Peloponnesischer Bund

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Peloponnesischer Bund ist die moderne Bezeichnung für das Bündnissystem (Symmachie) Spartas, welches im Antiken Griechenland Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. etabliert wurde und bis in die 60er Jahre des 4. Jahrhunderts v. Chr. Bestand hatte. Das Bündnis umfasste mehrere griechische Poleis auf der Peloponnes und darüber hinaus. Die historische Bezeichnung lautete „Die Lakedaimonier und ihre Mitkämpfer“ (hoi Lakedaimonioi kai hoi sýmmachoi).

Die Anfänge des Bundes liegen im 6. Jahrhundert v. Chr. Er umfasste nie alle Poleis der Peloponnes (z. B. nicht Argos), dafür zeitweise Staaten aus anderen Regionen, darunter aus Boiotien, und in der Folge des Peloponnesischen Krieges sogar Athen.

In der Zeit vor den Perserkriegen wurden auswärtige Feldzüge von den Spartanern noch allein geführt. Der Peloponnesische Bund des 6. Jahrhunderts v. Chr. hatte mit der Symmachie, wie man sie aus den Schriften Thukydides’ und Xenophons kennt, wenig gemein, sondern bestand nur in Defensivbündnissen.[1] Die Einzelverträge aus der Frühzeit des Bundes galten primär der Abwehr der Gefahren, die für Sparta von den permanent zur Rebellion neigenden Heloten ausging.[2] Der Peloponnesische Bund blieb auch mit den später errichteten Bundesstrukturen viel lockerer als etwa der Attische Seebund. Die Gestalt seiner „Verfassung“ ist umstritten.[3]

Sparta war zu aller Zeit die Führungsmacht des Bundes. Die anderen Bündnispartner verpflichteten sich, dieselben Freunde und Feinde zu haben, Sparta Heerfolge zu leisten und nicht eigenmächtig Krieg zu führen oder Frieden zu schließen. Mehrheitsbeschlüssen hatten sich im Prinzip auch die Spartaner zu fügen, aber oft ging der Abstimmung in der Bundesversammlung eine innerspartanische voraus, der die Verbündeten dann folgten.[4] Denn aufgrund der Abhängigkeit der kleinen Staaten von Sparta konnten diese entsprechend einfach politisch beeinflusst und Mittelmächte wie Korinth, Tegea oder Mantineia überstimmt werden. Allein konnte Sparta, wenn überhaupt, nur dann über die Truppen der Verbündeten verfügen, wenn ein Angriff von außen oder ein Umsturz abzuwehren war[5] – freilich verweigerten in solchen Fällen immer wieder Staaten die Teilnahme.

Jedes Mitglied behielt seine Autonomie. Sparta griff nach allgemeiner Ansicht weniger als Athen in die inneren Angelegenheiten seiner Verbündeten ein.[6] Mitunter kam es allerdings sehr wohl zu Interventionen.[7] Es war den Bundesmitgliedern erlaubt, unter sich engere regionale Bündnisse zu schließen.

Nach dem Peloponnesischen Krieg (431–404 v. Chr.) zeigte Sparta zunehmend imperialistische Tendenzen im Umgang mit seinen Verbündeten, was zum Niedergang des Bundes beigetragen haben soll.[8] Mit der Niederlage gegen die Boioter in der Schlacht bei Leuktra im Jahr 371 v. Chr. verlor Sparta seine führende Stellung in der griechischen Welt. Zugleich verlor der Bund seine Daseinsberechtigung durch den Wegfall der Helotengefahr infolge der Gründung eines freien messenischen Staates. Er löste sich 365 v. Chr. auf, als einige Mitgliedsstaaten, darunter Korinth, sich mit den Boiotern verbündeten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Ernst Baltrusch: Symmachie und Spondai: Untersuchungen zum griechischen Völkerrecht der archaischen und klassischen Zeit (8.–5. Jahrhundert v. Chr.). de Gruyter, Berlin/New York 1994.
  • Ernst Baltrusch: Mythos oder Wirklichkeit? Die Helotengefahr und der Peloponnesische Bund. In: Historische Zeitschrift. Bd. 272, 2001, S. 1–24.
  • Ernst Baltrusch: Außenpolitik, Bünde und Reichsbildung in der Antike. Oldenbourg, München 2008.
  • Sarah Bolmarcich: Thucydides 1.19.1 and the Peloponnesian League. In: Greek, Roman and Byzantine Studies. Bd. 45, 2005, S. 5–34.
  • Georg Busolt: Die Lakedaimonier und ihre Bundesgenossen. Teubner, Leipzig 1878.
  • James Alexander Caprio: An Allied History of the Peloponnesian League. Elis, Tegea, and Mantineia. Ph.D. dissertation, University of British Columbia 2005.
  • G. L. Cawkwell: Sparta and Her Allies in the Sixth Century. In: Classical Quarterly. Bd. 43, 1993, S. 364–376.
  • Jakob Larsen: The Constitution of the Peloponnesian League. In: Classical Philology. Bd. 28, 1933, S. 257–276; Classical Philology. Bd. 29, 1934, S. 1–19.
  • J. E. Lendon: Thucydides and the “Constitution” of the Peloponnesian League. In: Greek, Roman and Byzantine Studies. Bd. 35, 1994, S. 159–177.
  • H. W. Parke: The Development of the Second Spartan Empire (405–371 B. C.). In: Journal of Hellenic Studies. Bd. 50, 1930, S. 37–79.
  • Peter J. Rhodes: Peloponnesischer Bund. In: Der Neue Pauly (DNP). Band 9, Metzler, Stuttgart 2000, ISBN 3-476-01479-7, Sp. 500 f.

Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Cawkwell 1993.
  2. Baltrusch 2001.
  3. Siehe Larsen 1933/34, Baltrusch 1991 und 2008 und die Verweise bei Rhodes 2000.
  4. Siehe Cawkwell 1993, S. 364.
  5. Siehe zur Problematik: Larsen 1933, S. 268–270 (gegen Busolt 1878), und Bolmarcich 2005, S. 28–33.
  6. Vgl. etwa Baltrusch 2001, 20 f.
  7. Siehe Rhodes 2000.
  8. Siehe z. B. Parke 1930, S. 71, und Larsen 1934, S. 10.