Amazonas

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Dieser Artikel behandelt den Fluss Amazonas, weitere Bedeutungen unter Amazonas (Begriffsklärung).
Amazonas
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Der Amazonas und sein Einzugsgebiet

Der Amazonas und sein Einzugsgebiet

DatenVorlage:Infobox Fluss/GKZ_fehlt
Lage Südamerika
Flusssystem AmazonasVorlage:Infobox Fluss/ABFLUSSWEG_fehlt
Quelle Nevado Mismi, Arequipa, Peru
15° 31′ 5″ S, 71° 45′ 55″ W-15.518055555556-71.7652777777785170
Quellhöhe 5170 mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Mündung in den Atlantik, Brasilien0.428-49.5610Koordinaten: 0° 25′ 41″ N, 49° 33′ 40″ W
0° 25′ 41″ N, 49° 33′ 40″ W0.428-49.5610
Mündungshöhe mVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Höhenunterschied 5170 m
Länge 6448 kmVorlage:Infobox Fluss/NACHWEISE_fehlen
Einzugsgebiet 5.956.000 km²[1]
Abfluss am Pegel Óbidos[2]
AEo: 4.640.300 km²
Lage: 800 km oberhalb der Mündung
NNQ
MQ 1928–1996
Mq 1928–1996
HHQ
75.602 m³/s
176.177 m³/s
38 l/s km²
306.317 m³/s
Abfluss[1] an der Mündung
AEo: 5.956.000 km²
MQ
Mq
206.000 m³/s
34,6 l/s km²
Linke Nebenflüsse Napo, Içá, Japurá, Rio Negro
Rechte Nebenflüsse Juruá, Purus, Madeira, Tapajós, Xingu
Überblick über den Hauptstrom des Amazonas, der nahezu den gesamten südamerikanischen Kontinent durchquert

Überblick über den Hauptstrom des Amazonas, der nahezu den gesamten südamerikanischen Kontinent durchquert

Überblick über den Hauptstrom des Amazonas, vom Satelliten aus gesehen

Überblick über den Hauptstrom des Amazonas, vom Satelliten aus gesehen

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Der Amazonas (auch Amazonenstrom, portugiesisch Rio Amazonas, im brasilianischen Oberlauf Rio Solimões, früher Rio Orellana) ist ein Strom im nördlichen Südamerika. Etwa 300 km südlich des Äquators durchquert er das im Westen von den Anden umrahmte, von tropischem Regenwald geprägte Amazonasbecken ostwärts bis zum Atlantik. Der Amazonas ist mit einer mittleren Wasserführung von 206.000 m³/s der mit Abstand wasserreichste Fluss der Erde und führt mehr Wasser als die sieben nächstkleineren Flüsse zusammen.[3]

Seinen Namen führt der Strom erst ab dem Zusammentreffen seiner beiden Quellflüsse Marañón und Ucayali in Peru, unterbrochen allerdings durch den brasilianischen Abschnitt oberhalb der Stadt Manaus mit dem Namen Rio Solimões.

Der längste Hauptstrang des Amazonas hat, gemessen über den kürzesten Fließweg ab dem Quellgebiet des Ucayali, eine Gesamtlänge von 6448 km.[4] Die den Namen Amazonas führenden Abschnitte sind aber deutlich kürzer. Angaben, nach denen der Amazonas der längste Fluss der Erde wäre, sind strittig und beziehen die benachbarten Meeresbuchten Rio Pará und Baía de Marajó ein.[5], (Der dort dargestellte Messweg folgt im Mündungsbereich erst dem Canal do Sur und anschließend dem Schifffahrtsweg nach Pará, welcher vom südlichen Mündungsarm abzweigend tideaufwärts die Verbindungskanäle zu den benachbarten Ästuaren Rio Pará und der Tocantins-Mündung nutzt, und endet an deren Austritt in den offenen Atlantik.)

Der in Brasilien meist mehrere Kilometer breite Fluss hat eine relativ ausgeglichene Wasserführung, da die Hochwasserphasen der Nebenflüsse jahreszeitlich verschoben auf den äquatornahen Hauptstrom treffen. Dennoch kann er die angrenzenden bewaldeten Alluvialflächen (Várzea) auf einer Breite von bis zu 60 km überschwemmen.

