Amazonas
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| Amazonas | |
|---|---|
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Lage des Amazonas in Südamerika |
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| Daten | |
| Lage | Südamerika |
| Länge | 6.448 km |
| Quelle | Nevado Mismi, Arequipa, Peru 15° 31′ 5″ S, 71° 45′ 55″ W-15.518055555556-71.7652777777785170Koordinaten: 15° 31′ 5″ S, 71° 45′ 55″ W |
| Quellhöhe | 5.170 m |
| Mündung | in den Atlantik, Brasilien |
| Mündungshöhe | 0 m |
| Höhenunterschied | 5.170 m |
| Flusssystem | Amazonas |
| Einzugsgebiet | 7.050.000 km² |
| Abflussmenge | MQ: 180.000 m³/s |
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Überblick über den Hauptstrom des Amazonas, der nahezu den gesamten südamerikanischen Kontinent durchquert |
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Überblick über den Hauptstrom des Amazonas, vom Satelliten aus gesehen |
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Der Amazonas (auch Amazonenstrom, portugiesisch Rio Amazonas beziehungsweise im Oberlauf Rio Solimões, früher Rio Orellana) ist ein Strom in Südamerika. Er ist der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde und befördert mehr Wasser als die sechs nächstkleineren Flüsse zusammen.
Hinsichtlich der Länge und damit der Rangfolge als längster oder zweitlängster Fluss der Erde gibt es widersprüchliche Berechnungen. Der Amazonas hat nach Messungen von 1969 eine Gesamtlänge von 6.448 Kilometern.[1] Expeditions-Berechnungen von 2007 geben eine Länge von 6.800 Kilometer an.[2] Die Mehrzahl anderer verlässlicher moderner Quellen enthalten jedoch kleinere Längenangaben, die meist um etwa 6.400 Kilometer liegen.
In den Amazonas münden etwa 10.000 Flüsse. Von den 1.100 größeren Nebenflüssen sind allein 17 über 1.600 Kilometer lang und damit länger als der Rhein.[3] Die Breite des Flusses beträgt in Brasilien meist mehrere Kilometer und variiert jahreszeitlich bedingt durch die schwankenden Niederschläge an den Oberläufen. In den Zeiten größter Wassermengen kann er die angrenzenden Wälder auf einer Breite von bis zu 100 Kilometern überschwemmen. Die betroffenen Überschwemmungswälder bilden die Várzea, ein einzigartiges Ökosystem. Im Mündungsbereich des Amazonas liegt die Flussinsel Marajó (siehe Karte). Wird diese 49.000 Quadratkilometer große Insel sowie die südlich von ihr mündenden Flüsse (insbesondere den Rio Tocantins) hinzugerechnet, hat das Mündungsdelta des Amazonas eine Breite von mehreren hundert Kilometern. Er durchquert von West nach Ost eine Landschaft, die als Amazonasbecken bezeichnet wird.
Inhaltsverzeichnis |
[Bearbeiten] Etymologie
Die Herkunft des Namens ist nicht eindeutig geklärt. Teilweise wird der Name darauf zurückgeführt, dass die europäischen Entdecker unter der Führung von Francisco de Orellana kämpfende einheimische Frauen gesehen und den Fluss daher nach den Amazonen benannt hätten.[4][5] Diese Darstellung findet sich erstmals in einem von Garcilasso de la Vega geschriebenen Buch aus dem Jahre 1609, also etwa 60 Jahre nach der Entdeckungsfahrt Orellanas. Da de la Vega jedoch zum Zeitpunkt des Todes von Orellana erst 6 Jahre alt war, kann er die Informationen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von ihm selbst erhalten haben. Es ist daher nicht auszuschließen, dass de La Vega lediglich auf Hörensagen bzw. populäre Folkore seiner Zeit zurückgegriffen hat.[4] Nach einer anderen Theorie geht der Name auf das indianische Wort Amassona für Schiffszerstörer zurück, mit dem die Indianer die im Unterlauf des Amazonas auftretenden Gezeitenwellen (siehe auch Pororoca) bezeichneten.[4][5]
Umgekehrt gab der Fluss dem Amazonasbecken, aber auch mehreren Provinzen in Brasilien, Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Peru den Namen.
