Pablo Picasso

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1962
1962
Signatur Picassos
Signatur Picassos

Pablo Ruiz Picasso (* 25. Oktober 1881 in Málaga, Spanien; † 8. April 1973 in Mougins, Frankreich) war ein spanischer Maler, Graphiker und Bildhauer und gilt als einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Sein beachtliches Gesamtwerk von mehr als 15.000 Gemälden, Zeichnungen, Grafiken, Plastiken und Keramiken zeigte stil- und schulbildende Wirkung auf die moderne Kunst. Zusammen mit Georges Braque begründete er den Kubismus.

Inhaltsverzeichnis

Familie und Herkunft

Geburtshaus Picassos in Málaga
Geburtshaus Picassos in Málaga

Picasso war das erste Kind von José Ruiz Blasco, einem Zeichenlehrer, freischaffenden Maler und Konservator am Stadtmuseum mit baskischen Wurzeln, und María Picasso López. Der traditionellen Namensgebung in Málaga folgend[1], erhielt er bei seiner Geburt eine Vielzahl von Vornamen: Pablo, Diego, José, Francisco de Paula, Juan Nepomuceno, María de los Remedios, Crispiniano de la Santísima Trinidad[2], von denen lediglich Pablo (eine Reverenz an Don Josés kurz vor dem ursprünglichen Hochzeitstermin verstorbenen, älteren Bruder) gebräuchlich wurde. 1884 wurden seine Schwester Dolores (Lola) und 1887 seine Schwester Conception (Conchita) geboren, die mit acht Jahren starb.

Picasso selbst heiratete 1918 die russische Tänzerin Olga Koklowa. Aus der Ehe ging Sohn Paolo (* 1921) hervor. Picasso hatte drei weitere, uneheliche Kinder: aus der Beziehung mit Marie-Thérèse Walter (1927 bis 1937) die Tochter Maya (* 1935), mit Françoise Gilot (1943 bis 1953) den Sohn Claude (* 1947) und die Tochter Paloma (* 1949). Kinderlos blieb die Beziehung zur Fotografin und Malerin Dora Maar (1936 bis 1943) sowie Picassos zweite Ehe mit Jacqueline Roque von 1961 bis zu seinem Tod.

Leben und Werk

Frühe Schaffensperiode

Bereits in früher Jugend trat die künstlerische Begabung Picassos zutage. So begann er bereits im Alter von sieben Jahren 1888 unter Anleitung seines Vaters Jose Ruiz Blasco zu malen. 1891 zog er nach A Coruña in Galicien um, wo er sich an der Schule für Bildende Künste einschrieb. Mit 15 Jahren schaffte er mühelos die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule in Barcelona (1895) und richtete im Jahr darauf sein erstes Atelier (mit Manuel Pallarès) ein. 1897 studierte er kurz an der angesehenen Akademie von San Fernando in der Hauptstadt Madrid, der sogenannten Llotja. Er erhielt also eine traditionelle akademische Ausbildung, die ihm sowohl ikonographische Kenntnisse als auch das technische Rüstzeug vermittelte. Vor allem im Bereich der Zeichnung ist Picasso, auch als er sich längst von seinen akademischen Anfängen emanzipiert und von technischen Zwängen aller Art freigemacht hatte, immer wieder auf seine akademisch geschulte Zeichentechnik zurückgekommen, die ihm ein äußerst präzises Erfassen des Gegenstandes erlaubte, dessen Variation, Reduktion und Destruktion er im weiteren Verlauf des künstlerischen Prozesses erstrebte. In Madrid besuchte Picasso auch die Museen, vor allem den Prado (wie schon auf einem Besuch 1895), und die Künstlerlokale. Schon während dieser Zeit hatte er erste erfolgreiche Ausstellungen. Nach einer Scharlach-Erkrankung 1897, die ihn zur Rekonvaleszenz im Ebro-Gebirge zwang, kehrte er 1898 nach Barcelona zurück. Hier verkehrte er in avantgardistischen Künstlerkreisen (u. a. Miquel Utrillo, Santiago Rusinol, Ramón Casas, Pere Romeu, Isidre Nonell), die sich in dem Café Els Quatre Gats trafen. Ab Juni 1898 war er acht Monate mit seinem Malerfreund Pallarés in dessen Heimatstadt Horta de Ebro (wohin er auch später im Sommer 1909 mit Fernande Olivier zurückkehrte). 1899 beteiligte er sich am Künstler-Kabarett Quatre Gats (Vier Katzen) mit dem Dichter Jaime Sabartés. Im Februar 1899 wurde die erste Einzelausstellung Picassos in dem genannten Café gezeigt.

Blaue Periode (ca. 1901–1905)

1900 und 1901 besuchte der aufstrebende Künstler mehrfach die Kunstmetropole Paris. Dort lernte er die Arbeiten der Impressionisten, vor allem die von Toulouse-Lautrec kennen, die ihn sehr beeindruckten und ihn zu farbenfrohen Darstellungen des pulsierenden großstädtischen Lebens in all seinen Facetten in einem zwar avantgardistischen, aber wenig eigenständigen und recht gefälligen Stil inspirierten. Kunsthändler wie Pere Manyac, Berthe Weil und v. a. der Kunsthändler und Verleger Ambroise Vollard wurden auf den vielversprechenden den jungen Künstler aufmerksam. Ab dem 24. Juni 1901 zeigte letztgenannter Picassos Werke erstmals in einer Ausstellung in Paris. Dann jedoch reduzierte Picasso seine Darstellung in Farbe und Formgebung auf ein Minimum. Da die zwischen Herbst 1901 und 1904 entstandenen Bilder in kühlen bläulich-grünlichen Tönen gehalten sind, nennt man diese melancholische Schaffensphase die „Blaue Periode“. Die Werke waren zunächst absolut nicht marktgängig. Picassos Kunsthändler waren entsetzt und drohten mit dem Abbruch der Geschäftsbeziehungen.

