Marderabwehr

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Als Marderabwehr können Maßnahmen des Menschen bezeichnet werden, um den Steinmarder abzuwehren. Die Paarungszeit liegt bei den Steinmardern im Juni/Juli. Die „heiße Phase“ territorialer Auseinandersetzungen ist für die Marder die Zeit von März/April bis Spätsommer. [1] In diesem Zeitraum sind Abwehrmaßnahmen sehr gefragt.

Problembereich Haus[Bearbeiten]

Der Marder sucht sich sein Quartier meist zwischen Steinen und Holzanhäufungen, auch Scheunen sind beliebte Aufenthaltsplätze. Meist verläuft dieses Verhalten konfliktlos. Lediglich Katzen können durch Kämpfe mit den Tieren teils erhebliche Verletzungen davontragen. Manchmal dringen die Tiere aber auch in Dachböden von Wohnhäusern ein und verraten sich durch erheblichen Lärm (poltern auf dem Dachboden, auch Nies- u. Hustengeräusche). Da die Tiere eine Vielzahl an Gegenständen in das Quartier schleppen, kann eine Entsorgung zu einer teuren Angelegenheit werden (Handschuhe, Tierskelette, Dämmmaterial im Nest sind keine Seltenheit). Außerdem verkoten sie den Dachboden.

Hier können Ultraschallgeräte mit über 100 dB(C) Schalldruckpegel helfen, die auf die Einstiegslöcher und den Nistraum ausgerichtet werden. Das ist aber dauerhaft nicht sinnvoll, da die Tiere von dem für ihr Gehör ohrenbetäubenden Krach taub werden und sich folglich nicht mehr an dem Ultraschallgerät stören werden. Weitere nachteilige Nebenwirkungen für andere Tiere und auch den Menschen sind zudem noch unzureichend erforscht. Selbst das Zustopfen der Löcher hilft nur vorübergehend, weil sich die Tiere einen neuen Zugang suchen oder bekannte Zugänge wieder "freikämpfen". Gute Erfahrungen wurden damit gemacht, einen mit Dieselkraftstoff getränkten Lappen in eine Schale zu legen und sie auf den Dachboden zu stellen - allerdings sollte aus Gründen des vorbeugenden Brandschutzes und der Geruchsbelästigung auf diese Methode verzichtet werden. Durch den Lappen hält sich der Kraftstoff länger. Die feine Nase des Marders mag den Geruch überhaupt nicht, und er verschwindet meist recht schnell. Vergleichsweise zu dieser Methode gibt es im Fachhandel Anti-Marder-Sprays, die entweder großflächig aufgetragen werden, oder Konzentrate, mit denen man punktuell mitgelieferte Filzpads benetzt und auslegt oder anheftet. Mit etwas Geschick kann man diese sogar zwischen dem Isoliermaterial (z. B. unterer und oberer Dachhaut) anbringen, wodurch sich die Brandgefahr ausschließen und die Geruchsbelästigung begrenzen lässt.

Problembereich Auto[Bearbeiten]

In den 1980er-Jahren sind die ersten Marderverbisse an Autos bekannt geworden.[2] Die jährlichen Marderschäden an Kraftfahrzeugen belaufen sich auf schätzungsweise mehrere Hunderttausend Schadensfälle. Allein im Jahr 2011 wurden über 229.000 Versicherungsfälle von dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gezählt. Die Dunkelziffer ist wesentlich größer, da die Versicherungsstatistik nur die bekanntgewordenen Schäden ihrer Klienten erfasst.[3] Der Steinmarder hat sich an die Lebensbedingungen der Menschen gewöhnt und hält sich vermehrt als Kulturfolger in deren Nähe auf. Die Gründe, warum der Steinmarder sich in Autos niederlässt, lassen sich nicht, wie lange angenommen, auf den Geruch von heißem Gummi oder auf die Zusammensetzung der Kunststoffe zurückführen, sondern auf das Artverhalten des Tieres. Der Motorraum bietet dem Steinmarder einen attraktiven Unterschlupf mit vielseitigen Möglichkeiten. Er dient als Erholungs- und möglicher Rückzugsort vor Feinden, wie auch als Speisekammer für Nahrungsüberreste.[4] Besonders gefährdet sind Fahrzeuge, die zwischen unterschiedlichen Orten pendeln und über Nacht im Freien abgestellt werden. Haben an beiden Orten unterschiedliche Marder im Fahrzeug ihr jeweiliges Revier markiert, so versuchen die Tiere, dieses Revier zu verteidigen und Beißattacken sind die Folgen.[5] Somit lassen sich die durch den Steinmarder entstandenen Schäden auf das Revierverhalten zurückführen. Vor allem in der beschriebenen „heißen Phase“ und der Paarungszeit der Marder treten Schäden vermehrt auf.[6] Gleichwohl sind Abwehrmaßnahmen ganzjährig sinnvoll. Für den Fahrzeugbesitzer können Marderschäden zu einer teuren Angelegenheit werden. Dämmstoffe im Motorraum sind dabei noch das geringste Problem. Kabel und Schläuche aller Art (Achsmanschette, Zündkerzenkabel, Kühlwasserschläuche, Bremsschläuche, Schläuche der Scheibenwaschanlage, Kabel der Lambdasonde[7] sind besonders gefährdet) werden zerbissen. Dabei sind die Bissstellen manchmal schwer zu entdecken, weil die scharfen Zähne der Tiere nur etwa stecknadelkopfgroße Einstiche hinterlassen.

