Nottaufe

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In diesem Artikel oder Abschnitt fehlen folgende wichtige Informationen: In der Einleitung fehlend, bei welchen Konfessionen/Denominationen dies so gehandhabt wird. --Filzstift  22:37, 25. Jun. 2012 (CEST)

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Die sogenannte Nottaufe („Taufe in Notfällen“) ist ein besonders in der Römisch-katholischen Kirche, aber auch in anderen christlichen Kirchen verbreiteter Ritus. Sie darf von jedem Christen als außerordentlichem Taufspender, in der Katholischen Kirche sogar von jedem ungetauften Menschen mit der richtigen Intention,[1][2] durchgeführt werden, wenn für einen ungetauften Menschen Lebensgefahr besteht, dieser um die Taufe bittet – oder im Falle eines neugeborenen Kindes stellvertretend seine Eltern – und ein ordentlicher Taufspender (wie insbesondere in der römisch-katholischen Kirche ein Priester) nicht rechtzeitig herbeigeholt werden kann.

Begriffsdefinition[Bearbeiten]

Der Begriff „Nottaufe“ hat sich eingebürgert, teilweise wird stattdessen aber von einer „Taufe in Notfällen“ o. ä. gesprochen, um deutlich zu machen, dass es sich hierbei um eine gültige christliche Taufe handelt.

Wird bei Lebensgefahr ein Pfarrer zur Taufe geholt, spricht man von einer Jähtaufe.

Heutiger Gebrauch in der Römisch-Katholischen Kirche[Bearbeiten]

Voraussetzungen[Bearbeiten]

Nottaufspritze zur Taufe eines Ungeborenen (mit Christusmonogramm IHS verziert), um 1800

Die Taufe muss unter Verwendung der trinitarischen Formel „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ erfolgen. Dabei ist der Täufling mit Wasser zu übergießen. Die Verwendung von Weihwasser ist bei der Nottaufe im Gegensatz zum ordentlichen Taufritus der katholischen Kirche nicht vorgeschrieben. Soweit nach den Umständen möglich, sollen Zeugen hinzugezogen werden.

Durchführung[Bearbeiten]

Besteht akute Lebensgefahr, so kann die Taufhandlung auf das Sprechen der Taufformel „Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes“ reduziert werden. Beim Sprechen dieser Taufformel wird der Täufling dreimal mit Wasser übergossen.[3] Steht mehr Zeit zur Verfügung, soll die Nottaufe in eine kurze liturgische Feier eingebettet werden. Insbesondere ist dabei durch den Täufling oder dessen Paten oder Eltern der Glaube zu bekennen, z. B. durch Beantwortung der Tauffragen oder durch Sprechen des Glaubensbekenntnisses.

Gültigkeit[Bearbeiten]

Laut c. 861 §2 CIC darf nach katholischem Verständnis jeder, der die richtige Intention hat, im Notfall taufen, wenn kein ordentlicher Spender zugegen ist. Den Gläubigen soll durch den örtlichen Pfarrer oder einen Seelsorger von vornherein die richtige Art und Weise der Taufe vermittelt und beigebracht werden. Darin sind auch Hebammen, Mediziner und Chirurgen eingeschlossen. Weiter sagt der CIC aus, dass jeder die Taufe spenden kann, egal ob Mann oder Frau, Kleriker oder Laie, Christ oder Ungetaufter. Auch die Konfession (katholisch, evangelisch oder orthodox) ist, um Taufspender zu sein, unwichtig. Das Einzige, was gefordert wird, ist die Absicht des Spenders, den Taufritus so zu vollziehen, wie es die Kirche vorsieht. Es wird folglich immer dann eine Taufe gespendet, wenn ein Ungetaufter in entsprechender Absicht von einem Menschen mit Wasser gewaschen wird und dabei die Spendeformel gesprochen wird.[4] Die erfolgte Taufe muss zeitnah dem Pfarrer bekannt gegeben werden, damit dieser sie in das Taufregister eintragen kann. Auch wird nachträglich die Feier zur Einführung in die Gemeinde abgehalten.

Geschichte der Nottaufe[Bearbeiten]

Bis zum 3. Jahrhundert gab es keine Nottaufe. Eine Taufe war in dieser Zeit nur durch den Bischof möglich. Auf der Synode von Elvira 305 wurde die Nottaufe durch einen beliebigen Christen im Angesicht des Todes legitimiert, nur nicht dann, wenn eine Kirche im näheren Kreis vorhanden ist. Auf dem Konzil von Basel/Ferrara/Florenz wurde erstmals auf einem Konzil die Nottaufe durch einen frommen Mann oder eine fromme Frau bestätigt. Trotzdem musste nach einer erfolgten Nottaufe der Säugling oder das Kind nach seiner Genesung noch einmal in einer Kirche getauft werden. Das Konzil ging davon aus, dass durch die Nottaufe das Kind aus den Händen des Teufels gerissen und von Gott aufgenommen wird.[5] Bis zum Konzil von Trient war die Nottaufe eng mit der Kindertaufe verbunden, bzw. eins, da in Basel/Ferrara/Florenz nur der Zusatz gemacht wurde, dass eine Nottaufe erfolgen kann.

