Plowdiw

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Plowdiw (Пловдив)
„Древен и вечен“
(„Antik und ewig“)
Wappen von Plowdiw Karte von Bulgarien, Position von Plowdiw hervorgehoben
Basisdaten
Staat: Bulgarien
Oblast: Plowdiw
Einwohner: 366.779 (2013 [1])
Fläche: 101.981 km²
Koordinaten: 42° 9′ N, 24° 45′ O42.1524.75160Koordinaten: 42° 9′ 0″ N, 24° 45′ 0″ O
Höhe: 160 m
Postleitzahl: 4000
Telefonvorwahl: (+359) 032
Kfz-Kennzeichen: PB
Verwaltung
Bürgermeister: Iwan Totew
Regierende Partei: GERB
Website: www.plovdiv.bg

Plowdiw [ˈpɫɔvdif] (gebräuchliche Transliteration Plovdiv, bulgarisch Пловдив; türkisch Filibe) ist mit etwa 366.779 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Bulgariens. Sie liegt in der Thrakischen Ebene an beiden Ufern der Mariza unweit der Rhodopen. Die Stadt ist das Verwaltungszentrum der gleichnamigen Gemeinde und der Provinz sowie Sitz von zwei weiteren Gemeinden, (Mariza und Rodopi). Des Weiteren hat die bulgarisch-orthodoxe Diözese von Plowdiw in Plowdiw ihren Sitz.

Geographie[Bearbeiten]

Plowdiw liegt in der Thrakischen Ebene an beiden Ufern der Mariza am Fuße der Rhodopen. Sie umfasst die folgenden sechs Hügel (Tepe, aus dem Persischen): Nebet Tepé, Dschambas Tepé, Taksim Tepé (diese drei Hügel liegen im Zentrum, ursprünglich wurde die antike Stadt auf ihnen gebaut), Sachat Tepé, Dschendem Tepé und Bunardschik. Bis Mitte des 20. Jahrhunderts existierte noch ein weiterer Hügel, Markowo Tepé, der aber zerstört wurde. Die nächstgelegenen größeren Städte um Plowdiw sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Karlowo (58 km), Stara Sagora (90 km), Burgas (270 km), Swilengrad (140 km) bzw. Assenowgrad (19 km), Smoljan, Pasardschik (37 km) und Sofia (150 km).

Geschichte[Bearbeiten]

Historische Namen[Bearbeiten]

Die Stadt trug in ihrer Geschichte folgende Namen: thrakisch Pulpudeva oder Eumolpia/Eumolpias; griechisch Φιλιππόπολις, Φιλιππούπολις, Philippopolis nach dem Stadtgründer Philipp II.; lateinisch Trimontium, nach der Lage auf drei Hügeln; slawisch Pulden oder Pupulden; osmanisch Filibe‏‎.

Stadtgeschichte[Bearbeiten]

Prähistorische Zeit und Antike[Bearbeiten]

Die ältesten Siedlungsspuren im heutigen Stadtgebiet stammen aus dem 6. Jahrtausend v. Chr.[2]

Eine Siedlung des thrakischen Stammes der Bessi befand sich auf dem Hügel Nebet Tepe; ihr Name war Eumolpia oder Pulpudeva. Sie wurde 341 v. Chr. von Philipp II. von Makedonien, dem Vater Alexanders des Großen, erobert und unter dem Namen Philippopolis neu gegründet. Zu einem unbekannten Zeitpunkt geriet die Stadt dann wieder unter thrakische Herrschaft, ehe sie im Jahr 183 v. Chr. für kurze Zeit wieder unter die Kontrolle von Philipp V. kam. Danach wurde die Stadt wieder Residenzstadt thrakischer Könige.

