Wikipedia:Wie schreibe ich gute Artikel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Autorenportal > Richtlinien > Artikel > Wie schreibe ich gute Artikel
Abkürzung: WP:GA, WP:WSIGA

Auf dieser Seite findest du einige Tipps für das Schreiben guter Artikel. Wenn dein Artikel später einmal strukturell, grammatisch oder stilistisch überarbeitet wird: Schäme dich nicht, fühle dich nicht angegriffen. Ein Schreibender sieht meist seine eigenen Fehler nicht, und jeder kann schließlich noch etwas hinzulernen. Am besten lernt es sich aus Beispielen: Im Review und auf den Seiten der Kandidaten für lesenswerte und exzellente Artikel diskutieren und verbessern die Wikipedianer täglich Artikel.

Inhaltsverzeichnis

Grundsätze

Wie finde ich geeignete Themen?

Dass es in der Wikipedia schon weit mehr als eine Million Artikel gibt, heißt nicht, dass nicht jeder problemlos noch etwas beitragen könnte. Auf der Wikiprojekte-Seite finden sich viele verschiedene Projekte, bei denen neue Mitarbeiter herzlich willkommen sind.

Vorarbeiten und Recherche

Vor dem Schreiben sind einige Vorarbeiten wichtig. Zunächst solltest du herausfinden, was zum geplanten Thema an Artikeln in der Wikipedia schon existiert, damit du nicht Artikel anlegst, die es schon gibt. Dabei kann dir die Suchfunktion eine gute Hilfe sein. Oft existieren auch in anderen Sprachversionen der Wikipedia, vor allem in der englischen Wikipedia, schon Artikel, aus denen du Informationen nach eigener Prüfung übernehmen kannst. Mehr dazu auf Recherche.

Wenn du einen Artikel neu anlegen willst, frage dich als erstes, ob er wirklich in eine Enzyklopädie passt. Die Richtlinien in „Was Wikipedia nicht ist“ liefern hierzu Hinweise. Wenn Artikel zu Personen, Firmen, Organisationen oder Handelswaren unterhalb der Relevanzschwelle liegen oder unter ungeeignetem Lemma abgefasst werden, riskierst du, dass sie schnell wieder gelöscht werden. Das gilt unabhängig davon, wie schön du sie schreibst. Um eventuelle Frustrationen zu vermeiden, ist es deshalb ratsam, vorher zu prüfen, ob die betreffende Person, Firma oder Organisation die Relevanzkriterien erfüllt.

Um an einem gelungenen Artikel mitzuwirken, schreibe über Themen, von denen du etwas verstehst. Sei selbstkritisch und konzentriere dich auf deine Spezialgebiete. Als Quellen zur Erstellung eines guten Artikels benötigst du Bücher, Zeitschriften oder stichhaltige Webseiten.

Beachte dabei, dass das Urheberrecht nicht erlaubt, Texte von anderen Seiten wörtlich zu übernehmen!

Verständlichkeit

Hauptartikel: Laientest (OmA-Test)

Die Wikipedia ist eine allgemeine Enzyklopädie und kein Fachbuch und sollte auch für Laien verständlich sein. Wenn das Verständnis eines Themas Spezialwissen erfordert, dann sollte die Einleitung dem Laien ermöglichen, den Artikelgegenstand zumindest einzuordnen. Behandle die einfacheren Aspekte des Themas möglichst am Anfang und die schwierigeren am Ende des Artikels.

Begriffe, die nicht allgemein bekannt sind, solltest du möglichst sparsam einsetzen. Lässt sich ein Fachausdruck nicht vermeiden, erkläre oder verlinke ihn. Versuche nicht, Fachausdrücke, für die es keine allgemein anerkannte deutsche Übersetzung gibt, zwanghaft einzudeutschen.

Artikel sollten

  • so allgemeinverständlich wie möglich sein, aber das jeweilige Thema in angemessener Breite und Tiefe darstellen, und
  • den Zugang zum Thema so einfach wie möglich gestalten (besonders in der Definition und Einleitung, da diese im Allgemeinen zuerst gelesen werden).

