Makara (Mythologie)

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Darstellung der Göttin Ganga auf ihrem Vāhana (Tragtier) Makara

Ein Makara (Sanskrit मकर makaram.) ist ein Wesen aus der hinduistischen Mythologie. Er ist das Reittier (Vāhana) der hinduistischen Flussgötter Gangā und Varuna. Es ist auch eine der Insignien von Kamadeva, einem hinduistischen Gott, der Liebe und Lust repräsentiert. Kamas Flagge (Dhvaja) ist als Karkadhvaja bekannt, also eine Flagge, auf der ein Makara abgebildet ist.

Im Gegensatz zu den löwenähnlichen Yalis oder Vyalas wird ein Makara traditionell als ein Wasserwesen angesehen, in einigen alten Texten wird es mit einem Krokodil verglichen, in anderen mit einem Delphin. Wiederum andere Quellen beschreiben ein Makara als ein Mischwesen: der Körper eines Fisches mit dem Kopf eines Elefanten. Teilweise gilt er auch als Fabelwesen aus Elefant, Schildkröte, Fisch und Krokodil, dessen Eigenschaften er verkörpert. Aus seinem Maul geht alle pflanzliche und tierische Nahrung hervor. Er gilt als Fruchtbarkeitsgenius. [1]

In der Astrologie wird der Makara oft als Seepferd dargestellt und entspricht in der westlichen Astrologie dem Steinbock.

Makara in Thailand[Bearbeiten]

Relief eines Makara, Wat Suthat, Bangkok
Makara mit Naga, Ubosot of Wat Saen Muang Ma, Chiang Mai
Makara auf dem Türsturz eines Khmer-Tempels

Makara wird in Thailand Mangkon (Thai: มังกร, Aussprache maŋkɔːn, auch Makornมกร, andere Schreibweise Mangkorn) genannt.

Fabelwesen[Bearbeiten]

Darstellung einer Kremation mit Katafalk und Urne, im Hintergrund aufgereihte Fabeltiere auf Rädern, Ramakien-Malerei im Wat Phra Kaeo, Bangkok

Das Fabeltier Mangkon ist der Drache in der thailändisch/laotischen Mythologie. Er ist wie die Naga ein Wasserwesen. Ein Mangkon wird in thailändischen Kunstwerken häufig als Hybrid-Wesen dargestellt, bei dem ein Körperteil (meistens der Kopf) vom Drachen abstammt, der Rest des Körpers von anderen Fabeltieren. Diese Hybrid-Wesen wurden in der Rattanakosin-Zeit in alten Handschriften dargestellt, von denen nur noch einige überliefert sind. Sie wurden betitelt als „Bücher mit Bildern verschiedener Tierfiguren, die für die Prozessionen anlässlich der königlichen Verbrennungen gebraucht werden“. Die Tiere stammen aus dem mythologischen Schneewald (Himaphan), der sich an den Hängen des Berges Meru befindet. Sie erinnern an Darstellungen in der Kunst Angkors, wie im Prasat Thom in Koh Ker oder in Banteay Srei. In der thailändischen Literatur wurden sie zuerst im Traiphum Phra Ruang erwähnt.

Darstellungen der Hybrid-Wesen finden sich noch heute in vielen thailändischen Tempeln (Wat), am bekanntesten sind die goldenen Statuen auf der Oberen Terrasse des Wat Phra Kaeo. Überlebensgroße Nachbildungen wurden früher in den Umzügen mitgeführt, welche königliche Urnen zum Verbrennungsplatz geleiteten. Auf dem Verbrennungsplatz wurde ein Katafalk nach dem Vorbild des Meru errichtet.