In der Blauen Periode entwickelte Picasso erstmals seinen eigenen Stil. Schwermütige Figurenbilder in verschiedenen Blautönen sind kennzeichnend für diese Phase. Außenseiter der Gesellschaft wie Bettler, Obdachlose und einsame Menschen sowie immer wieder, geradezu obsessiv, Mutter und Kind sind bevorzugte Themen. Die Eindrücke von einem Besuch im Frauengefängnis Saint-Lazare lieferten weitere Bildthemen und trugen zu der tristen Gestimmtheit dieser Gemälde bei, die von tiefer, auch durch Selbstzeugnisse für diese Periode belegter Traurigkeit geprägt sind. Mit Hilfe dieser Themen und des neuen Stils verarbeitete er sowohl seine Einsamkeit in der Fremde als auch den Tod eines guten Freundes. Das Bild Evokation – Das Begräbnis Casagemas ist das erste Bild der Blauen Schaffensphase und spielt deutlich auf El Greco an. Es soll das Ende einer Freundschaft und den Beginn einer neuen Schaffensphase darstellen. Mit seinem Freund Carles Casagemas hatte er 1900 ein Atelier am Montmartre in Paris geteilt – Casagemas erschoss sich ein Jahr später, als Picasso in Madrid weilte, aus enttäuschter Liebe zu Germaine Gargallo, die später für kurze Zeit Picassos Geliebte wurde. Als Hauptwerk der Blauen Periode gilt La Vie (das Leben) von Mai 1903, das wie viele andere Werke der Blauen Periode in Barcelona entstand (heute Cleveland/Ohio, Museum of Art). Die ersten Liebhaber der Werke der Blauen Periode waren Gertrude Stein und ihr Bruder Leo Stein, die einige Bilder für ihre Sammlung erwarben. 1902 kehrte Picasso von Madrid nach Paris zurück und wohnte zusammen mit Max Jacob. 1903 arbeitete er sehr produktiv in Barcelona, kehrte aber wieder nach Paris zurück, wo er ab 1904 er im sogenannten Bateau-Lavoir, einem Haus mit zahlreichen Künstlerateliers auf dem Montmartre, wohnte. Er befreundete sich mit dem Dichter Guillaume Apollinaire und lernte Fernande Olivier kennen, die für sieben Jahre seine Begleiterin wurde.

Rosa Periode (ca. 1905–1907)

Ab 1905 beginnen rosa Töne in Picassos Werken vorzuherrschen. Er besuchte in diesem Jahr Holland und lernte Gertrude Stein kennen. In dieser Phase zelebrierte Picasso geradezu Schönheit. Im Vergleich zur Blauen Periode gibt es nur noch wenig Melancholie in seinen Werken, das Blau weicht in den Hintergrund. Besonders Gaukler, Seiltänzer und Harlekins (traurige Spaßmacher aus der Commedia dell’arte), in kontrapostischer Körperhaltung und klassischer Schönheit, zählen zu seinen Bildmotiven. Der „süße Schmerz“ ist ein immer wieder kehrender Ausdruck in seinen Bildern. Zu den wichtigsten Werken aus dieser Zeit zählen „Frau mit Krähe“ (1904) und „Gauklerfamilie“ (1905).

1906 lernte er Henri Matisse, André Derain und den Galeristen Daniel-Henry Kahnweiler kennen.

Kubismus (ca. 1907–1920)

Kubistisches Portrait Picassos von Juan Gris (1912)
Kubistisches Portrait Picassos von Juan Gris (1912)

Der Begriff Kubismus, abgeleitet vom lateinischen cubus für Würfel, wird als kunstwissenschaftlicher Terminus 1908 durch Louis Vauxcelles vorbereitet, der in einer Besprechung von Arbeiten Picassos in der Galerie Daniel-Henry Kahnweiler zuerst die Reduktion auf geometrische Formen, auf Kuben zur Sprache bringt. Nach Angaben von Guillaume Apollinaire hatte zuerst Henri Matisse spöttisch von petits cubes gesprochen, was dieser später allerdings bestritt. Erstmals verwendet hat den Begriff Kubismus Charles Morice in einer Besprechung des Salon des indépendents, wo Braque ausgestellt hatte, in der Zeitung Le Mercure de France vom 16. April 1916, der ihn auf eine Anregung durch das missverstandene Werk Cesannes zurückführte. Behindert durch Vorurteile – Braque und Picasso stießen zunächst fast nur auf Hohn und Unverständnis – und durch die Unzugänglichkeit großer Teile der einschlägigen Werke während der Weltkriege und als Folge der russischen Revolution, haben die Kunstwissenschaft und die kunstinteressierte Öffentlichkeit von wenigen Spezialisten abgesehen den Kubismus erst sehr spät, in vollem Umfang erst nach dem Zweiten Weltkrieg, als Phänomen in seiner vollen Bedeutung erkannt und in seiner Entwicklung erfasst. Anregung war für Picasso und Braque sowohl ihre Auseinandersetzung mit der Kunst der Naturvölker, vor allem der afrikanischen Kunst (Period negre ab 1907), als auch mit der traditionellen iberischen Kunst bis hin zu Werken Cézannes. Bevorzugte Motive waren Stillleben, insbesondere mit Musikinstrumenten, Landschaften, aber auch Menschen. Besondere Bedeutung in Picassos Werk kommt dem Gemälde Les demoiselles d'Avignon (1907) zu, markiert es doch den Übergang von der Rosa Periode (die sich noch in der Farbgebung widerspiegelt) zum Kubismus (der die Formgebung der dargestellten Frauen bestimmt). Es ging vor allem darum, die Quelle der Malerei nicht länger im dargestellten Objekt selbst und seiner Ansicht aus bestimmter Perspektive, sondern allein in der Ausdruckskraft der Malerei zu sehen, die eine Totalität möglicher Gesichtpunkte enthüllen könne. Insofern kann man den Kubismus als Versuch deuten, die Hegemonie der Kunst über eine als Folge der Perspektivengebundenheit kontingente Wirklichkeit zu gewinnen. Außerdem ist er eine Antwort auf das vieldiskutierte Raumproblem der modernen Kunst, die die Erforschung des Raumes jenseits der euklidischen Mathematik und der überkommenen Regeln der Perspektive und der Licht-Schattenmalerei zu einem beherrschenden Thema gemacht hatte. Die kubistische Periode Picassos lässt sich in zwei Phasen einteilen: den analytischen (1907–1912) und synthetischen (1912–1920) Kubismus.

Analytischer Kubismus

Der analytische Kubismus ist die kubistische Malweise im engeren Sinne, die Picasso gemeinsam mit seinem Freund Georges Braque entwickelte, den er 1907 traf. Er beschäftigte sich mit Formfragen; im Zentrum steht das Problem, wie sich die Dinge auf organisierte einfache geometrische Formen zurückführen lassen. Im Grunde ist kubistische Kunst ein Zerlegungsprozess. Zur Darstellung der Motive wird keineswegs nur der Würfel benutzt, sondern auch andere geometrische Formen wie Kugel, Kegel und Zylinder. Eine charakteristische Abkehr von der traditionellen Perspektive ist ferner die Simultanansicht, das heißt, ein Objekt wird so dargestellt, als sähe man es von allen Seiten gleichzeitig. Dieser Impuls entspringt auch der Erfahrung des gemeinsamen Malens von Picasso und Braque vor der Natur, da sie beobachteten, dass der Lichteinfall – zum Beispiel bei einer Hausecke – je nach Tageszeit verschieden war. Sie malten diese unterschiedlichen Ansichten in einem Bild, so dass sie simultan dargestellt wurden und die „kristalline“ Struktur entstand.