Richtigkeit

Die Wikipedia ist ein Projekt zum Aufbau einer Enzyklopädie und keine Sammlung von Vermutungen; sie dient der Vermittlung von gesichertem Wissen. Fachbegriffe sollten Verwendung finden, wenn sie sinntragend für ein Fachgebiet sind und sich Belege dafür finden lassen. Gute Belege stammen aus der Fachliteratur und aus universitären oder schulischen Veröffentlichungen. Allgemein ist darauf zu achten, dass der Verfasser der Literatur fachkundig ist; vor allem bei Informationen aus dem Internet.

Aufbau eines Artikels

Zu formalen Konventionen, die ein guter Artikel einhalten sollte, siehe Wikipedia:Wie gute Artikel aussehen und Wikipedia:Formatierung. Die folgenden Abschnitte konzentrieren sich auf den Inhalt.

Begriffsdefinition und Einleitung

Begriffsdefinition und Einleitung eröffnen den Artikel und leiten zum ersten Abschnitt über. Sie sollten Lemma und Begriff in seiner Grundbedeutung erklären. Der erste Satz ordnet den Gegenstand des Artikels (das Lemma) möglichst präzise in seinen sachlichen Kontext ein. Der Titel des Artikels und eventuell vorhandene Synonyme werden dabei in Fettschrift gesetzt. Beispiele:

  • Aszites (von griech. ασκίτης askites, Bauchwassersucht) ist eine Flüssigkeitsansammlung in der Bauchhöhle.
  • Als Aszites oder Bauchwassersucht wird in der Medizin eine anomale Ansammlung von Flüssigkeit in der Bauchhöhle bezeichnet.

Unmittelbar darauf sollte eine kurze Einleitung mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Aspekte des Artikelinhalts folgen. Die Einleitung sollte dem Leser einen kurzen Überblick über das Thema ermöglichen und das Lemma bereits ausreichend erklären. Es empfiehlt sich, vor allem bei Personenartikeln, an dieser Stelle bereits die gesellschaftliche Bedeutung des Themas kurz zu nennen, aber ohne diese in Streitsätzen selbst zu verteidigen. Dies verringert das Risiko von Löschanträgen aus Unwissenheit des Antragsstellers.

  • Der Leser sollte die Einleitung mit einem Blick erfassen können. In ihr sind Hauptsätze besonders wichtig. Kurze, einfache und aussagekräftige Formulierungen sind besser als lange oder geschachtelte Erklärungen.
  • Übersetze fremdsprachige Lemmata, selbst wenn sie bereits in den deutschen Sprachgebrauch übergegangen sind.
  • Verweise stets kurz auf die historische Bedeutung des Begriffs, sofern es sich nicht selbst um ein historisches Thema handelt.
  • Erwähne Superlative (ältester, größter) in der Einleitung nur, wenn sie zur Erklärung des Lemmas maßgeblich beitragen oder sich das Lemma ausdrücklich auf solche Besonderheiten stützt. Andere Superlative gehören an passende Stellen im Fließtext.

Überschriften und Absätze

Nach der Einleitung beginnt der Hauptteil des Artikels, der mit Überschriften gegliedert werden kann. Die erste Überschrift sollte den wichtigsten Teil der Erklärung oder geschichtliche Aspekte enthalten. Ab drei Überschriften wird automatisch ein Inhaltsverzeichnis angelegt, das im Artikel auf die Einleitung folgt. Zwischenüberschriften erhöhen die Lesbarkeit eines Artikels. Hier ist allerdings auf das rechte Maß zu achten: Einzelne Sätze rechtfertigen noch keine eigene Überschrift.

Formuliere Überschriften kurz und prägnant und vermeide Wiederholungen. Überschriften wie „Interessantes“ widersprechen dem neutralen Standpunkt, wie er in der Wikipedia gewünscht und gefordert wird. „Weiteres“ oder „Weitere Informationen“ wären da beispielsweise bessere Alternativen. Überschriften sollten grundsätzlich keine Links oder Einzelnachweise enthalten, da eine Überschrift als solches die Informationen einleitet und den Leser wissen lässt, dass ein Unterthema vorgestellt wird. Wikilinks sollten im Text des Abschnitts eingebunden werden (vgl. Wikipedia:Verlinken).