Thailändische Kunst[Bearbeiten]

In der thailändischen Kunst kann ein Makara leicht mit einer Naga verwechselt werden. Makaras sind in ganz Südostasien auf Bögen und an Treppen, an Statuen und als Thronverzierungen abgebildet. Der thailändische Makara ist zweifellos ein Reptil, ähnlich einem Krokodil. Ein Makara hat jedoch im Gegensatz zur Naga nur einen einzigen Kopf mit einer welligen, länglichen Schnauze und einem weiten Maul mit scharfen Zähnen. Er hat entweder einen gewundenen Körper, oder einen Körper mit kurzen Vorderbeinen, oder gar keinen Körper jedoch mit einem langen, scheinbar belaubtem, manchmal schuppigem Schwanz.

Makara werden an Tempelgebäuden in Thailand häufig zusammen mit einem Kirtimukha (Thai: กิร์ติมุขะ, Sanskrit: „Antlitz der Glorie“, auch Kirttimukha oder Kala) dargestellt, einem löwenköpfigen „Dämonen” aus der hinduistischen Mythologie, der sich in seinem wilden Hunger selbst auffraß, bis nur noch sein Kopf übrig blieb. So wie der Kirtimukha Vegetation ausspeit, so entspringen dem Maul der Makara ein- oder mehrköpfige Nagas. Bereits an den Tempeln der Khmer befinden sich Makara zusammen mit Kirttimukha über den Eingangstoren, wie zum Beispiel im Banteay Srei und auch im Angkor Wat. Erste Beispiele in Thailand finden sich am Wat Sri Sawai (Thai: วัดศรีสวาย), aber auch im Wat Mahathat (วัดมหาธาตุ), beide in Sukhothai. Die Künstler von Sukhothai übernahmen später den Makara in ihr Repertoire. In der Aureole des Phra Phuttha Chinnarat, der Haupt-Buddha-Statue des Wat Benchamabophit, sind rechts und links zwei elegante Makara integriert, die blumige Flamboyants ausspeien.

Andere Bedeutungen[Bearbeiten]

„Mangkon” (Makara) kann in Thailand auch diese Bedeutungen haben:

  • McFarlands Thai-English Dictionary beschreibt einen Mangkon als:
    • ein mythologischer Fisch oder Seemonster, ein märchenhafter Seedrache,
    • Russell-Feuerfisch (pterois russelli), auch Dornfisch, (Skorpion-Fisch - Muraenesox cinereus),
    • ein kleiner, schuppenloser Salzwasser-Fisch, der etwa die Größe eines menschlichen Daumens erreichen kann. Er ist häufig in Salzwasser-Kanälen anzutreffen.
  • Mangkon wird (selten) als Vorname für Männer verwendet. Die Kurzform "Gon" gibt es häufiger. Häufig geben sich Muay-Thai-Kämpfer einen Namen, in dem Mangkon vorkommt: z. B. „Mungkorn Dam“ (Schwarzer Drache - unterschiedliche Schreibweise aus englischem Sprachraum).
  • Wat Mangkon ist ein historischer Tempel im Sukhothai Historical Park (Provinz Sukhothai)

Literatur[Bearbeiten]

  • Anna Dallapiccola: Dictionary of Hindu Lore and Legend. Thames & Hudson, New York, 2002. ISBN 0-500-51088-1
  • Gerhard J. Bellinger, Knaurs Lexikon der Mythologie, Knaur, München 1999, Makara, ISBN 978-3899962703
  • Jean Boisselier: Malerei In Thailand. Verlag W.Kohlhammer, Stuttgart 1976, ISBN 3-17-002521-X
  • G.B. McFarland: Thai-English Dictionary. Stanford University Press, Stanford 1944, ISBN 0-8047-0383-3
  • Prof. Dr. Pinyo Suwankiri: Lined Figures of Himaphan animals. Chulalongkorn University Press, Bangkok 2543, ISBN 974-333-514-5
  • Pamela York Taylor: Beasts, Birds, And Blossoms In Thai Art. Oxford University Press, New York 1994, ISBN 967-65-3051-4
  • Heinrich Zimmer: Indische Mythen und Symbole. Diederichs Gelbe Reihe, Düsseldorf 1981, ISBN 3-424-00693-9

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Makara – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gerhard J. Bellinger, Knaurs Lexikon der Mythologie, Knaur, München 1999, Makara