Die Anfänge des analytischen Kubismus finden sich 1909 nach einem Besuch in Barcelona.

Synthetischer Kubismus

Zerlegte Picasso im analytischen Kubismus noch Motive in einzelne geometrische Objekte, so setzte er sie im synthetischen Kubismus aus einzelnen Objekten wieder zusammen. Dazu bezog er Materialien (sogenannte objets trouvés) wie Sand, Zeitungsausschnitte oder Holz in seine Werke mit ein. Dadurch verloren sie ihre eigentliche Funktion und wurden in seinen Bildern zu Dekorationselementen. Zusammen mit grafischen Elementen (Linien und Schraffuren, zum Beispiel mit Kohle) gingen sie nun eine Synthese ein, daher der Name dieser Schaffensperiode. Zunehmend – besonders durch den Einsatz von Materialien – wurde seine Bilder plastischer und ragten von den Leinwänden hervor. Mit dem synthetischen Kubismus schuf Picasso nicht nur eine neue Kunstrichtung, sondern entdeckte auch neue Gestaltungsmöglichkeiten, beispielsweise die Collage.

Diese Periode begann 1913.

Die 1920er und 1930er Jahre – Klassizismus und surrealistische Einflüsse

Die Abwendung vom Kubismus brachte das Erlebnis einer Italienreise 1917, wo er im Frühjahr in Rom den Proben des „Ballet russe“ von Sergei Djagilew zu „Parade“ von Jean Cocteau/Erik Satie beiwohnte und den Bühnenvorhang beisteuerte. Dort lernte er auch die Tänzerin Olga Koklowa kennen. Der Aufenthalt bewirkte einen positiven Stimmungsumschwung, der sich etwa in den „Schlafenden Bauern“ von 1919 ausdrückt. Nach der Hochzeit mit Olga Koklowa 1918 gab er sein Bohemeleben auf und wurde zum „Malerfürsten“ mit eigenem Chauffeur und Hauspersonal. 1919 hielt er sich in London auf und malte Bühnenbildner für Manuel de Fallas Oper Der Dreispitz, 1920 für Igor Strawinskis Pulcinella. Typische Bilder der Zeit sind die „Laufenden Frauen am Strand“ von 1922, in denen sich einerseits die Schwangerschaft seiner Frau wiederfindet, andererseits noch Reste einer kubistischen Verzerrung der Wirklichkeit. Das Hauptwerk seiner klassischen Periode ist die „Panflöte“ von 1923, in seinem Ferienort Antibes gemalt. 1924 malte er seinen dreijährigen Sohn „Paul als Harlekin“. Picasso kehrte aber in dieser Zeit auch auf den kubistischen Stil zurück (z. B. in den „Drei Musikanten“ von 1921), der unter Picassos Händen inzwischen selbst „klassisch“ geworden war.

Picasso konnte dank seines gewachsenen Ruhms nun eigentlich malen, was er wollte und nutzte diese Freiheit für die Entwicklung seiner Formensprache. Er experimentierte viel und legte einen neuen Schwerpunkt auf sein plastisches Werk, das er 1902 mit „sitzende Frau“ eröffnet hatte. Gleichzeitig entfremdete er sich von seiner Frau Olga. 1927 lernte er Marie-Therese Walter kennen, die er in „Frau mit Blume“ 1932 in minimalistischer Weise porträtierte, mit Anklängen an die Surrealisten um Andre Breton, den er 1923 kennengelernt hatte. Die Beziehung zu der anfangs noch minderjährigen Marie Therese, die sich ihm geradezu willenlos auslieferte, hielt er lange Zeit geheim. In dieser Zeit erlangen erotische und sexuelle Themen in mehr oder weniger starker allegorischer Verschlüsselung wachsende Bedeutung. Erstmals tauchte 1928 das Minotaurus-Motiv in seinen Werken auf – als Spanier war Picasso schon immer vom Stierkampf fasziniert. 1934 entstand die Tauromaquia. Dabei wird auch in immer neuen Variationen der Zusammenhang von Sexualität und Gewalt und Tod ausgelotet. Deutlichere Anklänge an seinen Spätstil zeigt ein weiteres Porträt der Walter „Interieur mit zeichnendem Mädchen“ von 1935. Der Zusammenhang von Sexualität und künstlerischer Kreativität wird zu einem Thema, das Picasso vor allem in Atelierszenen mit Maler und Modell bis zu seinem Lebensende geradezu obsessiv beschäftigen wird. Das Jahr 1935 bezeichnet aber auch eine Krise in seinem Leben und seinem Schaffen. Er steckte mitten in der schwierigen Scheidung von Olga.

1936 lernte er die jugoslawische Fotografin Dora Maar kennen, die in den 1940er Jahren seine ständige Begleiterin wurde. 1937 entstand ihr bekanntes Porträt mit gleichzeitiger Vorder- und Seitenansicht. Im selben Jahr besuchte er Paul Klee in Bern, auch um ihn moralisch zu unterstützen, da dessen Werke gerade in der berüchtigten Münchner Ausstellung über „Entartete Kunst“ von den Nationalsozialisten diffamiert wurden. Die Ereignisse des spanischen Bürgerkrieges erschütterten Picasso zutiefst, und es entstanden Bilder, die in ihrer Eindringlichkeit an Goyas „Schrecken des Krieges“ erinnern, vor allem „Guernica“ aus dem Mai/Juni 1937, das das Grauen anlässlich der Bombardierung der baskischen Stadt Guernica am 26. April 1937 durch die deutsche „Legion Condor“ thematisiert. Picasso hatte zunächst, wie neuerdings aufgefundene Skizzen belegen, eine Atelierszene geplant. Unter dem Eindruck der Ereignisse änderte er jedoch seinen Plan, ohne ihn allerdings ganz aufzugeben. Er unterwirft das schreckliche Geschehen konsequent der Regie des Künstlers und gewinnt so die durch die Traumatisierung und Ohnmacht angesichts des Gewaltakts bedrohte Autonomie für sich und den Betrachter zurück, indem er das Geschehen durch seine Kunst der Ausdrucksfiguren (Max Imdahl) in einen zeitlosen Mythos überführt. Er bedient sich dafür allegorischer Motive wie des Stierkampfs und des sterbenden Pferdes, die bereits lange vorher in seinem Werk auftauchen und unverkennbar biographische Bezüge und erotische Konnotationen aufweisen. Guernica ist daher weit mehr als ein Propagandaplakat und auch als Antikriegsbild, wie es zumeist wahrgenommen wurde, nur oberflächlich gekennzeichnet. Picasso unterstützte zwar ab 1936 von Paris aus die republikanische Regierung Spaniens, die sich gegen den Putschisten und künftigen Diktator Franco zur Wehr setzte, er versuchte auch vergeblich die französische Regierung zum Eingreifen zu bewegen und wurde dafür von der republikanischen Regierung Spaniens 1937 in Abwesenheit zum Direktor des Prado bestimmt. Aber seine Kunst ausschließlich politischen Zwecken zu unterwerfen und sie instrumentalisieren zu lassen, hätte seinen Grundüberzeugungen vom Wesen der Kunst und seinem Auftrag als Künstler zutiefst widersprochen. Trotzdem wurde „Guernica“, das noch im gleichen Jahr im spanischen Pavillon auf der Weltausstellung in Paris ausgestellt wurde, nach anfänglicher Kritik, die sich gerade an seiner mangelnden politischen Eindeutigkeit festmachte, in der Rezeption zu dem berühmtesten Antikriegsbild des 20. Jahrhunderts – in weitem Abstand folgen die Bilder von George Grosz über den Ersten Weltkrieg. Es wurde 1939 in New York, Los Angeles, San Francisco und Chicago gezeigt (und 1955 in München, Köln, Hamburg und Paris). Nach 40 Jahren „Exil“ während der Franco-Diktatur kehrte es wie im Willen Picassos vorgesehen nach der Demokratisierung Spaniens 1981 von New York nach Madrid zurück und hängt seither im dortigen Museo de la Reina Sofia. Einige Schlüsselfiguren, wie die weinende Frau und das sterbende Pferd, finden sich in seinen späteren Werken wieder.