Mögliche Folgen[Bearbeiten]

  • Autopanne (zum Beispiel durch ein defektes Zündkabel)
  • Autobrand (zum Beispiel durch in Brand geratenes Dämmmaterial)
  • Unfall (zum Beispiel durch einen defekten Bremsschlauch)[8]


Während Abschleppkosten oft durch die Mitgliedschaft in einem Autoclub abgedeckt sind, werden Folgekosten (zum Beispiel Defekte an Motor, Abgasanlagen) nicht von allen Versicherungen gedeckt. Hier kommt es auf den Versicherer und den genauen Tarif an.[9]

Abwehrmaßnahmen[Bearbeiten]

Marderschutzgitter mit Maschendraht
Batteriebetriebenes Ultraschallgerät im Motorraum
Sensorgesteuertes Hochspannungsgeraet mit Edelstahlkontaktplatten im Motorraum

Auf jeden Fall zu beachten ist, dass Steinmarder dem Jagdrecht unterliegen.

Vorbehandlung[Bearbeiten]

Die ADAC-Verkehrswacht empfiehlt grundsätzlich nach jedem Marderschaden sowie beim ersten Entdecken von Pfotenabdrücken auf der Motorhaube oder Spuren eines Marderbesuchs im Motorraum (Nahrungsreste, zerfetzte Gummiteile) und vor jeder Marderabwehrmaßnahme die Durchführung einer Motorwäsche. Dies sollte in einer Fachwerkstätte geschehen, welche die rechtlichen Vorschriften erfüllt. Alternativ dazu werden sogenannte Duftmarken-Entferner (Spezial-Reinigungsschaum) angeboten. Denn nur mit Hilfe dieser Vorbehandlungen werden die von jedem Marder hinterlassenen Duftspuren beseitigt, das Fahrzeug neutralisiert und für die anderen Kontrahenten entschärft (Angriffsgrund wird genommen).[10] Empfehlenswert ist, möglichst viele Autokabel (vor allem die Zündkabel) mit Wellschlauch zu ummanteln. Das wellförmige Kunststoffröhrchen kann leicht verarbeitet und über die Schläuche gezogen werden. Dies stellt eine relativ billige, aber sehr wirksame Maßnahme dar. Im Fachhandel werden diese in besonderer Qualität „als bereits geschlitzte Marderschutzschläuche“ angeboten, um das Anbringen ohne Demontage zu ermöglichen. Auf minderwertige Qualitäten die u.a. als Scheuer-Schutzschlauch angeboten werden, sollte man in diesem Zusammenhang verzichten. Für die Kabel von Katalysatoren/Lambdasonden gibt es besondere hitzebeständige Schutzkabel aus Aluminium. Leider lassen sich aber nicht alle Bauteile im Fahrzeug ummanteln, weshalb ergänzende Schutzmaßnahmen nötig sein können.