Absätze gliedern die Gedanken innerhalb eines Textes. Wenn du einen neuen Satz beginnst, der einen ganz neuen Gedanken einbringt, den alten aber nicht weiterführt, dann solltest du damit in einem neuen Absatz beginnen. Falls du aber den Gedanken des letzten Satzes weiterführst, ihn vielleicht ausbaust oder verschärfst, dann ist dieser Satz noch Teil des laufenden Absatzes und sollte optisch nicht abgesetzt werden.

Länge eines Artikels

Der Artikel sollte eine dem Thema angemessene Länge haben und nicht zu detailliert sein. Gegebenenfalls lassen sich Teile des Artikels in weiterführende Artikel auslagern. In diesem Fall sollte eine nicht zu knappe Zusammenfassung des ausgelagerten Textes an seine Stelle treten. Diese Möglichkeit hat sich beispielsweise bei vielen als Lesenswert oder Exzellent ausgezeichneten Artikeln bewährt. So verweist der allgemeine Artikel zu Relativitätstheorie am Anfang des Abschnitts Die spezielle Relativitätstheorie auf den Hauptartikel Spezielle Relativitätstheorie. Im allgemeinen Artikel folgt diesem Verweis ein kompakter Überblick zu diesem Thema.

Entspricht die Überschrift dem Lemma des Hauptartikels, kann unterhalb folgender Hinweis eingetragen werden:

Hauptartikel: Artikel

Es kann auch die Vorlage:Hauptartikel verwendet werden.

Behandelt ein anderer Artikel das Thema umfangreicher als im gegebenen Abschnitt dargelegt, kann dies so angezeigt werden:

Siehe auch: Exzellente Artikel

Links

Interne Links, also die Verbindung zu einem anderen Wikipedia-Artikel, sollen in erster Linie zur Verständlichkeit eines Artikels beitragen und daher nur auf zum Verständnis des Themas wichtige Artikel verweisen. So hilft im Artikel Poincaré-Vermutung ein Link auf „Mathematik“ dem Leser kaum weiter. Auch eingehende Links von anderen Artikeln gehören zu einem guten Artikel. Mehr dazu auf Wikipedia:Verlinken.

Führe unter einem Abschnitt „Weblinks“ eine kleine, sorgfältig zusammengestellte Auswahl externer Links auf, die – wie die Literaturhinweise – weiterführende Informationen bieten. In den Text selbst gehören keine externen Links. Mehr dazu auf Wikipedia:Weblinks.

Oft wird ein Abschnitt „Siehe auch“ erstellt, wo Assoziative Verweise aufgeführt werden. Die Begriffe sollten aber vorzugsweise im Fließtext des Artikels genannt werden.

Literaturhinweise und Belege

Zu einem guten Artikel gehören auch weiterführende Literaturhinweise, die auf einem möglichst aktuellen Stand zu halten sind. Hierfür sind vollständige Literaturangaben notwendig, mit Erscheinungsort, Erscheinungsjahr etc. Die Angabe der ISBN bei Büchern, der ISSN bei Zeitschriften und Periodika ist zusätzlich hilfreich. Verweise auf wenige Standardwerke oder jüngere Publikationen der Forschung reichen aus; eine komplette Bibliografie wird nicht angestrebt. Längere Literaturlisten sollten kommentiert werden, um dem Leser die Orientierung zu erleichtern. Mehr dazu auf Wikipedia:Literatur.

