Schwangerschaftsdauer

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Klassifikation nach ICD-10
O09.0! Weniger als 5 vollendete Wochen
O09.1! 5 bis 13 vollendete Wochen
O09.2! 14. Woche bis 19 vollendete Wochen
O09.3! 20. Woche bis 25 vollendete Wochen
O09.4! 26. Woche bis 33 vollendete Wochen
O09.5! 34. Woche bis 36 vollendete Wochen
O09.6! 37. Woche bis 41 vollendete Wochen
O09.7! Mehr als 41 vollendete Wochen
O09.9! Nicht näher bezeichnet
ICD-10 online (WHO-Version 2013)

Die Schwangerschaftsdauer oder Tragzeit bezeichnet den Zeitraum einer normalen Schwangerschaft, also die durchschnittliche, für eine einzelne, beendete Schwangerschaft rückblickend auch tatsächliche Zeit zwischen Konzeption und Geburt.

Die Kenntnis der Schwangerschaftsdauer dient unter anderem der Bestimmung des sogenannten Geburtstermins, abgekürzt auch ET für den errechneten Termin. Der errechnete Termin gibt für eine eingetretene Schwangerschaft das wahrscheinliche Datum des durchschnittlichen Tragzeitendes an. Der Zeitraum des Termins umfasst die drei Wochen vor und die zwei Wochen nach dem errechneten Termin.[1]

Grundlagen und Definitionen[Bearbeiten]

Die Schwangerschaft einer Frau dauert von der Konzeption bis zur Geburt durchschnittlich 266 Tage, also 38 Wochen. Weil aber der genaue Zeitpunkt der Konzeption (also der Tag der Verschmelzung von Spermium und Eizelle) oft nicht bekannt ist, haben sich zwei unterschiedlich definierte Zeitrechnungen etabliert. Entweder rechnet man ab dem Tag der Empfängnis (p. c. = post conceptionem) oder ab dem ersten Tag der letzten Regel (p. m. = post menstruationem). Eine Umrechnung ist möglich (p. c. plus 14 ist p.  m.), führt aber zu Ungenauigkeiten.

Die Benennung der einzelnen Tage erfolgt dabei nach einem Code, der die Zahl der Wochen und die Zahl der zusätzlichen Tage enthält. „37W3“ bedeutet also 37 Wochen und 3 Tage.

post conceptionem (p. c.)[Bearbeiten]

Dieser Begriff stammt aus dem Lateinischen (post „nach“ und conceptio „Empfängnis“) und bezeichnet die Dauer einer Schwangerschaft ab dem Tag der Empfängnis (Imprägnation). Das Schwangerschaftsalter wird in abgeschlossenen Entwicklungswochen und -tagen (p. c.) angegeben, beispielsweise bei den gesetzlichen Regelungen zum Schwangerschaftsabbruch in Deutschland (§ 218a StGB).

post menstruationem (p. m.)[Bearbeiten]

Dieser Begriff ist ebenfalls lateinischen Ursprungs (menstruare „den Monatsfluss haben“, zu menstruus „monatlich“) und bezeichnet die Dauer einer Schwangerschaft ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung (Menstruation). Diese Rechnung wird in Mutterpässen und in der Klinik verwendet und ebenfalls in vollendeten Schwangerschaftswochen und -tagen angegeben. Hierbei wird von einer Periode von 28 Tagen ausgegangen, die Befruchtung tritt hier ungefähr am 14. Tag des Zyklus ein. Nach dieser Definition dauert eine durchschnittliche Schwangerschaft 280 Tage, also 40 Wochen. Diese Rechnung bezieht also die ungefähren zwei Wochen vor der Imprägnation ein (Individuelle Unterschiede bei der Zyklusdauer können mit der erweiterten Naegeleregel berücksichtigt werden, siehe unten).

Methoden zur Bestimmung des Schwangerschaftsalters[Bearbeiten]

Der tatsächliche Geburtsbeginn hängt von vielen Faktoren wie zum Beispiel dem Alter der Mutter, dem Vorliegen einer Ein- oder Mehrlingsschwangerschaft sowie äußeren Umständen ab. In der Praxis werden folgende zwei einfache Methoden zur Bestimmung des durchschnittlichen Schwangerschaftsendes angewandt.

Berechnung[Bearbeiten]

Mit der Naegele-Regel wird das durchschnittliche Schwangerschaftsende in Abhängigkeit vom Beginn der letzten Periode errechnet: Vom ersten Tag der letzten Periode plus 280 Tage oder vom ersten Tag der letzten Regel plus ein Jahr minus drei Monate plus sieben Tage. (Schwangerschaftsdauer 40 Wochen). In die erweiterte Naegele-Regel wird zusätzlich die Zyklusdauer einbezogen, wenn sie sich regelmäßig von den durchschnittlichen 28 Tagen unterscheidet.

Das resultierende Datum entspricht dem errechneten Geburtstermin (EGT). An dem errechneten Tag kommt nach der Statistik der höchste Prozentsatz der Kinder auf die Welt (5,5 Prozent, siehe unten), das bedeutet aber auch, dass 94,5 Prozent der Kinder nicht am errechneten Termin geboren werden.