Plan des römischen Philippopolis

Im Zusammenhang mit dem 3. Mithridatischen Krieg wurde die Stadt 72 v. Chr. von den Römern erobert und in die Provinz Macedonia eingegliedert. Die Stadt hieß nunmehr Trimontium (Drei-Hügel-Stadt). Im Jahr 46 n. Chr. unter Claudius wurde sie Teil der Provinz Thracia. Eine Strategische Bedeutung erlangte die Stadt mit ihre Lage an der wichtigen Römerstraße Via Militaris, die über die Balkanhalbinsel nach Byzantion führte. Im 2. und 3. Jahrhundert war der Ort die Hauptstadt der Provinz Thracia. Dies stellte den Höhepunkt der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung von Trimontium dar. Die Römer bauten Straßen, öffentliche Gebäude, Tempel, ein Stadion und ein Theater. Die Stadtgrenze erstreckte sich nun über die drei Hügel hinaus.[3]

Seit der Tetrarchie gehörte Trimontium zum östlichen Teil des Imperiums. Am Ende des 4. Jahrhunderts n. Chr. begann die byzantinische Periode der Stadtgeschichte. Der römische Kaiser Justinian der Große erneuerte die Stadt vollständig.

Mittelalter[Bearbeiten]

Im 5. Jahrhundert besiedelten erstmals Slawen die Region, und die Stadt erhielt im 6. Jahrhundert den Namen Paldin,[3] abgeleitet von dem thrakischen Namen Pulpudeva. Nach der Gründung des bulgarischen Staates im Jahr 681 nahm die Bedeutung der Stadt aufgrund ihrer Lage an der Grenze zwischen Byzanz und Bulgarien zu. Nach der Eroberung durch den Krum Khan im Jahr 812 gehörte die Stadt erstmals zu den bulgarischen Gebieten. Allerdings änderte sich die Zugehörigkeit in den folgenden Jahren mehrfach. Auch Simeon der Große (893–927), sein Nachfolger Peter (927–969) und Samuil (980–1014) eroberten den Ort mehrmals.

Nach der Gründung des zweiten Bulgarischen Reiches gehörte Thrakien insgesamt zum Bulgarischen Reich. Während der Regierung von Iwan Assen II. wurde Bulgarien zu einer Großmacht in Osteuropa. Während des Vierten Kreuzzuges im Jahr 1204 wurde das Gebiet durch die Kreuzritter erobert, die das damalige Paldin besetzten und an Rénier de Trith vergaben. Dabei war der Ort Ausgangspunkt von schweren Plünderungen in der Gegend. Ein Jahr später gelang es dem bulgarischen Zaren Kalojan nach der Schlacht von Adrianopel (1205), die Region zurückzuerobern.

Osmanische Zeit[Bearbeiten]

1364 fiel Plowdiw unter osmanische Herrschaft und erhielt den Namen Filibe (abgeleitet vom griechischen Philippopolis). Die Stadt befand sich damit im Inneren des Osmanischen Reiches und verlor daher ihre strategische Bedeutung als Grenzstadt. Als Tor zum Orient entwickelte sie sich aber zu einem Handels- und Handwerkszentrum mit guten Verbindungen nach Konstantinopel und Thessaloniki einerseits sowie Wien und Leipzig andererseits. Da die Stadt keinerlei Bedrohung von außerhalb ausgesetzt war, wurden die Stadtmauern größtenteils abgerissen und neue Gebäude errichtet. Filibe entwickelte sich zu einer kosmopolitischen osmanischen Stadt. Die größten Bevölkerungsgruppen bildeten Bulgaren, Türken, Griechen, Armenier und Juden. Die Hügel wurden nicht mehr bebaut, aber um sie herum herrschte ein reges Handelsleben. Der damalige Markt zählte mehr als 1.100 Geschäfte. Seine Lage entspricht in etwa der der heutigen Einkaufszone.

Im 15. Jahrhundert tauchte erstmals der Name Plowdiw für die Stadt auf. Dieser lehnt sich wiederum an das frühere bulgarische Paldin (gelegentlich auch Puldin) an.

