Sächsische I TV

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Dieser Artikel befasst sich mit den für die Windbergbahn beschafften Lokomotiven der Gattung I TV. Für die bereits 1890 beschafften zwei Lokomotiven - die später ebenso in die Gattung I TV eingeordnet wurden - siehe Sächsische M I TV
I TV
DR-Baureihe 98.0
98 001 am 27. August 1983 in Freital-Hainsberg
98 001 am 27. August 1983 in Freital-Hainsberg
Nummerierung: 98 001 – 98 015
Anzahl: 18
Hersteller: Sächsische Maschinenfabrik, Chemnitz
Baujahr(e): 1910 bis 1914
Ausmusterung: bis 1967
Bauart: B'B' n4vt
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Länge über Puffer: 11.624 mm
Leermasse: 50,4 t
Dienstmasse: 60,5 t
Reibungsmasse: 60,5 t
Radsatzfahrmasse: 15,4 t
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Indizierte Leistung: 540 PSi
Treibraddurchmesser: 1.260 mm
Steuerungsart: Heusinger
Zylinderanzahl: 4
ND-Zylinderdurchmesser: 570 mm
HD-Zylinderdurchmesser: 360 mm
Kolbenhub: 630 mm
Kesselüberdruck: 13 bar
Anzahl der Heizrohre: 199
Heizrohrlänge: 3.700 mm
Rostfläche: 1,60 m²
Strahlungsheizfläche: 6,8 m²
Rohrheizfläche: 92,5 m²
Verdampfungsheizfläche: 99,28 m²
Wasservorrat: 5,0 m²
Brennstoffvorrat: 2,1 t
Bremse: Westinghouse

Als Gattung I T\textstyle \mathfrak{V} bezeichneten die Königlich Sächsischen Staatseisenbahnen die Tenderlokomotiven der Bauart Meyer, welche speziell für die krümmungsreiche Windbergbahn beschafft wurden. Die Deutsche Reichsbahn ordnete die Lokomotiven 1925 in die Baureihe 98.0 ein.

Geschichte[Bearbeiten]

Nahe bei Dresden betrieben die Kgl. Sächs. Staatseisenbahnen mit der Windbergbahn eine vorrangig dem Kohleverkehr dienende Nebenbahn, welche neben einer starken Neigung auch über Kurvenhalbmesser von nur 85 Metern verfügte. Um die Jahrhundertwende reichte die Leistung der bislang eingesetzten Lokomotiven der Gattung VII T nicht mehr aus. Ursachen dafür waren sowohl der einsetzende Ausflugsverkehr als auch steigende Transportmengen im Kohletransport. Zwischen 1910 bis 1914 lieferte die Sächsischen Maschinenfabrik insgesamt 18 Lokomotiven der Bauart Meyer, welche in ihrer Bauart den bewährten Schmalspurlokomotiven der Gattung IV K weitgehend glichen. Im Volksmund wurden sie als „Windberglok“ oder „Kreuzspinne“ bezeichnet.

Drei Exemplare gingen im Ersten Weltkrieg verloren; die Deutsche Reichsbahn übernahm 1920 die verbleibenden 15 Lokomotiven und gab ihnen die Nummern 98 001 bis 98 015. Wie alle Lokomotiven der Baureihe 98 wurden die Maschinen somit als Lokalbahnlokomotiven eingestuft.

1940 übernahm die Reichsbahn eine weitere an die Oberhohndorf-Reinsdorfer Kohleneisenbahn gelieferte Lokomotive dieser Bauart und vergab an sie die Betriebsnummer der zu diesem Zeitpunkt bereits ausgemusterten 98 015.

Denkmal für die Windbergbahn in Form der Lok 98 014 aus Sandstein gemeißelt, nahe dem Schloss Burgk in Freital

Zwölf Maschinen überstanden den Zweiten Weltkrieg und wurden auch weiterhin auf ihrer Stammstrecke eingesetzt, wo sie unter anderem vor den Uranerzganzzügen nach Dresden-Gittersee Verwendung fanden. Erst mit den Lokomotiven der DR-Baureihe V 60 (später Baureihe 106, heute 346) mit Spurkranzschmierung konnten die Lokomotiven Ende der 60er Jahre auf der kurvenreichen Strecke abgelöst werden. 1967 sind die letzten Exemplare dieser Baureihe ausgemustert worden.

Die 98 001 (ex I TV 1394) blieb bis heute erhalten und gehört zum Bestand des Verkehrsmuseums Dresden. Sie befindet sich zur Zeit als Leihgabe im Sächsischen Industriemuseum in Chemnitz.

Technische Merkmale[Bearbeiten]

Die Lokomotiven besaßen einen aus zwei Schüssen gefertigten Langkessel. Der Stehkessel war mit halbrunder Decke der Bauart Crampton ausgeführt. Zur Kesselspeisung dienten zwei nichtsaugende Injektoren der Bauart Friedmann. Ab 1914 wurden auch solche der Bauart Winzer verwendet.

Die Dampfmaschine war als Vierzylinder-Verbundtriebwerk mit Heusingersteuerung und Flachschiebern ausgeführt. Die kleineren Hochdruckzylinder befanden sich am vorderen, die größeren Niederdruckzylinder am hinteren Drehgestell. Die Drehgestelle waren durch ein Kuppeleisen verbunden, um etwaige gegenläufige Schlingerbewegungen zu verringern.

Der Wasservorrat war in seitlichen Behältern untergebracht, die Kohle in einem Kasten hinter dem Führerhaus.

Die Lokomotiven waren ab Werk mit einer Westinghouse-Druckluftbremse, ergänzt durch eine Wurfhebelbremse, ausgestattet. Als Sonderausrüstung waren sie mit einem Dampfläutewerk der Bauart Latowski versehen.

Literatur[Bearbeiten]

  • Fritz Näbrich, Günter Meyer, Reiner Preuß: Lokomotivarchiv Sachsen 2. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1983, bzw. Alba Publikation Alf Teloeken GmbH + Co KG, Düsseldorf, ISBN 3-87094-096-4
  • Erich Preuß, Rainer Preuß: Sächsische Staatseisenbahnen, transpress Verlagsgesellschaft mbH, Berlin 1991, ISBN 3-344-70700-0
  • Rainer Scheffler: Über die "Kreuzspinnen" der Windbergbahn. in: Modelleisenbahner 30(1981)3, S. 75/76
  • Jürgen Schubert: Die Windbergbahn. transpress VEB Verlag für Verkehrswesen, Berlin 1982, bzw. alba Verlag, Düsseldorf, ISBN 3-87094-202-9
  • Günther Reiche: Richard Hartmann und seine Lokomotiven. Oberbaumverlag, Chemnitz 1998, ISBN 3-928254-56-1