Für eine Enzyklopädie ist es wichtig, dass die Angaben in den Artikeln überprüfbar sind. Was bei gedruckten Enzyklopädien durch ein verantwortliches Lektorat geschieht, muss in der Wikipedia dadurch erfolgen, dass Angaben nachgewiesen werden und überprüfbar sind. Fußnoten enthalten Einzelnachweise. Insbesondere bei kontroversen Themen ist es geboten, wichtige oder umstrittene Aussagen – möglichst beider Seiten im Sinne der Ausgewogenheit – mit einer Herkunftsangabe zu belegen. Die Wikipedia-Syntax (der Code im Quelltext eines Artikels) bietet für Fußnoten die folgende Möglichkeit:
Von Beyme zufolge unterscheiden sich richterliche Entscheidungen, der Idee nach, durch eine stärkere Bindung an Normen von politischen Entscheidungen.<ref>Klaus von Beyme: ''Das politische System der Bundesrepublik.'' 9. Auflage. Westdeutscher Verlag, Wiesbaden 1999, S. 419 (München 1979).</ref>
Die Auflösung der Fußnote erscheint dann an der Stelle im Text, die den Befehl <references /> enthält. Mehr dazu auf Wikipedia:Belege und Hilfe:Einzelnachweise.

Illustrationen

Die Bebilderung eines Artikels in Wikipedia sollte immer dem besseren Verständnis des Textes dienen, nie allein der Zierde. Passende Illustrationen lockern einen Text auf, riesige Bildergalerien sind auf Wikimedia Commons besser aufgehoben. Ein Kriterium für angemessene Bebilderung ist: Kannst du dich im Text auf das Bild beziehen und etwas Sinnvolles dazu schreiben?

Achte darauf, deine Illustrationen mit einer guten Beschreibung zu versehen. Um beispielsweise bei einem Gemälde Titel, Maler und Entstehungsjahr herauszufinden, sollte kein Extra-Klick auf die Bildbeschreibungsseite nötig sein. Mehr dazu auf Wikipedia:Artikel illustrieren.

Für alle verwendeten Bilder sollte bezüglich ihrer Lizenz Klarheit herrschen: Sie sollten unter einer freien Lizenz stehen oder gemeinfrei sein. Siehe dazu auch Hilfe:Bilder.

Gerade bei geografischen und historischen Themen ist es sinnvoll, Landkarten einzusetzen. So weiß der Leser sehr schnell, wo ein bestimmter Fluss ist, oder wo das wichtige Ereignis stattfand.

Stil

Schreibe in ganzen Sätzen

Voraussetzung eines guten Wikipedia-Artikels sind ganze Sätze. Die Sätze sollten möglichst kurz sein. Wichtig ist vor allem, dass sie eine Aussage enthalten. Aufpassen heißt es hier besonders bei den Verben „sein“ und „haben“ – solche statischen Informationen lassen sich meist in den vorhergehenden oder anschließenden Satz integrieren. „Sie studierte in Heidelberg Theologie. Ihre Lehrer waren X und Y.“ lässt sich bequem umformulieren in ein eleganteres „Sie studierte bei X und Y in Heidelberg Theologie.“

Verschachtelte Satzkonstruktionen mindern die Verständlichkeit und lassen sich häufig vermeiden: Schreibe nicht
„Müller-Demasch nahm an der internationalen Seerechtskonferenz von 1909, bei der er ein stark beachtetes Referat über die Eigentumsverhältnisse an Eisbergen hielt, teil.“
Sondern schreibe: „… nahm an der internationalen Seerechtskonferenz von 1909 teil, bei der er …“ Oder noch besser: „… nahm an der internationalen Seerechtskonferenz von 1909 teil. Er hielt dabei …“

Zur Sache: Konzentration auf das Wesentliche

Das obige Beispiel lässt sich leicht fortführen: Die „Teilnahme“ Müller-Demaschs kann man voraussetzen, wenn er dort ein Referat hielt, also: „… hielt 1909 auf der internationalen Seerechtskonferenz ein Referat …“ und wenn man die Kernbotschaft des Referats kennt, dann sollte diese im Vordergrund stehen; die Formulierung also etwa: „… forderte (behauptete, kritisierte …) 1909 auf der internationalen Seerechtskonferenz …“ reicht völlig!

Hauptsachen in Hauptsätze

Ein Satz sollte nicht zu viele verschiedene Themen berühren, und einem wichtigen Ereignis solltest Du einen eigenen Hauptsatz gönnen. Der Wikipedia-Leser sollte nicht mit zu vielen Informationen in einem Satz konfrontiert werden.

