Netzparität

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Netzparität (engl. grid parity) ist ein Begriff aus der Fachwelt der Erzeugung elektrischer Energie durch erneuerbare Energieträger.

Der Begriff bezeichnet den Zustand gleicher Kosten für selbst erzeugte im Vergleich zu eingekaufter elektrischer Energie. Netzparität gilt üblicherweise dann als erreicht, wenn aus Sicht der Endverbraucher selbst produzierter Strom dieselben Kosten je Kilowattstunde verursacht wie der Kauf von einem Stromanbieter, also der Strombezug über das Netz. Bei diesem Vergleich ist zu beachten, dass die Kosten des Strombezugs Vollkosten darstellen (also neben den Kosten der Stromerzeugung die Kosten des Stromnetzes und der Steuern beinhalten), während die Kosten des Endverbrauchers lediglich Teilkosten darstellen (s.a. Eigenverbrauch).

Gelegentlich wird der Begriff auch aus der Sicht kommerzieller Stromproduzenten (Stromkonzerne) verwendet und dazu die Erwerbskosten des Stroms aus erneuerbaren Energien, z. B an Spotmärkten, mit den eigenen Erzeugungs- oder Erwerbskosten konventionell erzeugten Stroms verglichen. Demnach ist Netzparität erst bei einem weitaus niedrigeren Preis gegeben.[1] Hier werden die Kosten der Stromerzeugung beider Verfahren verglichen.

Bedingungen der Netzparität[Bearbeiten]

In der Regel wird der Begriff im Zusammenhang mit bestimmten erneuerbaren Energien verwendet, die zur Erzeugung in privaten Kleinanlagen geeignet sind und am gleichen Anschluss ins Verbundnetz übergeben werden, aus dem der Strombezug erfolgt. Dies ist insbesondere bei Photovoltaik-Anlagen der Fall, aber auch bei Blockheizkraftwerken. In diesen Fällen liegt ein Kostenvergleich nahe, da der selbst erzeugte Strom physikalisch unmittelbar den aus dem Netz bezogenen ersetzt.

Hintergrund ist bei Verbundanlagen die Tatsache, dass als „kostendeckende Vergütung“ von Solarstrom ursprünglich ein Vielfaches der privaten Strombezugskosten nötig war, gleichzeitig jedoch eine kontinuierliche Regression dieses Verhältnisses aufgrund sinkender Herstellungskosten bis hin zu einer zukünftigen „Parität“ erwartet wurde (s.a. Stromgestehungskosten).

Davon abweichend sind bei Inselanlagen weitere Faktoren in den Vergleich einzubeziehen, so etwa die Kosten für die Stromspeicherung bei der Erzeugung einerseits sowie andererseits die Kosten zur Herstellung eines Netzanschlusses zum Strombezug. Letztere können im Einzelfall zu dem Ergebnis führen, dass Photovoltaik-Anlagen trotz Speicherkosten zu gleichen oder günstigeren Preisen Strom erzeugen. Dies gilt insbesondere bei abgelegenen Standorten oder sehr geringen Verbräuchen wie etwa bei Parkscheinautomaten und ähnlichen Anlagen (s.a. Inselsystem, Inselnetz, Inselanlage). Insbesondere da die Akkupreise in letzter Zeit stark gefallen sind, liegt der preisliche Vorteil heute meist bei einem autarken System (s.a. Beispielrechnung).

Zeitpunkt der Netzparität[Bearbeiten]

Haushaltsstrom (Photovoltaik)[Bearbeiten]

In Ländern und Regionen mit günstigen Wetterbedingungen und teurem konventionell erzeugtem Strom, wurde die Netzparität bereits 2010 bzw. 2011 erreicht: Spanien [2], Portugal, Italien,[1][2] Malta, Zypern, Dänemark[2] sowie auf Hawaii[3][2] und in Nordkalifornien.[3]

In Österreich und Deutschland[2] wurde die Netzparität Anfang 2012 erreicht. Es wird erwartet, dass die Ölparität in Deutschland im Zeitraum 2015 bis 2016 erreicht wird. [4]

Aufgrund der 2010 und 2011 stark gefallenen Anlagenpreise, kann in folgenden Ländern eine – ursprünglich erst für 2013 bzw. 2014[5] erwartete – Netzparität wahrscheinlich bereits 2012 erreicht werden: Australien[2], Belgien, Ungarn, Luxemburg, Niederlande, Kroatien, Griechenland, Irland, Slowenien, Slowakei und Schweden. Australien erreichte 2011 die Netzparität bei Photovoltaik. In einigen Gebieten Australiens sind die Erzeugungskosten (einschließlich 8 Prozent Gewinn) pro Kilowattstunde einer Photovoltaikanlage kleiner, als der Endverbraucherpreis für den Bezug von fossil produziertem Strom. Der Erzeugungspreis für Strom aus Photovoltaikanlagen lag in diesen Gebieten damit deutlich unter dem Bezugspreisen von Netzstrom.[6]

