Samenstrang

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Der Samenstrang (lat. Funiculus spermaticus) ist ein Bündel von Leitungsstrukturen für den Hoden, der bei den Säugetieren ausgebildet ist, die einen Hodenabstieg in den Hodensack zeigen. Er erstreckt sich vom inneren Leistenring (Anulus inguinalis profundus)[1] bis an den Hodenkopf. Er wird von einer Tunica serosa umgeben, der außen Bindegewebe (Fascia spermatica interna) anliegt. Die Serosa bildet, ähnlich wie bei Bauchorganen, ein kurzes Gekröse (Mesofuniculus spermaticus).

Anatomie[Bearbeiten]

Im Samenstrang verlaufen:

An den Samenstrang legt sich der Hodenhebermuskel (Musculus cremaster) an. Zudem verlaufen mit dem Samenstrang der Ramus genitalis des Nervus genitofemoralis, der Nervus ilioinguinalis, die Arteria und Vena cremasterica und Lymphgefäße von den oberflächlichen Leistenlymphknoten (Lnn. scrotales).

Die Hüllen des Samenstrangs sind Abkömmlinge der Faszien und Muskeln der Bauchwand. Die Schichten von außen nach innen sind:

Rankenkonvolut und -geflecht[Bearbeiten]

Sowohl Hodenarterie als auch -vene knäueln sich oberhalb des Hodens stark auf und sind eng miteinander verflochten. Die Aufknäuelung der Arterie bezeichnet man als Rankenkonvolut, die der Vene als Rankengeflecht (Plexus pampiniformis, von lat. pampinus = der frische Trieb des Weinstocks, die Weinranke[2]). So ist z. B. beim Hausrind auf einem Samenstrangabschnitt von etwa 13 cm Länge ein 2 m langes Arterienstück untergebracht. Dadurch entsteht eine sehr große Kontaktfläche zwischen Vene und Arterie.

Rankenkonvolut und -geflecht fungieren als Wärmeübertrager nach dem Gegenstromprinzip. Das ankommende arterielle Blut wird vom aus dem Hoden kommenden venösen Blut abgekühlt, das venöse wieder angewärmt. Dies spielt eine wichtige Rolle bei der Thermoregulation im Hodensack, denn die Spermatogenese kann nur bei einigen Grad unter der Körperinnentemperatur befruchtungsfähige Spermien erzeugen.

Unblutige Sterilisation[Bearbeiten]

Bei Tieren mit beutelförmigen Hodensäcken (Wiederkäuer), kann man den Samenstrang durch die Wand des Hodensacks quetschen und so eine Verlegung der Blutgefäße und des Samenleiters erzielen. Der Hoden wird somit von seiner Blutversorgung abgeschnitten und stirbt ab, die Tiere sind somit nicht mehr befruchtungsfähig (Sterilisation). Gelegentlich wird dies auch als „unblutige Kastration“ bezeichnet, allerdings ist dies nicht exakt, denn eine Kastration ist die Entfernung der Hoden.

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. K. L. Moore Clinically Oriented Anatomy 2006, ISBN 0781736390, Seite 220
  2. Georges: Ausführliches lateinisch-deutsches Handwörterbuch, Hannover 1918