Seduction of the Innocent

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Seduction of the Innocent (dt.: die Verführung der Unschuldigen) ist ein 1954 erschienenes Buch des deutsch-amerikanischen Psychiaters Fredric Wertham. Hierbei wurden Comics als jugendgefährdend und als Anstiftung zum Verbrechen kritisiert. Zusammen mit Kefauver-Hearings, in denen Comicverleger und -zeichner öffentlich befragt wurden, bildete es den Höhepunkt einer gegen Comics gerichteten Kampagne zu Beginn der 1950er Jahre. Infolgedessen kam es zur Einführung des Comics Code, einer Selbstkontrolle führender US-amerikanischer Comicverlage.[1]

Inhalt[Bearbeiten]

In seinem Buch kritisierte Wertham US-Comics als jugendgefährdend, gewaltverherrlichend und moralisch verkommen. Fokus seiner Kritik war besonders der Verlag EC Comics, in dem viele Pulp-, Horror- und Gruselgeschichten erzählt wurden. Ferner griff er die drei populären Superhelden Superman, Batman und Wonder Woman an, die drei wichtigsten Titel von DC Comics. Für Wertham war Batman ein „homosexueller Pädophiler“, und verwies auf seine enge Bindung mit seinem jungen Mündel Robin. Superman galt als Beispiel für Gewaltverherrlichung und Blasphemie, und die starke, emanzipierte Wonder Woman wurde als „unverkennbar lesbisch und männerfeindlich“ herausgestellt. Zudem führte Wertham an, dass Wonder Womans Zauberlasso ein Vagina-Symbol darstellte.[2]

„Superman bringt Kindern Allmachtsfantasien bei … Batman-Geschichten sind homosexuell und pädophil … und Wonder Woman ist sein lesbisches, männerfeindliches Gegenstück.“

Fredric Wertham[3]

Bei Wonder Woman waren die Beobachtungen nicht ganz unberechtigt. Wonder-Woman-Autor William Moulton Marston war als Feminist bekannt und hatte eine Vorliebe für Bondage, so dass er gerne Fesselelemente in seine Comics einbaute.[4] Batman-Autor Grant Morrison meinte 2012, dass Batman „viele schwule Facetten“ hätte, unter Fans gilt es als running gag, Batman und Robin (nicht ganz ernst gemeint) als Homo-Pärchen zu bezeichnen.[2]

Wie durch neuere wissenschaftliche Studien bekannt wurde, sind die Daten von Wertham so verändert worden, dass sie zu seinen Thesen passen.[5]

Auswirkungen[Bearbeiten]

Werthams Werk traf vor dem Hintergrund der McCarthy-Ära und der Panik der US-Bürger vor unamerikanischen Elementen einen Nerv und verkaufte sich gut. Comics wurden als jugendgefährdend gebrandmarkt, wodurch ein öffentlicher Druck entstand, von staatlicher Seite gegen die Comic-Verlage vorzugehen. 1949 war bereits in Kanada ein Gesetz erlassen wurden, dass die Herstellung und Verbreitung von Crime-Comics mit zwei Jahren Freiheitsentzug belegte. Um ähnlichen Gesetzen in den USA zuvorzukommen, führten die US-amerikanischen Comicverlage mit dem Comics Code ein gemeinsames Regelwerk ein und gründeten mit der Comics Magazine Association of America (CMAA) eine freiwillige Selbstkontrolle, die über die Einhaltung des Codes wachte und Prüfsiegel vergab. Infolge der Selbstzensur konnten viele bis dahin erfolgreiche Titel, insbesondere des Verlags EC Comics, nicht weitergeführt werden. Verkaufszahlen gingen zurück und große Verlage strichen viele kleinere Titel, jedoch nicht bedeutende Serie wie Superman, Batman und Wonder Woman, kleinere Comicverlage mussten entweder fusionierten oder aufgeben.[1]

Wertham selbst entwickelte in den 1970er Jahren ein Faible für Comics, so dass er 1973 das Buch The World of Fanzines schrieb, in der er Comic-Fanzines als „nützliche Kreativität“ lobte.

Popkultur[Bearbeiten]

In einer Folge von Die Liga der Gerechten (DC Comics) führt der sensationsgierige Talkshowmaster Glorious Gordon Godfrey ein Buch namens The Innocent Seduced von Dr. Frederic vor, das angeblich beweist, dass die Liga der Gerechten kriminell und jugendgefährdend ist.

Ausgaben[Bearbeiten]

  • Fredric Wertham: Seduction of the Innocent, Amereon Ltd, 1956, (Neuauflage: Main Road Books, 2004, ISBN 0-8488-1657-9)

Sekundärliteratur[Bearbeiten]

  • Robert S. Warshow: The Study of Man: Paul, the Horror Comics, and Dr. Wertham, 1954
  • R.C. Harvey: Wertham Revisited: Seduction in the Eighties. Comics Journal 106 (3/1986): 72-90, 95.
  • Ami Nyberg: Seal of Approval: The History of the Comics Code, University Press of Mississippi, 1998, ISBN 0-87805-975-X
  • Carol L. Tilley: Seducing the Innocent: Fredric Wertham and the Falsifications That Helped Condemn Comics, Information & Culture: A Journal of History, Volume 47, Number 4, 2012, S. 383-413

Quellen[Bearbeiten]

  1. a b Andreas C. Knigge: Comics - Vom Massenblatt ins multimediale Abenteuer, S. 141 f. Rowohlt, 1996.
  2. a b Batman ist schwul – und das schon seit 60 Jahren, Die Welt Online
  3. Seduction of the Innocent, Kapitel “I Want to be a Sex Maniac”. Originalzitat: “One boy said about Superman, ‘It teaches “crime does not pay” - but it teaches crime.’ Another said, ‘Superman is bad because they make him sort of a God.’ Still another, ‘Superman is bad because if the children believe Superman they will believe most anything.’ (…) Several years ago a California psychiatrist pointed out that the Batman stories are psychologically homosexual. Our researches confirm this entirely. Only someone ignorant of the fundamentals of psychiatry and of the psychopathology of sex can fail to realize a subtle atmosphere of homoerotism which pervades the adventures of the mature ‘Batman’ and his young friend ‘Robin.’ (…) The Lesbian counterpart of Batman may be found in the stories of Wonder Woman and Black Cat. The homosexual connotation of the Wonder Woman type of story is psychologically unmistakable. [It] which portrays extremely sadistic hatred of all males in a framework which is plainly Lesbian. (…) Where Batman is anti-feminine, the attractive Wonder Woman and her counterparts are definitely anti-masculine.”
  4. Suffering Sappho! A Look At The Creator & Creation of Wonder Woman, CBR
  5. Carol Tilley: Seducing the Innocent: Fredric Wertham and the Falsifications that Helped Condemn Comics. erschienen in : Information & Culture 47 (4): 383–413. 2012.

Weblinks[Bearbeiten]