Produktionsmusik

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Als Produktionsmusik (auch Library Music oder Stock Music) wird Musik bezeichnet, die speziell zur Nutzung in TV, Film, Werbung, Videospielen, Imagefilmen, YouTube etc. produziert wird. Sie befindet sich zumeist im Besitz von so genannten Music Libraries (Produktionsmusikarchiven), von denen Lizenzen zur Nutzung in unterschiedlicher Form erworben werden können. Produktionsmusik ist im Allgemeinen nicht im normalen Musikhandel erhältlich.

Verwendung[Bearbeiten]

Produktionsmusik wird meistens für Film, Fernsehen, Radio und andere Medien verwendet, aber auch eine private Nutzung ist möglich, abhängig von den jeweiligen Lizenzbedingungen. Im Gegensatz zu klassischen Musikverlagen, die in der Regel nur die Rechte der Urheber vertreten, und Schallplattenfirmen, die nur die Rechte der Interpreten einer Aufnahme vertreten und die Lizenzgebühren oft von der Popularität des gewünschten Titels abhängig machen, besitzen Production Music Libraries oder Produktionsmusikarchive alle Nutzungsrechte an der von ihnen angebotenen Musik und bieten diese zu festen Tarifen an. Dies bedeutet, dass die Musik kostengünstig aus einer Hand lizenziert werden kann. Der Grund dafür ist, dass nahezu alle Musikstücke für Production Music Libraries in deren Auftrag komponiert und aufgenommen werden. Produktionsmusik ist somit eine komfortable Lösung für die Nutzer: sie können sicher sein, dass jedes Musikstück im Katalog zu einem klaren Preis-Lizenz-Verhältnis zu erwerben ist.

Produktionsmusikarchive bieten in der Regel ein breites Spektrum an musikalischen Stilen und Genres. Oft finden sich auch als kostengünstige Alternative Aufnahmen, die populären Musikstücken, die noch nicht urheberrechtsfrei sind, zum Verwechseln ähnlich klingen. Auch besteht die Möglichkeit, Musik nach Vorgaben des Auftraggebers neu zu schaffen. Produktionsmusik ist fast ausschließlich Instrumentalmusik und wird oft in mehreren Versionen angeboten, als vollständige Aufnahme (selten über 3 Minuten Länge) sowie in kurzen Version von 60, 30 oder 15 Sekunden Länge. Produktionsmusik ist in verschiedenen Formen erhältlich, z.B. allgemein im Musikhandel als Tonträger für Tonfilm-Amateure, als download im Internet oder als Tonträger in geringer Auflage zu unterschiedlichen Preisen bei den Anbietern der Produktionsmusik, inzwischen aber auch bei einigen Musikern selbst. Hier sind abhängig von der jeweiligen Lizenzierung die Grenzen zu GEMA-freier Musik fließend.

Geschichte[Bearbeiten]

Die erste Production Music Library wurde von De Wolfe Music im Jahr 1927 mit dem Aufkommen des Tonfilms eingerichtet. Es handelte sich dabei meist um Wachswalzen, auf der die Musik eingraviert war. Zuvor beschränkte sich die Firma darauf, Musik für Stummfilme zu schreiben und die Noten zu drucken. Musiker, die auf der Suche nach passender Musik für diese Filme waren, konnten die Notenblätter mit den darauf enthaltenen Spielvorschlägen dann kaufen.[1] Produktionsmusik wird häufig als Hauptthema und/oder Hintergrundmusik in Rundfunk, Film und Fernsehen verwendet. Library-Komponisten und Interpreten arbeiten auch anonym und sind nur selten außerhalb ihres eigenen professionellen Kreises bekannt.[2] Erst in den letzten Jahren erreichten einige Komponisten (z.B. Alan Hawkshaw, John Cameron und Keith Mansfield) Kultstatus als Ergebnis eines neuen Interesses an der Produktionsmusik der 1960er und 1970er Jahre, darunter vor allem die 'Beat' und electronica Aufnahmen für Lables wie KPM, die häufig von DJs und Produzenten genutzt werden. Auch heutzutage findet diese Musik noch im Film Verwendung. So benutzte der Regisseur Quentin Tarantino zum Beispiel Produktionsmusik von Keith Mansfield für den Film Kill Bill. Da die Schallplatten mit Produktionsmusik oft direkt an Rundfunkarchive verkauft wurden und nicht in den freien Handel kamen, gelten sie bei Sammlern heute als selten und sehr wertvoll. Dieser Umstand hat dafür gesorgt, dass viele der Aufnahmen neuveröffentlicht werden.[3]

