Papierrecycling

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Lagerhalle für Altpapier in Hamburg

Als Papierrecycling wird das Sammeln und die Aufbereitung von Altpapier oder Kartonagen zur Wiederverwertung bezeichnet, die entweder als eine verkaufsfähige Produktklasse oder als Bestandteil normaler Papiere oder Kartonagen in den Handel zurückfließen.

Altpapiermengen[Bearbeiten]

In Deutschland wurden im Jahr 2011 22,6 Millionen Tonnen Papier, Karton und Pappe produziert. Dafür wurden 15,3 Millionen Tonnen Altpapier eingesetzt.[1] Je mehr Papier wiederverwertet wird, desto weniger Holz muss für die Papierproduktion aufgewendet werden.

Zu einem hohen Anteil aus Altpapier hergestellt sind z.B. Verpackungspapiere und Karton (bis zu 100 %) und Zeitungspapier (die meisten Tageszeitungen werden auf Papier aus 100 % Altpapier gedruckt).

Papier wird für die unterschiedlichsten Qualitäten recycelt: zu Hygienepapieren (Toilettenpapier, Papierhandtücher und Küchentücher) oder ungestrichenem Papier wie für Kopierpapiere und Zeitungsdruckpapier. Mittlerweile gibt es aufwändig hergestellte Kopierpapiere, die in ihren Verarbeitungseigenschaften mit Frischfaserpapier vergleichbar sind und sich auch im Weißgrad nur noch minimal von diesem unterscheiden. Auch bei der Herstellung höherwertiger Papiere wie für Zeitschriften werden mittlerweile recycelte Fasern eingesetzt.

Bei Hygienepapieren und Zeitungsdruckpapier ist heute fast keine Steigerung des Altpapieranteils mehr möglich. Um die Verwertungsquoten weiter zu steigern, wird deshalb auch für höherwertige Papiere (für Zeitschriften/Magazine) vermehrt Altpapier eingesetzt. Bei mehrfachem Recycling verkürzen sich die Fasern und müssen aus dem Kreislauf ausgeschleust werden. Da jedoch ständig frische Fasern z. B. mit Zeitschriften (Holzschliff) und Zellstoff in den Kreislauf gelangen, ist auch bei mehrfachem Recycling kein „Recyclingkollaps“ zu erwarten.

Gemäß der europäischen Norm EN 643 sind über 65 Sorten Altpapier klassifiziert, die – je nach Qualität – zu unterschiedlichen Preisen gehandelt werden.

Altpapiersammlung[Bearbeiten]

Die Altpapiersammlung in Deutschland besteht aus einem Hol- und Bringsystem, an dem private und kommunale Unternehmen mitwirken. Die Sammlung von Altpapier wird durch das Kreislaufwirtschaftsgesetz geregelt. Das Holsystem ist dadurch gekennzeichnet, dass das Altpapier in die dafür von den Kommunen bereitgestellten Tonnen, Container oder Säcke an den Anfallstellen entsorgt, dann von Entsorgungsfahrzeugen abgeholt und in Sortieranlagen sortiert wird. Beim Bringsystem, auch als alternatives Erfassungssystem bezeichnet, werden die Altpapiere von den Verbrauchern gesammelt und vorsortiert an Altpapierankaufstellen oder Recyclinghöfen abgegeben. Dadurch ist der energetische Aufwand zur Erzeugung von sortenreinem Altpapier geringer als beim Holsystem, bei dem die Qualität der Altpapiersortierung geringer ist. Als Altpapierankaufstellen werden gewerbliche Entsorgungsträger bezeichnet, die für die Abgabe von Altpapier Bargeld auszahlen.[2]

Altpapiersortierung[Bearbeiten]

Die Altpapiersortierung erfolgt nach Altpapierstandards (CEN European Standard EN 643, Institute of Scrab Recycling Industries Inc. und Paper Recycling Promotion Center)[3] [4] [5], in denen die zulässigen Qualitäten für Europa, Nordamerika und Japan bestimmt sind. Sie soll dazu beitragen, dass die Papierfabriken einen qualitativ hochwertigen Sekundärrohstoff zur Erzeugung ihrer Recyclingpapiere erhalten. Gängige Verfahren zur Sortierung von Altpapier erfolgen manuell, teil- oder vollautomatisiert.[2]

Verarbeitung von Altpapier[Bearbeiten]

Der Energie- und Wasseraufwand bei der Produktion von Recyclingpapier ist in der Regel geringer als bei der Herstellung von Papier aus Primärfasern wie Holz oder Zellstoff. Damit leistet das Papierrecycling einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz.

Schlüsselprozess beim Papierrecycling für grafische Papiere ist das Deinking, die Entfernung der Druckfarbe aus dem Altpapier. Undeinkte Recyclingpapiere haben so gut wie keine Bedeutung auf dem Markt.

