March of Dimes

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Poster, das zum March of Dimes aufruft
March of Dimes unterstützte auch die Versorgung von Polio-Opfern

March of Dimes ist eine US-amerikanische Wohltätigkeitsorganisation, die sich heute zum Ziel gesetzt hat, die Gesundheitssituation von Neugeborenen zu verbessern. Die Organisation wurde 1938 als National Foundation for Infantile Paralysis auf Initiative von Franklin D. Roosevelt gegründet, um Heilungsmöglichkeiten und Präventionsmittel für Polio zu finden. Seit 1979 trägt die Organisation die Bezeichnung March of Dimes und erinnert damit auch an eine ihrer erfolgreichsten Kampagnen.

Geschichte[Bearbeiten]

Polio war bis etwa zur Mitte des 19. Jahrhunderts eine endemisch auftretende Krankheit. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts kam es jedoch vermehrt zu epidemieartigen Ausbrüchen. Die Otter-Valley-Polio-Epidemie im Jahre 1894 war die erste Polio-Epidemie, die für die Vereinigten Staaten wissenschaftlich beschrieben wurde. Ihr folgten zahlreiche kleine weitere Epidemien. Im Juni 1916 kam es in den Oststaaten der Vereinigten Staaten erneut zu einer schweren Polio-Epidemie, in deren Verlauf mehr als 6.000 Menschen starben. Allein für die Stadt New York waren mehr als 8.900 Krankheitsfälle gemeldet worden, wobei jeweils nur die paralytische Verlaufsform registriert wurde. Von den Erkrankten starben mehr als 2.400 Personen. Bei 80 Prozent der Verstorbenen handelte es sich um Kinder unter fünf Jahren.[1]

In den Vereinigten Staaten folgten regionale Epidemien in einem Turnus von etwa fünf bis sechs Jahren, während es in den Intervallen immer wieder zu sporadischen Fällen kam. Zu den Opfern des Sommers 1921 zählte der junge Franklin D. Roosevelt. Es wird heute zwar nicht ausgeschlossen, dass Franklin D. Roosevelt am Guillain-Barré-Syndrom litt, er selbst und seine Ärzte gingen jedoch bis zu seinem Lebensende von einer Polio-Erkrankung aus. Roosevelt, der sich sehr für die Bekämpfung der Polio-Erkrankung engagierte, gründete am 3. Januar 1938 die National Foundation for Infantile Paralysis. Ziel der Wohltätigkeitsorganisation war es, Geldmittel für die Forschung und für die Versorgung von Polio-Opfern zu sammeln. Aufgrund von Franklin D. Roosevelts Verbindungen engagierten sich sehr schnell auch Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in diesem Kampf. Die Bezeichnung March of Dimes wurde von dem Unterhaltungskünstler Eddie Cantor vorgeschlagen, der sich mit diesem Titel an die bekannte US-amerikanische Nachrichtensendung The March of Times anlehnte.[2]

Mit der Verwendung von „Dime“ (10-Cent-Münze) sollte zum Ausdruck gebracht werden, dass sich jeder an dem Kampf gegen Polio beteiligen könne und sei seine Spende noch so klein. Eddie Cantors Aufruf schlossen sich sehr schnell andere bekannte Persönlichkeiten der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie wie Jack Benny, Bing Crosby, Rudy Vallee und Edgar Bergen an. Der Erfolg des Aufrufs war so groß, dass das Postbüro des Weißen Hauses die Anzahl der Briefe kaum noch bewältigen konnte. Das Weiße Haus erhielt zu diesem Zeitpunkt etwa 5.000 Briefe täglich. Bereits am dritten Tag nach dem Aufruf gingen täglich mehr als 150.000 Briefe ein.[3]

Während der ersten 17 Jahre unterstützte March of Dimes Wissenschaftler bei der Erforschung der Krankheitsursache und der Entwicklung von Mitteln gegen Polio. Die Dringlichkeit, ein Heilmittel gegen diese Krankheit zu finden, nahm insbesondere in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zu, als die Zahl der Krankheitsfälle drastisch anstieg. Zu wesentlichen Fortschritten in der Erforschung eines Impfstoffes führte 1952 die Einführung der Viruskultur durch J. F. Enders, dank der Jonas Salk 1954 einen inaktivierten (Tot-)Impfstoff entwickeln konnte.[4]