Ein Beispiel für einen überladenen Satz: „Prof. Hackenbruch reiste 1888 zur Erforschung der dort vom Aussterben bedrohten Leuchtschnabelbeutelschabe nach Madagaskar, wo er 1889 starb.“

Vermeide Passagen in Klammern oder Anführungszeichen.

Verben nach vorne

Wer seine Leser erreichen will, der stellt das Prädikat so weit nach vorne wie möglich. Mit günstiger Satzstellung lassen sich auch lange Sätze verständlich fassen. Folgender Satz macht es dem Leser unnötig schwer:

„Beim Speichern deines Beitrags werden die Tilden durch deinen Namen und die Zeit, zu der du deinen Beitrag abgeschickt hast, ersetzt.“

Bedeutend angenehmer zu lesen und zugleich verständlicher wird der Satz in folgender Stellung:

„Beim Speichern deines Beitrags ersetzt die Wiki-Software die Tilden durch deinen Namen und den Zeitpunkt, zu dem du deinen Beitrag abgeschickt hast.“

Am besten ist es jedoch, lange Nebensätze ganz zu vermeiden. Eine Möglichkeit wäre hier:

„Die Wiki-Software ersetzt im gespeicherten Dokument die Tilden durch deinen Namen und den Zeitpunkt des Speicherns.“

oder gar:

„Anstatt der Tilden erscheinen im gespeicherten Dokument dein Name sowie der Zeitpunkt des Speicherns.“

Der erste Satz verlangt selbst von einem geübten Leser einige Überlegung, indem er den Lesefluss erschwert. Der Idealfall ist: Die Wikipedia-Autoren geben sich Mühe, damit die Leser es leicht haben.

Verwende lebendige Verben

„Das Verbum ist das Rückgrat des Satzes. Wenn man die Handlung in ein Hauptwort zwingt und ein farbloses Zeitwort anleimt, so bricht man dem Satz das Rückgrat.“

Ludwig Reiners

Substantivierte Verben wirken spröde und oft ungenau (Nominalstil). Wenn die Texte gespickt sind mit „erfolgt“ und „durchgeführt“, dann „ung-en“ sie ganz bestimmt auch. So wie hier: „Die Durchführung der Aufführung des Stückes erfolgte durch die Schüler.“ Viel besser: „Die Schüler führten das Stück auf.“ Schau dir nach dem Schreiben die Verben an, die du verwendet hast: Findest du dort nur „haben“, „sein“, „erfolgen“ und ähnliche blasse Verben, gehe den Text noch einmal durch. Versuche dabei, den Schatz an Verben, den die deutsche Sprache bietet, auszuschöpfen („sein“ in „sich befinden“ und „können“ in „in der Lage sein“ umwandeln gilt nicht!).

Vermeide den übermäßigen Gebrauch des Passivs. Das Passiv dient dazu, den Gegenstand der Handlung gegenüber einem weniger wichtigen oder unbekannten Handelnden hervorzuheben: „Das Bild wurde 1990 gestohlen und blieb seither verschwunden.“ Wo hingegen keine solche Hervorhebung beabsichtigt ist, empfiehlt sich meist der Gebrauch des Aktivs. Anstatt: „Die Ampel wurde vom Autofahrer übersehen.“ solltest du einfach schreiben: „Der Autofahrer übersah die Ampel.“

Geteilte Zeitwörter wie „schlagen … vor“ oder „kündigen … an“ erschweren das sinnzusammenhängende Lesen und bergen die Gefahr von Missverständnissen – besonders in Verbindung mit Schachtelsätzen. Halte deshalb den Bogen dieser Verben kurz und teile Deine Sätze auf! Beispiel: „Die Bürger schlugen Heinrich Müller, dessen Einsatz mehreren Opfern das Leben rettete (deshalb schlugen sie ihn?), für eine Auszeichnung vor (ach so!)“. Besser formuliert ist deshalb: „Heinrich Müller rettete vielen Opfern das Leben. Deshalb schlugen die Bürger vor, ihn auszuzeichnen.“ (Oder: „Deshalb schlugen ihn die Bürger für eine Auszeichnung vor.“)

