Moving Head

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
An einer Raumdecke montierter kopfbewegter Scheinwerfer
Zwei kopfbewegte Scheinwerfer

Ein Moving Head (sich bewegender Kopf), manchmal auch als kopfbewegter Scheinwerfer oder im deutschen Technikerjargon als Wackellampe, Wackeleimer oder kurz Wackler bezeichnet, ist ein frei beweglicher Multifunktionsscheinwerfer aus der Theater- und Veranstaltungstechnik. Er lässt sich um alle Achsen schwenken und ist mit einem Farbwechslersystem und Gobos ausgestattet. Ebenso lässt sich der Lichtaustritt regulieren („Shutter“oder „Dimmer“).

Kopfbewegte Scheinwerfer stehen im Gegensatz zu Scannern: Bei kopfbewegten Scheinwerfern bewegt sich der „Kopf“ des Scheinwerfers mit dem Leuchtmittel selbst. Bei Scannern ist das Leuchtmittel fix und der Lichtstrahl wird mithilfe eines beweglichen Spiegels oder Spiegelwalze abgelenkt.

Anschluss und Steuerung[Bearbeiten]

Moving Lights besitzen in der Regel 3- und/oder 5- polige XLR-Ein- und Ausgänge, um ein DMX-Signal zu empfangen und zum nächsten Gerät (z. B. Scannern) durchzuschleifen. Professionelle Geräte verfügen oft zusätzlich über eine Ethernet-Buchse, die eine Übertragung der DMX-Daten mittels ArtNET ermöglicht. Manche Geräte bieten einen Stand-Alone-Modus, der z. T. auch andere Geräte steuern kann, doch meist erfolgt die Steuerung durch ein Lichtsteuerpult oder DMX-Software. Moving Heads können auch über normale PC, die mit DMX-Ausgängen nachgerüstet sind (meist ein USB-DMX Interface), angesteuert werden. Viele der PC-Software-Lösungen, sowie zunehmend auch klassische Licht-Pulte setzen zur vereinfachten Programmierung auf 3D-Visualizer, die die Beleuchtung in Echtzeit simulieren können.

Mittels Zusatzprodukten wie Verfolger-Sendern kann auch eine automatische Ausrichtung auf Menschen im Raum realisiert werden.

Die Stromversorgung erfolgt meist separat mit einem Kaltgerätestecker oder seltener mit PowerCon-Steckern.

Leuchtmittel[Bearbeiten]

Als Leuchtmittel werden meist Gasentladungslampen wie HMI, MSR,MSD oder Xenon-Lampen eingesetzt. Vor allem bei Washlights findet die LED-Technik immer mehr Einzug, da sie bei gesättigten Farben weniger Strom als Gasentladungslampen braucht, wartungsfrei arbeitet und eine geringere Hitzeentwicklung aufweist. Dafür müssen oftmals Abstriche bei Mischfarben die meist als Pastellfarben heraus kommen und Weiß gemacht werden. Lediglich Systeme mit RGBAW LED lassen sich vernünftig als Weißlichtlampen nutzen.

Bekannte Hersteller[Bearbeiten]

Bekannte Hersteller von Moving Heads sind u. a. Vari*Lite (Erfinder), High End Systems, Martin, Clay Paky, Coemar, Robe, Futurelight, Coef, SGM, German Light Products (GLP), JB-Lighting, PR-Lighting, Expolite, Eurolite und Showtec sowie Stairville (Thomann).

Aufbau und Typen[Bearbeiten]

Ein Moving Head besteht aus drei Baugruppen:

  1. dem Sockel (Base)
  2. dem Arm oder Bügel (Yoke)
  3. dem Kopf (Head)

Es werden vor allem drei Kategorien unterschieden der sogenannte „Wash-Lights“ oder auch „Washer“, der „Spot“ oder auch „Profiler“, sowie der "Beam".

Washlights entsprechen den konventionellem Fresnelscheinwerfern der Bühnen und Theatertechnik, während der Spot oder Profiler eine Projektionsleuchte ist, die dem Profilscheinwerfer entspricht. Letztere sind wegen ihrer Fähigkeit zur scharfen Abbildung mit wesentlich mehr Effekten ausgestattet, während die Washlights meist nur über ein dichroitisches Farbmischsystem (subtraktive Farbm. CMY) und verfahrbare Linse oder einen Frostfilter für die Steuerung des Abstrahlwinkels verfügen. Beide Lampentypen verfügen üblicherweise über einen mechanischen Dimmer (bei sehr wenigen Modellen mit Halogenleuchtmittel auch über einen elektrischen) sowie einen sehr schnellen mechanischen Verschluss, der „Shutter“ genannt wird. Dabei werden meistens zwei meist verzahnte Blechflügel in den Strahlengang geschwenkt. Diese Einheit wird auch für Stroboskopeffekte genutzt. Bei einigen Lampentypen wird die Dimmerfunktion über Zwischenstellungen des Shutters mit ausgeführt.