Spätwerk nach dem Zweiten Weltkrieg

Nach sechs Jahren innerer Emigration und Isolation in Paris während des Zweiten Weltkriegs zog Picasso 1945 in die Provence. Seine Begleiterin in diesen Jahren war die Malerin Françoise Gilot, die er schon 1943 in Paris kennenlernte. In Nizza besuchte er Henri Matisse, dessen Malweise deutliche Einflüsse in Picassos Spätwerk hinterlässt. Beide Künstler blieben über lange Jahre in loser Verbindung, wobei Matisse der einzige lebende Künstler war, den Picasso als ebenbürtig ansah und respektierte. Die aus seiner Jugend bekannte mediterrane Umgebung zog ihn wieder in seinen Bann.

Ab 1947 wohnte er in Vallauris, einem Ort mit traditionellen Töpfereien, wo er sich schon im Jahr zuvor aufhielt. Dort experimentierte er unter Anleitung örtlicher Töpfer mit Ton und Glasuren, sprengte den traditionellen Produktrahmen und verhalf dem Ort zu überregionaler und später zu internationaler Bekanntheit. Von Picassos Gestaltungsideen profitierte Vallauris noch lange Jahre nach seinem Tod. 1948 besuchte er Krakau und Auschwitz.

1955 kaufte er die Villa „La Californie“ über Antibes. Kennzeichnend sind in dieser Zeit Innenraumbilder wie „Jacqueline im Atelier“ 1956. Er malte, nachdem schon eine Ausstellung im Louvre 1946 seine Bilder denen klassischer Meister gegenübergestellt hatte, seine Versionen von klassischen Meisterwerken wie VelazquezLas Meninas“ 1957 („Die Hoffräulein“), Manets „Frühstück im Freien“ 1961 oder den „Frauen von Algier“ von Delacroix 1955.

Chateau Vauvenargues in Südfrankreich. Vor dem auf der rechten Gebäudeseite erkennbaren Eingangsportal liegt die letzte Ruhestätte Picassos.
Chateau Vauvenargues in Südfrankreich. Vor dem auf der rechten Gebäudeseite erkennbaren Eingangsportal liegt die letzte Ruhestätte Picassos.

Da er zunehmend von Touristen und Bewunderern belästigt wurde und in unmittelbarer Nähe von „La Californie“ Wohnhochhäuser gebaut wurden, die ihm sowohl den Blick versperrten als auch Einblick auf sein Grundstück ermöglichten, entschloss Picasso sich 1958, das Schloss Vauvenargues bei Aix-en-Provence, mit Blick auf Paul Cézannes Lieblingsmotiv, das Gebirge Montagne Sainte-Victoire, zu erwerben und dorthin umzuziehen. Sein Stil reduzierte sich zunehmend auf das Linienbetonte, Skizzenhafte. 1956 sagte er: „Als ich im Alter dieser Kinder war, konnte ich zeichnen wie Raffael; aber ich brauchte ein Leben lang, um so zeichnen zu lernen wie sie.“ Mit hoher Produktivität widmete er sich nicht nur der Malerei und Graphik (Lithographien/ Linolschnitte usw.), sondern auch der Bildhauerei und Keramik (ab 1947). Er malte wie besessen, wiederholte, variierte und zitierte seine Themen immer wieder.

1960 heiratete er Jacqueline Roque, die er seit 1953 kannte, und zog nach Mougins, nördlich über den Hängen von Cannes. Das Schloss Vauvenargues nutzte er als Lager für unzählige Bilder, die erst nach seinem Tod das Licht der Öffentlichkeit erblickten. 1965 besuchte er ein letztes Mal Paris. Anlässlich des Erscheinens der Erinnerungen von Françoise Gilot (Leben mit Picasso) kam es auch zum Zerwürfnis mit seinen aus dieser Beziehung stammenden Kindern Claude und Paloma. 1973 starb er und wurde auf dem eigenen Schlossgrundstück in Vauvenargues begraben.

Politisch stand er nach der Befreiung von Paris der Kommunistische Partei Frankreichs nahe, in die er 1944 eintrat. Allerdings behielt er seine unabhängige Einstellung. Das Gemälde (Massaker in Korea), das 1951 entstand, verärgerte die Amerikaner, sein Porträt Stalins von 1953 die Kommunisten, und in der Sowjetunion galt seine Malweise offiziell als „dekadent“. Picasso engagierte sich allerdings, wann immer man ihn darum bat, für den Frieden. 1949 entwarf er ein Plakat mit einer Friedenstaube zur Pariser Weltfriedenskonferenz, das weltweit ein Symbol für den Frieden wurde. 1952 entstanden zwei große Wandgemälde (Der Krieg) und (Der Frieden) für den „Friedenstempel“ in Vallauris.