Ultraschalluntersuchung (Sonographie)[Bearbeiten]

Bei der Ultraschall-Untersuchung werden einige Körperstrukturen des Embryos beziehungsweise Feten gemessen, wie beispielsweise die Gesamtlänge (Scheitel-Steiß-Länge) der Schädeldurchmesser oder die Länge der Oberschenkelknochen. Anhand dieser ist durch Vergleich mit Statistiken eine Abschätzung des Schwangerschaftsalters und damit des wahrscheinlichen Schwangerschaftsendes möglich. Die Messung der Scheitel-Steiß-Länge (SSL) in der Embryonalzeit (1. Trimenon, bis zum Ende der 12. Schwangerschaftswoche p.m.) gilt als genaueste Methode, das Schwangerschaftsalter festzustellen,[2] danach werden die Schädeldurchmesser und die anderen Maße wichtiger, die Bestimmung des errechneten Termins mit steigendem Gestationsalter (Schwangerschaftsalter) aber wegen individueller Wachstumsunterschiede immer ungenauer.

Folgen der Bestimmung des errechneten Geburtstermines[Bearbeiten]

Nach dem errechneten Termin wird in Deutschland der Beginn des Mutterschutzes festgelegt.

Statistisches[Bearbeiten]

Alle im Folgenden angegebenen Daten entsprechen Angaben des schweizerischen Bundesamtes für Statistik.

Zum Geburtstermin[Bearbeiten]

Verteilung des Schwangerschaftsalters der Spitalgeburten in der Schweiz 2006.
Geburtswahrscheinlichkeiten der Spitalgeburten in der Schweiz 2006 (siehe Text für Interpretation).
  • Rund 90 Prozent aller Kinder kommen zwischen vollendeter 37. Woche und vollendeter 42. Woche zur Welt: Sie werden „termingeboren“ genannt. Etwa neun Prozent werden vor diesem Zeitraum geboren, das heißt sie sind Frühgeburten, und nur etwa ein Prozent kommen danach zur Welt und werden als übertragene Geburten bezeichnet. Dabei ist zu beachten, dass der natürliche Verlauf hier fast immer beeinflusst wird, um eine Übertragung zu verhindern.
  • nur etwa vier Prozent der Geburten fallen tatsächlich auf den ET oder EGT.
  • Die Verteilung des Geburtszeitspunktes sieht man in der nebenstehenden Statistik. Von den insgesamt 71990 Geburten wurden für die Grafik nur diejenigen ausgewertet, bei denen der EGT plausibel und der durch Ultraschall bestimmte Geburtstermin nicht mehr als eine Woche vom EGT abwich. Es blieben so noch 55905 auswertbare Geburtstermine.
  • Zwei daraus abgeleitete Wahrscheinlichkeitsberechnungen zeigt die Grafik darunter. Beispiele zur Interpretation der Werte:
    • blaue Kurve: "Bis zum EGT (d.h. 40W+0T) haben knapp 60 Prozent aller Schwangeren bereits geboren" "Nur 20 Prozent aller Schwangeren gebären vor 38W+2T" Etc.
    • gelbe Kurve: "Für eine Schwangere zum Zeitpunkt 40W+0T besteht eine Chance von knapp 13 Prozent, an diesem Tag zu gebären. Findet keine Geburt statt, steigt die Wahrscheinlichkeit täglich an: zum Zeitpunkt 42W+0T hat die Schwangere dann sogar eine Chance von etwa 55 Prozent, an diesem Tag zu gebären.

Zum Wochentag der Geburt[Bearbeiten]

  • Am Wochenende kommen signifikant weniger Kinder zur Welt (durchschnittliche Geburtenanzahl pro Tag 2004: 151) als von Montag bis Freitag (durchschnittliche Geburtenanzahl pro Tag 2004: 191). Der Grund liegt in der Beeinflussbarkeit des Geburtszeitpunktes durch menschliches Handeln, insbesondere in der steigenden Zahl der geplanten Schnittentbindungen an den Wochentagen.
  • Leicht höhere Geburtenraten als die anderen Wochentage erzielen Mittwoch und Freitag (Erhebung 2004)

Zur Geburtsstunde[Bearbeiten]

  • Am häufigsten mit rund acht Prozent werden Kinder zwischen acht und neun Uhr morgens geboren. Hier ist wohl bei geplanten Entbindungen der jeweils dann angesetzte Kaiserschnitt der Grund für die Häufung.
  • Zu allen anderen Tagesstunden liegt der Prozentsatz bei vier bis fünf Prozent. Die wenigsten Kinder kommen in der Nacht zwischen zwei und drei Uhr auf die Welt (3,2 Prozent). (Erhebung 2004)

Quellen[Bearbeiten]

  1. Goeckenjan M. u. Vetter K. in Die Geburtshilfe. 3. Auflage, Springer Heidelberg 2006, Seite 188
  2. Sohn, Ch. et al. Ultraschall in Gynäkologie und Geburtshilfe. 2. Auflage, Thieme, Stuttgart 2003, ISBN 3-13-101972-7, Seite 66 f