Petermännchen

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Weitere Bedeutungen sind unter Petermännchen (Begriffsklärung) aufgeführt.
Petermännchen
Gewöhnliches Petermännchen (Trachinus draco)

Gewöhnliches Petermännchen (Trachinus draco)

Systematik
Acanthomorphata
Stachelflosser (Euacanthomorphacea)
Barschverwandte (Percomorphaceae)
Ordnung: Barschartige (Perciformes)
Unterordnung: Percoidei
Familie: Petermännchen
Wissenschaftlicher Name
Trachinidae
Rafinesque, 1815

Die Petermännchen (Trachinidae) sind eine Familie von Fischen aus der Ordnung der Barschartigen (Perciformes), die überwiegend im östlichen Atlantik, im Mittelmeer und im Schwarzen Meer verbreitet sind. Eine weitgehend unbekannte und zweifelhafte Art, Trachinus cornutus, soll vor der Küste Chiles vorkommen.

Name[Bearbeiten]

Der Name „Petermännchen“ soll von seinem niederländischen Namen „pieterman“ abstammen und wird damit erklärt, dass holländische Fischer gefangene Exemplare wegen der Gefährlichkeit der Stacheln meist wieder ins Meer zurückgeworfen und sie dabei als Opfergabe ihrem Schutzheiligen Petrus geweiht hätten.[1]

Merkmale[Bearbeiten]

Petermännchen sind langgestreckte, seitlich abgeflachte Grundfische, die 15 bis 53 cm lang werden. Ihre Augen liegen auf der Kopfoberseite, die Maulspalte ist steil. Die Rückenflosse ist zweigeteilt, die erste ist kurz und wird von 5 bis 7 Stacheln gestützt, die zweite, langgestreckte von 21 bis 32 Weichstrahlen. Die Afterflosse hat zwei Stacheln und 24 bis 34 Weichstrahlen. Die Bauchflossen sind kehlständig und besitzen einen Stachel und fünf Weichstrahlen, die Brustflossen 15 Flossenstrahlen. Der Kopf ist schuppenlos, der Rumpf mit kleinen Rund- oder Kammschuppen bedeckt. Die Seitenlinie ist vollständig, eine Schwimmblase kann vorhanden sein oder fehlen.

Giftigkeit[Bearbeiten]

Die Flossenstacheln der ersten Rückenflosse und ein Stachel auf dem Kiemendeckel sind giftig. Durch ihre Giftigkeit und die Gewohnheit, sich in Strandnähe in Sand oder Schlamm einzugraben, stellen einige Arten eine Gefahr für Badegäste dar. Sie zählen zu den gefährlichsten europäischen Gifttieren. Die Giftmischung, die durch die Tiere abgegeben wird, enthält unter anderem Serotonin und Proteine, die eine Histaminausschüttung hervorrufen.[2]

Eine Vergiftung verläuft in der Regel nicht tödlich, sie verursacht oft starke, meist sehr schmerzhafte Schwellungen, die sehr lange anhalten können. Einige Menschen reagieren jedoch allergisch auf das Gift, was zu Schwindel, Kopfschmerzen, Bewusstlosigkeit oder gar einem Herzstillstand führen kann. Bei Verdacht auf eine Vergiftung sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden.[3]

Lebensweise[Bearbeiten]

Petermännchen kommen in Küstennähe bis in Tiefen von 150 Metern vor. Sie verbringen den Tag bis zu den Augen eingegraben im Sand oder Schlamm, in der Nacht streifen sie umher. Sie ernähren sich von kleinen Bodenfischen und Krebstieren. Eier und Larven sind pelagisch.

Innere Systematik[Bearbeiten]

Es gibt zwei Gattungen und neun Arten:

Wirtschaftliche Bedeutung[Bearbeiten]

Petermännchen sind hauptsächlich Beifang in Netzen und beim Angeln. Sie werden auch als Speisefische genutzt. In Frankreich gelten sie wegen ihres trockenen, aber schmackhaften Fleisches als Delikatesse. Dort ist gesetzlich vorgeschrieben, dass den Fischen die Flossenstacheln entfernt werden, bevor sie in den Handel gelangen, da diese oft noch längere Zeit nach dem Fang aktiv sein können.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Trachinidae – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Achim Paululat / Günter Purschke, Wörterbuch der Zoologie, 8. Aufl., Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, S. 461 zu "Trachinus"
  2. A. Dehaan, P. Ben-Meir, A. Sagi: A "scorpion fish" (Trachinus vipera) sting: fishermen's hazard. In: British journal of industrial medicine. Band 48, Nummer 10, Oktober 1991, S. 718–720, ISSN 0007-1072. PMID 1931733. PMC 1012067 (freier Volltext).
  3. Webseite Universitätsklinikum Bonn, Abruf 14. August 2014