Pororoca

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Die Pororoca (großer Lärm), auch Amazonaswelle genannt, ist eine den Amazonas hinauf laufende Tidenwelle.

Entstehung und Lauf[Bearbeiten]

Im Februar und März entstehen die meisten Pororocas.

Bei Voll- und Neumond werden 2 mal pro Tag riesige Wassermengen vom Atlantischen Ozean in die Flussmündung gedrückt. Da der Amazonas zu diesem Zeitpunkt sehr wenig Wasser führt, werden die Fluten nicht abgehalten.

Die entstandene Springflut türmt sich bis auf fünf Meter Höhe auf und beginnt – durch das geringe Gefälle des Flusses begünstigt – den Strom hinaufzurollen. Die Welle erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 65 Kilometer pro Stunde und ist in der Lage, bis zu 800 km nach Óbidos zurückzulegen. Dabei reißt sie alles mit, was ihr im Wege ist, und überflutet die Uferregionen bis zu 100 Meter ins Landesinnere.

Das Grollen, welches die Ankunft der Welle ankündigt, lange bevor man sie visuell wahrnehmen kann, wird von den Ureinwohnern in der Sprache der Tupí poro'roka genannt, was übersetzt „Wasserdonnerlärm“ bedeutet.[1][2] Durch diese Geräuschkulisse gewarnt, hat man in der Regel genug Zeit, die Uferzonen zu verlassen.

Auswirkungen[Bearbeiten]

Auf Grund der zerstörerischen Kraft der Welle liegt es nahe zu vermuten, dass sie erheblichen Schaden in der Flora und Fauna der Amazonasregion anrichtet. Dem ist jedoch nicht so. Im Gegenteil. Es scheint, als habe sich die Natur hervorragend an diese Springflut angepasst:

  • Die Tiere des betroffenen Bereiches scheinen die Gefahr instinktiv zu spüren. Von Naturforschern wurde beobachtet, dass sie sich, lange bevor das menschliche Ohr das Grollen vernimmt, vom Fluss entfernen und in den Regenwald ziehen. Etwa eine Stunde nach der Welle kehren sie dann wieder zurück. (Ein ähnliches Verhalten zeigen bestimmte Tierarten auch vor Erdbeben. Vor dem Tsunami im Jahre 2004 sind laut Augenzeugenberichten auch viele Tiere in Panik geraten.)
  • Die Welle trägt zudem dazu bei, dass der Amazonas nicht versandet. Durch ihre Stärke fegt sie den Grund des Amazonas regelrecht leer und lagert die Sedimente sehr viel weiter flussaufwärts wieder ab. (Dies ist natürlich eine "unendliche Geschichte", da diese Sedimente vom Fluss spätestens in der Regenzeit, wenn er wieder mehr Wasser führt, erneut verteilt werden.)
  • Die Pororoca hat für den Ackerbau der Ureinwohner eine ebenso starke Bedeutung wie die Nilfluten ehemals für die Ägypter. Die Welle führt Unmengen an Schwebstoffen und fruchtbarem Schlamm mit sich, der zu Teilen an den Ufern hängen bleibt. Nach der Welle eilen die Indios dann herbei, um mit diesem Schlamm ihre Felder zu düngen.

Tourismus[Bearbeiten]

In den letzten Jahren war die Pororoca Anziehungspunkt immer größerer Touristenscharen. Im Frühjahr 2005 verfolgten bis zu 1.000 Menschen die Welle. Die Besucher müssen allerdings am gleichen Tag wieder abreisen, da es in der Gegend keine Unterkünfte gibt und auch in Zukunft wohl nicht geben wird: Das von der Pororoca durchlaufene Gebiet ist Nationalpark.

Seit den Neunziger Jahren ist die Pororoca unter Surfern populär. Seit 1999 wird in São Domingos do Capim ein entsprechender Wettbewerb veranstaltet. 2003 gelang es Adilton Mariano, 34 Minuten lang auf der Riesenwelle zu gleiten. Der Brasilianer Picuruta Salazar konnte 37 Minuten lang mit der Welle surfen, dabei legte er mehr als 12 Kilometer zurück.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Pororoca in Nossa Língua Portuguesa.
  2. Aurélio Buarque de Holanda Ferreira: Novo dicionário da língua portuguesa. 2. Auflage. Nova Fronteira, Rio de Janeiro 1986, S. 1368.