Holzrahmenbau

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Der Holzrahmenbau (auch Holzriegelbau oder Holzständerbauweise) zählt zu den wesentlichen modernen Holzbausystemen. Eine Sonderform des Holzrahmenbaus ist die Holztafelbauweise, bei der die Wand- und Deckenelemente im Werk bereits weitestgehend vorgefertigt sind.

Anzutreffen ist diese Bauweise in Mittel- und Nordeuropa, insbesondere Skandinavien, hauptsächlich jedoch in Nordamerika. Dort ist der Holzrahmenbau mit Abstand die vorherrschende Bauweise bei ein- oder zweistöckigen Wohngebäuden.

Der Holzrahmenbau zeichnet sich im Unterschied zu anderen Holzbauweisen wie der Blockbauweise oder der Fachwerkbauweise dadurch aus, dass ein Holzgerüst mit senkrechten und waagrechten Stäben die vertikale Tragfunktion übernimmt und die horizontale Aussteifung durch plattenförmige Wandbaustoffe oder diagonal aufgebrachte Bretter erfolgt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte [Bearbeiten]

Der Holzrahmenbau entwickelte sich aus der Fachwerkbauweise und ist von dieser auch nicht immer klar abzugrenzen. Während die traditionelle Fachwerkbauweise eher stärkere Holzquerschnitte und zimmermannsmäßige Holzverbindungen aufweist, sind im Holzrahmenbau tendenziell schwächere Holzquerschnitte und einfache, stumpfe – mit Nägeln befestigte – Anschlüsse vorherrschend. Möglich wurde der Holzrahmenbau erst mit der industriellen Erzeugung von Drahtstiften, da erst dadurch das Aufbringen der Wandbeplankung möglich war.

Im englischsprachigen Nordamerika hat sich die Holzrahmenbauweise während der Besiedlungsphase schon früh gegenüber anderen Bauweisen durchgesetzt, da Transport und Lagerhaltung der nötigen Baustoffe relativ einfach war und die Bauweise keine besondere handwerkliche Ausbildung erforderte. Der Baufortschritt war schnell und wurde auch durch die häufig lange Frostperiode nicht unterbrochen. Im Gegensatz zu den engen Dörfern Europas spielte die Brennbarkeit des Baumaterials kaum eine Rolle.

In Mitteleuropa ist die Holzrahmenbauweise erst relativ spät mit dem Aufkommen von Fertighäusern in der Form der Holztafelbauweise entwickelt worden. Eine der ersten Einsatzgebiete waren Baracken für temporäre Unterkünfte während der Industrialisierung und des Eisenbahnbaus. Parallel dazu hat sich der Holzrahmenbau auch als handwerkliche Bauweise etabliert.

Bauweisen [Bearbeiten]

Balloon-frame-Prinzip

Bei allen Konstruktionsprinzipien kann die Fassadengestaltung frei gewählt werden. Putze auf Wärmedämmverbundsystemen, Mauerwerksvorsatzschalen, Außenbekleidungen aus Holz, Kunststoff oder mineralischen Platten sind nur einige Beispiele.

Balloon Framing
Dies war in den USA und Kanada die ursprüngliche Holzrahmenbauweise, deren Hauptmerkmal - ähnlich wie die mittelalterliche Ständerbauweise - über die Etagen durchgehende Wandpfosten sind.
Als Auflage für die Balkenlage wird eine Holzbohle auf Deckenhöhe eingelassen, die Balkenlage aufgelegt und seitlich am Pfosten befestigt. Ursprünglich wurden die Außenwände entweder mit eingelassenen Streben ausgesteift oder außen mit Brettern diagonal beplankt. Die Außenwand innen, Innenwände und Deckenunterseiten wurden meist mit dünnen Holzleisten verschalt, welche als Putzträger für einen Gipsputz dienten. Mit dem Beginn der industriellen Fertigung von Gipskartonplatten in den USA ab 1910 und der Einführung plattenförmiger Holzwerkstoffe wurden dann diese wesentlich rationeller zu verarbeitenden Wandbaustoffe eingesetzt.
Platform Framing
Etwa seit Ende des zweiten Weltkriegs kam in Nordamerika diese mittlerweile vorherrschende Bauweise auf, die in gewisser Hinsicht vergleichbar ist mit der spätmittelalterlichen Rähmbauweise (auch Stockwerkbauweise).
Der Rohkonstruktion wird – im Gegensatz zum Balloon-Framing – etagenweise errichtet und jeweils mit einer Platform abgeschlossen, auf der dann die nächste Etage errichtet wird. Die hölzerne Tragkonstruktion der Wände, bestehend aus den Wandpfosten samt oberen und unteren Gurten wird zunächst liegend auf der jeweiligen Etage vorgefertigt, dann aufgestellt und mittels einem zusätzlichen Obergurts miteinander verbunden. Außenseitig und auf der Geschossdecke werden Platten aus Sperrholz oder OSB aufgebracht, der Rest wird nach der Fertigstellung des Rohbaus mit Gipskartonplatten verschalt.
Sämtliche Details sind standardisiert und meist in baurechtlichen Vorschriften strikt geregelt. Für die Konstruktionshölzer werden 38 mm starke Bohlen mit nur wenigen Breiten- und Längenabstufungen verwendet. Bei der Balkenlage der Geschossdecken ersetzen zunehmend sogenannte I-Joists oder vorgefertigte Fachwerkträger die ansonsten hochkant eingebauten 38 mm Massivholzbohlen. Für die Dachkonstruktion werden in aller Regel vorgefertigte Nagelplattenbinder verwendet.
Das Rastermaß der senkrechten Tragkonstruktion liegt normalerweise bei 16 Inch (40,64 cm). Möglich sind auch 12 Inch (30,48 cm) oder 24 Inch (60,96 cm). Das ganzzahlige Vielfache des Rastermaßes ergibt immer die Breite der Bauplatten von 48 Zoll (121,92 cm). Das Rastermaß der Decken und der Dachkonstruktion kann unabhängig von dem der Wände sein.
Bauweise im deutschsprachigen Raum
Die bei weitem vorherrschende Holzrahmenbauweise im deutschsprachigen Raum ist eine moderne Form der Rähmbauweise und vergleichbar mit dem aktuellen nordamerikanischen Platform Framing, wenn auch die Standardisierung wesentlich geringer ist, insbesondere im Bereich der Decken und des Dachstuhls. Im Gegensatz zum Platform Framing sind die Holzquerschnitte massiver und das Rastermaß größer. Dieses orientiert sich an der Plattengröße von 125 cm × 250 cm und liegt entweder bei 62,5 cm oder 83,3 cm. Insgesamt ist der Vorfertigungsgrad auch bei handwerklicher Herstellung meist hoch, so dass zur Holztafelbauweise des Fertighausbaus kaum mehr Unterschiede vorhanden sind.
Das Konstruktionsprinzip der althergebrachten Ständerbauweise kommt im modernen Holzrahmenbau kaum mehr zur Ausführung. Dennoch wird der Holzrahmenbau umgangssprachlich auch als Holzständerbauweise bezeichnet, einzelne Wände als Holzständerwand, analog zum Begriff Metallständerwand aus dem Trockenbau.

Siehe auch: Fertigteilbau, Plattenbau

Literatur [Bearbeiten]

  • Bund Deutscher Zimmermeister (Hrsg): Holzrahmenbau – Bewährtes Hausbausystem. ISBN 3871041394.
  • Josef Kolb: Holzbau mit System – Tragkonstruktion und Schichtaufbau der Bauteile. ISBN 3764376139.

Weblinks [Bearbeiten]

 Commons: Holzrahmenbau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien