Sankt Nimmerlein
Sankt Nimmerlein ist ein erfundener Heiligenname, der umgangssprachlich verwendet wird, um nach ihm einen Termin zu benennen der niemals eintreten wird, den „Sankt-Nimmerleins-Tag“.
Ihren Ursprung hat diese Redensart in der im deutschsprachigen Raum seit dem frühen Mittelalter bestehenden Gewohnheit, Termine in Urkunden nicht mit ihrem kalendarischen Datum, sondern mit dem Namen des nach katholischem Heiligenkalender dem jeweiligen Tage zugeordneten Heiligen zu bezeichnen (siehe: Urkunden des Mittelalters und der Frühen Neuzeit). Für den Rechtsalltag ländlicher Regionen hatten als für jeweilige Aufgaben bestimmte Los- oder Stichtage festgelegt, die sich an den Heiligenfesten orientierten. So etwa für die Einstellung (Darstellung des Herrn) oder Entlassung von Gesinde und die Fälligkeit von Verträgen oder Arbeiten, zum allgemeinen Erntebeginn am Johannistag oder Peter und Paul, dem Beginn des Getreideschnitts Jakobstag oder der Herbstaussaat am Matthäitag.[1][2]
Gleichbedeutende Ausdrücke sind
- St. Nimmers[3], Nimmermehrstag
- „an den griechischen Kalenden“ abgeleitet aus lateinisch ad Kalendas Graecas[3]
Nach einem Urteil des Amtsgerichtes Bad Tölz aus dem Jahre 1920 wurde vom Gericht ausgelegt: Da der „Heilige Nimmerlein“ nicht im Kalender verzeichnet ist, müsse für seinen Namenstag der Tag Allerheiligen (1. November) anzusehen sein, der für alle die Heiligen, die keinen eigenen Namenstag haben, begangen wird. Aus juristischer Sicht war diese eher humoristisch motivierte Entscheidung allerdings verfehlt, da sie einen Verstoß gegen § 133 BGB „Auslegung einer Willenserklärung“ darstellt. Zivilgerichte sind hiernach verpflichtet, den wirklichen Willen zu erforschen und nicht an dem buchstäblichen Sinne des Ausdrucks zu haften. Dies hieße hier, daß der Terminus entsprechend seiner umgangssprachlichen Bedeutung mit nie zu übersetzen wäre.
Siehe auch [Bearbeiten]
Literatur [Bearbeiten]
- ↑ Manfred Becker-Huberti: Feiern, Feste, Jahreszeiten, Lebendige Bräuche im ganzen Jahr. Freiburg 2001
- ↑ Hans-Helmar Auel: Unentdeckte Feiertage. Göttingen 2000
- ↑ a b Jacob Grimm und Wilhelm Grimm: Deutsches Wörterbuch. Stichwort: Nimmerlein. (online, abgerufen am 9. August 2012).