Knes

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Dieser Artikel beschreibt den slawischen Herrschertitel. Für den gleichnamigen österreichischen Politiker siehe Wolfgang Knes.

Knes oder Knjas (altslawisch kъnędzь, serbokroatisch knez/кнез, bulgarisch княз, polnisch książę, russisch князь/knjas, slowenisch knes, tschechisch kněz) ist der ursprüngliche allgemein gebräuchliche Begriff für einen Herrscher im slawischsprachigen Raum.

Der Begriff ist aus dem urgermanischen kuningaz (König) abgeleitet[1][2] und bezeichnet einen politisch oft weitestgehend unabhängigen Herrscher.

In lateinischen Quellen ist er deshalb mitunter als rex (König) wiedergegeben. Meistens jedoch wird er mit princeps (Fürst) übersetzt. Auch im Deutschen wird er in der Regel mit einem vielleicht missverständlichen Fürst wiedergegeben, da im Heiligen Römischen Reich ein Fürst immer in einem Lehnsverhältnis zu einer übergeordneten Person (König) stand. Trotzdem hat sich der Begriff eingebürgert und wird auch zur Bezeichnung von Kleinherrschern in verschiedensten Epochen und in anderen Regionen der Welt verwendet.

Mit einem beginnenden Abhängigkeitsverhältnis vom fränkischen Reich werden seit dem 9. Jahrhundert auch die Bezeichnungen comes (Graf) bzw. dux (Herzog) verwendet, was eine Einbindung in die Herrschaftsstrukturen ausdrückt. Nach 1035 auch erstmals wieder rex (König) nach einer Salbung für Bolesław Chrobry.

Der Herrschertitel war bis zum frühen 20. Jahrhundert für slawische Adlige gebräuchlich.

Geschichte[Bearbeiten]

Der Begriff ist seit den ältesten slawischsprachiigen Texten im 9. Jahrhundert überliefert.

Tafel von Baška (Krk, Kroatien)

Im südslawischen Raum taucht der Titel knez erstmals Anfang des 12. Jahrhunderts in der glagolitischen Inschrift der Tafel von Baška auf der Insel Krk auf:

Ich Abt Držiha schrieb dies über dieses Stück Land, welches Zvonimir, König [kralj] Kroatiens, in seinen Tagen, der Heiligen Lucija schenkte. [...] Ich, Abt Dobrovit erbaute diese Kirche und mit meinen neun Brüdern in den Tagen des Knez Kosmat, der dieses Land beherrschte.

Im russischen Raum blieb die Bezeichnung von der Zeit der Kiewer Rus bis zum Kaiserreich Russland im 20. Jahrhunderts erhalten [2]

Im südslawischen Raum setzte sich als Herrschertitel der ursprünglich fränkische Begriff Kral (kralь oder kъralь, König) durch, ebenso die verwandten Bezeichnungen král im Tschechischen und król im Polnischen.

Im mittelalterlichen Kroatien trugen die Oberhäupter der mächtigen Adelsgeschlechter (z. B. Šubići) und der dalmatinischen Küstenstädte (z. B. Dubrovnik) den Titel. Zur Zeit der osmanischen Herrschaft verlor der Titel an Bedeutung und wurde zum Titel der Vorsteher lokaler christlichen Selbstverwaltungen und der Dorfschulzen christlicher Gemeinden. Nach der wiedererlangten Selbstständigkeit wurde es zum Titel des serbischen (bis 1882) und montenegrinischen (1851–1910) Herrschers (vgl. Miloš Obrenović).[3]

Die heute geläufige männliche Anrede „Herr“ lautet in den beiden sorbischen Sprachen knjez bzw. kněz (weibliche Form: kněni) entsprechend dem tschechischen und polnischen pan.

Die polnischen Wörter Książę (Prinz), Księstwo (Fürstentum) und Ksiądz (Priester) leitet sich ebenfalls vom altslawischem Knjaz ab

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Knjas – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Isabel de Madariaga: Tsar into emperor: the title of Peter the Great. In: Ragnhild Marie Hatton et al: Royal and Republican Sovereignty in Early Modern Europe. Cambridge University Press, 1997, S. 354.
  2. a b Havlík: Kronika o Velké Moravě, S. 132-133.
  3.  Peter Bartl: Knez. In: Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Böhlau Verlag, Wien, Köln, Weimar 2004, S. 360 f.