Mendelejewo

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Mendelejewo (Begriffsklärung) aufgeführt.
Juditten auf einer Karte von 1937

Mendelejewo (deutsch Juditten) ist ein Stadtteil von Kaliningrad (Königsberg (Preußen)).

Name[Bearbeiten]

Der ursprüngliche Name leitet sich prußisch ab und beschreibt die Landschaft: „gaudis“ (wehmütig), „juodas“ (schwarz, finster).

Geschichte[Bearbeiten]

Kirche von Juditten (2014)
Kircheninneres von Juditten (vor 1945)
Massengräber von 1945-1947 südlich der Juditter Kirche (2014)
Kirche aus 1930er Jahren, jetzt Kulturhaus (2014)

Wie das übrige Samland wurde die von Prußen besiedelte Region im 13. Jahrhundert durch den Deutschen Ritterorden erobert und in den Ordensstaat einbezogen. Im Jahre 1287 wird der Ort erstmals als „duas villas sic nominatas Gaudityn“ erwähnt. 1349 heißt es „super villam Gauditin, Gauditen“ und 1302 Judynkirchen. Der Name Juditten erscheint 1670 in den Ostpreußischen Folianten. Bei Juditten befand sich der Spittelhof, der Wirtschaftshof des Hauskomturs zu Königsberg, dem die zu dem Spital gehörenden Dörfer scharwerkspflichtig waren.

1874 wurde der Amtsbezirk Juditten aus Lawsken, Moditten, Spittelhof, Waldthal, den Gutsbezirken Charlottenburg, Friedrichswalde, Groß Rathshof, Klein Rathshof, Moditten und dem Etablissement Juditten Mühle gebildet. Verwaltet wurde der Bezirk vom Amtsvorsteher in Rathshof. Am 16. Juni 1927 wurde Juditten in die Stadtgemeinde und den Stadtkreis Königsberg i. Pr. eingegliedert.

Vom Friedhof bestand eine gute Aussicht auf den Pregel und das Frische Haff.

Theodor Krohne erhielt das Juditter Wäldchen, das nach ihm benannt wurde.

Das Massensterben der deutschen Restbevölkerung in Königsberg 1945 bis 1947 betraf auch Juditten. Viele Opfer von Hunger, Kälte und Seuchen wurden in Massengräbern südlich/unterhalb der Kirche beerdigt.

Kirche[Bearbeiten]

Die Kirche von Juditten zählt zu den ältesten Gotteshäusern des Samlandes und wurde Ende des 13. Jahrhunderts durch den Deutschen Orden als Wehrkirche erbaut. Die preußische Königin Luise hat in der Zeit ihres Aufenthalts in Königsberg diese Kirche oft besucht. Wegen der „Madonna auf der Mondsichel“, einem Marienbild mit Jesuskind von übermenschlicher Größe, grob aus Holz geschnitzt und angestrichen, war Juditten vor der Reformation ein berühmter Wallfahrtsort. Auch noch nach der Reformation kamen Pilger, selbst aus Rom, und ließen sich vom lutherischen Pfarrer eine Bescheinigung darüber geben, dass sie Buße getan hatten. Die Kirche verfiel in der Sowjetzeit zur Ruine, in den 1980er Jahren wurde sie nach Übereignung an die orthodoxe Kirche bis 1990 wiederaufgebaut.

In einem Neubauviertel von Juditten wurde in den 1930er Jahren eine weitere Kirche gebaut, die seit der Sowjetzeit - stark verändert - als Kulturhaus genutzt wird.

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

  • Johann Christoph Gottsched (* 2. Februar 1700 in Juditten, † 1766), deutscher Schriftsteller, Dramaturg sowie Sprach- und Literaturtheoretiker

Literatur[Bearbeiten]

  • Ludwig von Baczko: Versuch einer Geschichte und Beschreibung von Königsberg, Königsberg 1804
  • Grasilda Blažiene: Hydronymia Europaea, Sonderband II, Die baltischen Ortsnamen im Samland, Wolfgang Schmid Hrsg., Stuttgart 2000, S.50 f.
  • Fritz Gause: Königsberg in Preußen. Leer 1987
  • Georg Hermanowski: Ostpreußen Lexikon. Mannheim 1980, S. 155

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mendelejewo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

54.73333320.483333Koordinaten: 54° 44′ 0″ N, 20° 29′ 0″ O