Wortwahl und Floskeln

Entferne gegebenenfalls Wörter, die weder dem Sinn etwas hinzufügen (d. h. die man ohne Aussageänderung weglassen kann) noch eine wichtige Funktion bei der Gedankenführung erfüllen. Achte auf eine klare und sachliche, das heißt einer Enzyklopädie angemessene Sprache. Der Gebrauch einiger Wörter, besonders aus dem emotionalen oder wertenden Bereich, verletzt gegebenenfalls den Grundsatz des neutralen Standpunkts.

Kraftausdrücke und Slang sind daher fehl am Platze. Unnötig sind ferner Verstärkungen wie „extrem“, „ständig“, „total“, „fanatisch“ usw. In den meisten Fällen können sie ohne Bedeutungsverlust weggelassen werden, oder man kann sie leicht umformulieren und das Gemeinte treffender ausdrücken.

Ein Enzyklopädie-Artikel ist aber auch kein Vortrag. Unangebracht sind daher blumige Formulierungen wie „Bleibt zu erwähnen, dass …“, „… kann nicht behauptet werden“, „… ist zu betonen, dass …“ oder „… ist definitiv falsch.“

Standardsprache statt Umgangssprache

Die Artikel sollen in Stil und Ausdruck nicht umgangssprachlich verfasst sein, sondern in standardisierter Schriftsprache, für die im Deutschen Spielräume bestehen. Stolperfallen sind zum Beispiel:

  • Unterschiedliche Rektion des Kasus: Die Präposition „wegen“ wird umgangssprachlich häufig mit dem Dativ verbunden. Standardsprachlich sollte nach „wegen“ meistenfalls jedoch der Genitiv folgen.[1] Die korrekte Form („wegen des Gewitters“) ist deswegen der alltagssprachlichen Formulierung („wegen dem Gewitter“) vorzuziehen.[2] Mit der Präposition „trotz“ hingegen kann auch standardsprachlich neben der zunehmend öfter benutzten Genitivform („trotz des Regens“) trotzdem weiterhin die Dativform („trotz dem Regen“) gebraucht werden.[3] In bestimmten Fällen ist bei beiden Präpositionen allein die Dativrektion standardsprachlich, etwa wenn der Genitiv im Plural nicht erkennbar ist („trotz Regenfällen“) oder ein Genitivattribut dem Bezugssubstantiv vorangestellt ist („wegen des Regens plätscherndem Fallen“).[4]
  • Dialektausdrücke und Bezeichnungen, die nur in einem relativ kleinen regionalen Gebiet vorkommen: Anstelle von Rundstück schreibt man besser Brötchen, Wels ist der regionalen Bezeichnung Waller vorzuziehen; der Plural von Wagen (im Sinn von ,Fahrzeug‘) ist in der Hochsprache Wagen, nicht Wägen.

Stilblüten und andere Stilfehler

Die Sprachkritik warnt nicht nur vor grammatikalischen Fehlern, sondern auch vor stilistischen; sie können die Zugänglichkeit und die Verständlichkeit eines Textes beeinträchtigen. Häufige Stilfehler sind:

  • Stilblüten als eine nach Stelle und Stellung falsch verwendete Wendung, etwa: „Am eigenen Zweig sägen, um neue Bewegungen möglich zu machen“.
  • Euphemismen: „Er ist im Krieg geblieben“ beschönigend für „Er ist im Krieg getötet worden“. Eher eine Stilblüte als ein Euphemismus wäre: „Der Angeklagte zeichnete sich durch seine Brutalität und Hinterhältigkeit aus.“
  • Pleonasmen (Überfülle im Ausdruck): „optimal“ heißt ‚bestens‘ und kann daher nicht mehr gesteigert werden; deshalb ist „am optimalsten“ schlechtes Deutsch. Eine Synagoge ist immer auch ein jüdisches Gotteshaus, daher schreibe man nicht „jüdische Synagoge“. Übermäßig wäre ebenso: „Aber der andere Bericht konzentriert sich hingegen auf den eigentlichen Hintergrund.“ Denn sowohl „aber“ als auch „hingegen“ beziehen sich hier gleicher Weise und in gleicher Art auf den vorigen Satz.