In zwei Hauptarmen durchströmt er die Inselwelt des fast 200 km breiten Mündungsbereichs, der zudem über Tidegewässer mit dem Pará-Ästuar verbunden ist und so die große Insel Marajó abtrennt.

Name[Bearbeiten]

Historische Karte der Amazonasmündung
aus Meyers Konversationslexikon 1888

Ursprünglich hatte der Fluss abschnittweise wechselnde Bezeichnungen der jeweiligen indigenen Anrainer, von denen Solimões bis heute gilt und die offizielle Bezeichnung für den brasilianischen Oberlauf bis zum Zusammenfluss mit dem Rio Negro ist. Vicente Yáñez Pinzón, der den Fluss als erster erkundete, nannte ihn wegen des Süßwassers im offenen Meer vor der Mündung Río Santa Maria de la Mar Dulce, kurz Mar Dulce. Später, nach 1502, war der Fluss als Río Grande bekannt. Ob die zur gleichen Zeit bestehende Bezeichnung Río Marañón aus einer Indio-Sprache stammt oder auf das spanische maraña zurückgeht, was, vielleicht in Bezug auf die Vielfalt der Wasserwege, Gewirr bedeutet, ist unklar. Der Name ist im Oberlauf beim nördlichen Quellfluss erhalten und nahe dem Unterlauf im Brasilianischen Bundesstaat Maranhão.[6]

Auch die Herkunft des Namens Amazonas ist nicht eindeutig geklärt. Teilweise wird der Name darauf zurückgeführt, dass die europäischen Entdecker unter der Führung von Francisco de Orellana kämpfende einheimische Frauen gesehen und den Fluss daher nach den Amazonen benannt hätten.[7][8] Diese Darstellung findet sich erstmals in einem von Garcilasso de la Vega geschriebenen Buch aus dem Jahre 1609, also etwa 60 Jahre nach der Entdeckungsfahrt Orellanas. Da de la Vega jedoch zum Zeitpunkt des Todes von Orellana erst 6 Jahre alt war, kann er die Informationen aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von ihm selbst erhalten haben. Es ist daher nicht auszuschließen, dass de La Vega lediglich auf Hörensagen bzw. populäre Folklore seiner Zeit zurückgegriffen hat.[7] Nach anderen Theorien geht der Name auf das indianische Wort Amassona für Schiffszerstörer zurück, mit dem die Indianer die im Unterlauf des Amazonas auftretenden Gezeitenwellen (siehe auch Pororoca) bezeichneten.[7][8]

Umgekehrt gab der Fluss dem Amazonasbecken, aber auch mehreren Provinzen in Brasilien, Venezuela, Kolumbien, Ecuador und Peru den Namen.

Verlauf[Bearbeiten]

Quellflüsse[Bearbeiten]

Die beiden Quellflüsse des Amazonas entspringen in den peruanischen Anden. Der nördliche, 1600 km lange Marañón ist wasserreicher und darum hydrologisch der Hauptquellfluss des Amazonas. Sein Ursprung in drei Lagunen oberhalb des Lago Lauricocha wurde 1909 von Wilhelm Sievers festgelegt.

Der südliche Quellfluss, der Ucayali, ist, einschließlich mehrerer anders benannter Oberlaufabschnitte, mit 2670 km deutlich länger als der Marañón. Die seit 2001 belegte mündungsfernste Quelle des Amazonas liegt am Nordhang des Nevado Mismi zwischen Cusco und Arequipa, rund 160 km westlich der am Nordende des Titicacasees liegenden Stadt Juliaca. Der Quellfluss trägt die Namen Carhuasanta (7 km), Lloquera (12 km), sowie Callamayo (13 km) und Río Hornillos (32 km), bevor er sich mit dem Río Apurímac vereinigt. Nach insgesamt 730,7 km findet er seine Fortsetzung im Río Ene (180,6 km), Río Tambo (158,5 km) und schließlich über weitere 1600,1 km im Unterlauf des Río Ucayali. Oberhalb von Iquitos in Peru vereinigen sich die Quellflüsse zum Amazonas.