Plowdiw als Zentrum der Nationalen Wiedergeburt[Bearbeiten]

Straße in der Altstadt

Plowdiw wurde bis zum 19. Jahrhundert hinein zunehmend ein Zentrum der Nationalen Wiedergeburt. Es gab immer mehr wohlhabende Bulgaren, deren Bedeutung in der Gesellschaft zunahm. Durch ihre Handelsbeziehungen mit Russland und Europa waren diese Menschen offen gegenüber modernen politischen und kulturellen Einflüssen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stellte Plowdiw neben Istanbul, Solun und Edirne ein wichtiges Wirtschaftszentrum im europäischen Teil des osmanischen Reiches dar. Auf dem Landweg oder über den Fluss Mariza gelangten Waren bis zum Mittelmeer und von da aus in die ganze Welt. Im Jahr 1853 zählte die Stadt bereits 50.000 Einwohner. Die Plowdiwer Handwerker und Händler wurden immer wohlhabender und selbstbewusster, und die Bewohner strebten an, ihre Häuser immer prächtiger zu bauen.[3]

Plowdiw spielte zu dieser Zeit eine führende Rolle im Kampf für eine unabhängige Bulgarische Kirche. Am 25. Dezember 1859 wurde in der Kirche Sweta Bogorodiza die gesamte Weihnachtsliturgie in bulgarischer Sprache gehalten, was damit in ganz Bulgarien zum ersten Mal geschah. Der Plowdiwer Metropolit Paisii hielt am 10. Januar 1860 neuerlich eine Messe auf Bulgarisch. Dabei verkündete er offiziell die Trennung seiner Gemeinschaft vom griechischen Patriarchat und den Wunsch nach Selbstständigkeit. Das führte zu einem religiösen Machtkampf, dessen Zentrum Plowdiw wurde. Es wurde ein Kirchenrat gegründet, der diesen Kampf vorantreiben sollte. Eine zu der türkischen Regierung gesandte Delegation erhielt die Aufgabe, sich für eine selbstständige Kirche auf hohem Niveau einzusetzen. 1870 wurde diese Unabhängigkeit tatsächlich von den Türken gewährt (siehe Ferman zur Errichtung des Bulgarischen Exarchats), und dadurch auch indirekt die bulgarische Nation als solche bestätigt. Vorher wurden die Bulgaren durch die Türken nur allgemein als Christen bezeichnet.

Plowdiw spielte auch in der bulgarischen Bildung eine Vorreiterrolle. 1839 wurde in der Stadt die erste bulgarische Schule errichtet. Die 1850 eröffnete Klassenschule Sw. sw. Kyrill i Method schuf die Grundlagen für eine moderne, weltliche Bildung. Am 11. Mai 1858 wurde dort zum ersten Mal das Fest der Brüder Kyrill und Method gefeiert, ein Fest, das bis heute die Nationalfeier der kyrillischen Schrift und der bulgarischen Kultur darstellt.

In dieser Stadt entstanden der erste bulgarische Verlag und die erste bulgarische Druckerei.

Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert[Bearbeiten]

