Schulterherein

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Das Schulterherein gilt in der klassischen Reitkunst als eine der Schlüssellektionen. Hier wird überprüft, inwieweit das Pferd auf die Hilfen reagiert. Während in der Reitlehre der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) das Schulterherein erst ab Lektionen der Schwierigkeitsstufe M abgefragt wird, wird es in der klassischen Reitlehre schon sehr früh in der Ausbildung eingesetzt. Es hat sowohl eine versammelnde als auch eine lösende Wirkung. Betrachtet man ein Pferd im Schulterherein von vorn oder hinten, so sieht man es gebogen auf mehreren Hufschlägen gehen; die Deutsche Reitlehre verlangt drei (d.h. die mittleren, diagonalen Beinpaare decken sich optisch), andere Reittraditionen, wie etwa die der Wiener Spanische Hofreitschule, führen diese Lektion auch auf vier Hufschlägen aus. Die Einführung des Schulterherein in die Reitlehre wird François Robinchon de la Guérinière (1688-1751) zugeschrieben, der diese Lektion für eine der wichtigsten Übungen hielt. Manche ziehen die Linie der Einführung auch bis William Cavendish, 1. Herzog von Newcastle (1592-1676), der wiederum auf Antoine de Pluvinel (1555-1620) fußt. Das Schulterherein kann, bevor es unter dem Reiter trainiert wird, dem Pferd erst einmal an der Hand beigebracht werden.

Schulterherein dient der Gymnastizierung der Hinterhandmuskulatur und fördert damit das Vermögen des Pferds, sein Gewicht vermehrt mit den Hinterbeinen tragen zu können. Es kann auf geraden und gebogenen Linien geritten werden, wobei entsprechend der gymnastischen Zielsetzung darauf zu achten ist, dass das "innere" Hinterbein unter den Rumpf tretend Last aufnimmt und nicht das Pferd versucht, sein Gewicht vermehrt mit dem außeren Vorderbein zu tragen (das sogenannte Fallen auf die äußere Schulter, spürbar an einem Absinken des Vorderbeins bei seinem Aufsetzen.

Beim Schulterherein wird das Pferd zunächst nach innen gestellt und wird dann durch einen inneren seitwärtstreibenden Schenkel und einen äußeren verwahrenden Schenkel zu seitlichen Bewegungen gebracht. Die Gewichtsverteilung des Reiters erfolgt durch seinen Sitz, wobei in der deutschen Schule "innen" mehr Gewicht liegen soll, in der iberischen und französischen Schule hingegen "außen". Abstellung und Versammlung des Pferdes werden in erster Linie durch den äußeren Zügel und den inneren Schenkel beeinflusst. Der äußere Zügel führt das Pferd außerdem in die gewünschte Richtung und verhindert eine zu große Abstellung oder ein Ausfallen über die äußere Schulter.

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