Massaker in Südkorea

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Massenexekution von angeblichen Kommunisten in Taejon, Juli 1950, fotografiert von US-amerikanischen Offizieren
Erschießungen von angeblichen Anhängern der Bodo League im Sommer 1950, Taejon
Menschliche Überreste in der Darangshi-Höhle nach dem Jeju-Massaker 1948

Eine Reihe von Massakern in Südkorea ereignete sich in den Jahren 1948 bis 1951 vor dem Hintergrund der Teilung Koreas in Nordkorea und Südkorea (1945) und des Koreakrieges (1950–1953).

Nachdem der Zweite Weltkrieg 1945 mit der Kapitulation Japans beendet war, zerbrach das japanische Kolonialreich und US-amerikanischen Truppen besetzten Südkorea. In der Folge wurde eine Besatzungszone eingerichtet und durch eine Militärregierung (USAMGIK)[1] verwaltet. Nach den separaten Wahlen in Südkorea am 10. Mai 1948 herrschte eine militante antikommunistische[2] Regierung. Einige der Massaker wurden von Offizieren der US-Streitkräfte begleitet und fotografiert.

Folgende Massaker wären dabei aufgrund ihrer Signifikanz zu erwähnen:

  • Jeju-Massaker: Infolge eines (angeblich kommunistischen) Aufstands von Fischern und Bauern auf der Insel Jeju am 3. April 1948 wurden mehr als 270 von 400 Dörfern ausgelöscht und zahlreiche Menschen liquidiert. Die Schätzungen schwanken zwischen 30.000 und 60.000 Menschen oder mehr, bei einer Gesamtbevölkerung der Insel von damals 300.000 Menschen.[2]
  • Sinchon-Massaker, 1950
  • Yeosu–Suncheon-Rebellion, Oktober 1948
  • Ganghwa-Massaker, 1951
  • Namyangju-Massaker, 1950–1951
  • Bodo-League-Massaker, 1950
  • Kwangju-Massaker, 1980

Das Bodo-League-Massaker zählt zu den furchtbarsten Gräueltaten an bewiesenen oder mutmaßlichen Mitgliedern bzw. Unterstützern der Bodo League im Sommer 1950. Etwa 100.000 bis 200.000 Menschen, meist nicht beteiligte Zivilisten wurden in und um Taejon hingerichtet.

Pablo Picasso malte 1951 das Bild Massaker in Korea mit Bezug auf das Sinchon-Massaker. Bei der dargestellten Erschießung sind auch Kinder zu sehen. In Namyangju fand man 2008 unter den Leichen von 460 Menschen auch die von mindestens 23 Kindern im Alter unter 10 Jahren.[3]

1999 rief der Präsident Südkoreas und spätere Friedensnobelpreisträger Kim Dae-jung eine Untersuchungskommission u. a. zum Jeju-Massaker ins Leben, deren Ergebnisse die Regierungsseite schwer belastete.[2] Zur weiteren Aufklärung wurde 2005 die Truth and Reconciliation Commission eingesetzt und mit einem Budget von 19 Millionen Dollar ausgestattet. Bereits in einem Zwischenbericht wurden schwere Verbrechen an Zivilisten und Menschenrechtsverletzungen festgestellt.[4] 2010 legte die Kommission ihren Schlussbericht zu den Massakern vor.

Bis heute finden die genozidähnlichen Massaker keinen Eingang in die Geschichtsbücher Südkoreas.[1] Unschuldige Opfer wurden nicht rehabilitiert.[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Christian Schmidt-Häuer: "Requiem für ein Fischerdorf". In: Onlinepublikation der Wochenzeitung Die Zeit. 28. September 2011, abgerufen am 5. Januar 2014.
  2. a b c d Christian Schmidt-Häuer: "Tötet alle, verbrennt alles!" In: Onlinepublikation der Wochenzeitung Die Zeit. 23. Mai 2002, abgerufen am 5. Januar 2014.
  3. chron.com
  4. „Seoul probes civilian `massacres' by US“ von Hanley, Charles J.; Jae-Soon Chang, auf Truth and Reconciliation Commission, Republic of Korea, vom 4. April 2008, Abgerufen am 5. Januar 2014.