Ausgewählte Werke

  • 1897: Wissenschaft und Barmherzigkeit (Museo Picasso, Barcelona) Weblink
  • 1901
    • Bildnis Pedro Manach (Washington, National Gallery)
    • Evokation- Das Begräbnis Casagenas (Musée de l'Art Moderne de la Ville de Paris)
  • 1902
    • Im Kaffeehaus (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Die beiden Schwestern (Eremitage, Sankt Petersburg)
  • 1903
    • La Vie, Das Leben (Museum of Modern Art, Cleveland)
    • La Famille Soler (Lüttich)
    • Die Armen am Meeresstrand (National Gallery of Art, Washington)
    • Madame Soler (Pinakothek der Moderne, München)
  • 1904
    • Bildnis Jaime Sabartés (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Das karge Mahl (Ulmer Museum, Ulm)
    • Frau mit Krähe (Toledo Museum of Art)
  • 1905
    • Sitzender Harlekin (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Artisten (Stuttgart, Staatsgalerie)
    • Frau im Hemd (Tate Gallery, London)
    • Die Gaukler, Die Seiltänzerfamilie (National Gallery of Art, Washington)
    • Der Narr (Neue Pinakothek, München)
    • Junge mit Pfeife (Privatbesitz)
  • 1906
    • Kopf eines jungen Mannes (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Frauenkopf (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Zwei Akte (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1907
    • Kopf einer Frau (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Matrose, eine Zigarette drehend (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Les Demoiselles d′Avignon (Museum of Modern Art, New York)
    • Pots et citron (R. & H. Batliner Art Foundation, Wien; Weblink)
  • 1908: Fruchtschale mit Birnen und Äpfeln (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1909: Kopf von Fernande (Bronze, Musee Picasso, Paris)
  • 1910: Bildnis Georges Braque (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1911: Verre et pomme (R. & H. Batliner Art Foundation, Wien; Weblink)
  • 1912
    • Flasche, Absintglas, Fächer, Pfeife, Geige, Klarinette auf einem Klavier (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Sitzende Frau mit Gitarre (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Verre et cartes à jouer (R. & H. Batliner Art Foundation, Wien; Weblink)
    • Violine (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1914
    • Ma Jolie (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Glas und Würfel (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Stillleben mit Glas und Spielkarten (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Das Absintglas (Plastik; Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Stillleben mit Weintraube (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Spielkarten, Tabak, Flasche und Glas (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1916
    Picassoskulptur bei Kristinehamn (Schweden)
    Picassoskulptur bei Kristinehamn (Schweden)
    • Gitarre und Zeitung (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Spielkarten, Glas und Flasche auf einem Tisch (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Sitzender Mann an einem Tisch (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1918: Harlekin mit Gitarre (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1919
    • Stillleben vor einem Fenster in Saint Raphael (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Die Familie Sisley (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Schlafende Bauern (Museum of Modern Art, New York)
    • Glas, Blumenstrauß, Gitarre und Flasche (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1920
    • Liegende Badende (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Zwei Akte am Strand (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1921
    • Zwei Badende (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Drei Musikanten (Museum of Modern Art, New York)
    • Sitzender Akt, sich den Fuß trocknend (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Mutter mit Kind (Pinakothek der Moderne, München)
  • 1922: Der Wettlauf – Laufende Frauen am Strand (Musée Picasso, Paris)
  • 1923: Pipes of Pan, Panflöte (Musée Picasso, Paris)
  • 1924: Paul als Harlekin (Musée Picasso, Paris)
  • 1932: Frau mit Blume (Basel, Galerie Beyeler)
  • 1933: Tanzende Silene (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1935: Interieur mit zeichnendem Mädchen (Museum of Modern Art, New York)
  • 1937
    • Bildnis Nusch (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Bildnis Dora Maar (Musée Picasso, Paris)
    • Die weinende Frau (Modern Tate, London)weblink
    • Guernica (Museo Reina Sofia, Madrid)
    • Kopf eines Fauns (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1938: Der Hahn (Sammlung Berggruen, Berlin)
  • 1939
    • Der gelbe Pullover (Sammlung Berggruen, Berlin)
    • Nächtlicher Fischfang in Antibes (Museum of Modern Art, New York)
  • 1941:
  • 1942
    • Nature morte à la Guitare (R. & H. Batliner Art Foundation, Wien; Weblink)
    • Bildnis einer Frau (Museum Folkwang, Essen)
    • Sitzende Frau mit Fischhut (Stedelijk Museum, Amsterdam)
  • 1945: Das Beinhaus (Museum of Modern Art, New York)
  • 1946: La femme-fleur (Woman-Flower) (Portrait von Francoise Gilot, Collection Particuliére)
  • 1947: Portrait de femme au chapeau vert (R. & H. Batliner Art Foundation, Wien; Weblink)
  • 1951: Massaker in Korea (Musée Picasso, Paris)
  • 1952
    • Paysage mediterranéen (R. & H. Batliner Art Foundation, Wien; Weblink)
    • Der Krieg (Vallauris, Friedenspark)
    • Der Frieden (Vallauris, Friedenspark)
  • 1954: Sylvette (R. & H. Batliner Art Foundation, Wien)
Der Frauenkopf von Pablo Picasso.
Der Frauenkopf von Pablo Picasso.
  • 1956
    • Das Atelier „La Californie“ in Cannes (Musée Picasso, Paris)
    • Jacqueline im Atelier (Stadt Luzern, Schenkung Rosengart)
  • 1957
    • Die Tauben (Museo Picasso, Barcelona)
    • Las Meninas nach Velazquez (Museo Picasso, Barcelona)
  • 1958: Der Sturz des Ikarus (Wandgemälde UNESCO)
  • 1961: Frühstück im Freien nach Manet (Luzern, Galerie Rosengart)
  • 1963: Nu assis dans un fauteuil (R. & H. Batliner Art Foundation, Wien; Weblink)
  • 1967: Femme nue à l'oiseau et joueur de flûte (R. & H. Batliner Art Foundation, Wien; Weblink)
  • 1970: Matador mit Akt (Sammlung Berggruen, Berlin)

Unter den aktuell zwölf teuersten Gemälden der Welt befinden sich drei Werke von Picasso: Junge mit Pfeife, Dora Maar mit Katze und Frau mit verschränkten Armen.

