Pribislaw (Brandenburg)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Sibold, Otto I. von Brandenburg, Pribislaw-Heinrich, Denkmal in der ehemaligen Siegesallee, Berlin

Pribislaw, gemeinhin Pribislaw-Heinrich genannt, (* um 1075; † 1150 in Brandenburg an der Havel) war der letzte slawische Herrscher im Havelland und – wie seine Frau Petrissa – Christ. Er gehörte zum Stamm der Heveller.

Pribislaw-Heinrichs Vorgänger Meinfried war, wie aus seinem deutschen Namen geschlossen wird, ebenfalls bereits Christ. Zwischen 1123 und 1125 lernte Pribislaw-Heinrich seinen deutschen Nachbarn Albrecht den Bären kennen. Da er selbst kinderlos war, schloss er mit Albrecht einen Erbvertrag, auch um das Hevellergebiet dem Christentum zu erhalten. Außerdem machte er die Zauche, das Verbindungsglied zwischen dem Heveller-Gebiet und dem askanischen Besitz östlich der Elbe, Albrechts Sohn Otto zum Patengeschenk. 1127 wurde Meinfried ermordet. Die Forschung geht davon aus, dass Pribislaw-Heinrich, der wohl der jüngere Bruder Meinfrieds war, dabei seine Hand mit im Spiele hatte und von Albrecht unterstützt wurde. Meinfrieds Nachfolger wurde - möglicherweise gegen einigen Widerstand - Pribislaw-Heinrich.

Nach den Angaben des Traktates Heinrichs von Antwerpen ließ er bei seiner Hauptstadt einen Konvent gründen, indem er Kanoniker des Leitzkauer Prämonstratenserstiftes an der wohl bereits durch deutsche Kaufleute zu bauen begonnenen St.-Gotthardtkirche (in der heutigen Brandenburger Altstadt) ansiedelte und materiell unterstützte.

Weiterhin wird bezeugt, dass er König gewesen sei und mit seiner Frau Petrissa (die ihren Namen offensichtlich vom Patron des Bistums Brandenburg herleitet) die königlichen Insignien in einem Reliquienschrein des Hl. Petrus in Leitzkau niedergelegt habe. Dieses Kronopfer wird als öffentliche Bekundung seiner Gottergebenheit mit der Abwehr des sog. Wendenkreuzzuges 1147 in Verbindung gebracht. Die Krone würde bezeugen, dass er offiziell als Unterkönig und Vasall des Reiches eingesetzt worden war. Wer ihm allerdings die Insignien verlieh, ist unklar.

Pribislaw-Heinrich konnte sich offenbar gegenüber seinen weiterhin heidnischen Untertanen behaupten und starb 1150 eines natürlichen Todes. Von Altersschwäche niedergeworfen soll er Petrissa noch einmal fest zu Gemüte geführt haben, dass er Markgraf Albrecht die Stadt Brandenburg nach seinem Tode versprochen hätte. Somit hielt seine Witwe ihren toten Gatten drei Tage unbeerdigt zurück, und rief Albrecht herbei, der die Stadt Brandenburg gleichsam in erblicher Thronfolge in Besitz nahm. Diese ging ihm danach noch einmal verlustig, als Jaxa, ein Neffe Pribislaw-Heinrichs, die Gewalt über Brandenburg – offenbar durch Verrat – für kurze Zeit an sich riss.

Für die ehemalige Berliner Siegesallee gestaltete der Bildhauer Max Unger eine marmorne Büste Pribislaws als Seitenfigur der Denkmalgruppe 2 zu dem zentralen Standbild für den Markgrafen Otto I., enthüllt am 22. März 1898. Die Büste zeigt Pribislaw mit einem Fellmantel über einem Panzer und einer Fellmütze über einem bärtigen Gesicht. In der linken Hand hält er eine Pergamentrolle, die die Schenkungsurkunde für sein Patenkind Otto I. darstellt.

Quelleneditionen[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hans-Dietrich Kahl: Das Ende des Triglaw von Brandenburg. Ein Beitrag zur Religionspolitik Albrechts des Bären; in: ZfO 3 (1954); S. 68-76.
  • Ders: Heidnisches Wendentum und christliche Stammesfürsten. Ein Blick in die Auseinandersetzung zwischen Gentil- und Universalreligion im abendländischen Hochmittelalter; in: ArchfKultg 44 (1962); S. 72-119.
  • Ders.: Slawen und Deutsche in der brandenburgischen Geschichte des zwölften Jahrhunderts. Die letzten Jahrzehnte des Landes Stodor; 2 Bde.; (MDtFsch 30/I+II); Böhlau: Köln/Graz 1964.
  • Herbert Ludat: Legenden um Jaxa von Köpenick. Deutsche und slawische Fürsten im Kampf um Brandenburg in der Mitte des 12. Jahrhunderts; (Deutschland und der Osten 2); Berlin 1936 (auch in: Ders.: Slaven und Deutsche im Mittelalter; (MDtFsch 86); Böhlau: Köln/Wien 1982; S. 27-84).
  • Lutz Partenheimer: Albrecht der Bär. Gründer der Mark Brandenburg und des Fürstentums Anhalt; Böhlau: 2. Aufl. Köln u.a. 2003; ISBN 3-412-16302-3.
  • Jürgen Petersohn: Der südliche Ostseeraum im kirchlich-politischen Kräftespiel des Reichs, Polens und Dänemarks vom 10. bis 13. Jahrhundert; (Ostmitteleuropa in Vergangenheit und Gegenwart 17); Böhlau: Köln/Wien 1979.
  • Lutz Partenheimer: Die Entstehung der Mark Brandenburg. Mit einem lateinisch-deutschen Quellenanhang. Böhlau: 1. und 2. Aufl. Köln/Weimar/Wien 2007.

Weblinks[Bearbeiten]