Kupferstich Vereinigtes Bulgarien, 1886

1877 begann der russisch-türkische Krieg. Nach der Einnahme Sofias marschierten russische Truppen unter der Leitung von General Gurko nach Plowdiw. Am Abend des 16. Januar 1878 durchschwamm Kapitän Burago mit seinem Eskadron den Fluss Mariza und vertrieb im Januar 1878 die Osmanen aus der Stadt. Der Friedensvertrag von San Stefano führte zur Gründung des modernen Bulgarischen Staates. Plowdiw – als damals größte und reichste Stadt Bulgariens – wurde zur Hauptstadt und Sitz der zeitweiligen russischen Regierung, die von Alexander Michailowitsch Dondukow-Korsakow geleitet wurde. Doch waren die Großmächte – allen voran das Vereinigte Königreich und Österreich-Ungarn – mit dieser Situation nicht einverstanden, da sie einen wachsenden Einfluss Russlands befürchteten. Es folgte der Vertrag von Berlin, der Bulgarien zweiteilte. Plowdiw verblieb in Ostrumelien, das den Osmanen als Vasallen-Provinz untergeordnet war, während Sofia Hauptstadt des verbleibenden Bulgariens wurde. Viele Flüchtlinge aus dem Ägäischen Raum und Mazedonien siedelten sich nun in Ostrumelien an. Es gab aber starke innere Kräfte, die sich für ein einheitliches bulgarisches Reich einsetzten. Am 6. September 1885 verkündeten bulgarische Aufständische in Plowdiw die Vereinigung des Fürstentums Bulgarien mit Ostrumelien. Seitdem gilt dieses Datum als der Tag der Wiedervereinigung. Zum Gedenken an diese Ereignisse wurde in Plowdiw der zentrale Platz in Saedinenie (dt. Wiedervereinigung) umbenannt. Die an ihm vorbeiführende Hauptstraße erhielt den Namen Bouldevard des 6. September.

Im 20. Jahrhundert[Bearbeiten]

Plowdiw war seit den 1960er Jahren bis zum Ende der Volksrepublik Bulgarien eine internationale Messestadt. Die sozialistischen Staaten und viele Aussteller aus dem „nichtsozialistischen Wirtschaftsgebiet“ präsentierten hier im Rahmen des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe ihre Produkte und schlossen Verträge mit Ausstellern und Besuchern ab. In diesem Zusammenhang entwickelte sich eine starke kulturelle Bindung der Staaten untereinander.

Im Jahr 1981 fand in Plowdiw die Jagdausstellung „Exposition Cynegetique Mondiale Bulgarie“ statt, 1985 und 1991 die „World Exhibition of achievement of the young inventors“.

2012 richtete Plowdiw die Ruder-Weltmeisterschaften aus.

Plowdiw ist einer der Austragungsorte der 2015 in Bulgarien stattfindenden U-17-Fußball-Europameisterschaft.

Bevölkerung[Bearbeiten]

Bevölkerungsstruktur[Bearbeiten]

Im Frühjahr 2011 fand die bisher letzte Volkszählung statt, die gleichzeitig die erste nach der Aufnahme Bulgariens in die Europäische Union war. Da sie EU-Vorgaben unterlag, gab es die Möglichkeit, Fragen nach ethnischer und religiöser Zugehörigkeit sowie nach der Muttersprache nicht zu beantworten. Nur 308.866 Bürger Plovdivs beantworteten die Frage nach der ethnischen Zugehörigkeit. Von ihnen bezeichneten sich 277.804 als Bulgaren, 16.032 als Türken, 9438 als Roma, und 3105 Personen gaben eine weitere ethnische Zugehörigkeit an.[4]

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten]

Die wechselnden Einwohnerzahlen resultieren teilweise auch aus dem jeweiligen Gebietsstand.

Jahr Einwohner
1880 ¹ 24.053
1887 ¹ 33.032
1900 ¹ 43.033
1910 ¹ 47.981
1934 ¹ 101.265
Jahr Einwohner
1939 ² 105.643
1946 ¹ 128.589
1956 ¹ 164.853
1965 ¹ 229.043
1975 ¹ 299.638
Jahr Einwohner
1985 ¹ 342.050
1992 ¹ 341.058
1996 ³ 340.538
2001 ¹ 338.224
2004 ³ 341.464
Jahr Einwohner
2007 ³ 345.249
2009 ³ 348.465
2011 ¹ 338.153
2012 ³ 334.733[5]

Die Zahlen[6] stammen von:

  • Volkszählungen (¹),
  • Schätzungen (²) oder
  • amtlichen Fortschreibungen der Statistischen Ämter (³).