Geschäftsmodell[Bearbeiten]

Das Geschäftsmodell der Production Music Libraries basiert auf zwei Einnahmequellen:

Lizenz- oder Synchronisationsgebühren

Das sind die Gebühren, die im Voraus bei der Library bezahlt werden, um deren Musik in Film-, Video- oder Audiobeiträgen zu verwenden. Einige Libraries, vor allem in Großbritannien und Europa, teilen diese Gebühren mit dem Komponisten der Musik. In den USA ist es üblich, dass der Komponist im Voraus eine Auftragsgebühr von der Library erhält und dann auf seinen Anteil an zukünftigen Lizenzgebühren verzichtet. Dieses Geschäftsmodell ist in Deutschland nur möglich, wenn die Synchronisationsrechte bei der GEMA gekündigt und durch die Verlage eigenständig wahrgenommen werden. Aufführungs- und mechanische Rechte können jedoch dennoch durch die GEMA wahrgenommen werden.

Aufführungsgebühren

Diese werden erwirtschaftet, wenn die Musik öffentlich aufgeführt wird, zum Beispiel im Fernsehen oder Radio. Der Produzent der Show oder des Films, der die Musik lizenziert hat, bezahlt diese Gebühren dabei nicht. Stattdessen werden jährlich hohe Gebühren von Rundfunkanstalten (wie Fernsehsendern und Radiostationen) gefordert, die an die Verwertungsgesellschaften wie ASCAP, BMI und SESAC in den USA oder die GEMA in Deutschland gezahlt werden, die dann das Einkommen an ihre Mitglieder verteilen. Um sicherzustellen, dass es fair und genau verteilt wird, müssen die meisten Sender angeben, welche Musik sie ausgestrahlt haben und wie lange diese gespielt wurde. Diese Informationen werden dann von den Gesellschaften verwendet, um die Einnahmen gerecht an ihre Mitglieder zu verteilen. Typischerweise erhält eine Library 50 Prozent des Einkommens (der sogenannte Verlagsanteil), der Komponist erhält die restlichen 50 Prozent. Wie die Lizenzgebühren ist die Vergütung für Aufführungsrechte sehr variabel und abhängig von der Art der Nutzung.

Markt[Bearbeiten]

Der Markt der Produktionsmusik wird von den mit den großen Plattenfirmen und Verlagen verbundenen Libraries dominiert: KPM ist im Besitz von EMI, deren Music Library ist Selected Sound; Universal Music Publishing Group hat die Music Libraries Chappell, Bruton und Atmosphere sowie Firstcom und Killer Tracks unter ihrem eigenen Namen; Extreme Music ist im Besitz von Sony / ATV Music Publishing; und Warner/Chappell (eine Abteilung der Warner Music Group) besitzt Non-Stop Music. Es gibt zahlreiche kleinere Independents auf dem Markt wie Reliable Source Music in Marylebone London, Megatrax Production Music in North Hollywood, CA, Altitude Musik in East London, Vibey Library of London, Musync of San Francisco, Smashtrax Music LLC mit Sitz in Los Angeles, JW Media Music, DirectComposer.Com, West One Music Group mit den eigenen Labels West One Music, The Scoring House, Refuel Music und Fired Earth Music, und Cinephonix Music. In Europa gehören Cézame (Frankreich), ROBA Production Music (Deutschland), UBM Media (Deutschland), Sonoton (Deutschland), Intervox, vormals Filmkunst-Musikverlag (Deutschland), CosMind Production Music (Deutschland), Popvirus Library (Deutschland), Ring Musik (Deutschland); Proud Music Library (Deutschland); Soundiva (Italien), Artful (UK), Audio Network (UK) zu den etablierten unabhängigen Libraries.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://ditc-radio.blogspot.de/2011/06/sendung-04-juni-11.html Radiosendung zum Thema Produktionsmusik
  2. http://luminousmuse.wordpress.com/2010/10/18/a-brief-history-of-library-music/
  3. http://ditc-radio.blogspot.de/search?q=library Neuverwendete Produktionsmusik