Gelegentlich wird auch der Río Huallaga als Quellfluss bezeichnet. Dieser ist jedoch ein Nebenfluss des Marañón. Als Schifffahrtsweg ist der Huallaga bedeutender als der Marañón.

Amazonas und Solimões[Bearbeiten]

Die erste Großstadt am Amazonas ist Iquitos, das Zentrum des peruanischen Amazonastieflandes. Zwischen der peruanisch-brasilianischen Grenze und der Einmündung des Rio Negro bei Manaus heißt der Amazonas Rio Solimões. Manaus war zwischen 1870 und 1910 Zentrum der Kautschukgewinnung am Amazonas und wird im Zentrum von Bauten dieser Zeit geprägt. Dem Amazonas strömen auf den folgenden 140 km die beiden weltgrößten Nebenflüsse, Rio Negro und Rio Madeira, zu. Der danach vier bis zehn Kilometer breite Fluss wird von einem 20 bis 60 km breiten Saum aus Schwemmland begleitet, der nur auf den Uferwällen (Restingas) besiedelbar ist. Ansonsten ist das Amazonastiefland von einem gleichmäßig zertalten sandig-lehmigen Hügelland geprägt, der Terra firme (= festes Land). Bei Óbidos tritt es unmittelbar an den Strom heran und erzeugt eine nur 1670 m breite Engstelle -1.91852-55.51847-1.92937-55.52874 (Garganta do Amazonas).

Der Amazonas und seine Nebenflüsse aus den Anden haben den postglazialen Meeresspiegelanstieg durch Aufsedimentierung ihrer Flussbetten ausgeglichen. Dagegen wurden die anderen Nebenflüsse mit sehr viel geringerer Sedimentfracht lediglich angestaut und bilden nun vor ihrer Mündung in den Amazonas teils große, seeartige Aufweitungen wie der Río Negro, der Río Xingú oder der Rio Tapajós.

Mündungsgebiet[Bearbeiten]

Die Mündung des Amazonas ist ein Ästuardelta.[9] Dieses besteht aus den Flussarmen Canal Norte (40 % es Abflusses[1]) und Canal Sul (56 % des Abflusses), die sich zu Ästuaren aufweiten und beide zusammen ein Delta bilden, dessen Sedimentablagerungen sich im Schelfbereich vor der Küste den Kontinentalhang hinabziehen.

Rund 100 km südlich der beiden Hauptarme liegt das weit landeinwärts reichende Buchtensystem Bahia de Guajará und Rio Pará, in das der Rio Tocantins und andere Flüsse münden. In den Rio Pará mündete früher auch der südlichste Mündungsarm des Amazonas. Er wurde inzwischen durch Sedimentierung nahezu abgetrennt. Einige natürliche Kanäle (Furos), die von den wechselnden Gezeitenströmen offen gehalten werden, leiten aber noch immer etwa 3 bis 4 % des Amazonaswassers in den Rio Pará und teilen zugleich die Insel Marajó ab.[1]

Große Städte und Nebenflüsse[Bearbeiten]

Schwimmendes Dorf auf dem Amazonas bei Iquitos

Am Amazonas liegen nur sehr wenige Städte. Noch am Quellfluss Ucayali liegt Pucallpa. Die größte Stadt am Amazonas ist Iquitos, nahe der Vereinigung der Quellflüsse. Die Städte Manaus und Belém liegen entgegen verbreiteter Ansicht nicht am Amazonas; Manaus am Río Negro, 12 km oberhalb der Mündung, und Belém am Rio Pará (an der Bahia de Guajará) südlich der Amazonasmündung. Weitere große Städte am Amazonas sind Macapá und Santarém.

In den Amazonas münden etwa 10.000 Nebenflüsse, von denen über 100 schiffbar und 17 über 1600 km lang sind (Rhein: 1236 km).[10]

Mündungsgebiet des Amazonas
Li=Linker Zufluss
Re=Rechter Zufluss

Hydrologie[Bearbeiten]

Wasserführung und Sedimentfracht[Bearbeiten]

An seiner Mündung führt der Amazonas im Jahresmittel etwa 206.000 m³/s Wasser (6600 km³/a) dem Atlantik zu; das sind 17 Prozent der weltweiten Ozeanzuflüsse.[1] Der Einfluss der Gezeiten reicht noch rund 800 Kilometer flussaufwärts bis zur Stadt Óbidos, die an einer fast 90 Meter tiefen Engstelle des Flusses ( mit ca. 2 km Breite) liegt.