Persönlichkeiten[Bearbeiten]

Politik[Bearbeiten]

Oberbürgermeister seit 2007[Bearbeiten]

Die Bürgermeisterwahlen im Jahr 2007 wurden von Slawtscho Atanassow, Kandidat der VMRO-BND im ersten Wahlgang mit 53,65 Prozent der Stimmen (59,143 Stimmen) gewonnen.[7] Ihm gelang allerdings nicht die Wiederwahl im Oktober 2011, als er Iwan Totew, dem Kandidaten der GERB-Partei, knapp im zweiten Wahlgang mit 49,16 Prozent der Stimmen (68.533 Stimmen) unterlag. Der siegreicheTotew erhielt 70.871 Wahlstimmen.[8]

Stadtrat[Bearbeiten]

Der Stadtrat von Plowdiw besteht aus dem Oberbürgermeister und der von der Gemeindeordnung vorgeschriebenen Anzahl von 51 Stadtratsmitgliedern. Der Stadtrat fungiert gleichzeitig als Gemeinderat und ist für die Kontrolle aller Bürgermeister der Gemeindeortschaften zuständig. Alle vier Jahre wird der Stadtrat neu gewählt. Die nächste Wahl findet 2015 statt. Die Sitzverteilung des Stadtrats stellt sich seit den letzten Kommunalwahlen am 23. Oktober 2011[9], bei einer Wahlbeteiligung von 71,16 Prozent, wie folgt dar:

Zusammensetzung des Stadtrats (2011–)
Partei/Koalition Wahlergebnis 2011 +/-* Wählerstimmen Sitze +/-*
GERB 33,57 % +13,04 % 47.724 19 + 6
Koalition VMRO-NIE, Vereinte Bauernpartei, ODS, NDSW, Radikaldemokratische Partei, Bulgarischer Sozialdemokraten 15,04 % k.A. 21.388 8 + 8
Bulgarische Sozialistische Partei 12,07 % -3,39 % 17.158 7 - 3
Union für Plowdiw 6,54 % k.A. 9296 4 + 4
Bewegung für Rechte und Freiheiten 4,98 % +1,27 % 7087 3 + 1
Bulgarische Volksunion der Bauern „Aleksandar Stambolijski“ 4,90 % +1,28 % 6964 3 +1
Blaue Koalition 4,20 % k.A. 5965 2 + 2
Koalition Causa für Plowdiw 4,15 % k.A. 5895 2 + 2
Ataka 2,68 % -5,03 % 3809 2 -3
VMRO-BND 2,04 % -13,71 % 17.457 1 -8

* Veränderung zur Kommunalwahl 2007[7]

Überregionale Verwaltung[Bearbeiten]

Plowdiw ist Sitz der drei Gemeinden Plowdiw (mit allen Bezirken der Stadt), Mariza und Rodopi. Die Gemeinden Mariza und Rodopi liegen außerhalb der Stadt und haben ihren Verwaltungssitz in Plowdiw.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten]

Vertretungen und Konsulate[Bearbeiten]

Im Ort gibt es je ein deutsches,[10] ein griechisches[11] und ein türkisches Konsulat.[12]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten]

In Plowdiw sind zahlreiche Betriebe der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Konsumgüterindustrie, der Buntmetallurgie und der Textilindustrie ansässig. Die Internationale Messe Plowdiw ist seit vielen Jahren ein bedeutender Wirtschaftsfaktor. Sie richtet die Landwirtschaftsmesse, Weinmesse, Motorradschau, Ausstellung Natur, Jagd und Fischfang sowie Blumenmesse aus.[13]

Verkehr[Bearbeiten]

Das Bahnhofsgebäude wurde von Mimar Kemaleddin entworfen.
(Postkarte von 1916)

Plowdiw ist einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte Bulgariens. Die Eisenbahnverbindungen und eine Autobahn binden die Stadt an die wichtigen Handels- und Touristenzentren an. Die Innenstadt ist durch ein feinmaschiges Busliniennetz erschlossen. Zwei Busbahnhöfe sind Ausgangspunkte für Verbindungen in alle anderen bulgarischen Großstädte.

