Ostrogotha

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Ostrogotha war ein Anführer der Goten zur Zeit der Reichskrise des 3. Jahrhunderts und hat um 250 gegen die Römer im Donauraum agiert.

Ein Gote namens Ostrogotha wird von dem um 550 schreibenden spätantiken Historiker Jordanes erwähnt. Dieser berichtet, dass Ostrogotha zur Zeit des Kaisers Philippus Arabs (wohl 249) mit einem gotischen Verband die Donau überschritt und in die römischen Provinzen Mösien und Thrakien einfiel.[1] Der spätere Kaiser Decius konnte ihn nicht besiegen, woraufhin Ostrogotha erneut römisches Gebiet überfiel.[2] In diesem Zusammenhang weicht die Darstellung bei Jordanes von der über die Ereignisse der Gotenkämpfe bei Zosimos und Johannes Zonaras ab, die beide Ostrogotha nicht erwähnen.[3] Für Jordanes war der Amaler Ostrogotha der Stammvater der (allerdings erst später „entstandenen“) Ostgoten und habe weiter über die Goten geherrscht, bis Kniva seine Nachfolge angetreten hat.[4]

Die Historizität Ostrogothas ist in der Forschung teilweise umstritten gewesen, da man die Nennung nur bei Jordanes (vermittelt über dessen Quelle Cassiodor) für nicht ausreichend hielt.[5] In einem neu entdeckten historischen Textfragment (im Rahmen der sogenannten Scythica Vindobonensia) aus dem 3. Jahrhundert, das sehr wahrscheinlich aus dem Geschichtswerk des Dexippos stammt, wird aber ebenfalls ein Gote namens Ostrogotha erwähnt,[6] wenngleich die wahrscheinliche Lesung Ostrogotha aufgrund des Textzustands nicht völlig gesichert ist.[7] Dem Textfragment zufolge war Ostrogotha im Gegensatz zum Bericht des Jordanes aber noch 250/51 am Leben und spielte eine führende Rolle bei den Kämpfen gegen die Römer, so beim Angriff auf Philippopolis. Er agierte in diesem Zusammenhang wohl als Rivale Knivas.[8] Nicht vollkommen sicher ist, ob dieser Ostrogotha und der bei Jordanes erwähnte Gotenführer identisch sind, wofür aber einiges spricht.

Eine andere, durch die Entdeckung der neuen Dexippos-Fragmente nun jedoch in Frage gestellte Datierung der Lebenszeit Ostrogothas nahm Herwig Wolfram vor. Dieser ging davon aus, dass der Gote um 290 herrschte und die Überlieferung des Jordanes dies verfälscht habe.[9]

Literatur

  • Thomas Gerhardt, Udo Hartmann: Fasti. In: Klaus-Peter Johne (Hrsg.): Die Zeit der Soldatenkaiser. Band 2. Akademie Verlag, Berlin 2008, S. 1194f. (mit weiterer Literatur)
  • Jana Grusková, Gunter Martin: Ein neues Textstück aus den „Scythica Vindobonensia“ zu den Ereignissen nach der Eroberung von Philippopolis. In: Tyche 29, 2014, S. 29–43.

Anmerkungen

  1. Jordanes, Getica 90.
  2. Jordanes, Getica 91.
  3. Vgl. zur Quellenkritik Christian Körner: Philippus Arabs. Ein Soldatenkaiser in der Tradition des antoninisch-severischen Prinzipats. Berlin u. a. 2002, S. 291 f.
  4. Vgl. Jordanes, Getica 98–101.
  5. Vgl. Thomas Gerhardt, Udo Hartmann: Fasti. In: Klaus-Peter Johne (Hrsg.): Die Zeit der Soldatenkaiser. Band 2. Berlin 2008, S. 1195.
  6. Text und Übersetzung bei Jana Grusková, Gunter Martin: Ein neues Textstück aus den „Scythica Vindobonensia“ zu den Ereignissen nach der Eroberung von Philippopolis. In: Tyche 29, 2014, S. 29–43, hier S. 32–34.
  7. Jana Grusková, Gunter Martin: Ein neues Textstück aus den „Scythica Vindobonensia“ zu den Ereignissen nach der Eroberung von Philippopolis. In: Tyche 29, 2014, S. 29–43, hier S. 35.
  8. Vgl. Jana Grusková, Gunter Martin: Ein neues Textstück aus den „Scythica Vindobonensia“ zu den Ereignissen nach der Eroberung von Philippopolis. In: Tyche 29, 2014, S. 29–43, hier S. 40 f.
  9. Vgl. Herwig Wolfram: Die Goten. Von den Anfängen bis zur Mitte des sechsten Jahrhunderts. 3. Auflage. München 1990, S. 42 ff., S. 67 f. und S. 95 (mit den jeweiligen Anmerkungen).