Erst auf dem Tridentinum wurde eine klare Abgrenzung zwischen Kinder- und Nottaufe vorgenommen. Auch wurde die Heilsnotwendigkeit der Taufe durch die Lehre von der Erbsünde in den Vordergrund gestellt. Demnach ist nur derjenige, der auf Jesus Christus getauft ist, frei von dieser Sünde. Verstirbt ein ungetauftes Kind oder ein Säugling, so kommt es nicht in den Himmel, auch wenn seine Seele frei von persönlicher Schuld und Sünde ist, da die Erbsünde trotzdem vorhanden ist. Die Seelen dieser Kinder gehen in den Limbus puerorum. Es wird davon ausgegangen, dass sie trotzdem in den allumfassenden Heilsplan Gottes integriert sind.

Die heutige Rechtslage ist auf das Zweite Vatikanische Konzil zurückzuführen, in dem durch die Liturgie- und Kirchenrechtsdekrete die Abgrenzung zwischen feierlicher Taufe und Nottaufe und auch die Normen verwässert und simplifiziert wurden [6].

In anderen christlichen Konfessionen, wie zum Beispiel in evangelischen Kirchen kann die Nottaufe ähnlich vollzogen werden wie in der Römisch-katholischen Kirche. Wie in der katholischen Kirche darf jeder Mensch taufen, aber nicht ohne Zustimmung des Erkrankten oder der Sorgeberechtigten. Die Einführung in die Gemeinde muss nicht wie in der katholischen Kirche nachgeholt werden, sondern die Nottaufe wird nur in das Taufregister eingetragen. Bei den orthodoxen Kirchen wird das Taufritual auf die essentiellen Gesten beschränkt. Sie kann durchgeführt werden, auch wenn kein Priester zugegen ist.[7] In Kirchen, die die Taufe nicht als heilsnotwendiges Sakrament ansehen und/oder (hauptsächlich) die Gläubigentaufe als Bekenntnisakt praktizieren, findet keine Nottaufe statt.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Codex juris canonici Can. 861 § 2. Ist ein ordentlicher Spender nicht anwesend oder verhindert, so spendet die Taufe erlaubt der Katechist oder jemand anderer, der vom Ortsordinarius für diese bestimmt ist, im Notfall sogar jeder von der nötigen Intention geleitete Mensch; die Seelsorger und vor allem der Pfarrer müssen sich angelegen sein lassen, die Gläubigen über die rechte Taufweise zu belehren.
  2. Catholic Encyclopedia: „In case of necessity, baptism can be administered lawfully and validly by any person whatsoever who observes the essential conditions, whether this person be a Catholic layman or any other man or woman, heretic or schismatic, infidel or Jew.“ The essential conditions are that the person pour water upon the one to be baptized, at the same time pronouncing the words: „I baptize thee in the name of the Father and of the Son and of the Holy Ghost. Moreover, he must thereby intend really to baptize the person, or technically, he must intend to perform what the Church performs when administering this sacrament.“
  3. Katechismus der Katholischen Kirche, §1284: [1]
  4. Hans Paarhammer: Die Nottaufe als kirchenrechtliches und pastorales Problem – kanonische Anmerkung zur Rolle des Spenders bzw. einer Spenderin „in casus neccessitatis“, in Georg Ritzer (Hg.): Mit euch bin ich Mensch, Tyrolia – Verlag, Innsbruck – Wien, 2008, S.504
  5. Mark, Searle: Infant Baptism Reconsidered, in Maxwell, Johnson: Living Water, Sealing Spirit. Readings on Christian Initiation, Collegeville 1995 S.365 – 409
  6. Paarhammer: Die Nottaufe als kirchenrechtliches und pastorales Problem – kanonische Anmerkung zur Rolle des Spenders bzw. einer Spenderin „in casus neccessitatis“, S.504
  7. Susanne Hausmann, Sergius Heitz (Hg.): Christus in euch: Hoffnung auf Herr-lichkeit; orthodoxes Glaubensbuch für erwachsene und heranwachsende Gläubige, Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 2002, S.116

Literatur[Bearbeiten]

  • Mark, Searle: Infant Baptism Reconsidered, in Maxwell, Johnson: Living Water, Sealing Spirit. Readings on Christian Initiation, Collegeville 1995 S.365–409
  • Hans Paarhammer: Die Nottaufe als kirchenrechtliches und pastorales Problem – kanonische Anmerkung zur Rolle des Spenders bzw. einer Spenderin „in casus neccessitatis, in Georg Ritzer (Hg.): Mit euch bin ich Mensch, Tyrolia – Verlag, Innsbruck – Wien, 2008, S.501-528
  • Evangelisches Gesangbuch (Regionalausgabe Niedersachsen-Bremen; Regionalausgabe Anhalt, Berlin-Brandenburg etc.) Nr. 791

Weblinks[Bearbeiten]