Luftverkehr[Bearbeiten]

Der internationale Flugplatz, der rund 13 km vom Stadtzentrum entfernt liegt und schlecht an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden ist, wird seit Dezember 2010 von der Billigfluggesellschaft Ryanair angeflogen. Ryanair betreibt auch die Fluglinie Plowdiw-London. Außerdem wird der Flughafen Plowdiw als Reserveflughafen von Sofia als auch für Charter- sowie Privatflüge genutzt.

Schienenverkehr[Bearbeiten]

Ende der 1870er Jahre wurde Plowdiw an die Linie des Orient-Express zwischen Istanbul und Sofia angeschlossen. Später wurde eine Stichlinie nach Burgas gebaut. 1934 wurden weitere Nebenbahnzweigstrecken nach Karlowo und Panagjurischte eingeweiht.[14]

Medien[Bearbeiten]

Im Ort erscheint die regionale Plowdiwer Tageszeitung Mariza.

Seit 1955 sendet Radio Plowdiw, ein öffentlich-rechtlicher Sender, der zum Nationalen Bulgarischen Hörfunk gehört. Sein Schwerpunkt liegt auf der Berichterstattung. Die öffentlich-rechtlichen Sender, die in Plowdiw auf den UKW-Frequenzen empfangen werden, sind: Hristo Botev (91,70 MHz, 92,20 MHz), Radio Plowdiw / Horizont (94,00 MHz), Horizont (100,90 MHz).

Der erste private Radiosender in der Stadt war Kanal Kom, der seine erste Sendung im Jahr 1990 ausgestrahlt hat. Dies geschah allerdings ohne Lizenz. Deshalb konnte er erst 1992 offiziell seine Arbeit fortsetzen. Kurz danach entstanden weitere zahlreiche private Radiosender. Am 22. März 1971 wurde in Plowdiw eine Abteilung des Nationalen Bulgarischen Rundfunks eingerichtet. Anfänglich war sie nur für Nachrichtenproduktion für die zentralen Nachrichten (Po sveta i u nas) zuständig. 1974 wurde zum ersten Mal aus dem Studio-Plowdiw live gesendet. Seit 1998 gibt es einen zusätzlichen Fernsehkanal Plowdiw, von dem täglich zwischen 18.00 und 22.00 Uhr ein Regionalprogramm ausgestrahlt wird.

Bildung[Bearbeiten]

Anfang des 19. Jahrhunderts hielten moderne Bildungsinstitutionen in Plowdiw Einzug. Dabei wetteiferten die griechischen und bulgarischen Gemeinschaften um die kulturelle Vorherrschaft. 1820 wurde die erste griechische Schule eröffnet.

Universitäten und Hochschulen[Bearbeiten]

  • Universität Paisii Chilendarski
  • Medizinisches Institut
  • Technische Universität
  • Landwirtschaftliche Hochschule
  • Hochschule der Nahrungs- und Genussmittelindustrie
  • Akademie für Musik und Tanz (1972)

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten]

Museen und Theater[Bearbeiten]

Das Haus von Argir Kujumdshioglu aus dem Jahr 1847 ist ein Beispiel für die Architektur der Ära der Nationalen Wiedergeburt. Heute ist hier das Ethnographische Museum untergebracht.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten]

Hierzu gehören die Plowdiw-Messen mit ihren thematischen Ausstellungen. Nennenswert sind außerdem das internationale Festival der Opernkunst (seit 1985) und das Fernsehfilmfestival Goldene Truhe. Das Opernkunstfestival bietet im Amphitheater in der Altstadt vor allem Verdi-Aufführungen und Konzerte namhafter Orchester. Das Filmfestival unter der Schirmherrschaft des staatlichen Fernsehens macht neue bulgarische Filme und ihre Regisseure und Schauspieler einem breiten Publikum bekannt.[15]

Bauwerke[Bearbeiten]