Die Wikipedia ist kein literarisches Werk im schöngeistigen Sinne; daher wären absichtsvoll eingesetzte Stilfiguren wie etwa Oxymora oder Symploken allermeistens fehl am Platze.

Zeitangaben

Vermeide indexikalische Ausdrücke wie „im vorigen Jahr“, „letzte Woche“, „vor kurzem“, „derzeit“, „neuerdings“, „heute“. Denn sie sind vom Erzählzeitpunkt abhängig, also von dem konkreten Moment, in dem du als Benutzer diesen Artikel geschrieben hast. Damit nicht hintergründig Versionsgeschichten geblättert werden müssen, gib also ein möglichst klares absolutes Datum an oder stelle einen Bezug zu anderen absoluten Datumsangaben im Text her. (Siehe auch Datumskonventionen.) Schreibe also nicht: „Vor hundert Jahren war das Automobil nur ein Hobby reicher Leute“, sondern: „Um 1900 war…“.

Füge einen Zeitpunkt hinzu, wenn Sachverhalte sich voraussichtlich ändern werden. Politiker sind (zunächst) nur ein paar Jahre im Amt, schreibe also: „Bürgermeister ist seit 2008 Franz Meier“, oder: „Bürgermeister ist Franz Meier (Stand 2011)“, oder: „Bürgermeister Franz Meier amtiert für die Wahlperiode 2008–2014.“ So wird für die Leser erkennbar, wie aktuell die Angabe noch ist.

Je nach Thema sind in der Wikipedia das Präteritum (Vergangenheitsform) oder das Präsens (Gegenwartsform) angebracht. Wenn du dich für eine Zeitform entschieden hast, wechsle nicht unbegründet.

Für historische Sachverhalte verwendet man die Vergangenheitsform. Das „historische Präsens“ hingegen, also die Gegenwartsform bei vergangenen Ereignissen, ist nur für journalistische und literarische Texte geeignet, nicht für eine Enzyklopädie. Schreibe also nicht: „1965 geht er nach Paris“, sondern: „1965 ging er nach Paris“.

Abkürzungen und Kurzform

Der Artikelname ist normalerweise keine Abkürzung, sondern der voll ausgeschriebene Ausdruck. Auch am Artikelanfang sollte der volle Ausdruck stehen. Sollte es eine offizielle oder eingebürgerte Abkürzung geben, nenne sie direkt danach in Klammern. Danach musst du entscheiden, ob der volle Ausdruck oder die Abkürzung bekannter ist. Bei sehr langen Ausdrücken ist die Abkürzung vorzuziehen: „NATO“ statt „North Atlantic Treaty Organisation“; dasselbe gilt für Abkürzungen, die als solche nicht mehr wahrgenommen werden, wie Modem oder Aids.

Eine (oft elegantere) Alternative zur Abkürzung kann eine Kurzform sein. Statt „Deutscher Olympischer Sportbund“ kann man im Artikel vom „DOSB“ oder vom „Sportbund“ sprechen. Auch hier gilt: Diese Form sollte leicht verständlich oder eingebürgert sein.

Zur Beibehaltung des Leseflusses sind unnötige Abkürzungen zu vermeiden: So ist „Sportverein“ besser lesbar als „SV“, von Eigennamen abgesehen. Die Schreibweise von Zahlen und Einheiten kann in WP:SVZ#Zahlen im Fließtext nachgelesen werden. Gängige Abkürzungen wie „ca.“ oder „z. B.“ dürfen wahlweise benutzt oder auch ausgeschrieben werden (vgl. WP:RS#Korrektoren). In einigen Fällen dienen sie jedoch nur als Füllwort und können dann auch einfach ganz weggelassen werden.