Museen

Das Museum Berggruen in Berlin verfügt über 100 Picassos
Das Museum Berggruen in Berlin verfügt über 100 Picassos
Der Druffelsche Hof mit dem Graphikmuseum Pablo Picasso Münster (Giebelgebäude) an der Königsstraße
Der Druffelsche Hof mit dem Graphikmuseum Pablo Picasso Münster (Giebelgebäude) an der Königsstraße
Das Picasso-Museum im Schloss Grimaldi von Antibes (Bildzentrum).
Das Picasso-Museum im Schloss Grimaldi von Antibes (Bildzentrum).
Hôtel Salé, seit 1985 das heutige Picasso-Museum in Paris, hier die Rückansicht
Hôtel Salé, seit 1985 das heutige Picasso-Museum in Paris, hier die Rückansicht
Museo Picasso Málaga
Museo Picasso Málaga

Umfangreiche Werkgruppen sind in Deutschland im Museum Ludwig in Köln und in der Sammlung Berggruen in Berlin ausgestellt. Sein graphisches Werk ist nahezu komplett im Graphikmuseum Pablo Picasso in Münster zu sehen.

Filme und Ausstellungen

  • Filme
    • Der französische Filmregisseur Henri-Georges Clouzot brachte 1956 unter dem Titel Picasso (Le mystere Picasso) einen im Reportage-Stil hergestellten Dokumentarfilm über Pablo Picasso und dessen Arbeitsweise in die Kinos.
    • Im Jahr 1996 entstand die Filmbiographie Mein Mann Picasso (Surviving Picasso), in der Sir Anthony Hopkins den Maler verkörperte. Der Film spielt in den Jahren, in denen Picasso in der Beziehung zu Francoise Gilot stand.
    • Selbst in Comics tauchen Picasso und seine Werke auf. So spielt sein Bild Mädchen mit Taube eine zentrale Rolle in der von Adolf Kabatek ersonnenen Disney-Geschichte Picasso-Raub in Barcelona (1985), in der Dagobert Duck mit seiner Verwandtschaft allerlei Abenteuer in und um Barcelona erleben.
    • 13 Tage im Leben von Pablo Picasso. Dokumentarfilm von Pierre Daix, Pierre Philippe und Pierre -André Boutang, Frankreich 1999. ARTE-Edition/absolut Medien. 184 Minuten (eine audiovisuelle Biographie: 13 Tage, die Wendepunkte in seinem Leben darstellen, werden anhand von Kunstwerken, Skizzenbüchern, Gesprächen und Filmausschnitten dokumentiert)
  • Bedeutende Ausstellungen

Das literarische Werk

Picasso hinterließ neben seinem bildnerischen Werk auch Dutzende von Gedichten.[3] Wenig bekannt hingegen ist, dass er auch als Dramatiker in Erscheinung getreten ist.

Unter dem Eindruck der deutschen Besatzung von Paris und eines harten Winters entstand 1941 in nur wenigen Tagen das Stück Le désir attrapé par la queue, das zuerst in der Zeitschrift Message erschien und am 14. März 1944 unter der Regie von Albert Camus in der Wohnung von Michel Leiris unter Mitwirkung von Simone de Beauvoir, Jean-Paul Sartre, Raymond Queneau, der bereits vorher erwähnten Dora Maar und anderen uraufgeführt (sprich: szenisch gelesen) wurde. Seine Erstaufführung erlebte es 1950 im Londoner Watergate Theatre.[4]

Paul Celan übersetzte dieses Drama unter dem Titel Wie man Wünsche beim Schwanz packt ins Deutsche. Seine deutschsprachige Erstaufführung fand 1956 in einem kleinen Berliner Theater unter der Regie von Daniel Spoerri und der Mitwirkung unter anderem von Meret Oppenheim (Bühnenbild und Kostüme) statt.[4] Veit Relin bearbeitete das Stück 1962 für das Fernsehen. Der WDR schrieb anlässlich der vom SDR 1980 produzierten Hörspielversion dieser „dadaistischen, erotischen Komödie“: „Das vom Geist der Psychoanalyse inspirierte Stück ist eine (aber)witzige Collage absurder Szenen und surrealer Begegnungen eines Dichters, in der Traumbilder und Elemente der realen Welt zu einer befremdlichen Synthese verschmelzen.“

1948 schrieb Picasso ein weiteres Schauspiel Les quatre petites, das unter dem Titel Vier kleine Mädchen ins Deutsche übersetzt und 1981 in London uraufgeführt wurde.[5]

Erwähnenswertes

Lump

Lump († 29. März 1973) war der Dachshund des spanischen Künstlers Pablo Picasso.

Lump, ursprünglich treuer Begleiter des amerikanischen Fotografen David Douglas Duncan, entschloss sich am 19. April 1957 bei einem Besuch seines Herren bei Picasso aus eigenem Antrieb, in dessen Villa „La Californie“ bei Cannes zu bleiben.

Picasso entwickelte eine innige Beziehung zu seinem neuen Hausgenossen. So ersetzte Picasso in seinen 45 Interpretationen von Velázquez' Meisterwerk Las Meninas die Dogge des spanischen Königs durch seinen Dachshund Lump (im Picasso-Museum in Barcelona ausgestellt).

Lump starb am 29. März 1973, 10 Tage später sein Herrchen Picasso.

Zitate

  • Wenn etwas Abstoßendes modern wird, ist es sofort anziehend.[6].
  • Beim Malen bedeutet "Suchen" meiner Ansicht nach gar nichts. Auf das Finden kommt es an.[7]
  • Wir wissen alle, dass Kunst nicht Wahrheit ist. Kunst ist eine Lüge, die uns die Wahrheit begreifen lehrt.[7]
  • Durch die Kunst drücken wir unsere Vorstellung von dem aus, was Natur nicht ist.[8]
  • Der Kubismus ist weder ein Samenkorn noch ein Fötus, sondern eine Kunst, der es vor allem um die Form geht, und wenn eine Form einmal geschaffen ist, dann ist sie da und lebt ihr eigenes Leben weiter.[9]
  • Das Werk, das man schafft, gleicht der Art, sein Tagebuch zu führen.[10]
  • Im Grunde gibt es nur die Liebe. Gleich, welche. Und man sollte den Malern die Augen ausstechen, wie man’s mit den Distelfinken tut, damit sie besser singen.[11]
  • Nicht nach der Natur arbeite ich, sondern vor der Natur, mit ihr.[12]
  • Nichts kann ohne Einsamkeit entstehen.[12]
  • Bei mir ist ein Bild die Summe von Zerstörungen. Ich mache ein Bild – und dann zerstöre ich es. Doch zu guter Letzt ist nichts verloren gegangen: Das Rot, das ich an einer Stelle wegnahm, taucht anderswo wieder auf. Es wäre interessant, mit Hilfe von Photographien nicht die Etappen, aber die Wandlungen eines Bildes festzuhalten. Möglicherweise würde man dann den Weg entdecken, den der Verstand geht, um einen Traum zu verwirklichen. Doch eins ist äußerst merkwürdig: man merkt nämlich, dass sich ein Bild im Grunde genommen nicht wandelt und dass die erste "Vision" – allem Anschein zum Trotz – fast unangetastet bleibt.[13]
  • Abstrakte Kunst ist nichts als Malen. Wo bleibt da das Drama? Es gibt keine abstrakte Kunst. Man muss immer mit etwas beginnen. Nachher kann man alle Spuren des Wirklichen entfernen. Dann besteht ohnehin keine Gefahr mehr, weil die Idee des Dinges inzwischen ein unauslöschliches Zeichen hinterlassen hat.[14]
  • Eine Person, ein Gegenstand, Ein Kreis – das sind alles "Figuren" [...]. Manche sind unseren Empfindungen näher und rufen Gefühle hervor, die unser Gemütsleben ansprechen; andere wenden sich unmittelbar an den Verstand. Ihnen allen sollte ein Platz zugebilligt werden, da ich finde, mein Geist hat Anregung ebenso nötig wie meine Sinne.[15]
  • Warum, glauben Sie, datiere ich alles, was ich mache? Weil es nicht genügt, die Arbeiten eines Künstlers zu kennen, man muss auch wissen, wann, warum, wie und unter welchen Bedingungen er sie schuf. Es wird sicher eines Tages eine Wissenschaft geben, vielleicht wird man sie "die Wissenschaft vom Menschen" nennen, die sich mit dem schöpferischen Menschen befaßt, um neue Erkenntnisse über den Menschen im allgemeinen zu gewinnen ... ich denke oft an diese Wissenschaft, und es ist mir wichtig, der Nachwelt eine möglichst vollständige Dokumentation zu hinterlassen ... Nun wissen Sie, warum ich alles, was ich mache, datiere.[16]