Bis 2015 werden die Länder Brasilien, Frankreich, Japan und die Türkei sowie der US-Bundesstaat Kalifornien die Netzparität erreichen, selbst wenn die Haushaltsstrompreise zukünftig nicht ansteigen sollten.[2]

Die Deutsche Bank sieht bei der Photovoltaik ein starkes Wachstum, weil in mindestens 19 Märkten weltweit sei Netzparität erreicht (1/2014). Die Preise für Photovoltaik werden weiter sinken. Es würden sich zunehmend Geschäftsmodelle jenseits von Einspeisetarifen durchsetzen. Das weitere Wachstum sei darin begründet, dass Photovoltaik immer wettbewerbsfähiger wird. [7]

Industriestrom (Photovoltaik)[Bearbeiten]

Die Einkaufspreise für Strom, die von Industriebetrieben bzw. Gewerbebetrieben bezahlt werden, liegen in allen Ländern – teilweise sehr deutlich – unterhalb jener Preise, die von Privathaushalten zu entrichten sind. Gemessen an den Preisen für Industriestrom wurde die sogenannte „Industrial Grid-Parity“ erstmals 2010 in Zypern und 2011 in Italien erreicht.[5] Österreich und Deutschland werden diese Marke voraussichtlich 2014 erreichen, für einige vor allem kleinere Gewerbebetriebe besteht eine Netzparität aber bereits 2012.[8]

Die „Industrial Grid-Parity“ wird als wichtige Marke für den Photovoltaik-Markt angesehen, da Industriebetriebe und Gewerbebetriebe durch ihren oft hohen und kontinuierlichen Eigenverbrauch den gesamten – in eigenen Photovoltaikanlagen – erzeugten Strom selbst nutzen können und keine gewinnmindernde Überschuss-Einspeisung ins öffentliche Netz vornehmen müssen.

Gewerbliche Photovoltaik-Anlagen haben laut einer Studie von Eclareon (Madrid, Spanien) in Deutschland, Italien und Spanien Netzparität erreicht (03/2014).[9]

Auswirkungen der Netzparität[Bearbeiten]

Es wird die Hoffnung geäußert, dass, wenn Endverbraucher ihren Strom günstiger selbst produzieren können, als diesen zu kaufen, sich ein selbst tragendes Wachstum von Stromproduktionsanlagen aus erneuerbaren Energien ergibt.[10] Da preiswerte Speichertechnologien für elektrische Energie aber noch fehlen, hängt die Rentabilität von PV-Anlagen jedoch weiter stark vom Preis ab, zu dem die Betreiber ihren überschüssigen Strom verkaufen können. Aus diesem Grund wird erwartet, dass die Höhe der Subventionen durch das EEG auch in den nächsten Jahren den Zubau von PV-Anlagen in Deutschland bestimmen wird. Allerdings sind die Akkupreise in letzter Zeit stark gefallen, so dass in Deutschland sogar Netzparität erreicht ist für Photovoltaik plus Speicherung im Akku (s.a. Stromgestehungskosten, Beispielrechnung für Stromspeicher).

Die Rentabilität des Eigenverbrauchs von Solarstrom liegt daran, dass die Kosten des Strombezugs aus dem Stromnetz Vollkosten darstellen (also neben den Kosten der Stromerzeugung die Kosten des Stromnetzes und der Steuern beinhalten), während die Kosten beim Eigenverbrauch lediglich Teilkosten darstellen. Derzeit ist die Menge des eigenverbrauchten Solarstroms marginal. Bei einem steigenden Anteil selbstverbrauchten Solarstromes steigt der Strompreis, da die fixen Kosten des Stromnetzes auf eine geringere Zahl von transportierten kWh umgelegt werden muss. Um dies zu vermeiden und eine verursachergerechte Zuordnung der Netzkosten wird eine Netznutzungsgebühr und eine erhöhte Gebühr für diejenigen vorgeschlagen, die sowohl Strom einspeisen, als auch entnehmen.[11]

In einem Interview im März 2014 meinte der E.on-Chef Johannes Teyssen: "Ich gehe nicht davon aus, dass mit der konventionellen Stromerzeugung künftig noch nennenswert viel Geld verdient werden kann."[12]

