Radsturz

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Linkes Rad mit negativem Sturz (Ansicht von hinten)

Radsturz oder Sturz ist ein Begriff aus der Fahrwerkstechnik. Als Sturz bezeichnet man den Winkel zwischen der Radmittelebene und einer Senkrechten auf die Fahrbahn.[1] Man unterscheidet den Sturz zur Fahrbahn und den Sturz bezüglich des Fahrzeugs. Im fahrzeugfesten System ist der Sturz positiv, wenn die Oberseite des Rades nach außen geneigt ist. Bei Einzelradaufhängungen ändert sich abhängig vom Achsprinzip und der Kinematik der Achse der Sturz über dem Federweg. Bei Starrachsen bleibt der Sturz zur Straße bei Kurvenfahrt näherungsweise konstant. Der Sturz in Konstruktionslage wird auch als Grundsturz bezeichnet.

Der Sturz zur Straße wird nach ISO 8855 im Reifen-Koordinatensystem angegeben. Die x-Achse ist die Schnittlinie zwischen Fahrbahn und Radmittelebene und zeigt nach vorn, die z-Achse ist senkrecht zur Straße. Eine Drehung um die x-Achse im Gegen-Uhrzeigersinn (mathematisch positiv) definiert den positiven Sturzwinkel.

Zweck[Bearbeiten]

Reifen können Seitenführungskräfte nur erzeugen, wenn entweder Schräglaufwinkel und/oder Sturz vorhanden ist. Bei Zweirädern wird die Seitenkraft überwiegend durch Sturz (durch „Hineinlegen“ in die Kurve), bei 2-spurigen Kraftfahrzeugen überwiegend durch Schräglaufwinkel erzeugt. Durch Sturz stellt sich eine günstige Spannungsverteilung der Profilteilchen in der Reifenaufstandsfläche ein. Bei PKW wird Grundsturz und Sturzänderung zur teilweisen Kompensation des Sturzwinkels zur Straße eingesetzt, der sich am kurvenäußeren Rad durch die Wankneigung des Fahrzeugs ergibt.

Bei PKW bewirkt ein „negativer“ Sturz aller Räder („breitbeinig dastehen“) dadurch eine höhere maximale Seitenführungskraft in Kurven. Die Druckverteilung in der Aufstandsfläche des Reifens wird gleichmäßiger, da der „Gürtelsturz“ kompensiert werden kann. Ferner erwirkt dieser einen kleineren Schräglaufwinkelbedarf und wird häufig im Automobilsport verwandt. Aber auch als Option erhältliche Sportfahrwerke höher motorisierterer Neufahrzeuge weisen meist einen stärkeren negativen Sturz auf. Bei hohen Fahrgeschwindigkeiten wirkt sich zu großer negativer Sturz nachteilig auf die Lebensdauer und die Tragfähigkeit aus[2]. Werte über zwei Grad werden daher bei PKW nicht empfohlen.

Im Automobilsport gelten die Faustregeln:

  1. Je mehr Seitenführungskraft der Reifentyp aufbauen kann, desto mehr negativer Sturz ist sinnvoll.
  2. Ideal ist die Sturz-Einstellung dann, wenn der Reifen innen minimal wärmer ist als außen.

Je mehr der Sturz von der Senkrechten abweicht, desto mehr wird ein Reifen auf der mehr belasteten Seite bei Geradeausfahrt abgenutzt. Bei negativem Sturz ist dies die Innenseite. Diese einseitige Abnutzung ist im Alltagsbetrieb unerwünscht, weil sie die Laufleistung des Reifens verringert. Sie sollte in der Werkstatt durch eine Sturz- und Spurvermessung überprüft werden und ist meist das Resultat eines Unfalls.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Schramm. Fahrdynamik, Merkblatt zur Vorlesung (PDF; 230 kB)
  2. http://www.felge.de/technik/infos/tragfaehigkeitskennzahl.php