Paphnutius von Ägypten

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Hl. Paphnutius. Kupferstich, wohl aus dem 17/18 Jh., Privatsammlung.

Paphnutius von Ägypten, auch Paphnutios, (* in Ägypten; † um 360) war ein christlicher Bekenner, Abt und Bischof der oberen Thebais.

Leben[Bearbeiten]

Um 308 wurden ihm, seines Glaubens wegen, in der Christenverfolgung (303–312/13) unter Kaiser Maximinus Daia ein Auge ausgestochen und die Sehnen der linken Kniekehle[1] durchtrennt. Anschließend musste er für drei Jahre als Zwangsarbeiter in einem Bergwerk arbeiten. Im Jahre 311 wurde er befreit, lebte vermutlich als Mönch bei Antonius dem Großen und wurde einige Jahre später zum Bischof der oberen Thebais gewählt. Er bekämpfte den Arianismus, den er auch beim ersten Konzil von Nicäa heftig verurteilte. Er war beim Volk äußerst beliebt. Johannes Cassianus führt in seinen Vierundzwanzig Unterredungen mit den Vätern (Collationes patrum) zahlreiche Episoden aus dem Leben des Paphnutius an.[2]

Paphnutius ist koptisch und bedeutet übersetzt der (zu) Gott Gehörende.[3]

Er gilt als Patron der Bergleute. Sein katholischer Gedenktag ist der 11. September, der orthodoxe der 12. Juni und der koptische der 9. Februar und 1. Mai.

Hrotsvit von Gandersheim schrieb 965 eine Dialoglegende über Paphnutius.

Paphnutius’ Kritik am Zölibat[Bearbeiten]

Socrates Scholasticus berichtet über das (angebliche) Auftreten des Paphnutius auf dem Konzil von Nicäa, wo sich Paphnutius gegen den Zölibat der Kleriker aussprach. Socrates schreibt.[4]:

Es gefiel den Bischöfen, ein neues Gesetz in der Kirche einzuführen, dass die Kleriker, nämlich die Bischöfe, Presbyter und Diakone, nicht mehr ihren Frauen, die sie noch als Laien geheiratet hatten, beiwohnen (sollten). Und als man darüber beratschlagte, stand Paphnutios inmitten der Bischofsversammlung auf und setzte sich vehement dafür ein, den Klerikern keine zu schweren Lasten aufzubürden. Ehrbar sei das Ehebett und die Ehe makellos.

Zweifel an der Intervention auf dem Konzil[Bearbeiten]

Von dem Theologen Friedhelm Winkelmann wird seine Existenz – oder zumindest die Rede auf dem Konzil – bezweifelt, da Athanasius der Große, ein anderer Kämpfer gegen den Arianismus, ihn nicht erwähnt. Winkelmann führt an, dass die Nichterwähnung Paphnutius’ von Athanasius, obwohl er ein Mitstreiter in seinem Kampf gegen den Arianismus gewesen sein soll, auch die Teilnahme des Paphnutius am Konzil von Nizäa widerlegen würde.

Andere Quellen als die Kirchengeschichte des Socrates Scholastikus für die Intervention des Paphnutius auf dem Konzil von Nicäa gibt es nicht, obgleich er selbst in patristischen Texten häufig erwähnt wird. Theodoret von Cyrus etwa nennt Paphnutius in seiner Kirchengeschichte eigens als Teilnehmer des nizänischen Konzils, erwähnt aber nicht seine Rede.[5]

Zudem soll es bis zum Tode des Athanasius keine derartige Paphnutius-Legende in Ägypten gegeben haben. Sie entstand erst gegen Ende des 4. Jahrhunderts. Winkelmann nimmt an, dass die Berichte über Paphnutius den Leben von zwei Männern dieses Namens entnommen und miteinander verflochten wurden, wodurch eine legendäre dritte Person entstand.

Stefan Heid greift diese These in seinem Buch Zölibat in der frühen Kirche. Die Anfänge der Enthaltsamkeitspflicht für Kleriker in Ost und West auf, um die Apostolizität des Zölibats zu untermauern. Er nennt den Bericht von der Intervention auf dem Konzil „eine typische Rechtfertigungslegende, wie sie nur aus einer schismatischen oder häretischen Sonderkirche kommen kann, die sich gegen eine Tradition der überwältigenden Mehrheit der Bischöfe stemmt“.[6] Er schildert eine mögliche Entstehung der Legende und vermutet als Urheber die Novatianer.[7]

Literatur[Bearbeiten]

  • Christian Cochini: Apostolic Origins of Priestly Celibacy. San Francisco 1990, ISBN 978-0898709513
  • Stefan Heid: Zölibat in der frühen Kirche. Die Anfänge der Enthaltsamkeitspflicht für Kleriker in Ost und West. Schöningh, Paderborn 1997, ISBN 978-3506739261
  • Vera Schauber, Hanns Michael Schindler: Heilige und Patrone im Jahreslauf. Pattloch, München 2001, ISBN 978-3629000682
  • Tim Vivian (Hrsg): Paphnutius – Histories of the monks of upper Egypt and The life of Onnophrius. Cistercian Publications, Kalamazoo 2000 (2), ISBN 978-0879075408 (Cistercian studies series, Band 140)
  • Friedhelm Winkelmann: Paphnutios, der Bekenner und Bischof. In: P. Nagel (Hrsg.): Probleme der koptischen Literatur. Halle 1968, S. 145–153.
  • Friedhelm Winkelmann: Die Problematik der Entstehung der Paphnutioslegende. In: J. Herrmann: Griechenland – Byzanz – Europa. Berlin 1985, S. 32–42 (Berliner Byzantinische Arbeiten, Band 52).
  • Ekkart SauserPaphnutios von der Thebais. In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 21, Bautz, Nordhausen 2003, ISBN 3-88309-110-3, Sp. 1113–1114.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Röm, Martyrologium, 11. Sept, hingegen schreibt Theodoret, Hist eccl I,7 von der rechten Kniekehle
  2. Besonders in der Dritten Unterredung mit dem Abt Paphnutius.
  3. vgl. Ökumenisches Heiligenlexikon Paphnutius von Ägypten [1]
  4. vgl. Socrates Scholasticus: Historia ecclesiastica I, 11. PG 67,101-104.
  5. BKV: Historia ecclesiastica I,7.
  6. Heid, Zölibat, S. 276.
  7. Heid, Zölibat, S. 277–279.