Muladí

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Muladíes (sg: muladí) waren eine ethnische Gruppe, die im Mittelalter auf der Iberischen Halbinsel lebte.

Die spanische Bezeichnung muladí ist abgeleitet vom arabischen Wort muwallad (pl: ‏مولدون‎ / muwalladūn). In der Grundbedeutung bezeichnet muwallad eine Person mit Eltern unterschiedlicher Herkunft, insbesondere den Nachkommen eines arabischen und eines nicht-arabischen Elternteils, der unter Arabern aufgewachsen ist und in der arabisch-islamischen Kultur erzogen wurde. In der islamischen Geschichte bezeichnet Muwalladūn in einem weiteren Sinn nicht-arabische Neu-Muslime, d.h. die Nachfahren von Konvertiten.

Auf der Iberischen Halbinsel traten bereits im 8. und 9. Jahrhundert Teile der einheimischen, bis dahin christlichen Bevölkerung, darunter einige adlige Familien zum Islam über. Im 10. Jahrhundert jedoch kam es zu einem massiven Anwachsen dieser Bevölkerungsgruppe, so dass Muladíes am Ende dieses Jahrhunderts die Mehrheit der Bevölkerung in Al-Andalus stellten. Es ist davon auszugehen, dass es sich hierbei, im Gegensatz zu den vorherigen Übertritten zum Islam, zu einem großen Teil nicht um "bewusste" Konversionen handelte. Der Grund hierfür ist im islamischen Recht zu suchen. Wird ein Kind geboren und dieses nicht ausdrücklich als "christlich" oder "jüdisch" ausgewiesen, erhält ein solches Kind automatisch den Status "Muslim". Da nach der massiven Auswanderung christlicher Geistlicher im 9. Jahrhundert vor allem in ländlichen Gegenden aus Mangel an Priestern offiziell kaum noch Taufen durchgeführt wurden, konnte das neugeborene Kind nicht als Christ registriert werden und wurde somit automatisch muslimisch.[1]

Durch Arabisierung der Muladíes und ihre Vermischung mit Arabern und teilweise auch Berbern verwischten im 11. und 12. Jahrhundert zunehmend die Unterschiede zwischen den verschiedenen muslimischen Bevölkerungsgruppen, so dass sie allmählich in einer weitgehend einheitlichen Gruppe aufgingen und sich als Andalusiyūn bezeichneten.

Quellen[Bearbeiten]

  1. Epalza, Mikel de: "Mozarabs: An emblematic christian minority in islamic al-Andalus", in: Marín, M. (ed.): The formation of al-Andalus. Part I: History and societies. (Aldershot),1998, Seiten 149-170

Literatur[Bearbeiten]