[Bearbeiten] Quelle, Lauf und Mündung
Der Amazonas entspringt in den peruanischen Anden. Seine Quellflüsse heißen Marañón, Huallaga und Ucayali. Der nördlichste und wasserreichste der drei ist der 1.600 Kilometer lange Marañón, der mit seinem Ursprung in drei Lagunen oberhalb von Lago Lauricocha traditionell als der Quellfluss des Amazonas galt. Die Quelle wurde 1909 von Wilhelm Sievers festgelegt.
Der Ucayali mit seinen Zuflüssen ist länger als der Marañón, und als längster Quellfluss des Amazonas gilt der Río Apurímac beziehungsweise einer seiner Nebenflüsse. Die seit 2001 belegte Quelle des Amazonas liegt am Nordhang des Nevado Mismi zwischen Cusco und Arequipa, rund 160 Kilometer westlich von der Stadt Juliaca am Nordende des Titicacasees entfernt. Der Quellfluss trägt über 19 Kilometer den Namen Lloquera und dann über weitere 46 Kilometer die Namen Callamayo und Hornillos, bevor er sich mit dem Río Apurímac vereinigt. Nach insgesamt 730,7 Kilometern findet er seine Fortsetzung im Río Ene (180,6 Kilometer), Río Tambo (158,5 Kilometer) und schließlich über weitere 1.600,1 Kilometer im Unterlauf des Río Ucayali, bis er sich nach insgesamt fast 2.670 Kilometern südwestlich von Iquitos in Peru mit dem Marañón vereinigt.
Auf seinen 3.106 Kilometern auf brasilianischem Gebiet nimmt der Amazonas allein 220 Nebenflüsse auf, von denen etwa 100 schiffbar sind. Er besitzt einige größere Nebenflüsse wie den Tigre, der seine Quelle östlich des Yerupajá hat.
Ab der peruanisch-brasilianischen Grenze heißt der Amazonas nunmehr Rio Solimões. Bei der Vereinigung des Rio Solimões mit dem Rio Negro bei Manaus bekommt der Fluss in Brasilien wieder den Namen Amazonas. Hier hat er mit circa 100 Metern seine tiefste Stelle. Der nördliche Mündungsbereich bildet ein Ästuar (Trichtermündung) mit beginnendem Unterwasserdelta. Der Amazonas ist bei Manaus noch etwa 280 Kilometer vom Äquator entfernt. An seiner Mündung bringt der Amazonas etwa 190.000 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, also etwa sechs Billionen Kubikmeter pro Jahr, in den Atlantik, was dem über 23-fachen Durchsatz der Wolga, des wasserreichsten Stromes Europas, entspricht.
Im Amazonastiefland sind infolge des geringen Gefälles (3,8 Zentimeter je Kilometer) die Nebenflüsse vielfach durch natürliche Kanäle miteinander verbunden. Die Gewässer südlich von Marajó (Tocantins, Guamã und andere) bilden den Rio Pará, welcher durch die Bahia de Guajará (circa 20 Kilometer breit) in den Südatlantik fließt. Die Landenge zwischen Marajó und dem Kontinent ist bei der Stadt Breves am schmalsten, jedoch mit Ozeanschiffen zum Amazonas befahrbar.
[Bearbeiten] Arme/Flüsse im Amazonassystem nach Länge
[Absteigend geordnet nach der Länge in km, durchströmte Länder - (evtl. Zufluss in …) ]
- 6448 km – Gesamt-Amazonas, Südamerika
- 3379 km – Rio Purus, Peru / Brasilien, (2,948 km / 3,210 km)
- 3283 km – Juruá, Peru/Brasilien
- 3239 km – Madeira, Bolivien / Brasilien
- 2816 km – Japurá, Kolumbien / Brasilien
- 2670 km – Río Ucayali, Peru (Oberlauf des Amazonas)
- 2640 km – Tocantins, Brasilien, (auch 2416 und 2750 km)
- 2627 km – Araguaia, Brasilien (Zufluss des Tocantins) (auch 2575 km)
- 2291 km – Rio Tapajós mit Teles Pires, Brasilien
- 2253 km – Rio Negro, Brasilien/Venezuela/Kolumbien
- 2100 km – Xingu, Brasilien
- 1905 km – Maranon, Peru
- 1813 km – Içá (Putumayo), Südamerika
- 1749 km – Guaporé, Brasilien / Bolivien (Zufluss des Madeira)
- 1559 km – Río Beni, Bolivien (Zufluss des Madeira)
- 1370 km – Teles Pires, Brasilien (Zufluss des Tapajós)
- 1300 km – Iriri, Brasilien (Zufluss des Xingu)
- 1240 km – Juruena, Brasilien (Zufluss des Tapajós)
- 1138 km – Río Huallaga, Peru (Zufluss des Marañón)
- 1130 km – Madre de Dios, Peru / Bolivien (Zufluss des Madeira)
[Bearbeiten] Die Pororoca-Gezeitenwelle
Ein einzigartiges Naturphänomen ereignet sich einige Male im Jahr bei Neu- und Vollmond im Februar und März. Eine bis zu vier Meter hohe Gezeitenwelle rollt mit der einsetzenden Flut vom Atlantik her bestimmte Zuflüsse des Amazonas mehrere Kilometer flussaufwärts. Nach der Bezeichnung poroc-poroc, was in der Sprache der Tupi etwa „großer, zerstörerischer Lärm“ heißt, wird sie Pororoca genannt.