Römisches Stadion
Römisches Stadion

Das römische Stadion liegt unterhalb einer der Einkaufsstraßen der Stadt, nur wenige Meter von der Moschee entfernt. Es wurde zwischen den Hügeln von Sachat Tepé und Teksim Tepé gebaut. Das Stadion hat eine Hufeisenform, eine Länge von 180 Metern und bemerkenswerte 30.000 Zuschauerplätze. Die Historiker vermuten, dass die hier ausgetragenen Spiele in die Zeit des Kaisers Septimius Severus (146–211 n. Chr.) fallen. Die Wettbewerbe wurden nach dem Modell der griechischen Olympischen Spiele ausgetragen. Die wichtigsten Sportarten waren Diskus- und Speerwerfen, Laufen, Weitsprung, Ringkampf. Die Spiele fanden alle vier Jahre statt und dauerten mehrere Tage. Das Stadion ist teilweise freigelegt und von der Straße aus einsehbar. Es ist jedoch zur Zeit nicht für Besucher zugänglich.

Antikes Theater
Das römische Theater in Plowdiw

Das antike Theater ist einer der beeindruckendsten Bauten aus römischer Zeit. Das zufällig bei Bauarbeiten entdeckte Theater wurde zehn Jahre lang freigelegt. Dabei musste eine 15 Meter dicke Erdschicht entfernt werden. Die 7.000 Zuschauerplätze sind auf zwei Ränge mit jeweils 14 Reihen verteilt. Auf die Bänke eines jeden Sitzplatzbereiches wurden die Namen der Stadtteile geritzt, so dass jeder Besucher entsprechend seinem jeweiligen Wohnsitz Platz nehmen konnte.

Ein Rundgang durch die Altstadt (2008)
Archäologischer Park Nebet tepe

Die hier ausgegrabenen thrakischen Siedlungsreste stellen eine besondere Sehenswürdigkeit dar.[16]

Häuser in der Altstadt
Häuser des 19. Jahrhunderts in der Altstadt. In der Mitte das Stadttor Hisar Kapija.

Die Häuser im historischen Stadtzentrum stammen größtenteils aus der Ära der Nationalen Wiedergeburt. Die wenigen wirklich im Original erhaltenen Gebäude geben eine gute Vorstellung der bulgarischen Baukunst und gehören deshalb mit Fug und Recht zu den Baudenkmälern. Sie besitzen eine charakteristische Fassade, sind innen reich verziert und geben mit ihrer Behaglichkeit den damaligen Familiengeist wieder. Dabei werden zwei Typen von Häusern unterschieden.

Der erste Typ stammt aus der Zeit des frühen türkischen Feudalismus. Dieser stellt ein zweistöckiges, selten ein einstöckiges, asymmetrisches Haus dar, das stellvertretend für die bulgarischen Dörfer im Hochland steht. Die erste Etage ragt über dem Erdgeschoss zur Straße heraus, nur selten zum Garten, und wird von Holzbalken gestützt. Das Haus verfügt meistens über 2–3 Zimmer, die auf die beiden Etagen verteilt sind. Der zweite Haustyp entstand zu Beginn des 19. Jahrhunderts und ist als symmetrisches Haus bekannt. Außerdem ist dieser Haustyp stabiler konstruiert, besitzt eine reichhaltigere Architektur mit Verzierungen. Immer wiederkehrende Elemente sind der Salon im Erdgeschoss und die Treppe, die zu einem breiten Gästezimmer und in die übrigen Zimmer führt. Im Inneren dieser Häuser gibt es Holzverzierungen, die romantische spitzen- oder blumenähnliche Formen darstellen. Typische für die Atmosphäre der Altstand sind die engen Gassen.

Maßgebend bei ihrem Bau war die Vorgabe, dass zwei Pferde mit Reitern oder zwei beladene Maultiere aneinander vorbei laufen können. Auch Reste der alten Stadtbefestigung gehören zu den sehenswerten Bauwerken, z.B. das Stadttor Hisar Kapija.

