauungspläne sowie Unterlagen zum Austausch mit Fachkollegen. Der Bestand ist verzeichnet und in großen Teilen online recherchierbar.

Literatur[Bearbeiten]

  • 100 Jahre Denkmalschutzgesetz in Hessen. Geschichte – Bedeutung – Wirkung. Stuttgart 2003. ISBN 3-8062-1855-2
  • Jan Nikolaus Viebrock: Hessisches Denkmalschutzrecht. 3. Auflage. Stuttgart 2007. ISBN 978-3-555-40310-6

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

50.03758.2341388888889Koordinaten: 50° 2′ 15″ N, 8° 14′ 3″ O

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b http://www.hessen-archaeologie.de/hessenARCHAOLOGIE/hessenarchaologie.html
  2. http://denkxweb.denkmalpflege-hessen.de/
  3. Übersicht über den Bestand "Landesamt für Denkmalpflege Hessen Außenstelle Darmstadt, Abteilung Archäologische Denkmalpflege (H 56)" Hessisches Archiv-Dokumentations- und Informations-System. Abgerufen am 27. September 2011