Voraussetzung für die Entstehung dieses Phänomens ist das Zusammentreffen des niedrigen Wasserstandes und des geringen Gefälles des Amazonas mit der Springflut bei Voll- oder Neumond. Von den Anwohnern wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchtet, zieht die Pororoca Surfer aus aller Welt an. Der Brasilianer Picuruta Salazar hielt sich 37 Minuten und circa zwölf Kilometer auf der Welle.
[Bearbeiten] Verkehr
Der Amazonas ist auch heute noch Hauptverkehrsader des Amazonasgebiets, insbesondere für den Gütertransport. Die meisten Städte sind mit Linienflügen zu erreichen, diese sind jedoch für einen großen Teil der Bewohner des Amazonasgebietes nicht erschwinglich, weswegen die typischen regionalen Schiffe benutzt werden. Der Großteil der Passagiere übernachtet in der mitgebrachten Hängematte. Im unteren Teil des Schiffes werden Güter transportiert. Straßen sind während der Regenzeit meist unpassierbar.
Es gibt keine Straßen- oder Eisenbahnbrücke über den Amazonas, auch nicht über den Quellfluss Rio Solimões.
Der Amazonas ist von der Atlantikküste bis Manaus mit Ozeanschiffen befahrbar. Selbst die Nebenflüsse Rio Tapajos und Rio Negro werden mit Kreuzfahrtschiffen befahren. In Manaus und inzwischen auch in einigen anderen Orten können diese großen Schiffe anlanden. Elf der dem Amazonas zufließenden Flüsse zählen selbst zu den 20 wasserreichsten Flüssen der Erde.
[Bearbeiten] Flora und Fauna
siehe dazu den Artikel: Amazonasbecken
Es sind über 1500 verschiedene Fischarten bekannt, deren Lebensraum das Flusssystem des Amazonas ist [3][6]. Der Fischreichtum spiegelt sich auch in den Speisekarten wider. Zu den wichtigsten Speisefischen zählen: Tambaquí (Colossoma macropomum), Jaraqui, Filhote, Tucunaré (Cichla spp.), Pirarucú (Arapaima gigas). Darüber hinaus gibt es eine Unmenge von regional vorkommenden Fischen, darunter Arten von Piranhas, den urzeitlich aussehenden Tamuatã und andere.
Zu den besonders bedrohten Tierarten, die den Amazonas besiedeln, gehören der Amazonas-Manati (Trichechus inunguis) und der rosafarbene Amazonasdelfin (Inia geoffrensis; port. Boto cor-de-rosa).
Im Amazonas schwimmen grüne Inseln, die sich aus miteinander verhakten mitgeschwemmten Bäumen oder bei Hochwasser aus losgerissenen Wasserpflanzen und über Wurzeln vernetzten Grasinseln entwickeln. Sie können über 100 Meter lang werden und bilden ein eigenes Biotop.
[Bearbeiten] Bedrohung des Amazonas
Nicht nur der Regenwald im Amazonasgebiet wird von den Menschen langsam zerstört, auch der Fluss selbst wird schon lange vergiftet: Goldgräber haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 2000 Tonnen Quecksilber in den Amazonas geleitet. Die Quecksilberdämpfe, die beim Trennen von Gold und Quecksilber entstehen, sind äußerst giftig für Mensch und Tier. Folgen einer Quecksilbervergiftung sind oft schwere Erbschäden wie Missbildungen bis zur tödlichen Vergiftung.
