Lithotomus

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Der Steinschneider Jan de Doot, 1652

Ein Lithotomus, auch Steinschneider, war ein bis ins 19. Jahrhundert ausgeübter medizinischer Beruf, der vielfach gleichzeitig mit der Tätigkeit als Okulist (Augenmediziner) und Chirurg ausgeübt wurde. Sein Wirkungsgebiet lag in der Entfernung von Blasensteinen.

Die Bildung von Blasensteinen war eine häufige Folgeerscheinung früherer Ernährungsgewohnheiten. Zur Beseitigung der zu schmerzhaften Koliken führenden und das Wasserlassen verhindernden Steine wurden die Dienste eines Lithotomus in Anspruch genommen.

Dazu fanden zwei verschiedene Verfahren Anwendung:

  • Im Kindesalter erfolgte eine manuelle Fixierung des Steines durch den Anus am Damm, wo er mittels eines Schnittes herausgezogen wurde.
  • Bei erwachsenen Personen musste ein aufwendigeres Verfahren angewandt werden: Über einen Schnitt in die Harnröhre unterhalb der Prostata führte der Lithotomus seine Werkzeuge in die Blase ein, um den Stein zu greifen und durch den Blasenhals herauszuziehen. Aufgrund der nicht vorhandenen Hygiene sowohl des Operateurs als auch der Instrumente kam es häufig zu Entzündungen, die den Patienten oft das Leben kosteten. Abgesehen davon konnte sowohl durch operative Fehler als auch durch schlichte Unwissenheit der Schließmuskel durchschnitten werden, was zu dauerhafter Inkontinenz führte. Betäubt wurden die Patienten meist mit Alkohol, selten mit Opiaten; besonders in Europa, wo Opiate lange Zeit unbekannt waren, war diese Operation deshalb extrem schmerzhaft.

Seit dem 19. Jahrhundert wurde diese Tätigkeit gänzlich von Chirurgen wahrgenommen, am Verfahren änderte sich bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wenig, ehe moderne Methoden der Urologie Einzug hielten.

Der wohl bekannteste deutsche Lithotomus war Johann Andreas Eisenbarth („Doktor Eisenbarth“).

Ein Musik- oder Bühnenstück „Der Steinschnitt“ beschreibt diese verbreitete Operation im 17. Jahrhundert.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Starstecher, Steinschneider und doctores medicinae - Ö1-Serie: Radiodoktor - Medizin und Gesundheit, vom 7. Jänner 2013 http://oe1.orf.at/programm/325031

Weblinks[Bearbeiten]