Oberlehrer

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Der Begriff Oberlehrer ist eine Amtsbezeichnung für Lehrer und ist in Deutschland eine selten gewordene Benennung. Umgangssprachlich gilt der Begriff auch als abwertende Bezeichnung oder als Schimpfwort für sogenannte „Besserwisser“.

Amtsbezeichnung[Bearbeiten]

Der Oberlehrer folgte dem „Lehrer“ an den Volksschulen und weiterführenden Schulen als Amtsbezeichnung im deutschen Sprachraum der letzten Jahrhunderte.

In der jüngeren Bundesrepublik Deutschland wurde diese Amtsbezeichnung durch die Reform der Bundesbesoldungsordnung abgeschafft. Der Oberlehrer war zuvor ein Aufstiegsamt für Schullehrer an Haupt-, Real-, Sonder- und Berufsschulen (Hauptschuloberlehrer, Sonderschuloberlehrer, Realschuloberlehrer, Berufsschuloberlehrer) gewesen. Der Aufstieg zum Oberlehrer ist heute nur noch für technische Lehrer (Fachlehrer) und Polizeidienst möglich. Diese erhalten damit ein Beförderungsamt der Besoldungsstufen A 10 bis A 11. Oberlehrer im Justizvollzugsdienst befinden sich in der Besoldungsstufe A 13.

In Bayern gibt es noch das Beförderungsamt „Realschuloberlehrer“ in A 14, die den Ministerialbeauftragten für die Realschulen (Mittlere Schulaufsicht, vergleichbar mit den Schulämtern und Regierungen) als Sachbearbeiter zugewiesen sind (8 Beamte), sowie bei der Bereitschaftspolizei mit der Amtsbezeichnung Polizeirealschuloberlehrer.[1]

Im Justizdienst gibt es Oberlehrer, die in der Regel eine Ausbildung als Grund-, Haupt- oder Realschullehrer aufweisen können, aber besser als ihre Kollegen an den staatlichen Schulen bezahlt werden.[2]

In der Schweiz werden Gymnasiallehrer als Oberlehrer bezeichnet.

In Österreich ist der Titel bei pragmatisierten Lehrern noch in Verwendung.

DDR-Bezeichnung[Bearbeiten]

Zu DDR-Zeiten war der „Oberlehrer“ keine Amtsbezeichnung, sondern ein vom Staat verliehener Ehrentitel. Er wurde an Lehrer verliehen, die neben ihrer fachlichen Qualifikation oft Mitglied in der SED waren und aktive gesellschaftliche Arbeit im Sinne der sozialistischen Ideologie leisteten. Weitere Ehrentitel waren Oberstudienrat oder Oberstudiendirektor.[3]

Schimpfwort[Bearbeiten]

Mit dem Ausdruck „Oberlehrer“ wird im übertragenen Sinn ein Mensch bezeichnet, der – nach Ansicht des Sprechers – glaubt, andere (ungefragt) belehren zu müssen. Es wird dem „Oberlehrer“ angekreidet, dass er sich eingemischt habe oder sich als Besserwisser gebärde. Für dieses Verhalten ist auch der Ausdruck „schulmeistern“ gebräuchlich.

Nachweis[Bearbeiten]

  1. Anlage 1 Bayerisches Besoldungsgesetz vom 5. August 2010, GVBl 2010, S. 410 (online)
  2. [1] Berufe in der Justiz - Niedersächsisches Landesjustizportal
  3. Birgit Wolf: Sprache in der DDR. Ein Wörterbuch. de Gruyter, Berlin u. a. 2000, ISBN 3-11-016427-2, S. 159.