Die Klimaerwärmung hinterlässt auch in der „Lunge der Erde“ ihre Spuren: 2005 wird das Amazonasgebiet von einer Dürre heimgesucht, die in diesem Ausmaß noch nie aufgetreten ist. Wenn sich die Natur jemals wieder vollständig regeneriert, wird es Jahrzehnte dauern. Doch das biologische Gleichgewicht dieses Ökosystems ist überaus empfindlich, und selbst wenn es dieser Naturkatastrophe widersteht, ist es auf Dauer durch die immer größeren Schwankungen des Wetters bedroht.
Die fortschreitende Rodung der Urwälder verringert die Menge des verdunsteten Wassers, aus dem sich der Fluss speist, und die Symbiosen der Tier- und Pflanzenwelt verlieren ihre Existenzgrundlage.
Hauptursache der Vernichtung des Amazonaswaldes ist die Fleischproduktion. Rund 70 Prozent des vernichteten Tropenwaldes wurden für Viehweiden gerodet, ein Großteil des Restes für den Futtermittelanbau.[7]
[Bearbeiten] Große Städte am Amazonas und bedeutende Nebenflüsse
- Li=Linker Zufluss
- Re=Rechter Zufluss
- Nach einer Strecke von 730 km vereinigt sich der Río Apurímac
- mit dem Río Mantaro zum Río Ene und wird zum Río Tambo. Dieser fließt bei Kilometer 1070 in den Río Ucayali.
- Li: Rio Napo
- Li: Río Marañón
- Iquitos
- Grenze Peru/Brasilien, ab hier Rio Solimões
- Li: Japurá
- Re: Rio Juruá
- Re: Rio Purus
- Li: Rio Negro, bei Manaus, ab hier wieder Rio Amazonas
- Li: Rio Branco
- Li: Manaus am Rio Negro, Hauptstadt des Bundesstaates Amazonas in Brasilien
- Re: Rio Madeira
- Re: Rio Tapajós, bei Santarém
- Li: Rio Paru
- Re: Rio Xingu
- Flussaufspaltung im Delta mit der größten Flussinsel auf der Erde, der Ilha de Marajó
- Macapá
Der Amazonas hat eine braune Färbung, die von der Sedimentfracht herrührt, die insbesondere aus den in den Anden liegenden Quellflüssen eingetragen wird. 90 Prozent der Sedimente, die der Amazonas mitführt, werden durch den Madeira, den Ucayali und den Marañón eingetragen. Einige Zuflüsse kommen aber aus kristallinen Gebieten mit geringer Sedimentfracht, z. B. der Rio Tapajós, der Rio Negro und der Rio Xingu.
An den Zusammenflüssen unterschiedlich gefärbter Flüsse zeichnen sich die verschiedenen Farben der Wassermassen zum Teil kilometerweit ab. Jährlich werden an der Stadt Óbidos, etwa 800 Kilometer vor der Mündung, 1,2 Milliarden Tonnen Sediment vorbeitransportiert. Davon erreichen etwa 75 Prozent den Atlantik, die restlichen 25 Prozent werden auf den unteren 800 Flusskilometern abgelagert.
Pucallpa liegt am Quellfluss Ucayali. Die größte Stadt am Amazonas ist Iquitos, nahe der Vereinigung der Quellflüsse. Die Städte Manaus (am Rio Negro) und Belém (an der Bahia de Guajará) liegen entgegen einer weit verbreiteten Meinung nicht direkt am Amazonas. Weitere große Städte sind Macapá und Santarém.
[Bearbeiten] Anwohner
In der Amazonasregion leben etwa eine Million Angehörige indigener Gruppen. Ihre Territorien werden in Brasilien von der dortigen Indianerbehörde FUNAI demarkiert. In Brasilien wurden bislang über eine Million Quadratkilometer als Indianergebiete ausgewiesen, das entspricht etwa 20 Prozent der Fläche. In diesen Gebieten leben 150 indigene Völker. Dennoch kommt es in den Indianergebieten teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen mit eindringenden Goldsuchern (Garimpeiros) und Holzunternehmern. Die direkt an Flüssen lebenden Bewohner – oft in einfachen Hütten auf Stelzen wegen der Hochwassergefahr – heißen Caboclos und leben oft vom Fischfang, der Herstellung von Kautschuk, etwas Viehzucht sowie dem Verkauf von Paranüssen und Früchten auf nahe gelegenen Märkten.