  • Maschendraht unter dem Motorraum und große Abwehrgegenstände unter dem Auto haben oft eine zeitlich begrenzte Wirkung. Da Marder sehr vorsichtige Tiere sind und meist kein Risiko eingehen, meiden sie ungewöhnliche Vorrichtungen zwar zeitweise - wohl aber nicht für immer.[11]
  • Ultraschall-Geräte sollten einen Schalldruckpegel von über 100 dB(C) haben, um eine Gewöhnung zu vermeiden (Ergebnis ADAC-Test). Zusätzlich unterstützend gegen den Gewöhnungseffekt sollte beim Kauf auf Geräte mit „Frequenzmodulation“ geachtet werden.[12]
  • Hochspannungsgeräte sind laut durchgeführten Tests und vieler Jahre Praxiserfahrung die wirksamste und effektivste Methode, gegen den Marder vorzugehen. Mittels der im Motorraum angebrachten und durch einen Hochspannungs-Sensor aufgeladenen Kontaktplatten bekommt der Marder bei Berührung einen Stromschlag nach dem Weidezaunprinzip.[13] Positiver Effekt hierbei: Es hält den Marder nachhaltig fern, ohne das Tier zu schädigen. Wichtig ist somit, darauf zu achten, dass die Geräte das Fahrzeug schützen und das Tier nicht verletzen. Voraussetzung für einen Stromschlag ist jedoch, das Schließen eines Stromkreises. Hierfür ist Masse (Minuspol) nötig, z. B. über die Karosserie oder andere blanke Metall-Motorteile. Auch Wasserschläuche bestehen aus leitfähigem Material. In anderen Worten: Über das Fahrzeug wird der benötigte Minuspol transportiert.

In neueren Fahrzeugen mit viel Kunststoff, Lack und Schallschutz im Motorraum gibt es weniger leitende Oberfläche, sodass die Masse (Minuspol) idealerweise über eine zweite, also eine „doppelte Kontaktplatte“, mitgeliefert wird. Das heißt, diese Geräte haben doppelte Kontaktplatten mit Plus- und Minuspol. Es sollte eine Möglichkeit geben, dass Geräte für Service-Arbeiten ausgeschaltet werden können. Für Menschen sind Hochspannungs-Marderabwehrgeräte weitgehend ungefährlich.

Doppelte Kontaktplatte aus Edelstahl (Plus-Minuspol)
  • Eine Vielzahl an Hausmitteln werden zur Marderabwehr empfohlen. Die Wirksamkeit ist aber oft zweifelhaft und wenn überhaupt, nur von begrenzter Dauer. Dazu gehören beispielsweise Hundehaare, Klosteine, (Hunde)-Urin, alte Schuhe oder Gummistiefel unter dem Auto und sonstige Mittel aller Art.[14]
  • Für einige Fahrzeuge sind Nachrüstsätze verfügbar, um die Zugänge zum Motorraum mit Hilfe von Bürsten und Gittern zu verschließen (z.B. Golf V).[15]

Nachteile der Abwehrmaßnahmen[Bearbeiten]

