Loricarioidea

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Loricarioidea
Otocinclus affinis

Otocinclus affinis

Systematik
Überkohorte: Clupeocephala
Kohorte: Otomorpha
Unterkohorte: Ostariophysi
Otophysa
Ordnung: Welsartige (Siluriformes)
Überfamilie: Loricarioidea
Wissenschaftlicher Name
Loricarioidea

Die Loricarioidea sind eine Überfamilie der Welsartigen (Siluriformes). Zu der Gruppe gehören sechs in Süd- und Mittelamerika verbreitete Fischfamilien, die Kletterwelse (Astroblepidae), die Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae), die Nematogenyidae, die Stachligen Zwergwelse (Scoloplacidae), die Schmerlenwelse (Trichomycteridae) und die namensgebenden Harnischwelse (Loricariidae), bei Nelson (2006) auch die afrikanischen Quappenwelse (Amphiliidae) als basalste Gruppe der Loricarioidea. Einschließlich der letzten Familie gehören 156 Gattungen und 1187 Arten zu der Überfamilie. [1]

Merkmale[Bearbeiten]

Wie andere Welse besitzen die meisten Loricarioidea Barteln. Sie können unbeschuppt sein, oder wie die Panzer- und Schwielenwelse, die Stachligen Zwergwelse und die Harnischwelse mit Knochenplatten gepanzert sein.[1] Die meisten Arten sind abgeflacht, die Panzerwelse eher seitlich zusammengedrückt.[2] Für die Diagnose der Loricarioidea werden zwei Merkmale angegeben, die reduzierte Schwimmblase, die von einer aus Auswüchsen der ersten Wirbel (Parapophysen) gebildeten Knochenkapsel umschlossen ist, und die Odontoden auf ihrer Körperoberfläche und auf den Flossenstrahlen.[2] Auf den Kiemendeckeln der Harnischwelse können diese Odontoden die Haut durchstoßen.[2][3] Die Kletterwelse nutzen ihre Odontoden möglicherweise als Sinnesorgan.[4]

Systematik[Bearbeiten]

Die Loricarioidea werden traditionell in die Unterordnung Siluroidei gestellt, zu der alle Welsfamilien außer die Primitivwelse (Diplomystidae) gehören [1]. In einer jüngeren molekularbiologischen Analyse wurden sie als Unterordnung Loricarioidei (ohne die Quappenwelse) als Schwestergruppe den Primitivwelsen und allen übrigen Welsfamilien (Unterordnung Siluroidei) gegenübergestellt. Die Quappenwelse werden in dieser Analyse zu einer als „Big Africa“-Gruppe bezeichneten Klade gestellt, zu der z.B. die Mochokidae (Fiederbartwelse) und die Zitterwelse (Malapteruridae) gehören [5].

Aus morphologischen Daten wird geschlossen, das sich die Schmerlenwelse und Nematogenys inermis zuerst divergierten; beide Taxa sind möglicherweise Schwestergruppen [1]. Diese Verwandtschaftsbeziehung wurde niemals durch molekularbiologische Untersuchungen bestätigt oder widerlegt.[5] Anschließend entwickelten sich die Panzer- und Schwielenwelse, dann die Stachligen Zwergwelse und schließlich Harnisch- und Kletterwelse.[1][5] Innerhalb der Loricarioidea kann ein Trend zu einer immer komplexeren Kiefermorphologie festgestellt werden, was schließlich zur Entwicklung der Harnischwelse, die den modernsten Kiefer haben, geführt hat [2].

Ein Kladogramm verdeutlicht die verwandtschaftlichen Beziehungen [6]:


Loricarioidea 


 Schmerlenwelse (Trichomycteridae)


     

 Nematogenys inermis



     

 Panzer- und Schwielenwelse (Callichthyidae)


 "advanced Loricarioidea" 

 Stachlige Zwergwelse (Scoloplacidae)


     

 Kletterwelse (Astroblepidae)


     

 Harnischwelse (Loricariidae)






Verbreitung und Lebensraum[Bearbeiten]

Die Loricarioidea kommen in Süßwasserbiotopen der Neotropis, in Südamerika, Panama und Costa Rica vor. Die meisten Arten leben in schnell fließenden Gewässern.[2] Harnischwelse und Kletterwelse haben deshalb ein Saugmaul ausgebildet, mit dem sie sich an den felsigen Untergrund heften können. Kletterwelse besitzen sogar die Fähigkeit mit Hilfe ihres Saugmauls und der Bauchflossen Wasserfälle hinauf zu klettern.[1]

Ökologie[Bearbeiten]

Die Loricarioidea sind eine sehr diverse monophyletische Gruppe. Sie zeigen ein breites Anpassungsspektrum hinsichtlich ihrer Morphologie, besiedeln viele verschiedene Süßwasserhabitate und nehmen verschiedene Stellen in der Nahrungskette ein. Zu der Gruppe gehören Pflanzenfresser, Allesfresser, Parasiten (Vandelliinae) und Holz fressende Arten (Panaque) [2][7]. Die Harnischwelse sind mit etwa 700 Arten (jedes Jahr werden neue Arten entdeckt) die bei weitem artenreichste, erfolgreichste und vielfältigste Familie in der gesamten Überfamilie.[1]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e f g Joseph S. Nelson: Fishes of the World. John Wiley & Sons, Inc, 2006, ISBN 0-471-25031-7.
  2. a b c d e f Scott A. Schaefer, Lauder, George V.: Historical Transformation of Functional Design: Evolutionary Morphology of Feeding Mechanisms in Loricarioid Catfishes. In: Society of Systematic Biologists (Hrsg.): Systematic Zoology. 35, Nr. 4, 1986, S. 489–508. doi:10.2307/2413111.
  3. Roberto E. Reis: Callichthyidae. Armored Catfishes. Tree of Life Web Project. 14. Mai 1998. Abgerufen am 4. Juli 2007.
  4. Scott A. Schaefer, Buitrago-Suárez, Uriel Angel: Odontode Morphology and Skin Surface Features of Andean Astroblepid Catfishes (Siluriformes, Astroblepidae). (PDF) In: Journal of Morphology. 254, Nr. 2, 2002, S. 139. doi:10.1002/jmor.10024. PMID 12353298.
  5. a b c JP Sullivan, Lundberg JG; Hardman M: A phylogenetic analysis of the major groups of catfishes (Teleostei: Siluriformes) using rag1 and rag2 nuclear gene sequences. In: Mol Phylogenet Evol.. 41, Nr. 3, 2006, S. 636–62. doi:10.1016/j.ympev.2006.05.044. PMID 16876440.
  6. John G. Lundberg: Siluriformes. Catfishes. Tree of Life Web Project. 20. Januar 2003. Abgerufen am 12. September 2011.
  7. J. A. Nelson, Wubah, D. A.; Whitmer, M. E.; Johnson, E. A.; Stewart, D. J.: Wood-eating catfishes of the genus Panaque: gut microflora and cellulolytic enzyme activities. (PDF) In: Journal of Fish Biology. 54, 1999, S. 1069–1082. doi:10.1111/j.1095-8649.1999.tb00858.x.