[Bearbeiten] Geschichte
Die Mündung des Amazonas wurde 1499 oder 1500 zum ersten Mal von Europäern entdeckt. Der Italiener Amerigo Vespucci und der Spanier Vicente Yáñez Pinzón kamen fast gleichzeitig mit ihren Schiffen an. Meist wird Vespucci als Entdecker angegeben.
Francisco de Orellana befuhr den Fluss von 1541 bis 1542 als erster Europäer von der Quelle des Amazonas-Nebenflusses Napo im heutigen Ecuador bis zur Atlantikmündung. Er beteiligte sich an der Expedition von Gonzalo Pizarro. Eine Zeit lang wurde der Amazonas deswegen Rio Orellana genannt. Er war eigentlich auf der Suche nach dem legendären Goldland Eldorado.
Am 12. Februar 1542 entdeckten Francisco de Orellana und Gonzalo Pizarro die Quelle des Marañón, des kürzeren Quellflusses. Von Oktober 1637 bis August 1638 befuhr Pedro Teixeira den Amazonas flussaufwärts bis zur Quelle des Napo. Erst 1971 wurde die Quelle des Ucayali vom Amerikaner Loren McIntrye entdeckt und 2001 die Quelle des Apurímac als Ursprung des Amazonas von der National Geographic Society bestätigt, so dass die bis dahin geltenden Längenangaben für den Amazonas entsprechend korrigiert werden mussten.
Samuel Fritz, ein deutscher Jesuitenmissionar, kartographierte den Amazonas 1707 als erster.
Viele Südamerikaforscher erforschten den Amazonas, darunter die Deutschen Alexander von Humboldt – er erklärte die Gabelung von Orinoko und Amazonas (Bifurkation) -, Georg Heinrich von Langsdorff und Eduard Friedrich Poeppig sowie der das Quellgelände erforschende Wilhelm Sievers. Unter anderem haben die beiden deutschen Forscher und Naturwissenschaftler Johann Baptist von Spix und Carl Friedrich Philipp von Martius weite Teile des Amazonas befahren und wesentliche Beiträge zur Erforschung der wohl unendlichen Tier- und Pflanzenwelt des Amazonasgebietes geleistet.
[Bearbeiten] Uramazonas
Einer Hypothese zufolge lag die Quelle des Amazonas bis vor 130 Millionen Jahren in Afrika[8], im Ennedi-Massiv im Nordosten der heutigen Republik Tschad, das damals noch zum Superkontinent Gondwana gehörte. Neben Afrika waren in der Landmasse Gondwanas der indische Subkontinent, Südamerika, Australien und Antarktika vereint. Dieser Uramazonas floss damals in die entgegengesetzte Richtung, von Osten nach Westen, und mündete in den Pazifik. Mit einer Länge von circa 14.000 Kilometern war der Uramazonas demzufolge der längste bekannte Fluss der Erdgeschichte.
Nachdem Gondwana auseinandergebrochen war, driftete die südamerikanische Lithosphärenplatte nach Westen. Da das Amazonasbecken somit von der Quelle des Uramazonas abgeschnitten war, fielen die östlichen Gebiete des Flusstales trocken. Die weiter westlich gelegenen Flussbereiche wurden weiterhin von den Zuflüssen des früheren Uramazonas gespeist.
Als Südamerika im Zuge der Kontinentaldrift (tektonische Plattenverschiebung) mit der Pazifischen Platte zusammentraf, falteten sich an der Westküste des Kontinents die Anden auf, welche den Abfluss des Wassers verhinderten. Aufgrund der Auffaltung der Anden im Westen kehrte sich vor circa 10-15 Millionen Jahren der Flusslauf um. Allerdings geschah dies nicht gleich zur Gänze, denn gleichzeitig wuchs im Zentrum des Amazonasbeckens ein Mittelgebirge empor, das den Flusslauf teilte. Auf den Osthängen strömte der Amazonas bereits in den Atlantik, auf der Westseite vermischten sich die von den Anden herabfließenden Flüsse mit dem zurückflutenden Wasser des Amazonas, wodurch riesige Binnenseen entstanden. Es dauerte weitere fünf Millionen Jahre bis die aufgestauten Flüsse das Mittelgebirge unterwaschen und sich mit dem Teilamazonas der Ostseite vereinigt hatten. Nun erst entfaltete sich das Flussnetz, welches seitdem das ganze Amazonasbecken von Westen nach Osten durchläuft.
