Versandhandelsregelung

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Die Versandhandelsregelung oder Versandhausregelung, geregelt in § 3c UStG, ist ein umsatzsteuerrechtliches Prinzip innerhalb der Europäischen Union, nach dem das Bestimmungslandprinzip Vorrang vor dem Herkunftslandprinzip hat. Überschreiten Lieferungen an Privatpersonen einen bestimmten Grenzwert, darf nicht mehr die nationale Umsatzsteuer des Lieferanten berechnet werden, sondern das Besteuerungsrecht steht dem Heimatland des Empfängers zu.

Grundsatz und Ausnahme[Bearbeiten]

Nach den Grundsätzen der Umsatzsteuer liegt in den Fällen der Versendungslieferung der Lieferort dort, wo die Versendungs- oder Beförderungslieferung beginnt (§ 3 Abs. 6 UStG). Damit ist im Normalfall für Lieferungen das Steuerrecht und der Steuersatz des Landes anzuwenden, in dem der Händler ansässig ist. Wenn jedoch die Lieferungen, insbesondere an Privatleute, bestimmte Schwellenwerte überschreiten, werden sie nicht mehr im Herkunftsland, sondern im Bestimmungsland besteuert. Davon betroffen sind vor allem die Versandhändler, nach denen der § 3c UStG umgangssprachlich benannt wurde.

Für Lieferungen an andere Unternehmen kommt die Versandhandelsregelung nicht zum Tragen, da diese innergemeinschaftlichen Lieferungen immer steuerfrei sind. Auch Lieferungen neuer Fahrzeuge sind immer steuerfrei und werden in § 3c Abs. 5 UStG auch noch einmal ausdrücklich ausgenommen.

Voraussetzungen für die Versandhandelsregelung[Bearbeiten]

Voraussetzung ist, dass der Empfänger keine Person ist, die einen innergemeinschaftlichen Erwerb versteuern müsste. Das sind vor allem Privatpersonen, aber auch sogenannte Halbunternehmer. Halbunternehmer sind zum Beispiel Unternehmer, die nur steuerfreie Umsätze ausführen (Arzt), Kleinunternehmer oder Landwirte, die die Durchschnittsatzbesteuerung anwenden. Beim Überschreiten einer Erwerbschwelle oder bei freiwilliger Registrierung kann an diese Personengruppe steuerfrei geliefert werden (Details siehe innergemeinschaftlicher Erwerb), dann ist die Versandhandelsregelung wie bei normalen Unternehmern nicht mehr anwendbar.

Weitere Voraussetzungen sind:

  • Es muss ein Gegenstand geliefert werden, allerdings kein Neufahrzeug (siehe oben).
  • Der Gegenstand muss durch den Händler von einem Mitgliedstaat in einen anderen Mitgliedstaat selbst befördert oder versendet werden.
  • Die Lieferschwelle des Bestimmungslands muss überschritten sein oder der Lieferant unterwirft sich freiwillig der Umsatzbesteuerung in dem anderen Mitgliedstaat. Die freiwillige Besteuerung im anderen Land führt zu einer zweijährigen Bindung an diese Wahl (§ 3c Abs. 4 UStG).

Bei der Lieferung von verbrauchsteuerpflichtigen Waren (Tabak, Mineralöl, Alkohol, ...) fällt die letzte Voraussetzung weg, das heißt, der Verkauf wird unabhängig vom Umfang immer im Staat des Erwerbers umsatzversteuert.

Folgen der Versandhandelsregelung[Bearbeiten]

Liegen die Voraussetzungen für die Anwendung der Versandhandelsregelung vor, wird der Versandhändler in dem betreffenden Mitgliedstaat umsatzsteuerpflichtig. In den Rechnungen muss dann mit der jeweiligen Umsatzsteuer des betreffenden Staats fakturiert werden. Der Versandhändler muss sich in diesem Staat bei zuständigen Finanzverwaltung registrieren lassen und erhält eine Steuernummer, unter der die Steueranmeldung und Steuererklärungen abzugeben sind. Da der Ort der Lieferung dann beim Käufer liegt, ist die Lieferung im Ansässigkeitsstaat des Lieferanten nicht steuerbar.

Die Lieferschwellen[Bearbeiten]

Die Lieferschwellen bezeichnen den Netto-Warenwert (ohne Umsatzsteuer) im laufenden Kalenderjahr, bis zu dem die Lieferungen mit der Steuer des Abgangslandes abgerechnet werden können. Der Umsatz, mit dem die Lieferschwelle überstiegen wird, muss bereits mit der ausländischen Steuer versteuert werden. Wurde die Lieferschwelle in einem Jahr überstiegen, muss auch im Folgejahr die Umsatzsteuer im anderen Land entrichtet werden, unabhängig vom Umfang.

Staat Lieferschwelle
in Landeswährung umgerechnet in Euro
Belgien 35.000 EUR
Bulgarien 70.000 BGN 35.791 EUR
Dänemark 280.000 DKK 37.551 EUR
Deutschland 100.000 EUR
Estland 35.151 EUR
Finnland 35.000 EUR
Frankreich 100.000 EUR
Griechenland 35.000 EUR
Irland 35.000 EUR
Italien 35.000 EUR
Kroatien[Anm. 1] 270.000 HRK 36.060 EUR
Lettland 24.000 LVL 34.052 EUR
Litauen 125.000 LTL 36.203 EUR
Luxemburg 100.000 EUR
Malta 35.000 EUR
Niederlande 100.000 EUR
Österreich[Anm. 2] 35.000 EUR
Polen 160.000 PLN 40.923 EUR
Portugal 35.000 EUR
Rumänien 118.000 RON 28.012 EUR
Schweden 320.000 SEK 36.232 EUR
Slowakei 35.000 EUR
Slowenien 35.000 EUR
Spanien 35.000 EUR
Tschechien 1.140.000 CZK 46.570 EUR
Ungarn 8.800.000 HUF 32.257 EUR
Vereinigtes Königreich 70.000 GBP 81.843 EUR
Zypern 35.000 EUR

Stand: 1. März 2012[1]

Es ist möglich, auf die Anwendung der Lieferschwellen zu verzichten, und unabhängig vom Umfang immer im Ansässigkeitsstaat des Käufers zu besteuern. Diese Wahl bindet den leistenden Unternehmer für zwei Jahre.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Ab EU-Beitritt Kroatiens am 1. Juli 2013.
  2. für Österreich galt bis 31. Dezember 2010 die Grenze von 100.000 €

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. [1] Abschnitt 3c.1 Absatz 3 des Umsatzsteueranwendungserlasses (UStAE) (Stand 26. August 2013), S. 181 PDF (4,9 MB)


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