Lucas Andreas Staudinger

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Lucas Andreas Staudinger (* 27. Januar 1770 in Ansbach; † 30. November 1842 in Groß Flottbek bei Hamburg) war ein deutscher Landwirtschaftslehrer. Er gründete 1797 auf einem Pachthof in Groß Flottbek die erste landwirtschaftliche Lehr- und Erziehungsanstalt in Deutschland.

Leben

Staudinger − Sohn eines Landarbeiters − wuchs als Hirtenjunge bei seinen Großeltern in Franken auf. Als Neunzehnjähriger erhielt er eine Anstellung als Sekretär beim schwäbischen Dichter Christian Friedrich Daniel Schubart. Hier erwarb er eine umfassende literarische Bildung. Nach zwei Wanderjahren kam er 1793 zum Hamburger Kaufmann Caspar Voght. Dieser verpachtete ihm später einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb.

Beeinflusst von den pädagogischen Ideen des Schweizer Agrarpädagogen Philipp Emanuel von Fellenberg versuchte Staudinger eine landwirtschaftliche Schule zu gründen und veröffentlichte 1796 eine Schrift unter dem Titel "Entwurf zu einem landwirthschaftlichen Erziehungs-Institute". Mit finanzieller Unterstützung von Caspar Voght errichtete er 1797 auf seinem Pachthof in Groß Flottbek eine landwirtschaftliche Lehr- und Erziehungsanstalt, die erste ihrer Art in Deutschland. Die jeweils nur wenigen Schüler lebten internatsmäßig auf seinem Hof. Sein bedeutendster Schüler war Johann Heinrich von Thünen, der von 1802 bis 1803 in Groß-Flottbek weilte. Nach wirtschaftlichen Misserfolgen wurde die Anstalt 1812 aufgelöst.

Als sich Staudingers wirtschaftliche Lage verbesserte, schloss er 1817 mit Caspar Voght einen neuen Pachtvertrag. Fortan beschäftigte er sich vorrangig mit der praktischen Anleitung landwirtschaftlicher Lehrlinge. Staudinger war ein guter Naturbeobachter. In späteren Jahren galt sein Interesse der Verhütung von Pflanzenkrankheiten und der Unkrautbekämpfung. Mehrere anschauliche Beiträge darüber veröffentlichte er in landwirtschaftlichen Fachjournalen.

Veröffentlichungen

  • Entwurf zu einem landwirtschaftlichen Erziehungs-Institute. Hamburg 1796
  • Gesammelte praktische Erfahrungen und Beobachtungen in dem Gebiethe der Landwirthschaft sowie auch im Fache des landwirthschaftlichen Erziehungswesens. 2 Hefte, Hamburg 1840 u. 1842

Literatur

  • Therese Frentz: Albrecht Daniel Thaer und Lucas Andreas Staudinger – Begründer der modernen Agrarpädagogik. In: Schriftenreihe der Fördergesellschaft Albrecht Daniel Thaer. H. 3, 1995, S. 19–41
  • Reinhard Schwarze: Lucas Andreas Staudinger – Thünens Lehrer und Freund. In: Hamburgische Geschichte- und Heimatblätter Bd. 13, H. 1, 1992, S. 1–12, StuBHH
  • Peter Vollrath: Landwirtschaftliches Beratungs- und Bildungswesen in Schleswig-Holstein in der Zeit von 1750 bis 1850. In: Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (Hrsg.): Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins. Band 35. Wachholtz, Neumünster 1957
  • Friedrich Wilhelm Euler, Karl Staudinger: Lucas Andreas Staudinger, ein Franke im deutschen Norden. In: Archiv für Sippenforschung, H. 83, 47. Jg., 1981
  • Hermann von Wenckstern: Drei Zeitgenossen Thünens. Alexander von Lengerke – Lukas Andreas Staudinger – Caspar von Voght. In: Wissenschaftliche Zeitschrift der Universität Rostock, Mathematisch-Naturwissenschaftliche Reihe. Jg. 4, 1954/55, S. 323–348
  • Hermann Böhme: Die erste landwirtschaftliche Lehranstalt Deutschlands. In: Hinter Pflug und Schraubstock. Jg. 3, 1926/27, S. 67–73 u. 87–93
  • Hans Schröder: Lexikon der hamburgischen Schriftsteller bis zur Gegenwart, Bd. 7, Hamburg, 1879, Nr. 3881