Multiplex-Platte

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40mm dicke Birke-Multiplex-Platte mit 45°-Gehrung

Als Multiplex-Platten, auch MPX-Platten, werden Furnier-Sperrholzplatten bezeichnet, welche mehr als 12 mm dick sind und aus mindestens fünf gleich starken Furnierlagen (Mittellagen) bestehen.

Im Unterschied zu Multiplexplatten bestehen klassische Sperrholzplatten aus einer ebenfalls ungeraden Zahl von Furnierlagen, die aber sehr unterschiedliche Dicke haben. In der Regel bestehen diese aus drei kreuzweise verleimten ca. 2 - 5 mm dicken Furnierlagen in der Mitte der Platte, die wiederum von zwei sehr viel dünneren, üblicherweise 0,6 - 1 mm dicken Furnierlagen abgesperrt werden. Dadurch sind so verleimte Sperrholzplatten wesentlich flexibler als Multiplexplatten, aber auch nicht annähernd so belastbar gegen Durchbiegung wie diese.

Aufbau[Bearbeiten]

Die Holzschichten von Multiplexplatten bestehen zumeist aus Buche, Birke, Fichte oder Ahorn mit Dicken von 0,8–2,5 mm. Die Anzahl der Furnierlagen variiert je nach Gesamtdicke (bis zu 80 mm) und gewünschter Optik von 5 bis 35 oder mehr. Die sichtbaren Oberflächen der Platten können ebenfalls stark variieren.

Die Platten werden mit wasserfestem Leim (Phenol-, Phenol Resorcin-, oder Resorcin- und Melaminharz) als Bindemittel gepresst und gegeneinander querverleimt. Als Querverleimung bezeichnet man kreuzweise um 90° versetzt gegeneinander verleimte Furnierlagen, andere Winkel sind ebenso möglich.

Die Dichte von Buchen-Multiplex beträgt 0,76 kg/dm³.

Herstellungsverfahren aus Schälfurnier

Das Ausrichten der Maserung gegeneinander erhöht die Formstabilität der Platten, da sich Holz als lebender Werkstoff durch Feuchtigkeitszu- oder -abnahme quer zur Maserung ausdehnt (Quellung) oder zusammenzieht (Schwindung). Längs der Maserung sind die Lagen aber äußerst zugstabil. Die Größenänderungen einer Lage werden so durch die anderen Lagen weitestgehend unterbunden.

Qualitätsstufen und deren Beschreibung[Bearbeiten]

A: Sperrholz, völlig astfrei in den Decklagen, geringe Farbeinläufe möglich, hell.

A gebleicht: Sperrholz, gebleicht und völlig astfrei in den Decklagen, keine Farbeinläufe, sehr hell.

AB: Sperrholz, astfrei in ihren Decklagen, Farbeinläufe sind möglich, hell. Wenige gesunde verwachsene Äste sind möglich, aber doch eher selten.

B: Sperrholz mit kleinen nicht ausgefallenen und fest verwachsenen Ästen, Farbeinläufe sind möglich. Astlöcher bis zu 8 mm möglich, Kittstellen erlaubt.

BB: Sperrholz mit Ästen. Auch ausgefallene oder gespachtelte Äste sowie Farbeinläufe und kleine Risse in den Decklagen sind möglich. Astlöcher bis 15 mm und Kittstellen sind erlaubt.

C: Sperrholz mit Ästen, ausgefallenen Ästen sowie Rissen und allen natürlichen Fehlern. Möglich sind auch nichtgespachtelte Holzfehler oder Fehlstellen in den Decklagen.

So zum Beispiel lautet die Qualitätsbezeichnung A/BB: Vorderseite völlig astfrei, hell. Rückseite: kleine nicht ausgefallene Äste möglich, Farbeinläufe, Kittstellen möglich

Verleimqualität[Bearbeiten]

Die Platten werden in folgenden Verleimungen verkauft:

  • gewöhnliche Verleimung (IF 20)
  • feuchtigkeitsbeständige Verleimung (IF 67)
  • wasserbeständige Verleimung (AW 100)
  • CARB-Verleimung mit sehr geringem Formaldehydgehalt in Übereinstimmung mit den CARB-Regularien

Ausführung[Bearbeiten]

Lackierungen (klar, farbig) sind ebenso möglich wie eine flüssige Kunstharzbeschichtung oder ein Kunstharzfilm aus Phenol- oder Melaminharz (Filmplatten). Meist wird beidseitig beschichtet. Auch die Furnierung mit einer beliebigen Holzart oder die Verkleidung mit Metall ist möglich.

Anwendung[Bearbeiten]

Eine weit verbreitete Sonderform der Multiplexplatte ist die so genannte Sieb-Film-Platte, die vor allem dort zum Einsatz kommt, wo Witterungsbeständigkeit und eine rutschfeste Oberfläche wichtig sind. Die Sieb-Film-Platte ist beidseitig Phenolharz-beschichtet und einseitig aufgeraut, als Film-Film-Platte ist sie beidseitig glatt. Die Sieb-Film-Platten werden auch Siebdruckplatten genannt, haben aber mit dem Druckverfahren Siebdruck keinen Bezug. Um ein Eindringen von z.B. Wasser zu verhindern, müssen die, in der Regel nicht beschichteten, Stirnseiten und Schnittkanten extra versiegelt werden.

Multiplex-Platten finden überall dort Verwendung, wo es auf Robustheit und Formstabilität ankommt, z.B. bei:

  • Innen- und Außenverkleidungen auch bei starken Witterungseinflüssen
  • Dach- und Betonschalungen
  • tragende Konstruktionen
  • Treppenstufen
  • hochbelastbare Verbindungsteile im Holz- und Holzrahmenbau
  • Arbeitsplatten, Werkbänke
  • Unterschränke für Aquarien
  • Theken
  • Lautsprechergehäuse
  • Flightcases
  • Bühnenbau
  • Fahrzeugbau, z.B. Böden von LKW Aufbauten
  • als Trägerschicht bei Fertigparkett

Pakkaholz[Bearbeiten]

Unter der Markenbezeichnung Pakkaholz wurden von der Will Adams Plastic Company Mutliplexformteile entwickelt und patentiert, die ab den später 1940er Jahren von der W.R. Case & Sons Cutlery Company erstmals als Material für die Griffe von Haushaltsmessern verwendet wurden.[1] Der Einsatz von Pakkaholz in mittelbraunen Farbtönen begann nach dem Zweiten Weltkrieg, ab den frühen 1960er Jahren wurde es in dunkleren Varianten auch als Ersatz für Knochen als Griffmaterial für Taschenmesser eingesetzt.[2]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Multiplex-Platte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  1. Shirley Boser,John Sullivan: W.R. Case & Sons Cutlery Company. Arcadia Publishing, 2006, S. 72
  2. Steve Pfeiffer: Collecting Case Knives: Identification and Price Guide. Krause Publications, 2011, S. 78f