Retusche
Retusche (franz. retouche = ‚Nachbesserung‘) ist die nachträgliche Veränderung einer Oberfläche oder eines Fotos (oft in Handarbeit) beziehungsweise einer Computergrafik. Verwendet wird dieser Begriff in der Fotografie, der Druckformerherstellung, der digitalen Bildbearbeitung, der Optik, der Restaurierung und der Fertigung hochpräziser mechanischer Teile. In der Reprotechnik wurde auch der Begriff des Reproretuscheurs als Berufsbezeichnung verwendet.
Beautyretusche ist dagegen kein Retuschverfahren, sondern eine besondere Form der Fotomanipulation, die sich dafür vieler Retuschetechniken bedient.
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Fotografie [Bearbeiten]
Analoge Retusche:
- Schabretusche: Mit Hilfe von Skalpellen wird die Silberschicht oder Farbschicht eines analogen Bildes entfernt, um störende Stellen zu beseitigen. Die Genauigkeit des Ergebnisses hängt von den Fertigkeiten des Retuscheurs ab. Oft wird diese Retusche mit der Pinselretusche kombiniert.
- Pinselretusche: Mit sehr feinen Pinseln und spezieller Farbe werden analoge Bildträger übermalt. Dabei findet in der Regel keine deckende Bemalung, sondern ein lasierendes Einfärben der Bildteile statt. Die Genauigkeit des Ergebnisses hängt von den Fertigkeiten des Retuscheurs ab. Früher wurden dazu oft Eiweißlasurfarben (sog. Keilitzfarbe) und Marderhaarpinsel benutzt. Heutzutage werden auch andere Materialien verwendet.
- Luftpinsel: Für großflächige Korrekturen oder Bildverbesserungen werden Luftpinsel (kleine Spritzpistolen) eingesetzt und mit dünnflüssigen schwarzen, weißen oder bunten Lasurfarben oder Deckweiß Flächen, Verläufe und Hintergründe angelegt. Bildelemente können dabei mit Schablonen aus individuell zugeschnittenen, abdeckenden Zelluloidfolien ausgespart werden. Die zum Zerstäuben notwendige Druckluft stammt aus Stahlflaschen mit komprimierter Kohlensäure oder ortsfesten Kompressoren. [1]
- Positivretusche: Positivretuscheur war ein Ausbildungsberuf (heute Mediengestalter) in der grafischen Druckformenherstellung. Mit den Mitteln der analogen Retusche beseitigte er Fehler oder unerwünschte Bildteile, verstärkte Kontraste oder glättete zu stark gekörnete fotografische Vorlagen, bevor er sie zur Aufnahme an den Reproduktionsfotografen weiterreichte.
- Negativretusche ist eine Technik, die bereits aus den 1870er Jahren stammt. Hier werden bereits die (großformatigen) fotografischen Kontaktnegative manuelle durch mechanische oder chemische Nachbehandlung korrigiert um den gewünschten Effekt zu erzielen. Manuelle Arbeitsmittel sind Pinsel oder Bleistift, chemische Farmerscher Abschwächer mittels kompressem Wattebausch. Nicht zu behandelnden Bildteile werden mit einem Abdecklack geschützt. [2]
Digitale Retusche:
- Kopierretusche: Einzelne Bildelemente werden kopiert und auf andere Bildteile übertragen. Die Stärke und andere Kriterien der Kopie können frei gewählt werden.
- Pinselretusche: Mittels einer frei gewählten Farbe werden Bildteile übermalt. Die Deckkraft und andere Kriterien können frei gewählt werden.
Retusche dient drei Verwendungszwecken:
- Ausfleckretusche: In Bildern finden sich oft störende Flecken, meist entstanden durch Schmutz während der Reproduktion oder der fotografischen Aufnahme. Mit Hilfe der oben genannten Techniken werden diese Flecken beseitigt.
- Schärfeveränderung: Retusche war eine der ersten Techniken zur Verbesserung des subjektiven Schärfeeindrucks. Mittels Pinselretusche wurden die für den Schärfeeindruck wichtigen Bilddetails (meist Augen und Konturen) zart nachgezeichnet.
- Fotomanipulation: Durch Retusche können die Bildaussagen von Fotos manipuliert werden. Dabei kann es sich um die Fertigung faltenfreier Gesichter oder das Entfernen unerwünschter Personen handeln. In jedem Fall werden die Grenzen zur Realität immer mehr verwischt, zum anderen können diese Methoden zum Nutzen oder zum Schaden anderer Menschen eingesetzt werden. Eine spezielle Form ist die Beautyretusche.
Philatelie [Bearbeiten]
In der Philatelie versteht man unter Retusche das Nachgravieren oder Ausbesserns eines Fehlers auf der Druckplatte oder einzelner Klischees. Durch diese Überarbeitung kann man aber nicht nur Gravurfehler beseitigen, sondern auch eine bessere Druckwirkung erzielen. Abnutzungserscheinungen und Druckschäden werden ebenfalls so beseitigt.
Durch Nachgravierungen bzw. Retuschen werden so neue Bogentypen geschaffen. Diese sind besonders für Spezialsammler interessant. Neue Plattenfehler können ebenfalls beim Retuschieren verursacht werden.
Der Retuscheur der Druckplatten ist im Allgemeinen der Stecher der Briefmarke. Die Retuschen werden manuell vorgenommen.
Weblinks [Bearbeiten]
- Interview mit dem Retuscheur Pascal Dangin: Fotos lügen nie, Weltwoche, Ausgabe 17/2009
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Hans K. Kerner: Lexikon der Reprotechnik, Reinhard Welz, 2007 ISBN 978-3-86656554-8, S. 581 f. (bei Google-Books einsehbar)
- ↑ Hans K. Kerner: Lexikon der Reprotechnik, Band 2, Reinhard Welz, 2007 ISBN 978-3-86656536-4, S. 3 (bei Google-Books einsehbar)