Naumachie

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Naumachia (Ausschnitt): Gemälde von Ulpiano Checa, erstmals gezeigt im Jahr 1894.

Als Naumachie wurden in der Antike sowohl nachgestellte Seeschlachten als auch die Anlagen, in denen diese Schauspiele stattfanden, bezeichnet. Es handelt sich auch um ein gartenkünstlerisches Gestaltungselement.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Naumachie wurde 46 v. Chr. von Caesar veranstaltet, der eigens zu diesem Zweck einen künstlichen See auf dem Marsfeld anlegen ließ. Bei diesem Spektakel wurde eine Schlacht zwischen phönizischen und ägyptischen Schiffen dargestellt. An diesem Gefecht sollen viertausend Ruderer und zweitausend Decksoldaten teilgenommen haben, so dass nach Schätzungen des Historikers Fik Meijer insgesamt 22 Schiffe beteiligt waren. Der Andrang der Zuschauer war dabei so groß, dass von außerhalb Roms anreisende Zuschauer auf den Straßen kampieren mussten.

Augustus ließ 2. v. Chr. die erste permanente Naumachie errichten, die daher später als vetus naumachia bezeichnet wurde und ein Ausmaß von 540 mal 350 Meter hatte.

Die größte Naumachie ließ Claudius 52 n. Chr. auf dem Fuciner See, dem einst größten Binnengewässer Mittelitaliens, ausrichten. In der Mitte des Sees hatte er einen mechanischen Tritonen aufbauen lassen, der mit einer Fanfare den Beginn der Schlacht einläutete. Auf beiden Seiten kämpften dabei je 19.000 Sklaven auf je 50 Schiffen. Vor dieser Naumachie grüßten die Kämpfenden den römischen Kaiser mit dem Ruf:

Ave Caesar, morituri te salutant – Heil Dir, Caesar, die Todgeweihten grüßen Dich.

Dieser Gruß wird im Allgemeinen mit Gladiatoren assoziiert. Es ist jedoch nicht belegt, dass jemals ein Gladiatorenkampf stattfand, bei dem die Gladiatoren auf diese Weise den römischen Kaiser ansprachen.

Nero, der es bevorzugte, Naumachien in Amphitheatern auszurichten, ließ dafür Krokodile und andere Tiere im Wasser umherschwimmen, um die Spannung zu erhöhen.

Die an den Naumachien beteiligten Kämpfer bezeichnete man als Naumachiarii. Wie die Gladiatoren waren sie meist Sklaven, Kriegsgefangene oder zum Tode Verurteilte; durch eine gute Darbietung konnten diese die Freiheit erlangen.

In der Barockzeit wurden die Naumachien zur Belustigung der höfischen Gesellschaft wiederbelebt. So wurden etwa auf dem (heute trockengelegten) Brandenburger See in Bayreuth Seeschlachten ausgetragen, ebenso vor einer künstlichen maritimen Kulisse um den Leuchtturm Moritzburg (Sachsen). Eine der antiken Form nachgebildete Naumachie befand sich im Parc Monceau (Paris). Auch „Schlachten“ mit ferngesteuerten Modellschiffen können zu den Naumachien gezählt werden.

Literatur[Bearbeiten]

Es gibt wenig Literatur, die sich spezifisch mit Naumachien beschäftigt. In der Literatur, die sich mit dem Gladiatorenwesen im römischen Reich auseinandersetzen, widmet man sich auch diesem vor allem für Rom typischen Schaukampf.

  • Marcus Junkelmann: Das Spiel mit dem Tod – So kämpften Roms Gladiatoren. Zabern, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2563-0 (Antike Welt, Sonderheft; Zaberns Bildbände zur Archäologie).
  • Eckart Köhne (Hrsg.): Gladiatoren und Caesaren. die Macht der Unterhaltung im antiken Rom. Von Zabern, Mainz 2000, ISBN 3-8053-2614-9.
  • Alan Baker: Gladiatoren – Kampfspiele auf Leben und Tod. Goldmann, München 2002, ISBN 3-442-15157-0.
  • Fik Meijer: Gladiatoren. Das Spiel um Leben und Tod. Artemis und Winkler, Düsseldorf u. a. 2004, ISBN 3-7608-2303-3.
  • Patrick Eyres: British naumachias: The performance of triumph and memorial. In: Dumbarton Oaks Colloqium on the history of landscape architecture. Band 27, 2003, Seite 171–192.