Prime Standard

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Prime Standard ist, als Teilbereich des Regulierten Marktes mit weiteren Zulassungspflichten, neben dem General Standard das privatrechtlich organisierte, gesetzlich regulierte Börsensegment der Frankfurter Wertpapierbörse mit den höchsten Transparenzstandards und gleichzeitig die Voraussetzung für eine Aufnahme in die Indizes DAX, MDAX, TecDAX und SDAX.[1]

Geschichte[Bearbeiten]

Im Zuge der allgemeinen Neustrukturierung der deutschen Börsensegmente wurde der Prime Standard zum 1. Januar 2003 eingerichtet.[2] Ziel war es, ein Börsensegment zu schaffen, das unter anderem durch verpflichtende Publizität in englischer Sprache und über die gesetzlichen Vorschriften hinausgehende Transparenzstandards internationale Investoren bevorzugt anzieht.

Der erste Börsengang im Prime Standard erfolgte mit der Wincor Nixdorf AG am 19. Mai 2004.[3]

Aus allen Aktienwerten wurde unter der Bezeichnung Prime All Share (ISIN DE0007203325, WKN 720332) ein Performanceindex geschaffen, der die Entwicklung aller Mitgliedsunternehmen an der Börse darstellen soll. Dieser stieg von einer – theoretisch zurückberechneten Punktezahl von etwa 1000 Punkten zum 19. Mai 2004 – bis auf 3083 Punkte am 16. Juli 2007 an.

Das erste Quartal 2008 war im Zuge der weltweiten Finanzkrise ab 2007 das erste Quartal seit Mai 2004, in dem sich kein Unternehmen im Prime Standard an die Börse wagte. In der Folgezeit fiel der Performanceindex bis auf 1325 Punkte am 6. März 2009. Seitdem hat er sich wieder erholt.

Zulassungsvoraussetzungen[Bearbeiten]

Im Prime Standard müssen Aktiengesellschaften über das Maß des regulierten Marktes hinausgehende internationale Transparenzanforderungen erfüllen. Ebenso wie im General Standard müssen folgende Transparenzkriterien erfüllt werden:

Darüber hinaus ist jedoch auch erforderlich:

  • ausführlichere Zwischenberichterstattung zum ersten und dritten Quartal
  • Ad-hoc-Mitteilungen zusätzlich in englischer Sprache
  • Mindestens eine Analystenkonferenz jährlich
  • Unternehmenskalender und Finanzberichte sind in deutscher und englischer Sprache zu verfassen und zu veröffentlichen[4]
  • Unternehmenskalender und Finanzberichte müssen in elektronischer Form der Geschäftsführung der Frankfurter Wertpapierbörse übermittelt werden

Zusammensetzung[Bearbeiten]

Gegenwärtig gehören 353 Werte zum Prime All Share (Stand Juli 2012), wobei einige Unternehmen z.B. durch Stammaktien und Vorzugsaktien mehrfach vertreten sind.

Die Wahlmöglichkeiten bei der Finanzberichterstellung sind eingeschränkt, so dass die Offenlegung etwas größer ist. Hinzu kommt, dass die Sanktionsmöglichkeiten (finanzieller Art oder Ausschluss vom Prime Standard) bei Verstößen gegen die Vorschriften größer und flexibler sind.

Entsprechend der Gebührenordnung der Frankfurter Wertpapierbörse[5] entstehen für die Zulassung von Aktien folgende Kosten:

  • 3.000 Euro Zulassungsgebühr
  • 2.500 Euro Einführungsgebühr
  • 10.000 Euro jährliche Notierungsgebühr (2.500 Euro mehr als beim General Standard)

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Deutsche Börse – Prime Standard
  2. Veröffentlichung von BLÄTTCHEN & PARTNER AG
  3. Wincor Nixdorf geht an die Frankfurter Wertpapierbörse(nicht mehr online verfügbar)
  4. Bei ausländischen Gesellschaften reicht eine englische Sprachversion
  5. Deutsche Börse: Was kostet ein Listing?