Probleme beim Papierrecycling zu hellen Papieren bereiten Druckfarben, die im gängigen Verfahren nicht entfernt werden können, wie die beim Flexodruck oder auch für neue digitale Druckverfahren verwendeten Farben. Während Trockentoner in der Regel ähnlich leicht wie herkömmliche Offsetdruckfarben aus dem Altpapier entfernt werden können, stören Inkjet-Tinten und Flüssigtoner die Wiederverwertung erheblich. Dies gilt weniger für einzelne Druckseiten, die zuhause oder im Büro erstellt werden, als für Massendrucksachen (Werbesendungen) oder digital gedruckte Zeitungen.

Altpapier wird heute für die Herstellung von Zeitungspapier, Büropapieren (Kopierpapier), Hygienepapieren (Toilettenpapier) und von Kartonagen eingesetzt. Zeitungspapier und viele Kartons bestehen nahezu ausschließlich aus Altpapier. Die Vergrauung der Papiere wird durch weiße Füllstoffe (Calciumcarbonat, Kaolin) und/oder durch zusätzliches Streichen der Papieroberfläche mit weißen Streichfarben verringert.

Rückblick[Bearbeiten]

Bereits vor langer Zeit machten sich Menschen Gedanken um die Entsorgung bzw. Weiterverwertung von Altpapier. Oft wurde dieses scheinbar verbrauchte Medium z. B. im Buchmacherhandwerk benutzt, um damit z. B. Buchdeckel und -rücken zu stabilisieren.

Für die Zeit um 1775 gibt es Belege, dass man Methoden gefunden hatte, gebrauchtes Papier wieder zu „neuem“ Papier umzuarbeiten. Christian Friedrich Daniel Schubart schreibt dazu in seiner Deutschen Chronik Folgendes: „Martin Heinrich Klaproth in Göttingen erfand die Kunst, altes, schon gedrucktes Papier wieder rein, und aufs neue zum Druck brauchbar zu machen. Wilhelm Heinrich Sebastian Buchholz in Weimar hat diese Kunst ausgeübt, und einen alten juristischen Folianten durch Beyhülfe des Weimarischen Papiermachers Wiesers in neues Papier umgeschaffen, worauf nun die Erfurter gelehrte Zeitung gedruckt wird. Das 21. Stück ist das erste auf diese Art gedruckte, und ist sehr gut ausgefallen. Wie vertilgt man aber die Druckerfarbe? Man braucht Walker Erde, auch weißen Thon mit Pottasche vermischt dazu. ’s ist doch ein Elend; nun haben die schlechten Schriftsteller nicht einmal mehr den Trost von Käskrämern und Heringsweibern auf’m Markte gelesen zu werden.“[6]

Perspektive[Bearbeiten]

Die Nachfrage nach Altpapier ist weltweit enorm gestiegen, was die getrennte Erfassung wieder attraktiver macht. Als Folge des gestiegenen Preises und der hohen Nachfrage bieten mehr und mehr Firmen den privaten Haushalten die kostenlose Altpapierentsorgung an, nachdem das Oberverwaltungsgericht Lüneburg im Januar 2008 die gewerbliche Sammlung für zulässig erklärt hat.[7] Früher kam der Erlös aus Altpapiersammlungen vor allem Vereinen und kirchlicher Jugendarbeit zugute.[8]

Papierrecycling erweist sich im Prinzip als ökonomisch und ökologisch effizient. Trotzdem treiben rasant gestiegene Energiekosten die ersten Betriebe in die Insolvenz. Nachteilig wirken sich in Ökobilanzen primär die langen Transportwege aus, weil Papier schlecht dezentral recycelt werden kann.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Papierrecycling – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Papier-Kompass "VDP" Verband Deutscher Papierfabriken
  2. a b Jürgen Blechschmidt: Altpapier. Regularien − Erfassung – Aufbereitung – Maschinen und Anlagen – Umweltschutz, Hanser, München 2011, ISBN 978-3-446-42616-0
  3. CEN European Standard EN 643 europäischer Qualitätsstandard Altpapiersortierung
  4. Institute of Scrab Recycling Industries Inc. nordamerikanisches Institut zur Festlegung der Qualitätsstandard Altpapiersortierung
  5. Paper Recycling Promotion Center Papierrecycling in Japan, Qualitätsstandard Altpapiersortierung
  6. Christian Friedrich Daniel Schubart: Deutsche Chronik auf das Jahr 1775. Christian Ulrich Wagner, Ulm 1775, 25tes Stück, 27. März 1775.
  7. OVG Niedersachsen Januar 2008
  8. Stuttgarter Zeitung Leonberger Kreiszeitung vom 14. Februar 2008