Mautbrücke

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Mautbrücke an der S31 in Österreich

Mautbrücken sind über mautpflichtigen Straßen aufgestellte Schilderbrücken, die zur automatischen Abrechnung der Maut dienen oder die Bezahlung der Maut kontrollieren.

Lkw-Maut in Deutschland[Bearbeiten]

Kontrollbrücke an der A81 in Deutschland
Detailansicht einer Kontrollbrücke

Die für die Lkw-Maut in Deutschland vom Konsortium Toll Collect betriebenen Kontrollbrücken (Gitterbrücken) wurden von der Vitronic GmbH hergestellt und kontrollieren die korrekte Bezahlung der Maut. Daher ist die korrekte Bezeichnung auch Kontrollbrücke und nicht wie oft fälschlicherweise beschrieben Mautbrücke. Die ca. 300 über das gesamte Autobahnnetz verteilten Brücken arbeiten mit einer automatischen Nummernschilderkennung zur Feststellung des Kennzeichens sowie Komponenten zur Erkennung des Fahrzeugtyps.[1] Die Kontrollbrücken erfassen die Kennzeichen von allen Fahrzeugen, auch von Pkw. Ob ein Fahrzeug mautpflichtig ist oder nicht, wird per 3D-Abtastung ermittelt. Die komplexe elektronische Bildauswertung und -verarbeitung hierfür wurde von Vitronic aus Wiesbaden entwickelt. Kennzeichen-Bild und 3D-Bild werden als Datensatz zusammengefasst. Datensätze nicht mautpflichtiger Fahrzeuge werden sogleich wieder gelöscht (gemäß § 9 Abs. 5 Bundesfernstraßenmautgesetz[2]).

Für Datensätze von als mautpflichtig erkannten Fahrzeugen wird mit Hilfe des Kennzeichens überprüft, ob im Einbuchungsserver eine Mautbuchung vorhanden ist. Falls keine Buchung gefunden wird, wird der Datensatz an Toll Collect übermittelt, wo dann die manuelle Nachkontrolle durch Mitarbeiter erfolgt. Sollte ein Kennzeichen nicht automatisch von der Software erkannt werden, wird der Datensatz ebenfalls zu Toll Collect geschickt, wo Mitarbeiter die Kennzeichen-Bilder auswerten und prüfen, ob eine gültige Buchung vorliegt. Falls ein Fahrer als Mautpreller erkannt wird, werden die Daten an das Bundesamt für Güterverkehr übergeben, welches ein Bußgeldverfahren gegen den Fahrzeughalter einleitet.

Durchfährt ein Lkw mit eingeschalteter On-Board-Unit (OBU) eine Kontrollbrücke, werden von der Brücke die in der OBU gespeicherten Daten abgefragt. In der OBU sind unter anderem Kennzeichen, Achszahl und zulässiges Gesamtgewicht gespeichert. Sind die Daten in der OBU mit den von der Brücke ermittelten stimmig, wird der Datensatz entfernt, anderenfalls werden die Daten ebenfalls an Toll Collect zur manuellen Nachkontrolle gesendet. Dies ist zum Beispiel der Fall, wenn das in der OBU gespeicherte Kennzeichen des Lkw nicht mit dem per automatischer Nummernschilderkennung erkannten übereinstimmt, oder in der OBU vier Achsen eingespeichert sind, aber per 3D-Abtastung sechs erkannt werden.

Aus Datenschutzgründen dürfen nicht gleichzeitig alle Brücken betrieben werden. Stattdessen sind nur stichprobenartige Kontrollen zulässig. So werden nur etwa 10 % aller LKW kontrolliert.[1] Nach Angaben von Toll Collect sprechen gegen eine dauerhafte Aktivierung aller Brücken aber keine technischen Gründe, sondern nur datenschutzrechtliche Aspekte.

Es wurde schon wiederholt diskutiert, ob bei „Verdacht auf Terrorismus“ oder bei der Strafverfolgung diese Informationen ausgewertet werden dürfen.[3][4] Die zweckentfremdete Verwendung der Daten aus dem Mautsystem widerspricht der geltenden Rechtslage[5] (§ 7 Abs. 2 BFStrMG[2]), was aber nicht bedeutet, dass Kfz-Kennzeichen-Scanning aus anderen Quellen nicht polizeilich genutzt wird.[6]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Innovation aus Deutschland. Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, 9. Juni 2011, abgerufen am 26. April 2012 (pdf; 4,3 MB).
  2. a b Gesetz über die Erhebung von streckenbezogenen Gebühren für die Benutzung von Bundesautobahnen und Bundesstraßen (BFStrMG). juris.de, abgerufen am 27. September 2012.
  3. Gläserner Autofahrer: Auf Rädern in den Überwachungsstaat. stern.de, 7. Dezember 2007, abgerufen am 26. April 2012.
  4. Der Schäuble-Katalog. Von der Anti-Terrordatei zum Präventivstaat. heise online, 2007, abgerufen am 26. April 2012.
  5. Christoph Drösser: Blitzen Mautkameras auch Temposünder? ZEIT ONLINE, 9. Juni 2011, abgerufen am 26. April 2012.
  6.  Sascha Theißen: Risiken informations- und kommunikationstechnischer (IKT-) Implantate im Hinblick auf Datenschutz und Datensicherheit. KIT Scientific Publishing, Karlsruhe 2009, ISBN 978-3-86644-343-3, S. 104ff.