Mittlere Monatsabflüssel (in m³/s) am Pegel Óbidos
(Höhe: 1 m, Einzugsgebiet: 4.640.300 km², auf Basis der Werte von 1928 bis 1996)

Jährlich werden an der Stadt Óbidos, etwa 800 km vor der Mündung, 1,2 Milliarden Tonnen Sediment vorbeitransportiert. Davon erreichen etwa 75 Prozent den Atlantik, die restlichen 25 Prozent werden auf den unteren 800 Flusskilometern abgelagert.

Bifurkationen und Gewässer wechselnder Fließrichtung[Bearbeiten]

Das westliche Amazonastiefland ist ein Teil der Vorlandsenke östlich der Anden. Die Übergänge zu den nördlich und südlich angrenzenden Ebenen östlich der Anden sind so unmerklich, dass es in beiden Fällen zu kontinentweiten Flussbifurkationen gekommen ist. Im Norden zweigt der Brazo Casiquiare vom Orinoco ab, und im Süden gibt es eine Bifurkation an der Grenze zum Einzugsgebiet des Río Paraguay.[11]

Im Amazonastiefland sind infolge des geringen Gefälles (30 Meter auf den letzten 800 Kilometern) die Unterläufe der Nebenflüsse vielfach durch natürliche Kanäle miteinander verbunden. Diese Gewässer können je nach Wasserspiegel der benachbarten Flüsse wechselnde Fließrichtungen haben. Ähnliches gilt auch für die Furo genannten Gezeitenkanäle bei der Stadt Breves, die die 49.000 km² große Insel Marajó vom Kontinent abtrennen. Eine Passage ist für Ozeanschiffe geeignet und stellt eine wichtige Verbindung zwischen dem Amazonas und dem Hafen Belém dar.

Marine Einflüsse[Bearbeiten]

Unterhalb der Enge von Óbidos beginnt bereits der Einfluss von Ebbe und Flut, eine Durchmischung mit Salzwasser findet in den ästuarhaft sich aufweitenden Stromrinnen jedoch nicht statt, im Gegensatz zu den südöstlich benachbarten Meeresbuchten des Rio Pará im Mündungsbereich des Tocantins. Der Grund liegt in den Wassermassen des Stroms, die zwar vom atlantischen Äquatorialstrom nach Nordwesten abgedrängt werden, aber dennoch die salzige Wasseroberfläche weit über 100 km ins offene Meer hinausdrängen.

Einige Male im Jahr rollt eine bis zu vier Meter hohe Gezeitenwelle mit der einsetzenden Flut vom Atlantik her den Amazonas und bestimmte Zuflüsse mehrere Kilometer flussaufwärts. Nach der Bezeichnung poroc-poroc, was in der Tupi-Sprache etwa „großer, zerstörerischer Lärm“ heißt, wird sie Pororoca genannt. Voraussetzung für die Entstehung dieses Phänomens ist das Zusammentreffen von niedrigem Wasserstand im gefällearmen Amazonas mit einer Springflut bei Neu- oder Vollmond. Von den Anwohnern wegen ihrer Zerstörungskraft gefürchtet, zieht die Pororoca Surfer aus aller Welt an.

Gewässerfarben[Bearbeiten]

Sichtbare Abgrenzung zwischen hellem Amazonaswasser und dunklem Wasser seines Nebenflusses Rio Negro

Der Amazonas hat eine hellbraune Färbung, die von der Sedimentfracht herrührt, die insbesondere aus den in den Anden liegenden Quellflüssen eingetragen wird. 90 Prozent der Sedimente, die der Amazonas mitführt, werden durch den Madeira, den Ucayali und den Marañón eingetragen. Diese Flüsse werden als Weißwasserflüsse bezeichnet.

Einige Zuflüsse kommen aber aus kristallinen Gebieten mit geringer Sedimentfracht, z. B. der Rio Tapajós oder der Rio Xingu. Sie werden Klarwasserflüsse genannt.