Sakrale Bauten[Bearbeiten]

Hierzu gehört die orthodoxe Sveta-Marina-Kirche mit Wandmalereien und Goldornamenten, die einen einmaligen Glockenturm und eine schöne holzgeschnitzte Altarwand aufweist. Ebenso zählt die orthodoxe Sveti-Konstantin-i-Elena-Kirche mit wertvollen Ikonen, von denen einige der Ikonenmaler Sachari Sograf schuf, dazu.

Bemerkenswert sind außerdem verschiedene islamische Gotteshäuser wie die Alte Moschee mit byzantinischem Mauerwerk oder die Dschumaja-Moschee[17] aus dem 15. bis 17. Jahrhundert.

Ein britischer Militärfriedhof ist Teil des Zentralen Friedhofes von Plowdiw.

Parkanlagen[Bearbeiten]

Der Zar-Simeons-Garten

Die zentralen Zar-Simeons-Garten und Dondukow-Garten wurden vom Schweizer Lucien Chevallaz nach der Befreiung Bulgarien angelegt.

Inmitten weiträumiger Grünanlagen am Ufer der Mariza befinden sich ein Zoologischer Garten, der größte Ruderkanal Bulgariens sowie die Internationale Messe mit ihren Parks.

Literatur[Bearbeiten]

Antike
Byzantinische Zeit
Osmanische Zeit
  • Dimana Trankova, Anthony Georgieff, Hristo Matanov: A guide to Ottoman Bulgaria. Vagabond Media, Sofia, 2011, ISBN 978-954-92306-5-9, S. 88–95.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Plowdiw – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Plowdiw - Frendy.de
  2. Pre-historic Art Archaeological Museum Plowdiw.
  3. a b c Geschichtsdarstellung auf der Seite Zone Bulgaria, abgerufen am 12. Februar 2010
  4. Statistisches Amt der Republik Bulgarien: Bevölkerung nach ethnische Zugehörigkeit. Census 2011. Abgerufen am 27. Januar 2012 (.xls; 758 kB, bulgarisch).
  5. Einwohnerzahlen zum 15. Juni 2012 (bulg.) bei der Meldebehörde
  6. Einwohnerzahlen von Plowdiw nach Jahr, Nationales Statistikamt, Zugriff am 31. August 2012
  7. a b Zentrale Wahlkommission: Endergebnisse der Kommunalwahl 2007 in Plowdiw. Abgerufen am 23. Juli 2012 (bulgarisch). und Община Пловдив: Кмет (Bulgarisch)
  8. Zentrale Wahlkommission: Endergebnisse der Kommunalwahl 2011 in Plowdiw. Abgerufen am 23. Juli 2012 (bulgarisch).
  9. Zentrale Wahlkommission: Endergebnisse der Kommunalwahl 2011 in Plowdiw. Abgerufen am 23. Mai 2012 (bulgarisch).
  10. Information der Deutschen Botschaft in Sofia: Neue Honorarkonsulin der Bundesrepublik Deutschland in Plovdiv; gefunden am 27. Februar 2010
  11. Website des griechischen Generalkonsulats in Plovdiv mit Adresse Rue Preslav 10
  12. Website des türkischen Konsulates für Plovdiv, mit Adresse: Rue Filip Makedonski 10 (Version vom 22. Juni 2006 im Internet Archive)
  13. Website Plovdiv Fair
  14. S. H. Beaver: Railways in the Balkan Peninsula. In: The Geographical Journal. 97, Nr. 5, 1941, S. 273–294, S. 292.
  15. a b c Infos über die Stadt auf 'Plovdiv guide'
  16. Details zu den Sehenswürdigkeiten auf Zone Bulgaria; abgerufen am 12. Februar 2010
  17. Beschreibung und Foto der Dshumaja-Moschee; abgerufen am 4. März 2010