Schauplatz

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Ein Schauplatz ist wörtlich ein „Ort, auf den sich die Blicke richten“. Ein Synonym dafür ist Ort der Handlung. Die Begriffe werden in zwei unterschiedlichen, aber oft überlappenden Bedeutungen verwendet: Sie können den Ort bezeichnen, an dem sich eine erzählte oder gespielte Handlung vollzieht (Diegese), oder den Aufführungsort einer Theaterszene, beziehungsweise die Orte des Erzählens, Schreibens oder Lesens.

Der Schauplatz eines Films unterscheidet sich oft vom Drehort, und der Schauplatz eines Theaterstücks ist zumeist nicht der Aufführungsort: Bei einem Theaterstück, das in Venedig spielt und in Berlin aufgeführt wird, ist Berlin der Schauplatz der Aufführung und Venedig der Schauplatz der aufgeführten Handlung.

Auch in der Literatur spielt diese Unterscheidung eine Rolle: Der Schauplatz einer Erzählung unterscheidet sich mehr oder weniger von den Aufenthaltsorten der Erzähler, des Schriftstellers und der Leser, auch wenn sie ihre Aufmerksamkeit auf diesen entfernten Platz richten. Wenn man ein Geschehen unabhängig von Orten definiert, an denen es stattfindet („Mord“), dann bezeichnet man einen konkreten Ort der Ausführung als Schauplatz (vgl. Tatort). Daher überlappen sich die Begriffe widersprüchlich, was in Fiktionen oft beabsichtigt ist.

Im Theater und im Film wird der Ort der Handlung durch die Ausstattung beziehungsweise das Szenenbild vermittelt. Die Atmosphäre des realen Aufführungs- oder Drehorts spielt ebenfalls eine Rolle, obwohl sie sich meist vom Ort der dargestellten Handlung unterscheiden. Sogar eine am „Originalschauplatz“ nachgestellte Handlung unterscheidet sich – zumindest zeitlich – von ihrem Vorbild.

In beiden Bedeutungen kann der Ort der Handlung sowohl festgelegte Ortschaften als auch weniger genau lokalisierte, eher atmosphärische Orte (Wälder, Jahrmärkte usw.) bezeichnen. Die Letzteren transportieren ein Lokalkolorit, das dem Thema oder Genre entspricht. – Während klassische Horrorfilme oft in Burgen oder Schlössern spielen, ist der Ort der Handlung von Heimatfilmen oder -romanen eine landschaftliche oder dörfliche Umgebung. Im Theater wirkt die Bühnenmaschinerie mit der Dekoration zusammen, filmische Aufzeichnungen können durch Spezialeffekte und Visuelle Effekte die Charakteristik des Handlungsortes unterstützen (mit Nebel beispielsweise eine unheimliche Atmosphäre). Eine wichtige Rolle für die Charakterisierung spielt zudem die akustische Atmo.

Neben dem Ort der Handlung sind auch die Personen der Handlung (Personage, Dramatis personae) für ein Spiel von Bedeutung und werden zusammen mit ihm auf der ersten Seite von Dramen oder Drehbüchern aufgeführt.

Rechtswissenschaft[Bearbeiten]

In der Rechtswissenschaft dient der Begriff des Handlungsorts im Deliktsrecht und Strafrecht der Abgrenzung zum Erfolgsort (Ort an dem ein Rechtsgut durch die Handlung verletzt wird). Fallen Handlungsort und Erfolgsort auseinander liegt ein Distanzdelikt vor. Dies spielt eine Rolle für die Bestimmung der Zuständigkeit, insbesondere wenn unterschiedliche Staaten beteiligt sind (siehe Unerlaubte Handlung und Lex loci delicti).

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Ettedgui: Produktionsdesign, Berlin: Rowohlt 2001. ISBN 9783499606632
  • Hartmut Winkler: Der filmische Raum und der Zuschauer, Heidelberg: Winter 1992. ISBN 9783533044970
  • Sebastiano Serlio: Von den Szenen oder Schauplätzen, in: Texte zur Theorie des Theaters, hg. Klaus Lazarowicz und Christopher Balme, Stuttgart: Reclam 1991, S. 409–416. ISBN 3-15-008736-8