Einige der Flüsse mit durchsichtigem Wasser erscheinen durch die in ihnen gelösten Huminsäuren dunkelbraun wie der Rio Negro. Sie werden Schwarzwasserflüsse genannt.

An den Zusammenflüssen unterschiedlich gefärbter Flüsse zeichnen sich die verschiedenen Farben der Wassermassen zum Teil kilometerweit ab.

Entstehung[Bearbeiten]

Vor dem Auseinanderbrechen des einstigen Großkontinents Gondwana floss ein Vorläufer des heutigen Amazonas (Uramazonas) in die entgegengesetzte Richtung, von Osten nach Westen, und mündete in den Pazifik. Neben Südamerika waren in der Landmasse Gondwanas nach Osten hin Afrika, der indische Subkontinent, Australien und Antarktika vereint.

Einer Hypothese zufolge lag die Quelle des Amazonas bis vor 130 Millionen Jahren noch wesentlich weiter östlich, mitten im heutigen Afrika,[12] im Ennedi-Massiv im Nordosten der Republik Tschad. Dann wäre mit einer Länge von circa 14.000 km der Uramazonas der längste bekannte Fluss der Erdgeschichte. Ein derart langer hypothetischer Oberlauf wird aber bezweifelt, da auf dem afrikanischen Kontinent weder eine entsprechende Tallinie noch sonstige Relikte festgestellt werden konnten.

Nachdem Gondwana auseinandergebrochen war, driftete die südamerikanische Lithosphärenplatte nach Westen. Das Amazonasbecken war somit von den einstigen Quellgebieten des Uramazonas abgeschnitten, und am Ostrand des Gebietes fielen die Flusstäler trocken. Zugleich falten sich an der Westküste des Kontinents die Anden auf, da sich seitdem die Südamerikanische Platte auf die Pazifische Platte schiebt. Aufgrund der damit verbundenen Sperrung des Abflusses kehrte sich vor circa 10 bis 15 Millionen Jahren der Flusslauf um. Weil aber zunächst im Zentrum des Amazonasbeckens eine Hebung stattfand, geschah dies in zwei Phasen: Während die Osthänge bereits über einen Amazonas-Vorläufer in den Atlantik entwässerten, bildeten sich auf der Westseite riesige Binnenseen, deren Ablagerungen heute großenteils den Untergrund der Terra firme ausmachen. Erst als diese Seen nach rund fünf Millionen Jahren ebenfalls nach Osten entwässerten, konnte sich das heutige Flussnetz entwickeln.

Dies erklärt zum einen, warum die Flussniederung des Amazonas ungewöhnlicherweise zur Mündung hin schmaler wird, und zum anderen, warum sich im Oberlauf des Amazonas, tausende Flusskilometer von der Meeresküste entfernt, Tiere wie Rochen, Garnelen, Seezungen, Seekühe, Delfine, ja sogar Haie finden.[13] Einige der Tierarten gerieten eventuell in den Amazonas, als dieser noch in den Pazifik mündete, und wurden später vom Meer abgeschnitten.

Flora und Fauna[Bearbeiten]

Hauptartikel: Amazonasbecken
Schwimmende Insel im Amazonas

Es sind über 1500 verschiedene Fischarten bekannt, deren Lebensraum das Flusssystem des Amazonas ist.[10][14] Der Fischreichtum spiegelt sich auch in den Speisekarten wider. Zu den wichtigsten Speisefischen zählen: Tambaquí (Colossoma macropomum), Jaraqui, Filhote, Tucunaré (Cichla spp.), Pirarucú (Arapaima gigas). Darüber hinaus gibt es eine Unmenge von regional vorkommenden Fischen, darunter Arten von Piranhas, den urzeitlich aussehenden Tamuatã (Hoplosternum littorale) und andere.

Zu den besonders bedrohten Tierarten, die den Amazonas besiedeln, gehören der Amazonas-Manati (Trichechus inunguis) und der rosafarbene Amazonasdelfin (Inia geoffrensis; port. Boto cor-de-rosa).