Bloomberg New Energy Finance sieht einen sog. tipping point bei Wind- und Solarenergie. Die Preise für Wind- und Solarstrom seien in den letzten Jahren stark gefallen und würden heute (1/2014) in einigen Bereichen bzw. Teilen der Welt bereits unter den Preisen der konventionellen Stromerzeugung liegen. Die Preise würden weiter fallen. Die Stromnetze seien weltweit stark ausgebaut worden, so dass diese nun auch Strom aus erneuerbaren Energien aufnehmen und verteilen könnten. Zudem hätten die erneuerbaren Energien weltweit dafür gesorgt, dass die Strompreise stark unter Druck geraten seien. Zudem würden die erneuerbaren Energien enthusiastisch von den Verbrauchern aufgenommen. Bereits im Jahr 2014 soll dieser Systemwechsel für sehr viele Menschen offensichtlich werden. [13]

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b Marlies Uken: E.on testet Solarstrom. In: Die Zeit. 3. Juni 2009, abgerufen am 25. Januar 2012.
  2. a b c d e f g Bloomberg New Energy Finance: Solarstromerzeugung mit Photovoltaik ist in vielen Ländern bereits günstiger als Elektrizitätspreis für Endkunden. In: Bloomberg. 16. Mai 2012, abgerufen am 21. Mai 2012.
  3. a b Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatGaining on the grid. (PDF, 1 MB, engl.). In: Frontiers. BP, August 2007, abgerufen am 25. Januar 2012 (PDF; 1,1 MB).
  4. Volker Quaschning; Johannes Weniger; Tjarko Tjaden: Der unterschätzte Markt. In: BWK. Bd. 64 (2012) Nr. 7/8, S.25-28.
  5. a b Ch. Breyer, A. Gerlach: Global Overview on Grid-Parity Event Dynamics. (PDF, 571 kB, engl.) Analyse zur Grid Parity. q-cells, 2010, abgerufen am 9. März 2012 (PDF; 585 kB).
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatAndrew Blakers: Retail grid parity for Photovoltaics. (PDF, 38 kB, engl.) Analyse zur Grid Parity. Australian National University, August 2011, abgerufen am 25. Januar 2012.
  7. Deutsche Bank "Deutsche Bank: Zweiter Goldrausch für Photovoltaik beginnt" 8. Januar 2014.
  8. Nils-Viktor Sorge: „Großkunden laufen RWE, Eon und Co. davon“. In: Manager-Magazin. 29. Oktober 2012, abgerufen am 8. November 2012.
  9. solarserver.de "Neue Studie: Gewerbliche Photovoltaik-Anlagen haben in Deutschland, Italien und Spanien Netzparität erreicht" 29. März 2014.
  10. Dieter Dürand: „Wozu sollten wir Wüstenstrom brauchen?“ Interview mit Q-Cells-Chef Anton Milner. In: Wirtschaftswoche. 13. Juli 2009, abgerufen am 25. Januar 2012.
  11. Andreas Mihm: Netznutzer müssen zahlen; in: FAZ vom 14. Juni 2013, S. 11
  12. E.on-Chef: Teyssen hält Atom- und Kohlestrom für kaum profitabel, Zitat:" SPIEGEL ONLINE: Ist das klassische Kraftwerksgeschäft tot?, Teyssen: Ich gehe nicht davon aus, dass mit der konventionellen Stromerzeugung künftig noch nennenswert viel Geld verdient werden kann." In: Spiegel Online vom 18. März 2014.
  13. Bloomberg New Energy Finance „OK, so I am no Vladimir Nabokov. But this is an example of a phenomenon I have written about before in this column – phase change, the idea that when important transitions happen in complex systems, initially little on the surface appears to alter, and then suddenly the change is obvious for the eye to see. I believe that the energy system is on the cusp of such a transformation, and that 2014 is when it is about to become obvious to a whole lot more people.
 Many of the signs have been building up in the past few years – the way the costs of solar and wind power have closed in on those for conventional power, even beginning to undercut them without subsidies in many parts of the world; the way grids have become capable of integrating much higher percentages of renewable electricity than previously possible; the way renewable energy with no marginal cost of production has disrupted the clearing prices of electricity markets; the way utilities are finally realising that this poses an existential threat to their business model; the way consumers have enthusiastically adopted new energy technologies when embodied in cool products like the Nest thermostat and the Tesla Model S; the way investors have started to become concerned about stranded fossil fuel assets. These are all tipping points – once passed, it is impossible to go back.“
 29. Januar 2014.