  • Marderabwehr am Auto mit einem Hasengitter unter dem Motorraum: Das Problem beim Hasengitter ist, dass es auf Grund der Größe üblicherweise nicht mitgeführt und somit im Normalfall nur am üblichen Standort des Fahrzeugs liegt. Viele Marderangriffe passieren aber unterwegs beim Parken in fremden Revieren. Deshalb ist eine im Fahrzeug eingebaute, und so an allen Standorten schützende, Marderabwehr zu bevorzugen - also nach dem Ultraschall- oder Weidezaunprinzip. Beide Prinzipien bergen das Restrisiko, dass der Marder dennoch zubeißt. Sicheren Schutz bieten nur die oben genannten Geräte mit doppelten Kontaktplatten, da diese auf Grund der Beschaffenheit immer einen 100 prozentigen Stromschlag beim Marder auslösen.
  • Ultraschallabwehr: Bei Ultraschall ist bekannt, dass eine Schutzwirkung nur eintritt, wenn der Schalldruck so hoch ist, dass er den Tieren bei genügender Annäherung (20 bis 30 cm) Schmerzen verursacht. Da Schall aber durch Hindernisse blockiert und damit wirkungslos wird, ist die Schutzwirkung im engen Motorraum schlecht. Deshalb ist beim Einbau darauf zu achten, dass der aus einer großen Schallöffnung austretende Ultraschall von Oberflächen im Motorraum reflektiert werden kann, um so auch am Boden unterhalb des Motorraums anzukommen und die Marder schon zu scheuchen, bevor sie überhaupt in den Motorraum eindringen wollen oder sich in die Nähe des Fahrzeugs wagen. Der Einbau mehrerer sich überlappender und nach unten gerichteter Schallquellen ist im Motorraum praktisch nicht realisierbar und für den Energiehaushalt im Fahrzeug ungeeignet (Akkubelastung). Die notwendigen hochwertigen Ultraschall-Lautsprecher sind teuer und empfindlich (Motorraum-Wäschen problematisch). Wirksame Geräte gibt es für etwa 100 Euro. Ferner operieren viele "Ultraschall"-Geräte teilweise im für (junge) Menschen hörbaren Bereich und können daher für Passanten unangenehm sein. Hochwertige Geräte sind jedoch so konzipiert, dass sie außerhalb des Motorraums selbst von jungen Menschen meist nicht gehört werden können.
  • Das Weidezaunprinzip: Es muss darauf geachtet werden, dass auch beim Weidezaun die Kontakte so beschaffen sind, dass sie die unterschiedlich großen Bewegungsbereiche so blockieren, dass der Marder daran nicht vorbei schlüpfen kann. Auf Grund des aktiven Erkundungs- und Spielverhaltens des Steinmarders ist eine Berührung mit den stromgebenden Kontaktplatten gegeben. [16] Die Kontakte müssen so platziert werden, dass sie keinen Kontakt zu anderen Metallteilen im Motorraum haben und einen Kurzschluss verursachen könnten (sie dürfen auch nicht verrutschen). Sie müssen gelegentlich auf Korrosion und Verschmutzung geprüft werden, was sich an schlecht zugänglichen Orten im Motorraum schwierig gestaltet. Daher gilt beim Kauf eines Marderabwehrproduktes darauf zu achten, dass die Kontaktplatten aus Edelstahl beschaffen sind und nicht korrodieren können. Die Stromschlagplättchen müssen immer geladen sein, was bei längerer Standzeit des Fahrzeugs den Akku sehr belastet. Daher sollte das Marderabwehrgerät stromsparend sein. Hochspannung ist für die Fahrzeugelektrik nicht völlig ungefährlich. Es gibt auf dem Markt der Marderabwehr Hochspannungsgeräte mit einer sehr geringen Stromstärke, unter einem halben Milliampere (mA), auch Geräte mit eigener Stromversorgung. Zwei handelsübliche Knopfzellen reichen aus, um 18 Monate das Gerät mit Energie zu versorgen. Somit muss dieses Gerät nicht an die Bordelektronik angeschlossen werden, was den Einbau enorm vereinfacht und verkürzt. Dies ist dann von Bedeutung, wenn nicht in die Bordelektronik eingegriffen und eine mögliche Fehlerquelle verhindert werden soll. Ferner, wenn besonderen Wert darauf gelegt wird, dass die Fahrzeugbatterie nicht zusätzlich belastet wird, obwohl der Stromverbrauch wie erwähnt, bei den Markenprodukten äußerst minimal ist.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ludwig, Beate: "Automarder unter der Motorhaube", Universität Giessen, (1995), S. 13 ff, 12.Jg./Nr. 1.
  2. Ludwig, Beate: "Von Mardern und Menschen", Steinfurt, Tecklenborg Verlag,(1999), S. 91 ff.
  3. "Versicherungsstatistik der bekanntgewordenen Schäden". Website des Gesamtverbands der deutschen Versicherungswirtschaft. Abgerufen am 27. August 2013.
  4. Ludwig, Beate: "Von Mardern und Menschen", Steinfurt, Tecklenborg Verlag 1999, S. 91 ff.
  5. Peter Wohlleben, Kranichflug und Blumenuhr, 2012, Darmstadt, pala-Verlag, S.112f., ISBN 978-3-89566-310-9
  6. "ADAC Hinweis". Website des deutschen ADAC. Abgerufen am 27. August 2013.
  7. "Die Schäden". Website der Universität Gießen. Abgerufen am 30. August 2013.
  8. "Tipps gegen Marder".Website des deutschen ADAC. Abgerufen am 27. August 2013.
  9. "Wer übernimmt die Kosten?". Website der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Abgerufen am 27. August 2013.
  10. "Tipps". Website des deutschen ADAC. Abgerufen am 27. August 2013.
  11. "Mittel gegen Marder". Website Autobild. Abgerufen am 27. August 2013.
  12. "Hausmittel gegen Marder meist ohne Wirkung"Website Auto. Abgerufen am 28. August 2013
  13. "Prüfung der Wirksamkeit von Automarder-Abwehrmitteln". Website der Universität Gießen. Abgerufen am 27. August 2013.
  14. Beate Ludwig: Automarder unter der Motorhaube. Universität Giessen, 1995, 12.Jg., Nr. 1, S. 13 ff.
  15. "Abschottung". Website des deutschen ADAC. Abgerufen am 27. August 2013.
  16. Ludwig Beate:"Von Mardern und Menschen" Steinfurt, Tecklenborg Verlag, S. 96 ff.