Im Amazonas schwimmen grüne Inseln, die sich aus miteinander verhakten mitgeschwemmten Bäumen oder bei Hochwasser aus losgerissenen Wasserpflanzen und über Wurzeln vernetzten Grasinseln entwickeln. Sie können über 100 Meter lang werden und bilden ein eigenes Biotop.

Eine weitere Besonderheit sind so genannte Teufelsgärten, Monokulturen von Rötegewächsen.

Bedrohungen des Ökosystems[Bearbeiten]

Nicht nur der Regenwald im Amazonasgebiet wird von den Menschen langsam zerstört, auch der Lebensraum im Fluss wird geschädigt: Goldgräber haben in den vergangenen zehn Jahren mehr als 2000 Tonnen Quecksilber in den Amazonas geleitet.

2005 wurde das Amazonasgebiet von einer bis dahin seltenen Dürre heimgesucht. Zwischen Juli bis Oktober 2010 gab es eine zweite Dürrewelle.[15]

Die fortschreitende Rodung der Urwälder setzt zudem die Nährstoffe im Böden der Auswaschung und Lösung durch die hohen Niederschläge aus. Hauptursache der Vernichtung des Amazonaswaldes ist die Fleischproduktion. Rund 70 Prozent des vernichteten Tropenwaldes wurden für Viehweiden gerodet, ein Großteil des Restes für den Futtermittelanbau.

Anwohner[Bearbeiten]

Frauen in Yurimaguas (Peru) spielen Bingo mit Maiskörnern

In der Amazonasregion leben etwa eine Million Angehörige indigener Gruppen. Ihre Territorien werden in Brasilien von der dortigen Indianerbehörde FUNAI demarkiert. In Brasilien wurden bislang über eine Million Quadratkilometer als Indianergebiete ausgewiesen, das entspricht etwa 20 Prozent der Fläche. In diesen Gebieten leben 150 indigene Völker. Dennoch kommt es in den Indianergebieten teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen mit eindringenden Goldsuchern (Garimpeiros)[16] und Holzunternehmern. Die direkt an Flüssen lebenden Bewohner – oft in einfachen Hütten auf Stelzen wegen der Hochwassergefahr – heißen Caboclos und leben oft vom Fischfang, der Herstellung von Kautschuk, etwas Viehzucht sowie dem Verkauf von Paranüssen und Früchten auf nahe gelegenen Märkten.

Verkehr[Bearbeiten]

Ein Containerschiff im Hafen von Manaus (im Hintergrund der Rio Negro)
Ein typisches regionales Güter- und Passagierschiff der Amazonasregion

Der Amazonas ist auch heute noch Hauptverkehrsader des Amazonasgebiets, insbesondere für den Gütertransport. Uferbegleitende Fernstraßen und Schienenwege gibt es kaum. Die meisten Städte sind mit Linienflügen zu erreichen, diese sind jedoch für einen großen Teil der Bewohner des Amazonasgebietes nicht erschwinglich, weswegen die typischen regionalen Schiffe benutzt werden. Der Großteil der Passagiere übernachtet in der mitgebrachten Hängematte. Im unteren Teil des Schiffes werden Güter transportiert. Stromab nutzen die Schiffe die Hauptströmung, stromauf werden die zahlreichen begleitenden Wasserwege mit geringerer Strömung bevorzugt.

Der Amazonas ist von der Atlantikküste bis Manaus mit Ozeanschiffen befahrbar. Selbst die Nebenflüsse Rio Tapajos und Rio Negro werden mit Kreuzfahrtschiffen befahren. In Manaus und inzwischen auch in einigen anderen Orten können diese großen Schiffe anlanden. Ab dem Mündungsgebiet verläuft der Hauptschifffahrtsweg über den rund 300 Meter breiten Canal de Breves südlich um die Insel Marajó herum nach Belém.

Straßen sind während der Regenzeit meist unpassierbar. Es gibt keine Straßen- oder Eisenbahnbrücke über den Amazonas oder den Rio Solimões.

Entdeckungsgeschichte und Geschichte der Erforschung[Bearbeiten]

Die Mündung des Amazonas wurde 1499 oder 1500 zum ersten Mal von Europäern entdeckt. Der Italiener Amerigo Vespucci und der Spanier Vicente Yáñez Pinzón kamen fast gleichzeitig mit ihren Schiffen an. Meist wird Vespucci als Entdecker angegeben.