Literaturhinweise

  • Assouline, Pierre: Der Mann, der Picasso verkaufte  –  Daniel-Henry Kahnweiler und seine Künstler, Gustav Lübbe Verlag, Bergisch Gladbach 1990, ISBN 3-7857-0579-4
  • Barr Jr, Alfred H., Picasso. Fifty years of his art. New York 1946
  • Becht-Jördens, Gereon/ Wehmeier, Peter M.: Picasso und die christliche Ikonographie. Mutterbeziehung und künstlerische Position. Dietrich Reimer, Berlin 2003, ISBN 3-496-01272-2
  • Berger, John: Glanz und Elend des Malers Pablo Picasso, Rowohlt 1973
  • Bernadac, Marie-Laure/ Piot, Christine (Hrsg.): Picasso. Collected Writings. Abbeville Press, New York 1989, ISBN 1-55859-045-5 (französische Ausgabe: Paris 1989)
  • Brassai: Gespräche mit Picasso. Rowohlt, Reinbek 1966, 2. Aufl. 1985 (französische Ausgabe: Paris 1964), ISBN 3-449-15593-1
  • Chipp, Herschel (Hrsg.): The Picasso Project. Picasso's Paintings, Watercolors, Drawings and Sculpture. A Comprehensive Illustrated Catalogue, 1885-1973 (bisher 17 Bde.). Artist Monograph). AW Fine Arts, San Francisco, CA: 1995ff.
  • Cirlot, Juan-Eduardo: Pablo Picasso. Das Jugendwerk eines Genies. Köln 1972
  • Cowling, Elizabeth: Visiting Picasso  –  The Notebooks and Letters of Roland Penrose, Thames & Hudson, London 2006, ISBN 978-0-500-51293-7
  • Cowling, Elisabeth: Picasso. Style and meaning. Berlin, London 2002
  • Daix, Pierre: Dictionaire Picasso. Robert Laffont, Paris 1995, ISBN 2-221-07443-2
  • Daix, Pierre: Picasso createur. La vie intime et le oeuvre. Paris 1987
  • Duncan, David Douglas: Picasso & Lump. Benteli Verlag, Zürich 2006, ISBN 3-7165-1435-7
  • Geiser, Bernhard/ Baer, Brigitte: Picasso. Peintre-Graveur. Catalogue de l’oeuvre gravé et lithographié. Bd. 1-8, Bern 1990-1998
  • Glimcher, Arnold/ Glimcher, Marc (Hrsg.): Je suis le cahier. The Sketchbooks of Picasso. New York 1986 (deutsch: Je suis le cahier. Die Skizzenbücher Pablo Picassos. Reinbek bei Hamburg 1986)
  • Gilot, Francoise/ Lake, Carlton: Life with Picasso. McGraw-Hill, New York 1964 (deutsch: Leben mit Picasso. Kindler, München 1965)
  • Gohr, Siegfried: Pablo Picasso. Leben und Werk. Ich suche nicht, ich finde. DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2006, ISBN 3-8321-7743-4
  • Klepsch, Michael Carlo : Picasso und der Nationalsozialismus. Patmos Verlag, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-491-35011-3
  • Lord, James: Picasso and Dora. A personal Memoir. Farrar Straus Giroux 1993 (deutsch: Picasso und Dora Maar. Matthes und Seitz, 1994, ISBN 3-88221-797-9)
  • Montanés, Mariano Miguel: Pablo Picasso  –  The Last Years. Assouline Publishing, New York, o.J. (ca. 2004–2006), ISBN 2-84323-613-4
  • Mailer, Norman: Portrait of Picasso as a Young Man The Atlantic Monthly Press, New York 1995 (deutsch: Picasso. Portrait des Künstlers als junger Mann. Piper, München Zürich 1996 ISBN 3-492-03878-6)
  • Matthews Gedo, Mary: Picasso. Art as Autobiography. The University of Chicago Press, Chicago London 1980, ISBN 0-226-28482-4
  • Mourlot, Fernand, Picasso Litographe, Bd. 1-4, Monte Carlo 1949-1964 (deutsch in einem Bd.: Picasso Litograph. Paris 1970)
  • O’Brian, Patrick. Pablo Ruiz Picasso. A Biography. William Collins Sons & Co. Ltd., London 1976, G. P. Putnam’s Sons, New York 1976 (deutsch: Picasso. Eine Biographie. Hoffmann und Campe 1979 ISBN 3-455-08890-2, Ullstein, Hamburg 1982)
  • Olivier, Fernande: Picasso und seine Freunde. Diogenes, Zürich 1982 (davor: Neun Jahre mit Picasso. Diogenes, Zürich 1957; französische Ausgabe: Paris 1933)
  • Olivier, Fernande: Loving Picasso. The Private Journal of Fernande Olivier. Translated from the French by Christine Baker and Michael Raeburn. Foreword and notes by Marilyn McCully. Epilogue by John Richardson. Harry N. Abrams, Inc., Publishers, New York 2001, ISBN 0-8109-4251-8
  • Palau i Fabre, Josep: Picasso. Kindheit und Jugend eines Genies. Köln 1998
  • Palau i Fabre, Josep: Picasso. Der Kubismus, 1907-1917. Könemann, Köln 1998
  • Palau i Fabre, Josep: Picasso. Von den Balletts zu den Dramas (1917-1926). Könemann, Köln 1999
  • Penrose, Roland: Picasso  –  Leben und Werk, München 1958, 1981
  • Penrose, Roland: Picasso und seine Zeit  –  Ein Fotobuch: Zürich 1957
  • Penrose, Roland: Picasso. His Life and Work. Gollancz, London 1958, Granada, London 1981, University of California Press 1981 (deutsch: Picasso – Leben und Werk Piper, München 1961
  • Penrose, Roland/ Golding, John (Hrsg.): Picasso in Retrospect. Praeger Publishers, New York Washington 1973, Granada London 1973
  • Picasso, Marina: Die vergessenen Kinder. Bastei-Lübbe, Bergisch Gladbach 1998 (französische Ausgabe: Paris 1995), ISBN 3-404-61403-8
  • Picasso, Marina: Und trotzdem eine Picasso. Leben im Schatten meines Großvaters. List, München 2001 (französische Ausgabe: Paris 2001), ISBN 3-471-78443-8
  • Quinn, Edward: Picasso  −  Mensch und Bild, Einleitung: Pierre Daix, Vlg. Klett-Cotta, Stuttgart 1987, ISBN 3-608-76221-3; 351 S.; Fotodokumentation (s/w + color) aus dem Alltag Picassos, Begegnungen mit Freunden, in der Öffentlichkeit und in seinen Häusern. Besonderen Raum nehmen die Aufnahmen in Picassos Ateliers ein, insbesondere die Farbaufnahmen in seinem letzten Atelier „Notre-Dame-de-Vie“ in Mougins.
  • Quinn, Edward: Picasso  −  Werke+Tage, Einleitung und Text: Roland Penrose, Manesse Vlg., Conzett&Huber, Zürich 1965, o.ISBN. Fotodokumentation (vorwiegend s/w) mit Aufnahmen aus Picassos Tagesablauf in Vallauris, beim plastischen Modellieren, Standaufnahmen während der Dreharbeiten zu Georges-Henri Clouzots Film Le Mystère Picasso, Innenaufnahmen von Picassos Villa „La Californie“ sowie der Skulpturen im Garten, das Treiben seiner Kinder und Tiere auf dem Anwesen, ergänzt durch einige wenige Aufnahmen aus den letzten zwei Wirkungsstätten Picassos, „Schloss Vauvenargues“ und „Notre-Dame-de-Vie“ in Mougins.
  • Richardson, John/ McCully, Marilyn: A Life of Picasso. New York 1996ff. (bisher 3 Bde.; Bd. 1-2 auch auf deutsch München 1991; 1997)
  • Rubin, William : Pablo Picasso. A Retrospective. New York 1980 (deutsch: Picasso. Eine Retrospective.. München 1980)
  • Sabartés, Jaime: Picasso. Gespräche und Erinnerungen. Darmstadt 1990 (französische Ausgabe: Paris 1946)
  • Stassinopoulos Huffington, Arianna: Picasso. Creator and Destroyer. Simon and Schuster, New York u. a. 1988 (deutsch: Picasso. Genie und Gewalt. Droemer Knaur, München 1988, ISBN 3-426-26399-8)
  • Stein, Gertrude: Picasso  –  Erinnerungen, Zürich 1975
  • Vallentin, Antonia: Pablo Picasso. Köln Berlin 1958 (französische Ausgabe: Paris 1957)
  • Walther, Ingo F.: Picasso  –  das Genie des Jahrhunderts. Taschen Verlag, Köln 1986
  • Warncke, Carsten-Peter: Pablo Picasso 1881-1973. Taschen Verlag, Köln u. a. 1997
  • Weisner, Ulrich: Picasso. Kerber, Bielefeld, Marianne Weisner, Bielefeld 1997, ISBN 3-924639-78-7
  • Widmaier Picasso, Olivier (Sohn von Picassos Tochter Maya): Picasso  –  Porträt der Familie, Prestel Verlag, 2003, ISBN 3-7913-2962-6
  • Wiegand, Wilfried: Picasso. Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1973
  • Zervos, Christian: Pablo Picasso, Bd. 1-33, Cahiers d’Art, Paris 1932-1978