Aus all dem wird ersichtlich, warum das Flussbett des Amazonas zur Mündung hin schmaler wird, was sonst gewöhnlich zur Quelle hin der Fall ist. Ebenso lässt sich dadurch die Tatsache erklären, dass sich im Oberlauf des Amazonas, tausende Flusskilometer von der Meeresküste entfernt, Tiere wie Rochen, Garnelen, Seezungen, Seekühe, Delfine, ja sogar Haie finden [9], nicht jedoch in dessen Unterlauf. Die Tiere gerieten in den Amazonas, als dieser noch in den Pazifik mündete, und wurden später vom Meer abgeschnitten.
Der Umstand, dass auf dem afrikanischen Kontinent kein ausgetrocknetes Flussbett, ja nicht mal Relikte davon feststellbar sind, begründen gewisse Zweifel an dieser Hypothese.
[Bearbeiten] Rekorde
Am 1. Februar 2007 startete der Slowene Martin Strel im Alter von 52 Jahren einen Rekordversuch im Durchschwimmen des Amazonas. Er legte dabei innerhalb von 66 Tagen insgesamt 5268 Kilometer den Fluss entlang zurück. Er begann seinen Rekordversuch in Peru in dem Dschungelort Atalaya und beendete ihn in der brasilianischen Stadt Belém.
[Bearbeiten] Siehe auch
[Bearbeiten] Einzelnachweise
- ↑ Nach Messungen von 1969 hat der Amazonas mitsamt seinen Quellflüssen eine Länge von 6.448 km. Gemessen wurde von dem Seitenarm des Apurimac aus, dem Lloqueta/Carhuasanta, der am Nevado Mismi entspringt, über den Canal do Norte in den Südatlantik. Dieser Quellbereich wird auch durch Daten der Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) der NASA untermauert. Messungen mit moderner Satellitenfotografie haben eine Länge von 6.387 km ergeben. Siehe hierzu auch diese Diskussion. Andere Messungen, die mit 6.800 km angegeben werden, beziehen sich auf den gleichen Quellbereich.
- ↑ Amazonas oder Nil - die Suche nach dem wirklich längsten Fluss!
- ↑ a b Tom Sterling: Der Amazonas. Time-Life Bücher, 8. Auflage 1979, S. 19
- ↑ a b c Isaac Taylor: Names and Their Histories: A Handbook of Historical Geography and Topographical Nomenclature. BiblioBazaar LLC 2008, ISBN 9780559296673 , S. 44 (eingeschränkte Online-Version (Google Books))
- ↑ a b Adrian Room: Placenames of the World: Origins and Meanings of the Names for 6,600 Countries, Cities, Territories, Natural Features, and Historic Sites. McFarland, 2. Auflage 2006, ISBN 9780786422487, S. 27 (eingeschränkte Online-Version (Google Books))
- ↑ Joseph J. Molnar, Fernando Alcántara Bocanegra, Salvador Tello IDENTIFYING GOALS AND PRIORITIES OF FISH FARMERS IN THE PERUVIAN AMAZON (pdf). In: A. Gupta, K. McElwee, D. Burke, J. Burright, X. Cummings, and H. Egna (Editors), Eighteenth Annual Technical Report. Pond Dynamics/Aquaculture CRSP, Oregon State University, Corvallis, Oregon,
- ↑ Studie der FAO: Livestock’s long shadow – Environmental issues and options, S. xxi
- ↑ vgl. Sepp Friedhuber: "Uramazonas", siehe "Literatur"
- ↑ Alexander von Humboldt weiß bereits 1801/02 davon zu berichten, dass Fischer auf dem Markt der Stadt Iquitos mitten im peruanischen Regenwald frische Haie, Rochen und Sardinen verkauften
[Bearbeiten] Literatur
- Frank Semper: Tor zum Amazonas. ISBN 3-9805953-1-5.
- Sepp Friedhuber: "Uramazonas". Mit Beitr. v. Klaus Giessner, Herbert Habersack, Gero Hillmer u. a. ISBN 3-939172-01-4
- Tom Sterling: Der Amazonas. Time-Life Bücher, 8. Auflage 1979
[Bearbeiten] DVD
- Epo Film GmbH: Ur-Amazonas mit Sepp Friedhuber und Herbert Habersack