Francisco de Orellana befuhr den Fluss von 1541 bis 1542 als erster Europäer von der Quelle des Amazonas-Nebenflusses Napo im heutigen Ecuador bis zur Atlantikmündung. Er beteiligte sich an der Expedition von Gonzalo Pizarro. Eine Zeit lang wurde der Amazonas deswegen Rio Orellana genannt. Er war eigentlich auf der Suche nach dem legendären Goldland Eldorado.

Am 12. Februar 1542 entdeckten Francisco de Orellana und Gonzalo Pizarro die Quelle des Marañón, des kürzeren, aber wasserreicheren Quellflusses. Von Oktober 1637 bis August 1638 befuhr Pedro Teixeira den Amazonas flussaufwärts bis zur Quelle des Napo.

Samuel Fritz, ein deutscher Jesuitenmissionar, kartographierte den Amazonas 1707 als erster.

Viele Südamerikaforscher erkundeten den Amazonas, darunter die Deutschen Alexander von Humboldt – er erklärte die Gabelung von Orinoko und Amazonas (Bifurkation) –, Georg Heinrich von Langsdorff und Eduard Friedrich Poeppig sowie der Erforscher des Quellgebietes, Wilhelm Sievers. Unter anderem haben die beiden deutschen Forscher und Naturwissenschaftler Johann Baptist von Spix und Carl Friedrich Philipp von Martius weite Teile des Amazonas befahren und wesentliche Beiträge zur Erforschung der noch immer unüberschaubaren Tier- und Pflanzenwelt des Amazonasgebietes geleistet.

Erst 1971 wurde die Quelle des längeren Quellflusses Ucayali vom Amerikaner Loren McIntrye erkannt und 2001 die Quelle des Apurímac als Ursprung des Amazonas von der National Geographic Society bestätigt, so dass die bis dahin geltenden Längenangaben für den Amazonas entsprechend korrigiert werden mussten.

Wassersportliche und andere Rekorde[Bearbeiten]

Am 1. Februar 2007 startete der Slowene Martin Strel im Alter von 52 Jahren einen Rekordversuch im Durchschwimmen des Amazonas. Er legte dabei innerhalb von 66 Tagen insgesamt 5268 km den Fluss entlang zurück. Er begann seinen Rekordversuch in Peru in dem Dschungelort Atalaya und beendete ihn in der brasilianischen Stadt Belém.

Der Brasilianer Picuruta Salazar hielt sich 37 Minuten und über zirka 12 km auf der Pororoca-Welle.

Der Brite Ed Stafford schaffte als erster Mensch eine Wanderung von der Quelle des Amazonas bis zur Mündung. Er brauchte für diese Reise von 6400 km 859 Tage (April 2008 bis August 2010).[17]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Sepp Friedhuber: Uramazonas. Fluss aus der Sahara. Mit Beiträgen von Klaus Giessner, Herbert Habersack, Gero Hillmer u. a. 2. Auflage. Tecklenborg, Steinfurt 2006, ISBN 3-939172-01-4.
  • Kai-Uwe Hinrichs: Ausgewählte Lipide in Sedimenten des Santa Barbara-Beckens und des Amazonas-Fächers. Zeugnis spätquartärer Paläoumweltbedingungen. (Edition Wissenschaft, Reihe Chemie, Band 106). Tectum, Marburg 1997, ISBN 3-89608-819-X (Zugleich Dissertation an der Universität Oldenburg 1997)
  • Joe Kane: Wir bezwangen den Amazonas. Bericht über die einzige internationale Expedition von der Quelle bis zur Mündung (Originaltitel: Running the Amazon. übersetzt von Andrea Galler). Knaur Taschenbuch 77042, München 1993, ISBN 3-426-77042-3. (Erstausgabe: Knaur, München 1990, ISBN 3-426-26307-6)
  • Václav Kubícek: Abenteuer Amazonas. Mit Kajak und Floss von den Quellen zum Atlantik. Bucheli, Zug/ Pietsch/ Stuttgart 1989, ISBN 3-7168-1769-4.
  • Frank Semper: Tor zum Amazonas [Rio-Caquetá-Gebiet]. Sebra, Hamburg 1999, ISBN 3-9805953-1-5.
  • Tom Sterling: Der Amazonas. In: Die Wildnisse der Welt. 8. Auflage. Time-Life, Amsterdam 1979.