Siehe auch: Wikipedia:Abkürzungen

Zurückhaltung bei Listen

Eine Enzyklopädie dient nicht dazu, Daten und Fakten aufzuzählen, sondern Wissen zu vermitteln und Zusammenhänge zu erläutern. Insbesondere bei Ereignissen oder der Geschichte eines Artikelgegenstandes ist das Wesentliche, was passierte und weniger wesentlich, wann es passierte. Im Regelfall ist dafür Fließtext die richtige Wahl. Listen sind insbesondere dann sinnvoll, wenn durch Verlinkungen Artikel erschlossen werden. Bezugslose Rohdaten-Listen sind nicht erwünscht. Tabellen können eine sinnvolle Ergänzung eines Artikels darstellen, besonders dann, wenn Datenreihen im Tabellenformat leichter gelesen und aufgefasst werden können als im Fließtext (zum Beispiel bei technischen Daten).

Akademische Grade

Akademische Grade, wie beispielsweise Dr., Dipl.-Ing., sowie Amtsbezeichnungen, beispielsweise Professor, sind keine Namensbestandteile. Sie sollen dem Namen von Personen nicht vorangestellt werden. Diese Schreibweise ist in Enzyklopädien allgemein so üblich. Eine Ausnahme sind Künstlernamen wie Dr. John oder Professor Longhair.

Siehe auch: Wikipedia:Formatvorlage Biografie, Wikipedia:Namenskonventionen#Allgemeines 2

Typografie

Eine Grundregel der Typografie ist der Verzicht: Sei sparsam mit Auszeichnungen! Ein Artikel, in dem jedes zweite Wort kursiv oder fett ist, wirkt unruhig und liest sich schlecht. In der Regel sollten nur das Stichwort und dessen Synonyme fett ausgezeichnet werden. Das kann z. B. bei (mehreren) Künstler- oder Herrschernamen der Fall sein.

Auch sollten Unterstreichungen vermieden werden, um Verwechslungen mit der üblichen Hyperlink-Darstellung zu vermeiden; damit verbleibt zur typografischen Auszeichnung nur der Kursivsatz. Diesbezüglich gibt es in der Wikipedia eine gewisse Uneinheitlichkeit. Wenig gebräuchliche oder noch in der Originalsprache verwendete Fremdwörter kann man kursiv setzen, für Titel von Zeitschriften, Filmen, Büchern oder ähnlichem ist es üblich geworden. Man sollte sich darum bemühen, dass wenigstens innerhalb eines Artikels Einheitlichkeit herrscht.

Pro Wort bzw. Ausdruck reicht eine einzige Art der Auszeichnung aus, also entweder Anführungszeichen oder Fett oder Kursiv.

Ein häufiger Fehler ist das „Plenken“. Vor vielen Satzzeichen darf nach den Regeln der deutschen Zeichensetzung kein Leerzeichen stehen. Korrekte Anführungszeichen hingegen erfordern zwar den einen oder anderen Klick mehr, sehen aber schlicht schöner aus. Mehr ins Detail geht der dazugehörige Artikel Wikipedia:Typografie.

Richtlinien zu einzelnen Themenbereichen

Für verschiedene Themenbereiche in der Wikipedia gibt es gesonderte Richtlinien, die die allgemeinen ergänzen.

Siehe auch

Weblinks

Literatur

Einzelnachweise

  1. Duden. Richtiges und gutes Deutsch. 6., vollständig überarbeitete Auflage. Dudenverlag: Mannheim/ Leipzig/ Wien/ Zürich 2007. ISBN 978-3-411-04096-4. Stichwort „wegen“.
  2. „wegen“, Absatz „Grammatik“. In: Duden Online. Abgerufen am 22. Dezember 2011.
  3. „trotzdessen“, Rubrik „Sprachberatung“. In: Gesellschaft für deutsche Sprache Online. Abgerufen am 20. Dezember 2011.
  4. „trotz“, Absatz „Grammatik“. In: Duden Online. Abgerufen am 20. Dezember 2011.
Meine Werkzeuge
Namensräume
Varianten
Aktionen
Navigation
Mitmachen
Drucken/exportieren
Werkzeuge
In anderen Sprachen