Fuciner See

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Karte des Fuciner Sees vor der Trockenlegung

Der Fuciner See (auch Fucinosee, Celanosee, ital. Lago Fucino bzw. Lago di Celano, lat. Fucinus Lacus) war bis zu seiner vollständigen Trockenlegung im Jahre 1875 das größte Binnengewässer Mittelitaliens.

Er lag vier Kilometer südlich der Stadt Avezzano auf einer Höhe von 662 Metern über NN und umfasste etwa 155 Quadratkilometer. Der ringsum vom Gebirge umgebene See besaß keinen natürlichen Abfluss, so dass sein Wasserspiegel oft erheblich schwankte. Die umliegenden Ortschaften waren daher oft von Überschwemmungen betroffen.

Am Ufer des Sees lag in antiker Zeit Marruvium, die Hauptstadt des italischen Stammes der Marser. Die Stadt erlebte während der römischen Kaiserzeit ihre Blütezeit; sie war von fruchtbarem Schwemmboden umgeben, was eine ertragreiche Ackerwirtschaft ermöglichte, ebenso waren die im Fuciner See gefangenen Fische in Rom sehr gefragt. 52 n. Chr. ließ Claudius auf dem Fuciner See die größte Naumachie (Inszenierung einer Seeschlacht) der Geschichte ausrichten. In der Mitte des Sees hatte er einen mechanischen Tritonen aufbauen lassen, der mit einer Fanfare den Beginn der Schlacht ankündigte. Auf beiden Seiten kämpften dabei je 19.000 Sklaven auf je 50 Schiffen.

Bereits Caesar ließ die Trockenlegung des Sees planen, um die Überschwemmungsgefahr zu bannen und Ackerland zu gewinnen. Zudem waren die versumpften Ufer des Sees eine Brutstätte für Malaria übertragende Mücken. In den Jahren 44–54 setzte Claudius dieses Vorhaben in die Tat um. 30.000 Arbeiter gruben einen Tunnel unter dem Monte Salviano hindurch. Dieser Kanal war jedoch nach kurzer Zeit wieder verstopft und der Wasserspiegel des Sees stieg erneut an. Auch Trajan und Hadrian sowie Friedrich II scheiterten an Versuchen, den See trockenlegen zu lassen.

Im Jahre 1752 tauchten nach einer langen Trockenperiode die Ruinen Marruviums auf; unter anderem wurde eine Claudius-Statue geborgen. Ab 1783 stieg der Pegel des Sees stetig an und bedrohte die umliegenden Ortschaften. Erst im 19. Jahrhundert gelang es, den See trockenzulegen. Die Arbeiten begannen am 10. Juli 1854 im Auftrag des Römer Bankiers Alessandro Torlonia unter der Leitung des Schweizer Ingenieurs Franz Mayor de Montricher, der bereits die Planung vorangetrieben hatte. Als De Montricher vier Jahre später verstarb, übernahm sein Mitarbeiter Enrico Samuele Bermont (* 1823 in Assens, Kanton Waadt; † 1870 in Montpellier) die Fortführung des Projekts. 1862 begann man mit dem Bau eines 6,3 Kilometer langen und 21 Meter breiten Kanals. 1870 fand die dritte und letzte Leerung des Sees statt. Bis 1875 war das Gebiet trockengelegt und konnte als Kulturland genutzt werden.[1] Heute ist das Fuciner Becken eine der fruchtbarsten landwirtschaftlichen Regionen Italiens.

Panoramablick über den Fuciner See vom Monte Sirente

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Christoph P. J. Ohlig: Integrated Land and Water Resources Management in History – Proceedings of the Special Session on History. Books on Demand, 2005, S. 178f.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Fuciner See – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

41.9952713.54807Koordinaten: 41° 59′ 43″ N, 13° 32′ 53″ O