In der Regel sind - je nach Hersteller - die Stromversorgung, DMX-Elektronik und die Antriebsmechanik für den Arm, der die horizontale sogenannte „Pan“-Bewegung (von Panorama) ausführt, im Sockel untergebracht. Die ersten kopfbewegten Moving Heads des Herstellers Vari-lite hatten noch ein zentrales Steuermodul, an dem mehrere Leuchten angeschlossen waren. Alle Anschlüsse (Betriebsspannung, DMX, Befestigung und Sicherheitsfangseil) sind jedoch bei aktuellen Geräten im Sockel zu finden.

Der Arm ist das Verbindungsglied zwischen Sockel und Kopf und führt die horizontale Drehbewegung (Pan) aus, des Weiteren enthält der Arm die Antriebsmechanik für die vertikale Bewegung des Kopfes. Die horizontale Drehbewegung ist meist bis zu 540° möglich. Der Kopf enthält die eigentliche Projektionseinheit des Moving Heads und beherbergt die Lampe, die Effektfilter und die Optik. Der Kopf führt die Schwenkbewegung „Tilt“ aus, zumeist in einem Schwenkwinkel von ca. 270°.

Durch diese Konstruktion erhält man eine sehr hohe Bewegungsfreiheit, so dass man das Licht des Projektors im Rahmen seiner mechanischen Bewegungsfreiheit abhängig vom Ort der Aufhängung oder des Aufstellens nahezu überall hin ausrichten kann. Moving Heads gibt es in unzähligen Ausführungen und in den Leistungsklassen von 150 W bis über 2000 W elektrische Leistung. Typischerweise kommen Entladungslampen mit hoher Farbtemperatur und Lichtleistung zum Einsatz, die in Kombination mit Dichroitischen Farbfiltern brillante Farben erzeugen. Wechsel- und drehbare Musterschablonen (Gobos) aus Metall oder Glas sowie andere optische Zusatzfunktionen wie Iris, Prisma (oft auch drehbar), Shutter (als optischer Verschluss z. B.: Stroboskop-, Pulse- effekte) und Dimmer (zum Dimmen der Helligkeit) ermöglichen eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten und Effekten.

Ein neuer Trend sind Wash-Lights, die statt des konventionellen Aufbaus aus Entladungslampe und subtraktiver Farbmischung direkt auf eine additive Farbmischung per LEDs zurückgreifen. Der kompakteren Bauform und geringeren Leistungsaufnahme stehen Defizite im optischen System (meist unsaubere Mischung, kein regelbarer Abstrahlwinkel) und ein im Vergleich sehr niedriger Farbwiedergabeindex gegenüber.

Vor- und Nachteile[Bearbeiten]

Vorteil des Moving Heads ist, dass man im Gegensatz zum Scanner keinen Lichtverlust hat, da die Lichtstrahlen nicht umgelenkt werden. Zudem ist bei Moving Heads der Aktionsradius größer. Nachteil im Vergleich zum Scanner ist, dass ein Scanner viel schnellere Bewegungen machen kann, da der Spiegel im Vergleich zum Kopf eine geringere Masse hat, die bewegt werden muss. So ist der Moving Head für den Discogebrauch bedingt oder möglichst nur zusammen mit Scannern zu empfehlen. Ein weiterer Nachteil ist, dass Moving Heads in der Regel lauter sind als Scanner und Scanner somit besser in Musicals, im Theater ect. eingesetzt werden. Moving Heads sind häufig auf mittleren bis großen Bühnen anzutreffen und darüber hinaus sehr häufig im Fernsehen zu sehen. Insbesondere bei Shows werden häufig Moving Heads eingesetzt.

Einsatzgebiete, Historie[Bearbeiten]

Moving Heads sind aus der modernen Unterhaltungsbranche nicht mehr wegzudenken. Konzerte, TV-Produktionen, Theater, Modenschauen und natürlich Diskotheken sind die typischen Einsatzgebiete. Die Erfindung des Moving Heads wird der Firma Vari*Lite zugesprochen, der Durchbruch dieser Technik gelang 1981 mit der Genesis Abacab-Welttournee.

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank Burghardt (Hrsg.): Lichttechnik für Einsteiger. Die eigene Lightshow mit DMX professionell steuern. Elektor-Verlag, Aachen 2009, ISBN 978-3-89576-188-1.
  • Michael Ebner: Lichttechnik für Bühne und Disco. Ein Handbuch für Praktiker. Elektor-Verlag, Aachen 2001, ISBN 3-89576-108-7.
  • Michael Ebner: Lichttechnik für Bühne und Disco. Ein Handbuch für Selbermacher. Elektor-Verlag, Aachen 1992, ISBN 3-928051-12-1 (6. Auflage. ebenda 1996).
  • Jens Mueller: Handbuch der Lichttechnik. Formeln, Tabellen und Praxiswissen. Know-How für Film, Fernsehen, Theater, Veranstaltungen und Events. 3., aktualisierte und erweiterte Auflage. PPVMedien, Bergkirchen 2006, ISBN 3-937841-25-3.

Weblinks[Bearbeiten]