Lille Pendulum

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Lille Pendulum
Die Kleine Pendulum-Insel auf einer Karte von 1874
Die Kleine Pendulum-Insel auf einer Karte von 1874
Gewässer Grönlandsee
Inselgruppe Pendulum-Inseln
Geographische Lage 74° 40′ N, 18° 28′ W74.666666666667-18.466666666667602Koordinaten: 74° 40′ N, 18° 28′ W
Lille Pendulum (Grönland)
Lille Pendulum
Länge 13 km
Breite 5,5 km
Höchste Erhebung Sonnenkopf
602 m
Einwohner (unbewohnt)

Lille Pendulum (deutsch  auch „Kleine Pendulum-Insel“ oder „Klein-Pendulum“) ist eine unbewohnte Insel vor der Ostküste Grönlands in der Grönlandsee. Administrativ gehörte sie bis Ende 2008 zur Provinz Tunu („Ostgrönland“), seit 2009 zum gemeindefreien Gebiet des Nordost-Grönland-Nationalparks.

Geographie[Bearbeiten]

Lille Pendulum bildet mit der 5 km südwestlich gelegenen Sabine-Insel und einigen kleineren Eilanden und Klippen die Inselgruppe der Pendulum-Inseln. Diese sind der Halbinsel Wollaston Forland nordöstlich vorgelagert und bilden die südliche Begrenzung der Hochstetterbucht. Etwa 30 km nördlich liegt die Insel Shannon. Östlich von Lille Pendulum befindet sich, hervorgerufen durch regelmäßige Winde, die das Packeis vom küstennahen Festeis forttreiben, eine der größten Polynjas Ostgrönlands, die gewöhnlich von Shannon bis zur Walross-Insel (dänisch Hvalrosø) südlich der Sabine-Insel reicht.[1]

Zwischen Kap Desbrowe im Süden und Kap Buchenau im Norden hat Lille Pendulum eine Ausdehnung von 13 km. Sie ist durchgängig 5 bis 5,5 km breit, mit Ausnahme ihrer weit vorspringenden nordöstlichen Spitze Kap Hartlaub. Im Sonnenkopf erreicht die Insel mit 602 m ihren höchsten Punkt.[2]

Geschichte[Bearbeiten]

Die Pendulum-Inseln waren seit mehreren Tausend Jahren zunächst von Paläo-Eskimos der Independence I- und später von Inuit der Dorset- und der Thule-Kultur besiedelt.[3] Auf Lille Pendulum wurden Wohnstätten gefunden, die der Thule-Kultur zuzurechnen sind. Als die ersten Europäer die Insel betraten, waren diese aber schon verlassen.[4]

Lille Pendulum ist sicher bereits ab dem 17. Jahrhundert von verschiedenen Walfängern gesichtet worden, insbesondere von William Scoresby, der 1822 eine erste Karte der grönländischen Küste zwischen dem 69. und 75. nördlichen Breitengrad erstellte.[5] Die eigentliche Entdeckung der Insel durch Europäer datiert auf den August 1823. Die Britische Admiralität hatte 1818 ein Programm zur genauen Bestimmung der Erdgestalt mit Hilfe des Sekundenpendels gestartet. Speziell geschulte Marineoffiziere fuhren auf den britischen Schiffen mit und führten Pendelexperimente auch in entlegenen Teilen des Britischen Empire durch.[6] Unter ihnen war Edward Sabine, der spätere Präsident der Royal Society. Er hatte 1818 und 1819–1820 bereits die Expeditionen von John Ross und William Edward Parry zur Auffindung der Nordwestpassage begleitet. 1823 fuhr er auf der HMS Griper unter dem Kommando von Douglas Clavering nach Hammerfest, Spitzbergen und an die Ostküste Grönlands. Nachdem die Griper die Eisbarriere des Ostgrönlandstroms in der zweiten Augustwoche passiert hatte, segelte sie nordwärts und erreichte Mitte August 1823 die Pendulum-Inseln,[7] deren Name an die Pendelexperimente Sabines erinnert. Sabine führte sie allerdings nicht auf Lille Pendulum, sondern auf der Sternwartenhalbinsel der Sabine-Insel durch, die von Clavering zunächst als Inner Pendulum Island bezeichnet worden war.

1869–1870 überwinterte die Zweite Deutsche Nordpolarexpedition mit dem Schraubendampfer Germania im Germaniahafen, einer Bucht der Sabine-Insel. Von hier aus unternahmen die Expeditionsteilnehmer, allen voran Julius Payer, ausgedehnte Bootsfahrten und Hundeschlittenreisen zur Erforschung und Kartierung der angrenzenden Küsten und besuchten auch Lille Pendulum. Viele geographische Bezeichnungen auf der Insel gehen auf den Leiter des Expedition, Carl Koldewey, zurück.

Am 12. Juli 1926 besuchte die Cambridge-Ostgrönland-Expedition unter Leitung von James Wordie Lille Pendulum und wiederholte anschließend auf der Nachbarinsel die Pendelexperimente Sabines von 1823.[8]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. J. B. T. Pedersen, L. H. Kaufmann, A. Kroon, B. H. Jakobsen: The Northeast Greenland Sirius Water Polynya dynamics and variability inferred from satellite imagery (PDF; 3,5 MB). In: Danish Journal of Geography 110, Heft 2, 2010, S. 131−142 (englisch)
  2. Sonnenkopf. In: Anthony K. Higgins: Exploration history and place names of northern East Greenland. (= Geological Survey of Denmark and Greenland Bulletin 21, 2010). Kopenhagen 2010, ISBN 978-87-7871-292-9 (englisch), abgerufen am 28. Dezember 2013
  3. The GeoArk 2008 expedition to North East Greenland auf der Website des Dänischen Nationalmuseums (englisch), abgerufen am 25. April 2014
  4. Die Zweite Deutsche Nordpolarfahrt in den Jahren 1869 und 1870 unter Führung des Kapitäns Koldewey. Verein für die Deutsche Nordpolfahrt in Bremen, Band 1, Brockhaus, Leipzig 1874, S. 597
  5. Anthony K. Higgins: Exploration history of northern East Greenland (PDF; 2,9 MB). In: Exploration history and place names of northern East Greenland (= Geological Survey of Denmark and Greenland Bulletin 21, 2010), ISBN 978-87-7871-292-9. S. 20 (englisch)
  6. W. J. Mills: Exploring Polar Frontiers – A Historical Encyclopedia, Bd. 1, ABC-CLIO, 2003. ISBN 1-57607-422-6, S. 148f (englisch)
  7. Edward Sabine: An account of experiments to determine the figure of the earth by means of the pendulum vibrating seconds in different latitudes; as well as on various other subjects of philosophical enquiry. John Murray, London 1825, S. 159ff
  8. Anthony K. Higgins: Exploration history of northern East Greenland (PDF; 2,9 MB). In: Exploration history and place names of northern East Greenland (= Geological Survey of Denmark and Greenland Bulletin 21, 2010), ISBN 978-87-7871-292-9. S. 34 (englisch)