DVD[Bearbeiten]

  • Epo Film GmbH: Ur-Amazonas mit Sepp Friedhuber und Herbert Habersack

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Amazonas – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d e Jacques Callède u. a.: Les apports en eau de l'Amazone à l'Océan Atlantique. In: Revue des sciences de l'eau / Journal of Water Science. Bd. 23, Nr. 3, Montreal 2010, S. 247–273 (abgerufen am 19. August 2013)
  2. GRDC: Daten des Pegels Óbidos
  3. (in m³/s) Kongo 40.000, Meghna (Brahmaputra + Ganges) 36.500, Orinoco 35.000, Jangtse 32.000, Jenissei 19.600, Paraná 19.500, Lena 17.100
  4. Nach Messungen von 1969 hat der Amazonas mitsamt seinen Quellflüssen eine Länge von 6448 km. Gemessen wurde von dem am Nevado Mismi entspringenden Lloqueta/Carhuasanta (Nebenfluss des Apurimac) aus und über den Canal do Norte in den Südatlantik. Dieser Quellbereich wird auch durch Daten der Shuttle Radar Topography Mission (SRTM) der NASA untermauert. Messungen mit moderner Satellitenfotografie haben eine Länge von 6387 km ergeben. Siehe hierzu auch diese Diskussion
  5. Estudo do INPE indica que o rio Amazonas é 140 km mais extenso do que o Nilo. auf: inpe.br
  6. M. Molinier u. a.: Hydrologie du bassin de l'Amazone. (PDF; 829 kB) auf: horizon.documentation.ird.fr, 1993.
  7. a b c Isaac Taylor: Names and Their Histories: A Handbook of Historical Geography and Topographical Nomenclature. BiblioBazaar, 2008, ISBN 978-0-559-29667-3, S. 44 (eingeschränkte Online-Kopie in der Google-Buchsuche-USA)
  8. a b Adrian Room: Placenames of the World: Origins and Meanings of the Names for 6,600 Countries, Cities, Territories, Natural Features, and Historic Sites. 2. Auflage. McFarland, 2006, ISBN 0-7864-2248-3, S. 27 (eingeschränkte Online-Kopie in der Google-Buchsuche-USA)
  9. Ahnert, F.(2009): Einführung in die Geomorphologie. 4. Auflage. 393 S.
  10. a b Tom Sterling: Der Amazonas. Time-Life Bücher, 8. Auflage. 1979, S. 19.
  11. Harald Sioli: Studies in Amazonian waters. In: Atas do Simpósio sôbre a Biota. Band ?, Conselho Nacional de Pesquisas, Rio de Janeiro 1967, S. 9-50.
  12. vgl. Sepp Friedhuber: „Uramazonas“, siehe „Literatur“
  13. Alexander von Humboldt weiß bereits 1801/02 davon zu berichten, dass Fischer auf dem Markt der Stadt Iquitos mitten im peruanischen Regenwald frische Haie, Rochen und Sardinen verkauften
  14. Joseph J. Molnar, Fernando Alcántara Bocanegra, Salvador Tello: Identifying goals and priorities of fish farmers in the Peruvian Amazon. (pdf; 333 kB) In: A. Gupta, K. McElwee, D. Burke, J. Burright, X. Cummings, H. Egna (Hrsg.): Eighteenth Annual Technical Report. Pond Dynamics/Aquaculture CRSP, Oregon State University, Corvallis, Oregon.
  15. Amazonas: Dürre trocknete halben Dschungel aus. auf: Spiegel online. 4. Februar 2011.
  16. Beim Goldrausch in den 1980er Jahren starben nach Angaben der Organisation Survival 20 Prozent der indigenen Yanomami durch eingeschleppte Krankheiten und Gewalt.
  17. Felipe Almeida: Amazonas-Extremwanderung: 6400 Kilometer, 50.000 Mückenstiche, 859 Tage. auf: Spiegel online. 9. August 2010.