Sowohl J. F. Enders als auch Jonas Salk hatten wesentliche Forschungsmittel von March of Dimes erhalten. Der von Albert Sabin entwickelte abgeschwächte Lebendimpfstoff führte ab 1960 zu den wesentlichen Fortschritten bei der Poliobekämpfung. Dank der Impfstoffe sanken die Poliofälle von jährlich mehreren 100.000 auf nur noch etwa 1.000 pro Jahr.[5] Zu den wesentlichen Tätigkeitsfeldern der March-of-Dimes-Organisation zählte aber auch die Unterstützung von Polio-Opfern. Viele der Erkrankten waren gelähmt und auf eine intensive Betreuung angewiesen. March of Dimes stellte den betroffenen Familien finanzielle Mittel zur Verfügung, um diese Betreuung zu gewährleisten. Ab 1958 setzte sich March of Dimes ein weiteres Ziel: Die gesammelten Gelder sollten verwendet werden, um die Rate an Frühgeburten, missgebildeten Kleinkindern sowie die Säuglingssterblichkeit zu reduzieren. Virginia Apgar, eine sehr erfahrene Chirurgin und Geburtshelferin, wurde in diesem Sinne zur Vorsitzenden der Organisation gewählt.

Aktuelle Tätigkeitsfelder[Bearbeiten]

March of Dimes finanziert bis heute Forschungsaktivitäten und unterstützt Kliniken, in denen Frühgeborene versorgt werden. Seit 1970 veranstaltet March of Dimes einen March for Babies und hat bislang 1,7 Milliarden US-Dollar an Spendenmitteln gesammelt. Die Organisation vergibt mehrere Wissenschaftspreise, darunter den mit 250.000 US-Dollar dotierten March of Dimes Prize in Developmental Biology (Entwicklungsbiologie) und den Agnes Higgins Award (Ernährung Schwangerer).

Seit April 2008 ist Tom Bergeron der Sprecher der Organisation.

March of Dimes wird häufig als Beispiel einer Organisation genannt, die nach dem Erreichen ihres ursprünglichen Zieles und Gründungsgrundes sich nicht aufgelöst hat, sondern ihre Aktivitäten auf einem anderen Gebiet fortsetzt.[6] Die heutige Zielsetzung der Organisation, die Verbesserung der Gesundheit von Neugeborenen, stellt kein endliches Ziel dar. Charity Navigator bewertete March of Dimes im Jahre 2008 mit nur einem von vier möglichen Punkten. Mit dieser Beurteilung weist Charity Navigator darauf hin, dass andere Organisationen ihr Ziel effizienter erreichen.[7]

Die Stiftung Pfennigparade in München ist eine vergleichbare Stiftung. Ihr Name ist die deutsche Übersetzung von March of Dimes.

Belege[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  •  David W. Rose: March of Dimes. Arcadia Publishing, 2003, ISBN 0738512532.
  •  David M. Oshinsky: Polio: An American Story. Oxford University Press, USA, 2005, ISBN 0195307143.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Oshinsky, S. 22
  2. William H. Helfand, Jan Lazarus and Paul Theerman: "…So That Others May Walk": The March of Dimes. In: American Journal of Public Health. 91, Nr. 8, August 2001, S. 1190. doi:10.2105/AJPH.91.8.1190. PMC: 1446742 (freier Volltext).
  3. Oshinsky, S. 54
  4. Edward Epstein: Polio vaccine's golden anniversary. San Francisco Chronicle. April 12, 2005. Abgerufen am 9. August 2007.
  5. Aylward R: Eradicating polio: today's challenges and tomorrow's legacy. In: Ann Trop Med Parasitol. 100, Nr. 5–6, 2006, S. 401–13. doi:10.1179/136485906X97354. PMID 16899145.
  6. Howard P. Greenwald: Organizations: Management Without Control. Sage Publications, Inc., 2007, ISBN 1412942470, S. 369.
  7. Charity Navigator Rating - March of Dimes. Abgerufen am 8. April 2008.

Weblinks[Bearbeiten]