Einzelnachweise und Anmerkungen

  1. Jaime Sabartés: Picasso – Documents iconographiques, herausgegeben von Pierre Cailler, Genf 1954
  2. Laut Geburtsurkunde und Taufschein (digital reproduziert vom On-line Picasso Project)
  3. Siehe dazu das On-line Picasso Project unter Weblinks
  4. a b Siehe den Katalog des Verbands deutscher Bühnen- und Medienverlage; abweichend zu der dort genannten Angabe der deutschen Erstaufführung siehe die Seite des Seedamm-Kulturzentrums zu einer Picasso-Ausstellung
  5. Nochmals der Verband deutscher Bühnen- und Medienverlage
  6. Markus M. Ronner: Die besten Pointen des 20. Jahrhunderts : Humoristisch-satirische Geistesblitze, nach Stichwörtern alphabetisch geordnet. Stuttgart: Gondrom. 1990
  7. a b Peter Schifferli: Pablo Picasso. Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Ullstein, Frankfurt am Main 1957, Seite 9 (26. Mai 1923).
  8. Peter Schifferli: Pablo Picasso. Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Ullstein, Frankfurt am Main 1957, Seite 10 (26. Mai 1923).
  9. Peter Schifferli: Pablo Picasso. Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Ullstein, Frankfurt am Main 1957, Seite 14f. (26. Mai 1923).
  10. Peter Schifferli: Pablo Picasso. Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Ullstein, Frankfurt am Main 1957, Seite 29 (15. Juni 1932)
  11. Peter Schifferli: Pablo Picasso. Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Ullstein, Frankfurt am Main 1957, Seite 30
  12. a b Peter Schifferli: Pablo Picasso. Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Ullstein, Frankfurt am Main 1957, Seite 32
  13. Peter Schifferli: Pablo Picasso. Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Ullstein, Frankfurt am Main 1957, Seite 35f.
  14. Peter Schifferli: Pablo Picasso. Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Ullstein, Frankfurt am Main 1957, Seite 39
  15. Peter Schifferli: Pablo Picasso. Wort und Bekenntnis. Die gesammelten Dichtungen und Zeugnisse. Ullstein, Frankfurt am Main 1957, Seite 40
  16. Brassai: Gespräche mit Picasso. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 1966 (frz. Orig.: Conversations avec Picasso. Gallimard, Paris 1964), S. 79f.

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